Verstehen lehren
Projektbeschreibung
'Verstehen lehren' ist der Titel eines Werkes Martin Wagenscheins, das in seinem Lebenswerk zentral steht. 'Verstehen' bezieht sich dabei nicht nur auf das zu verstehende Phänomen [Phänomenographie], sondern ist auf Einwurzelung angewiesen ('Phänomen' und 'Einwurzelung' werden hier in dem von Wagenschein einerseits verwendeten - anspruchsvollen - Sinn verwendet). Hierzu hat Wagenschein die Methode des genetisch-sokratisch-exemplarischen Lehrens entwickelt. Er steht mit diesem pädagogischen Grundanliegen freilich nicht allein. Chemie- und Physikunterricht an Waldorfschulen und anderen reformpädagogischen Schulen, John Holmes' 'Topic Work' u.a. sind Beispiele dafür. Allen derartigen Ansätzen gemeinsam ist die ganzheitliche Sicht auf Unterricht.
'Regeneratives Lernen' nannte es Wagenschein andererseits, wenn im Sinne seines 'genetischen' Lernens der ungestörte Weg vom kindlichen zum wissenschaftlichen Denken post festum thematisiert wird. Da sich vor allem auch für den Chemieunterricht herausstellt, daß in ihm nicht so sehr Naturerkenntnis, als vielmehr der Umgang mit diesem bereits systematisch vorgeformten Wissen (die Wissenschaft 'Chemie' als Kulturleistung) gelehrt werden soll, lag es nahe, eine Begriffsbildungsmethodik im Unterricht zu entwickeln, die primär von vorgefundenen wissenschaftlichen Begriffen ausgeht.
Ziel der Forschungsarbeit ist es sowohl - insgesamt -, derartige Didaktiken des 'Verstehen Lehrens' zu beschreiben, zu erproben und weiterzuentwickeln, als auch einzelne schwierige naturwissenschaftliche Unterrichtsthemen (etwa ‚Atome', ‚Energie') im Sinne eines Verstehenden Lehrens für den Unterricht aufzuarbeiten und zu erproben [siehe auch Chancen und Grenzen "moralischer" Erziehung]
Verschiedene Unterrichtseinheiten eines solchen regenerativen Verstehen lehrens wurden entwickelt, etwa "Wieviele Wasserarten gibt es?" (Thematisierung des chemischen Stoffbegriffs auf dem Hintergrund der lebensweltlichen Begrifflichkeit), "Der Sprung zu den Atomen" (Einführung in die Atomistik oder Thematisierung der Atome auf dem Hintergrund des Lavoisierschen Elementsbegriffs). "Gold machen" (Entwicklung zentraler chemischer Grundbegriffe im Sokratischen Gespräch.)
Ausgewählte Publikationen
- Buck, Peter (1997):
Einwurzelung und Verdichtung - Tema con variazione über zwei Metaphern Wagenscheinscher Didaktik. Dürnau: Verlag der Kooperative Dürnau
- Buck, Peter und Kranich, Ernst-Michael [Hrsg] (1995):
Auf der Suche nach dem erlebbaren Zusammenhang - Übersehene Dimensionen der Natur und ihre Bedeutung für die Schule.
In: Weinheim: Beltz Verlag, darin besonders: "Wieviele Wasserarten gibt es?" S. 46-49
- Buck, Peter:
Verstehen lehren statt Begriffe einprägen.
In: Chemie in der Schule (Berlin), 40 (1993) S. 134-139
- Buck, Peter: (1994): Die Teilchenvorstellung - ein "Unmodell",
In: Chemie in der Schule (Berlin), 41 (1994) S. 412-416, sowie:
Buck, Peter: (1994): Wie kann man die "Andersartigkeit der Atome" lehren?
In: Chemie in der Schule (Berlin), 41 S. 460-469
- Buck, Peter und Fladt, Rüdiger:
Ein Dialog über die Funktion der Teilchenmodelle im Chemieunterricht
In: Chemie in der Schule 43 (1996) S. 69-72
- Buck, Peter:
Der Sprung zu den Atomen. In: physica didactica 14 (1987) S. 41-45
- Buck, Peter:
Die Thematisierung von Energie im Chemieunterricht. In: chimica didactica 7 (1981) S. 103-124
- Buck, Peter (1996): Gerda Freise:
'Chemieunterricht kann nicht in der Art des von Martin Wagenschein beschriebenen Lehrens und Lernens stattfinden' - der Briefwechsel zwischen Freise und Wagenschein, Teile I und II,
chimica didactica 22 S. 347-365 und S. 366-378
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