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Pressemitteilungen |
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November 2008 Kinder sind Deutschlands Zukunft! „Heidelberger Erklärung“ an Staatssekretär „Deutschland tut gut daran, sich verstärkt auf seine Kinder als höchstes Gut und bedeutendste Ressource zu besinnen und den Schatz früher Jahre bestmöglich zu behüten und zu fördern.“ Mit diesem eindringlichen Appell überreichten Prof. Dr. Jeanette Roos und Prof. Dr. Hermann Schöler jetzt die „Heidelberger Erklärung zur Frühkindlichen und Elementarbildung“ an Gerd Hoofe, Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. „Wir haben in Deutschland einen enormen Nachholbedarf was das Thema frühkindliche Bildung angeht“, sagte Hoofe anlässlich der Übergabe der Erklärung im Bundesfamilienministerium in Berlin. „Lange galt die Zeit vor der Schule als lernfreie Zone. Gerade in dieser Zeit sind aber Kinder neugierig und lernen besonders schnell. Deshalb sollte die Zeit vor der Schule besser genutzt werden, um bereits frühzeitig den Grundstein dafür zu legen, dass Kinder später auf eine höhere Schulen gehen, einen Abschluss machen und qualifizierte Berufe ergreife könnenn. Unsere Gesellschaft hat es lange hingenommen, dass vor allem Kindern aus bildungsfernen Schichten diese Chance verbaut wurde, weil wir die Chancen einer frühen Förderung und Bildung dieser Kinder nicht ausreichend wahrgenommen haben. Der Aufbau der Kinderbetreuung ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Jetzt müssen wir dafür sorgen, dass auch die Qualität der Angebote stimmt“, so Hoofe weiter. Entstanden ist die Erklärung im Rahmen der von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg veranstalteten Tagung „Frühkindliche und Elementarbildung. Bestandsaufnahme und Zukunftsperspektiven“. Zusammen gekommen waren hier nicht nur die führenden Vertreter der frühkindlichen Forschung, sondern auch viele Politiker, Gewerkschafter und Wirtschaftsvertreter wie Prof. Dr. Jürgen Kluge, ehemaliger Chef von Mc Kinsey Deutschland. Unterstützt wird die Erklärung auch vom Staatsinstitut für Frühpädagogik in München sowie vom Niedersächsischen Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung in Osnabrück. Gemeinsam unterstreichen die Tagungs-Teilnehmer, dass die frühkindliche Bildung sowohl unter pädagogischer und psychologischer wie auch unter ökonomischer Perspektive „eine der ertragreichsten Anlagemöglichkeiten in die Zukunft unserer Gesellschaft darstellt“. Da die ersten Jahre entscheidend für die zukünftigen Bildungs- und Entwicklungschancen seien, fordern die Unterzeichner „drastisch verbesserte Rahmenbedingungen“. So sei neben überschaubaren Kindergartengruppen und großzügigen Verfügungszeiten insbesondere eine „Qualifizierungs- und Professionalisierungsoffensive für das pädagogische Fachpersonal“ unabdingbar. Die frühkindliche Bildung müsse als gleichberechtigter Teil des gesamten Bildungssystems anerkannt und mittelfristig auch eine akademische Ausbildung der Erzieherinnen angestrebt werden. „Selbstverständlich“, so Jeanette Ross im Gespräch mit Staatssekretäre Hoofe, „muss dafür deutlich mehr Geld als bisher investiert werden.“ Doch eine gute frühkindliche Bildung vermeide später immense Kosten für Fördermaßnahmen und soziale Transferleistungen. In diesem Sinne sei sie eine „Pflichtaufgabe mit hohem Stellenwert“.
Mai 2008 Workshop „Frühkindliche und Elementarbildung – Bestandsaufnahme und Ausblick“ In einem von der Klaus Tschira Stiftung finanzierten Workshop „Frühkindliche und Elementarbildung – Bestandsaufnahme und Ausblick“ trafen sich über 80 namhafte Expertinnen und Experten aus Hochschulen, Wissenschaft, Politik, Ministerien und Wirtschaft im Studio der Villa Bosch, um vom 10.-12. April über den Stand der Frühkindlichen und Elementarbildung in Deutschland in verschiedenen Panel zu diskutieren. Erfreulicherweise widmen sich Politik und Wirtschaft vermehrt dem Thema Bildung, insbesondere der frühkindliche und Elementarbereich ist in die Diskussion gekommen, und alle Bundesländer haben Bildungs- bzw. Orientierungspläne verabschiedet. Für diese Aufgaben fehlt allerdings Fachpersonal, das durch das bisherige Ausbildungssystem nicht hervorgebracht wurde. Der Anteil der Fachkräfte im Früh- und Elementarbereich, die einen akademischen Abschluss haben, liegt in Deutschland bei unter drei Prozent - ganz anders in europäischen Ländern, die ihre Bildungssysteme nach dem so genannten Sputnik-Schock in den 1960er und 1970er Jahre reformiert haben: Dort ist die Ausbildung für Frühpädagogik meist universitär. Denn die früh- und elementarpädagogischen Aufgabenstellungen gehören sicherlich zu den komplexesten und anspruchsvollsten Tätigkeiten im Bildungssystem und erfordern daher vermehrt Personen, die selbstständig und reflexiv diese vielfältigen Problem- und Aufgabenstellungen bewältigen. Insofern ist letztlich eine Reform unabdingbar, auch bei der Bezahlung, denn diese liegt am unteren Ende der Lohnskala. Ein solches System, in dem auch kaum Aufstiegschancen vorhanden sind, führt nicht dazu, dass sich die besseren Absolventinnen und Absolventen eines Abiturjahrganges, die einen Beruf im Bereich der Bildung anstreben, dem Früh- und Elementarbereich zuwenden. Da die Bezahlung nicht ausreicht, um eine Familie zu ernähren, fehlen Männer in diesem Bildungsbereich, auch als männliche Sozialisationsvorbilder – ein weiteres Manko. Zumindest große Teile der Politik sehen das bisherige Ausbildungssystem im Früh- und Elementarbereich aber immer noch als „exzellent“ an und befürchten nichts mehr als einen Systemwechsel durch eine Veränderung in Richtung einer Akademisierung: „Die neuen Angebote der Pädagogischen Hochschulen dienen der Qualifikation von Personal mit herausgehobener Funktion in der frühkindlichen Erziehung. An der exzellenten Ausbildung an den Fachschulen wird nicht gerüttelt“ (Pressemitteilung der Landesregierung Baden-Württemberg Nr. 209/2007 vom 3. Juli 2007). Dazu im Widerspruch steht allerdings die Fortbildungsinitiative im Orientierungsplan Baden-Württembergs, eine solche wäre dann überflüssig.
Neben wenigen privaten Stiftungen, wie der Klaus Tschira Stiftung, die die Weiterbildung der Erzieherinnen und die Qualitätsentwicklung in den Kindertagesstätten in Heidelberg fördert („QUASI Heidelberg“ und „Mit Kindern die Welt entdecken“) oder der Bosch-Stiftung, die 2003 einen Schwerpunkt „Frühkindliche Bildung“ eingerichtet hat und sich seit 2005 mit ihrem Programm „PiK – Profis in Kitas“ um eine Professionalisierung von Frühpädagoginnen und -pädagogen bemüht, sind nun auch in der Politik erste Anzeichen für ein Umdenken erkennbar. In Baden-Württemberg wurden im Wintersemester 2007/2008 erste Bachelor-Studiengänge an den Pädagogischen Hochschulen zur Ausbildung von Frühpädagoginnen und -pädagogen etabliert. Auch an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg startete der Bachelor-Studiengang „Frühkindliche und Elementarbildung“, zu dem 35 Studierende zugelassen wurden.
Der Workshop sollte dazu beitragen, die vorhandene Expertise im Inhaltsbereich für die akademische Ausbildung von Elementar- und Frühbildnern zu nutzen und zu bündeln, um nicht das Rad immer wieder neu erfinden zu müssen. In den Fachdisziplinen liegen zwar seit Jahrzehnten Erkenntnisse über die Entwicklungs- und Bildungsprozesse von Kindern und die Notwendigkeit einer professionellen Unterstützung und Förderung dieser Prozesse vor, die Bildungspolitik hat eine Reform der Ausbildung bislang aber immer aus befürchteten Kosten unterlassen, ein Fehler, der sich hoffentlich längerfristig nicht rächen wird, denn die Reparaturkosten bei mangelhafter Bildung sind für eine Gesellschaft beträchtlich höher als die Prävention durch ein verbessertes Bildungssystem von Beginn an.
Eine höhere Gewichtung des Bildungsauftrages von Kindertageseinrichtungen allein greift zu kurz. Seitens der Wissenschaft, aber auch seitens der Gewerkschaft und der Wirtschaft wurde eine strukturelle Veränderung und Akademisierung der Ausbildung für unbedingt notwendig erachtet und gefordert. Dazu gehören auch die Integration administrativer und politischer Zuständigkeiten für die Belange von Kindern innerhalb eines Ministeriums und Bemühungen um eine verstärkte bundesweite Kooperation beteiligter Institutionen. Norbert Hocke, Hauptvorstand der Gewerkschaft GEW, meinte dazu in seinem Statement sinngemäß, dass es eines dringenden Perspektivenwechsels in der Bildungsdiskussion bedarf: Es reiche nicht mehr aus, in Sonntagsreden den Stellenwert der frühen Kindheit hervorzuheben, finanziell aber das System der Tageseinrichtungen für Kinder nicht mit mehr Ressourcen auszustatten. Prof. Dr. Jürgen Kluge als Vertreter der Wirtschaft ist ebenfalls davon überzeugt, dass jede Diskussion über Bildung ins Leere läuft, die nicht auch ökonomische Grundlagen berücksichtigt, die Bildung erst ermöglichen.
Allein den Bildungsauftrag von Kindertageseinrichtungen höher zu gewichten, ist ncht ausreichend. Es ist dringend erforderlich, die Elementarbildung als öffentliche Pflichtaufgabe von hohem Stellenwert anzuerkennen. Die weitreichende Gestaltungsfreiheit auf lokaler wie Trägerebene werden einer solchen Anerkennung und Behandlung der Elementarbildung als eine solche öffentliche Pflichtaufgabe nicht gerecht. Sie verlangt ein höheres Maß an staatlicher Steuerung und Absicherung, um ein bedarfsgerechtes, qualitativ hochwertiges Bildungsangebot zu gewährleisten. |
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Prof. Dr. Jeanette Roos überreicht Staatssekretär Gerd Hoofe die Heidelberger Erklärung |
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Staatssekretär Gerd Hoofe (2. V.l.) mit der Heidelberger Erklärung, die er von Prof. Dr. Heidi Keller vom Niedersächsischen Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung(1. v.l) sowie Prof. Dr. Jeanette Roos und Prof. Dr. Hermann Schöler von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg überreicht bekommen hat Quelle Fotos: Bundesfamilieministerium |


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Weitere Informationen zur Übergabe der Heidelberger Erklärung finden Sie auch unter:
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