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Prof. Dr. Michael Schallies

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Erstellt von : Markus Rehm

Zugriffsmodi / Phänomenographie


Projektbeschreibung

Chemische Fachbegriffe (etwa 'Stoff', 'Reaktion', 'Element', 'sauer') entstammen einem anderen Kontext als lebensweltliche Begriffe gleichen Wortnamens. Andere Begriffe (etwa 'Atom', 'Elektronegativität') besitzen zwar kein lebensweltliches Korrelat, werden aber durch vermittelte Modellvorstellungen, Vergleiche u.ä. trivialisiert und in einen pseudo-lebensweltlichen Vorstellungsrahmen eingeordnet.

Im Chemieunterricht wird herkömmlicherweise der zutreffende Fachkontext vermittelt, die dabei auftretenden Kollissionen mit, und Lernbehinderungen durch lebensweltliche Begriffe werden aber vielfach gering geachtet oder ignoriert, weil das Ausmaß des Unterschiedes beider Kontexte unterschätzt oder nicht gesehen wird. (vgl. auch Verstehen lehren)

Das Erlernen chemischer Fachbegriffe wird nicht nur durch Wortverständnis son-dern auch durch weitere Parameter gesteuert. Mit einem "Koordinatensystem naturwissenschaftlicher Begriffsbildung" wurde versucht, die wichtigsten Parameter zu erfassen. Neben der Koordinate "Sprache" spielt beim Erkennen chemischer Begriffe vor allem auch die Koordinate "Zugriffsmodus" eine wichtige Rolle: Beispiele für (immer polar auftretende) Zugriffsmodi sind 'Erhaltungsdenken < -- > Verwandlungsdenken', 'atomistisches Denken < -- > ganzheitliches Denken'.

Mit der Interpretation klinischer Interviews ausgewählter chemischer Phänomene sowie durch eine verschiedenen Schulstufen umfassende Befragung nach finiten und infiniten Teilbarkeitsvorstellungen (die zu Atomen bzw. zu unendlich teilbaren "Objekten" führen) wurde untersucht, inwieweit das Antwortverhalten der Probanden konsistent und definierten Zugriffsmodi zuordnungsfähig ist. Die Auswertungen legen nahe, daß eine Determinierung durch Zugriffsmodi nicht ge-geben ist, jedenfalls nicht im Regelfall. Wir sind zu der Überzeugung gelangt, daß auch von der von der Sache her eine starke Wirksamkeit der 'Zugriffsmodi' als begriffsbildende Instanzen dazu führen würde, daß Lernprozesse der Mathematik bzw. der Chemie/Physik erheblich erschwert würden, daß man also entweder für Mathematik oder für Chemie/Physik begabt wäre, je nachdem ob man finitem oder infinitem Denken zugeneigt wäre. Die Lernfähigkeit von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ist ja gerade dann besonders groß, wenn die "Geistes-kraft" (Poincaré), wenn der begriffsbildende Zugriff flexibel ist und nicht festge-legt auf Polaritäten.

Die Zugriffsmodi haben durch diesen empirischen Ausschluss einer möglichen Psychogenese nunmehr in erster Linie die Funktion von phänomenographischen Beschreibungsinstrumente erhalten. In diesem Sinne haben wir das Konstrukt 'Zugriffsmodus' dazu verwendet, charakteristische "physikalische" und "chemische" Denkweisen gegeneinander zu kontrastieren und konzentrieren uns momentan auf die Forschungsmethodik der Phänomenographie.

Ausgewählte Publikationen
  • Buck, Peter (1988):
    Koordinaten naturwissenschaftlicher Begriffsbildung.
    In: Wiebel, K.H. (Hrsg.): Zur Didaktik der Physik und Chemie 1987, Leuchtturm-Verlag Alsbach, Bd. L9 S. 177-179

  • Buck, Peter:
    Präzise und exakte Begriffsbildung.
    In: chimica didactica 16 (1990) S. 223-225.

  • Buck, Peter:
    Präzise und Exakte Begriffsbildung - oder: Was die Chemiker mit ihrer Formel- und Fachsprache notorisch übersehen und terminologisch unberücksichtigt lassen.
    In: P. Janich und N. Psarros [Hrsg]: Die Sprache der Chemie. Würzburg: Königshausen & Neumann (1996) S. 3-12

  • Buck, Peter (1993)
    Kontinuums- und Diskontinuumsvorstellungen - über eine alternative Interpretati-onsmöglichkeit der Untersuchung von Stavy und Tirosh aus chim. did. 1/1993
    In: chimica didactica Bd. 19 S. 160-171

  • Buck, Peter, Stavy, Ruth und Tirosh, Dina (1995)
    Die Teilbarkeit eines Gegenstandes und einer Strecke - eine Untersuchung über die Konsistenz von Schülerantworten. In: chimica didactica Bd. 21, S. 215-227

  • Buck, Peter (1996)
    Über physikalische und chemische Zugriffsmodi.
    In: Zeitschrift für Didaktik der Naturwissenschaften, Bd. 2 Heft 3, S. 25-28

  • Buck, Peter, Johnson, P., Fischler, H., Peuckert, J., Seifert, S. (2000)
    The Need for and the Role of Metacognition in Teaching and Learning the Par-ticle Model.
    In: H. Behrendt, H. Dahncke, R. Duit, W. Gräber, M. Komorek, A. Kross, P. Reiska, Research in Science Education - Past, Present and Future. Dordrecht, The Netherlands: Kluwer Acadamic Publishers, pp. 225-234

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