Leitfaden für die Anfertigung wissenschaftlicher ArbeitenZum Aufbau einer wissenschaftlichen Arbeit (z. B. einer Bachelor-Arbeit)1 Allgemeine und prüfungsordnungsbezogene HinweiseHier werden noch allgemeine und auf die Prüfungsordnung bezogene Hinweise erfolgen. 2 Aufbau2.1 Allgemeine Hinweise 3 Formale Gestaltung3.1 Allgemeine Hinweise 2 Aufbau2.1 Allgemeine Hinweise2.1.1 Empirische ArbeitenBei der Anfertigung empirischer Arbeiten ist es üblich, zuerst die Frage zu klären, was untersucht werden soll. Dann muss dargestellt werden, auf welche Art und Weise die Untersuchung durchgeführt wurde. Darauf folgt die Darstellung der Ergebnisse. Die Arbeit schließt mit der Interpretation und Diskussion, d.h. einer Erläuterung bzw. Erklärung der Ergebnisse. Die Zusammenfassung soll derjenigen Leserin* einen raschen Überblick vermitteln können, die z.B. wissen möchte, ob die Arbeit das enthält, was sie hinter dem Titel vermutet. Es ergibt sich somit als „Gerüst“ für die Gliederung:
Die einzelnen Punkte werden im folgenden ausführlicher erläutert. 2.1.2 „Literaturarbeiten“ (theoretische Arbeiten)Arbeiten, die sich mit dem theoretischen Vergleich verschiedener Theorien/Theorierichtungen befassen - sogenannte Literaturarbeiten - können im Prinzip das gleiche Gliederungsschema anwenden:
2.2 FragestellungEinleitend ist die Fragestellung so zu formulieren,
dass auch ein Leser, der sich mit diesem speziellen Problem noch nie
befasst hat, sich eine Vorstellung von dem machen kann, was untersucht
werden soll. (Es ist zumeist vorteilhaft, einen Gliederungspunkt „Einleitung“
der Fragestellung voranzustellen, in der die spezielle Thematik der
Arbeit in einen größeren Zusammenhang einzuordnen ist.)
Soweit möglich sollte die Fragestellung von einem allgemeineren
Zusammenhang theoretischer und praktischer Art die Gründe ableiten,
warum die Frage gerade in der vorliegenden Form aufgenommen wurde.
Dazu ist es meistens notwendig, einen knappen, übersichtlichen
Bericht über bereits vorliegende Untersuchungen, deren Methoden
und Ergebnisse zu geben („Stand der Forschung“). Abschließend
ist die Fragestellung so zu präzisieren, dass Voraussagen über
den Ausgang der Untersuchung (Hypothesen) gemacht werden können. 2.3 MethodeMit diesem Kapitel beginnt die Darstellung der eigenen Untersuchung. Leitlinie für den Grad der Ausführlichkeit sollte sein, einer fachkundigen Leserin die Möglichkeit zu geben, die Untersuchung nachzuvollziehen. Klare Darstellung und sachliche Richtigkeit der Methode bestimmen weitgehend den Wert einer empirischen Arbeit. Im Methodenkapitel sind die Teilnehmer an der Untersuchung (Probanden, Schüler, Schülerinnen o.ä.) zu kennzeichnen hinsichtlich der für die Untersuchung relevanten Merkmale. (Als wichtig sind vor allem auch solche Fakten zu betrachten, die möglicherweise einen verzerrenden bzw. kovariierenden Einfluss auf die Ergebnisse haben könnten.) Der Ablauf der Untersuchung ist so genau wiederzugeben, dass klar ersichtlich ist, in welcher Reihenfolge was von den untersuchten Personen verlangt wurde. Außerdem ist eine genaue Wiedergabe der verwendeten Instruktionen (soweit nicht Standardinstruktionen veröffentlichter Tests) notwendig. Die einzelnen Materialien/Tests o.ä., die verwendet wurden, werden hier dargestellt (Operationalisierung der zu untersuchenden Variablen). Es ist deutlich zu machen, welche Messwerte von den untersuchten Personen erhoben wurden und welchen Auswertungsschritten sie unterzogen werden. Zusammenfassend ergeben sich also in der Regel folgende Unterabschnitte:
2.4 Ergebnisse Hier sind die Resultate der zuvor beschriebenen Auswertungsschritte
mitzuteilen, also etwa die Mittelwerte und ihre Unterschiedsprüfung,
Korrelationskoeffizienten usf. Die Ergebnisse werden hinsichtlich
der aufgestellten Hypothesen bewertet. Die Daten sind hier also nicht
in ihrer „Rohform“, d. h. so, wie sie aufgenommen wurden,
anzugeben, sondern in „verarbeiteter“ Form. Der Abstraktheitsgrad
der Ergebnisdarstellung wird bestimmt durch das, was der Interpretation
zugrundegelegt werden soll bzw. was zur Interpretation benötigt
wird. 2.5 Diskussion/InterpretationHier soll die Verfasserin darstellen, wie sie sich
das Zustandekommen ihrer Ergebnisse erklärt. Dabei sind die eigenen
Ergebnisse in Zusammenhang zu bringen mit dem, was in der Fragestellung
über bereits vorliegende Untersuchungen berichtet wurde. Die
Ergebnisse sind auf die dort aufgestellten Hypothesen zu beziehen.
Wichtig ist hier auch, die von der Verfasserin durchschaubaren Einschränkungen
der Gültigkeit der Ergebnisse aufzuzeigen. In der Zusammenfassung soll zu jedem einzelnen Gliederungsabschnitt
der Arbeit ganz kurz das Nötigste ausgeführt werden, was
man braucht, um entscheiden zu können, ob man als Leser an dieser
Arbeit interessiert ist. 2.7 LiteraturverzeichnisIm Literaturverzeichnis sind nur die Arbeiten anzuführen, auf die im Text Bezug genommen wurde. Es ist zumeist nicht erwünscht, hier eine Bibliographie zusammenzustellen. Es muss aber jeder Autor und jede Autorin zu finden sein, die als Hilfe herangezogen wurden. 3 Formale Gestaltung3.1 Allgemeine HinweiseVon jeder Arbeit sind zwei (bei wissenschaftlichen
Hausarbeiten) bzw. drei (bei Diplomarbeiten) getippte und gebundene
Exemplare abzugeben. Der Zeilenabstand sollte nicht zu eng sein (normalerweise
1 1/2). Eine Ausnahme bilden die Beschriftungen von Tabellen und Abbildungen.
Es ist zweckmäßig, links einen etwa 4-5 cm breiten Rand
zu lassen, rechts sollten es ca. 1-1.5 cm sein. Nach Empfehlung des
Senates der Pädagogischen Hochschule Heidelberg im Sommersemester
1998 sollen die Arbeiten aus ökonomischen und ökologischen
Gründen zweiseitig bedruckt
werden.
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Tabelle 6 |
Häufigkeiten des Einsatzes von Testverfahren in der Dysgrammatismus-Diagnostik (f: absolute, %: relative Häufigkeiten in Prozent) |
|||||||
|
Schule A |
Schule B |
Schule C |
Gesamt |
||||
Art des Testinstruments |
f |
% |
f |
% |
f |
% |
f |
% |
Intelligenztest |
13 |
72 |
29 |
100 |
18 |
90 |
60 |
90 |
Wahrnehmungstest |
4 |
22 |
20 |
69 |
- |
- |
24 |
36 |
Schulreifetest |
6 |
33 |
23 |
79 |
13 |
65 |
42 |
63 |
Sprachentwicklungstest |
11 |
21 |
72 |
- |
- |
23 |
34 |
|
Lautprüfung |
3 |
17 |
24 |
83 |
13 |
65 |
40 |
60 |
Dysgrammatikertest |
1 |
6 |
8 |
28 |
9 |
50 |
18 |
27 |
Gesamt |
|
18 |
|
29 |
|
20 |
|
67 |
Die Beschreibung der Abbildung oder Tabelle (Überschrift) wird bei Tabellen oberhalb der Tabelle (s.o.), bei Abbildungen unterhalb der Darstellung positioniert. Beispiel für eine Abbildung:

Abbildung 1 |
Verschiedene sprachliche Leistungen (Aufgaben aus IDIS) schwer sprachentwicklungsgestörter Kinder in Abhängigkeit vom Geschlecht |
3.6 Zitate und Abkürzungen
Jeder Gedanke, der in einer Arbeit niedergeschrieben wird, muss nach seiner Herkunft gekennzeichnet werden. Wenn keine ausdrückliche Kennzeichnung erfolgt, bedeutet dies, dass der ausgeführte Gedanke von dem Verfasser als eigener aufgefasst wird oder dass er bereits Allgemeingut geworden ist. Die Wiedergabe von Literaturstellen kann sinngemäß erfolgen (siehe Beispiel 1) oder als wortgetreue Wiederholung (= Zitat). Zitate sind in Anführungszeichen zu setzen, und es ist eine genaue Angabe darüber zu machen, wo das Zitat entnommen wurde. Dazu ist die Literaturstelle mit Seitenangabe anzugeben (siehe Beispiele 2 und 3). Das soll auch geschehen, wenn es sich um eine sinngemäße Wiedergabe handelt; lediglich bei Darstellung des Inhalts bzw. Grundgedanken eines ganzen Buches oder Artikels genügt die Literaturangabe ohne Seitenzahl. Abkürzungen ohne Erläuterung sind im allgemeinen zu vermeiden. Bei so gebräuchlichen Abkürzungen wie Vp (Versuchsperson; Plural: Vpn) oder Pb (Proband; Plural: Pbn) oder solchen, die in der deutschen Schriftsprache allgemein üblich sind, kann man jedoch darauf verzichten. Einführen kann man eine Abkürzung, indem man bei der ersten Verwendung des betreffenden Wortes die Abkürzung in Klammern beifügt. Abkürzungen sind immer dann sinnvoll, wenn ein verwendeter Begriff besonders häufig wiederkehrt, zu viele Abkürzungen können das Lesen einer Arbeit zum Ratespiel werden lassen.
3.7 Literaturangaben im laufenden Text
Im allgemeinen genügt es, Literaturangaben im
Text mit dem Namen des Autors und dem Erscheinungsjahr der Veröffentlichung
zu kennzeichnen (siehe Beispiel 1).
Beispiele:
- (1) Liebmann (1901) hat als einer der ersten dieses Phänomen als "Agrammatismus infantilis" gekennzeichnet.
- (2) "Dysgrammatismus läßt sich allgemein kennzeichnen als die Unfähigkeit, das morphologische und syntaktische Regelsystem der Muttersprache altersgerecht zu erwerben und/oder zu gebrauchen" (Knura, 1980, S. 24).
- (3) „Man kann nicht nicht kommunizieren“ (Watzlawick et al., 1971, S. 53).
Die Abkürzung „et al.“ (siehe Beispiel 3; aus dem Lateinischen "et alii" [und andere]; deshalb auch kein Punkt nach et !) bedeutet, dass die Arbeit mehr als zwei Verfasser hat. Beim ersten Zitieren im Text müssen alle Autoren (falls nicht mehr als sechs) aufgeführt werden, danach genügt diese Angabe et al. Bei zwei Autoren werden immer beide Namen angeführt. Der Hinweis auf die Seitenzahl entfällt, wenn die Veröffentlichung als Ganzes gemeint ist. Bei zwei Autoren wird bei der Literaturangabe im laufenden Text ein "und" zwischen den Autoren eingefügt (siehe Beispiel 4).
- (4) Wie Kany und Schöler (2007) erläutern, ist ...
Werden die Autoren nur in einer Klammer im Text erwähnt, wie in Beispiel 5, wird das "&"-Zeichen zwischen die beiden Autoren-Namen eingefügt.
- (5) Die Untersuchungen zum Dysgrammatismus (vgl. Dannenbauer, 1983; Füssenich & Gläß, 1985) zeigen ...
Werden zwei oder mehr Arbeiten des gleichen Verfassers verwendet, muss eine Unterscheidung ermöglicht werden, sofern dies nicht durch die Jahresangabe gewährleistet ist. Es werden dann die Arbeiten mit kleinen Buchstaben (a, b, ...) versehen (siehe Beispiel 6).
- (6) Kornmann (1984a, 1984b, 1984c, 1984d, 1984e, 1984f) postulierte immer wieder, ...
3.8 Anmerkungen
Nach dem oben über Zitate etc. Gesagten ergibt sich für Anmerkungen kaum noch eine Notwendigkeit. Alle Informationen, die zur Arbeit gehören, sollten im laufenden Text untergebracht werden.
3.9 Literaturverzeichnis
Das Literaturverzeichnis befindet sich üblicherweise
am Ende der Arbeit. Welche Arbeiten dort aufzunehmen sind siehe oben
Abschnitt 2.7.
Die im Literaturverzeichnis aufgenommenen Arbeiten werden nach dem
Nachnamen ihrer Verfasser alphabetisch geordnet. Der Vorname bzw.
die Vornamen werden mit dem Anfangsbuchstaben abgekürzt. Bei
der Titelangabe von Büchern folgt nach dem Verfassernamen das
Erscheinungsjahr in Klammern, der Titel der Veröffentlichung
(nötigenfalls die Bandangabe bei einem Serienwerk), der Verlagsort
und der Verlag (siehe Beispiele 7 bis 9).
- (7) Schöler, H. (1982). Zur Entwicklung des Verstehens inkonsistenter Äußerungen. Frankfurt: R. G. Fischer.
- (8) Grimm, H. & Schöler, H. (1985). Sprachentwicklungsdiagnostik. Göttingen: Hogrefe.
- (9) Schöler, H., Fromm, W. & Kany, W. (Hrsg.). (1998). Spezifische Sprachentwicklungsstörung und Sprachlernen. Heidelberg: Edition Schindele im Universitätsverlag C. Winter.
Bei Zeitschriftenaufsätzen wird nach dem Titel der Zeitschriftenname angegeben, die Nummer des Bandes und die Nummern der ersten und letzten Seite des Aufsatzes (siehe Beispiel 10).
- (10) Schöler, H. & Moerschel, D. (1984). Anmerkungen zu einer Theorie der Sprachbehinderung im Zusammenhang mit der Entwicklung morphologischer Strukturen bei Dysgrammatikern. Die Sprachheilarbeit, 29, 95-109.
Artikel aus Sammelbänden werden wie folgt angegeben: Nach dem Autorennamen und dem Erscheinungsjahr folgen Titel des Artikels, Autoren bzw. Herausgeber des Buches, Titel des Buches, Seitenangaben des Artikels, Verlagsort, Verlag (siehe Beispiel 11).
- (11) Schöler, H. (1985). Überlegungen zum Erwerb morphologischer Strukturformen bei dysgrammatisch sprechenden Kindern am Beispiel des Pluralmorphems. In I. Füssenich & B. Gläß (Hrsg.), Dysgrammatismus (S.165-179). Heidelberg: HVA Edition Schindele.
Hinweis:
Die obigen Zitierhinweise für Quellenangaben im Text und für
die Erstellung des Literaturverzeichnis erfolgten gemäß
den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Psychologie. Detailliertere
Hinweise sind den "Richtlinien zur Manuskriptgestaltung"
zu entnehmen, die 1986 von der Deutschen Gesellschaft für Psychologie
im Hogrefe-Verlag Göttingen
publiziert wurden (2. überarbeitete und ergänzte Auflage
1997, 3. überarb. u. erweiterte Aufl. 2007).
3.10 Anhang
Im Anhang sollte man eine Zusammenstellung der Untersuchungsunterlagen finden können. Dazu gehören Beispiele der verwendeten Materialien, genaue Instruktionen (sofern sie nicht in der Methode exakt dargestellt sind) etc. Außerdem gehört hierhin die Zusammenstellung der gewonnenen Rohwerte, also derjenigen Messwerte, so wie sie vorlagen, bevor sie dem ersten Auswertungsschritt unterzogen wurden.
3.11 Persönliche Erklärung
Auf dem letzten Blatt muss die Verfasserin/der Verfasser erklären, dass sie/er die vorliegende Arbeit selbstständig und ohne unerlaubte fremde Hilfe angefertigt hat. Diese Erklärung ist mit Datum zu versehen und handschriftlich zu unterzeichnen. Die wörtlich genaue Erklärung ist im zuständigen Prüfungsamt jeweils nachzufragen.
... und nun viel Spaß bei der Abfassung der Arbeit!
