Garten der Vielfalt

Biodiversität von Blütenpflanzen und Insekten
Klatschmohn, Feinstrahl u.a. Blütenpflanzen bieten Insekten Nahrungsgrundlagen
Vielfalt im Garten - ökologisch wertvoll und ästhetisch ansprechend

Seit über 20 Jahren wird das Gelände am Klausenpfad Heidelberg als Aktions- und Modellgelände zur Umweltbildung genutzt. Die Fläche von 5800 m² wurde der Hochschule von dem Land Baden-Württemberg bzw. einem kirchlichen Träger zur Pacht überlassen.

Seit seinem Bestehen werden im Ökogarten Bildungsanliegen verfolgt, die von einer Vernetzung ökologischer Fragen mit sozialen Aspekten menschlichen Handelns ausgehen. Der Ökogarten Heidelberg beteiligt sich seit Jahren am Prozess der Agenda 21 in Heidelberg. Er ist Mitglied des Rundes Tisches BNE Heidelberg, der sich im Rahmen der internationalen Dekade Bildung für Nachhaltige Entwicklung formierte, sowie überregionaler Arbeitskreise, die sich für BNE engagieren. Der Ökogarten Heidelberg engagiert sich in besonderem Maße für die Erhaltung der Biodiversität. Modernes Artenwissen ist letztlich Kompetenz zur Gestaltung von Biotopen. Dies kann im Ökogarten geübt werden.

Das Gelände und die darauf stattfindenden Projektaktivitäten wurden bis 1999 im Rahmen verschiedener Forschungsvorhaben betreut. 1999 gelang es, eine langfristige Lösung zu etablieren. Anprechpartnerinnen sind Frau Prof. Dr. Lissy Jäkel (Leiterin des Gartens, Fakultät III, Dozentin im Fach Biologie) und Frau Dipl. Ing. agr. Barbara Dresel (Akademische Rätin in der Fakultät III, Fach Biologie). Frau Ingeborg Schwardt verstärkte das Team bis März 2010. Derzeit bereichert Frau Dr. Kiehne aus der Projektgruppe "Experts in Education" das Team.

Der Garten bietet eine breite Vielfalt unterschiedlicher Biotope und sozialer Begegnungsräume mit Lernmöglichkeiten zur Gestaltung und Nutzung der belebten Umwelt durch uns Menschen. Waldartige Areale im hinteren schattigen Teil des Gartens ermöglichen das Erleben des jahreszeitlichen Wandels von dem Erblühen der Frühjahrsgeophyten bis zum schattigen Blätterdach im Sommer. In diesem Bereich wurde ein Sinnespfad installiert, der allerdings einer jährlichen Erneuerung bedarf. Wirtschaftlich genutzte Flächen wechseln sich ab mit Erholungsräumen oder Experimentierflächen. Honigbienen und Blütenpflanzen gehören ebenso zum Konzept der Vielfalt wie ein "Grünes Klassenzimmer" und ein Lehmbackofen, Kompostplätze, eine Streuobstwiese, Kräuterbeete oder kleine Teiche.

Die Verantwortlichen für den Garten betrachten es als Aufgaben:

  • zu zeigen, wie Landschaftsgestaltung im städtischen Bereich funktionieren kann,
  • übergreifende Ansätze zu entwickeln, wie Gestaltungskompetenz nachhaltig gebildet werden kann,
  • Projektveranstaltungen für Studierende anzubieten, die Inhalte der Studienordnungen umsetzen,
  • ein Modellgelände für die Erprobung praktischer Umweltbildung mit Schülerinnen und Schülern bereitzustellen,
  • die Zusammenarbeit mit der Heidelberger Öffentlichkeit zu pflegen (z. B. mit Schulen, Heidelberger Kleingärtnern, der Stadtverwaltung und dem Agendabüro),
  • einen Lernort im Freien für Studierende verschiedener Fächer anzubieten (z.B. Erziehungswissenschaft, Sachunterricht, Biologie, Technik, Politikwissenschaft, Kunst u.a.), wo in angenehmer emotionaler Atmosphäre gelernt oder auch entspannt werden kann.

Diese Ziele ordnen sich ein in den Prozess der Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Wir orientieren uns dabei an dem Modell der Gestaltungskompetenz nach Rost und De Haan. Gestaltungskompetenz meint die Fähigkeit und Bereitschaft, in einem komplexen System mit verschiedenen Handlungsmöglichkeiten solche auszuwählen, die das System in möglichst nachhaltiger Richtung verändern. Wir beziehen Gestaltungskompetenz auch auf den Umgang mit dem eigenen Körper, also auf Gesundheitsbildung.

Umfangreiche Informationen zum BNE-Prozess findet man auf der Internetseite des Landes Baden-Württemberg zu BNE.

Bildung für nachhaltige Entwicklung

BNE- Projekt Logo

Die Vereinten Nationen haben die Jahre von 2005 bis 2014 zur Weltdekade Bildung für nachhaltige Entwicklung ausgerufen. Damit haben sich die UN-Mitgliedsstaaten verpflichtet, in diesen 10 Jahren besonders intensiv das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung in der Bildung zu verankern. Der Deutsche Bundestag hat im Juli 2004 einstimmig die Bundesregierung aufgefordert, die Dekade in Deutschland unzusetzen. Auf der Grundlage des Bundestagsbeschlusses koordiniert die Deutsche UNESCO-Kommission die Dekade in Deutschland. Sie hat dazu (nach eigenen Angaben) eine Koordinierungsstelle eingerichtet. Ziel der Dekade ist es danach, das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung weltweit in Kindergärten, Schulen, Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen zu verankern. Bildung für nachhaltige Entwicklung will allen Menschen die Kompetenzen vermitteln, die notwendig sind, um globale Probleme vorherzusehen, sich ihnen zu stellen und diese zu lösen.

Eine Entwicklung ist dann nachhaltig, wenn sie die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, das zukünftige Generationen ihre Bedürfnisse nicht befriedigen und dabei ihren Lebensstil wählen können. (nach Hauff 1987).

Dimensionen einer nachhaltigen Entwicklung sind: die ökologische Dimension, die ökonomische Dimension, die soziale Dimension, die kulturelle Dimension sowie die globale Dimension.

In Projekten des Ökogartens wie "Zeitreise - Mensch nutzt Natur" oder Landschaftsgestaltung im menschlichen Siedlungsraum wird diese Verknüpfung der Dimensionen an konkreten Lebensfragen zum Thema von Bildungsprozessen sowie konkreten Gestaltungssituationen gemacht. Denn Gestaltungs- und Handlungskompetenz werden nicht nur theoerisch (in den Lehrveranstaltungen der Hochschule), sondern in konkreten Anwendungsfeldern als Teil eines wissenschaftlichen Lehramtsstudiums erworben. Dabei werden nicht nur wirtschaftliche Zusammenhänge berücksichtigt, sondern auch soziale Interaktion und Verständnis konkreter ökologischer Zusammenhänge gefördert.

Leitbilder der nachhaltigen Entwicklung sind beispielsweise:

Die Grenzen (von Ressourcen) als Chance erkennen;

Rechtes Maß für Raum und Zeit;

Gut leben statt viel haben!

Internationale Gerechtigkeit und globale Nachbarschaft;

Von linearen zu zyklischen Produktionsprozessen.

Wie beispielsweise beim Thema Haltung von Honigbienen (siehe interaktive Lernmodule) im Detail erkennbar, ist ein nachhaltiger Umgang mit Organismen in der Landwirtschaft zugleich auch ein Wirtschaftsfaktor im Obst- und Gemüsebau sowie Garant für hervorragende Lebensmittelqualität von biologischen Produkten und fördert die Erhaltung biologischer Vielfalt in der Landschaft.

Bildung ist eine unerlässliche Voraussetzung für die Förderung der nachhaltigen Entwicklung und die Verbesserung der Fähigkeit der Menschen, sich mit Umwelt- und Entwicklungsfragen auseinanderzusetzen. (Agenda 21, Kapitel 36, 1992)

Die internationale Vereinbarung zur Agenda 21 wurde 1992 in Rio unterzeichnet.

Wir meinen: Sinnvolle Projekte zur nachhaltigen Bildung erfordern eine solide ökologische Bildung mit naturwissenschaftlicher Fundierung. Wer erfolgreich und kompetent handeln will, muss die Chance haben, dies auch zu üben und die Folgen seinens Tuns wahrzunehmen und mit anderen zu kommunizieren. Dezu bekommt man im Ökogarten der PH vielfältige konkrete Möglichkeiten. 

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