Ratschläge für gute Referentinnen und Referenten
gefunden bei L. Weißbach, Vorschläge anl. des 24. Kongresses der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. , 20.-23.3.2000 in Berlin)

 

Wenn einer spricht, müssen die anderen zuhören. Das ist Deine Gelegenheit!

   

Überlege Dir, was die Zuhörer erfahren wollen!

Drohe damit, dass Du sagen wirst, was Du sagst, und was Du schon immer gesagt hast ("Sag' ich mal ...", "Ich meine ...", "Ich denke ...")!

   

Vermeide Vorgriffe und Füllwörter!

Lies Deinen Vortrag gesenkten Hauptes möglichst schnell ab!

   

Liefere dem Zuschauer einen unterhaltsamen Beitrag!

Sprich wie Du schreibst! In langen Schachtelsätzen!

   

Formuliere leicht verständlich!

Fang immer bei den alten Griechen an und beziehe stets die genauen geschichtlichen Hintergründe ein!

   

Beschränke Dich auf das Wesentliche!

[ frei nach Tucholsky]

Auditorium

Fragen Sie sich nie, warum Sie ein Publikum haben und was das von Ihnen erwartet! Die meisten Ihrer Zuhörer haben ohnehin keinen Eintritt gezahlt und wollen sich nur von der Industrieausstellung etwas ausruhen.

   

Berücksichtigen Sie die Erwartungshaltung der Zuhörer!

Verschweigen Sie, wer Sie sind, woher Sie kommen und was Sie wollen! Zeigen Sie möglichst wenig Selbstvertrauen! So können Sie anonym bleiben und für den Vortrag nicht verantwortlich gemacht werden (weshalb es sich auch empfiehlt, sechs bis zwölf Co-Autoren anzugeben).

   

Verstehen Sie Ihren Vortrag als ein Treffen mit den Zuhörern und als Gelegenheit des gegenseitigen Kennenlernens.

Outfit

Bevorzugen Sie für Ihre Präsentation ein möglichst offizielles, d.h. förmliches Outfit - am besten einen Smoking mit dunkler Krawatte!

   

Gehen Sie in der Kleidung, in der Sie sich wohlfühlen!

Grundposition

Wenden Sie sich mit dem Rücken zum Auditorium, damit Sie von Kritikern - auch wenn diese immer seltener werden - nicht zu erkennen sind! In dieser Position können Sie besonders gut Ihre Dias ablesen und sich für die bisher nicht entdeckten Schreibfehler entschuldigen!

   

Sprechen Sie mit Ihren Zuhörern und halten Sie Blickkontakt!

Technische Hilfsmittel

Verwechseln Sie den Laserpointer mit dem Mikrophon! Ihr Publikum hört nichts und kann sich entspannt der eigenen Unterhaltung widmen.

   

Kommen Sie früh genug, damit Sie ausreichend Zeit haben, um sich mit Ihren Werkzeugen vertraut zu machen!

Suchen Sie den Einschaltknopf des Laserpointers erst im Dunkeln. Projektionist, Moderator und Auditorium warten nur darauf, Ihnen behilflich sein zu können! Schwenken Sie den Zeiger wie einen Taktstock! Das Publikum wird fasziniert der Spur des Irrlichts folgen!

   

Benutzen Sie den Laserpointer kontrolliert als Hinweishilfe!

Durchführung

Wenn Sie schon eine Struktur bzw. Gliederung vorgeben wollen, dann sollte Ihr Vortrag einer Krimi-Vorstellung gleichen. Bis zum Schluss muss sich der Hörer fragen, was hier Sache ist. Das erzeugt und erhält die Spannung (vielleicht sogar bis zu Ihrer nächsten Präsentation).

   

Lassen Sie Ihre Zuhörer gleich zu Beginn wissen, worauf Sie hinauswollen!

Verweisen Sie in der Mitte Ihres Beitrags bereits auf das nahende Ende (z.B. "Bevor ich zum Schluss komme ...")! Das löst Freude aus! Lassen Sie sich durch "Endlich!"-Rufe nicht stören! Es ist nur der nächste Redner, der Sorge hat, sein Flugzeug zu verpassen.

   

Der Beitrag sollte kürzer sein als der Zuhörer erwartet!

Vortragstechnik

Verweisen Sie immer wieder auf die Vorredner! Unterlassen Sie diskussionsfördernde Maßnahmen! Stellen Sie keine rhetorischen Fragen! Wenn kein Gespräch zustande kommt, können Sie schneller wieder nach Hause fahren.

   

Provozieren Sie mit Ihrem Vortrag eine Diskussion!

Durch besonders schnelles Sprechen können Sie in der - meist viel zu kurzen - verfügbaren Zeit mehr Inhalt unterbringen. Steigern Sie Ihr Tempo so lange, bis Sie ohne Punkt und Komma reden. So schaffen Sie es sicher, das durchschnittliche Sprechtempo - etwa 2,5 Minuten pro DIN A4-Seite - zu unterbieten. Sollten die Hörer Sie nicht verstehen, so können Sie den Nachbarn fragen oder ein Manuskript anfordern, (falls vorhanden, wenn nicht, so schicken Sie einfach das von Ihrem letzten Vortrag).

   

Eine angemessene Sprechgeschwindigkeit fördert die Verständlichkeit!

Dia-Projektion

Der Hintergrund der Dias sollte dunkel sein, dann bleibt auch der Saal dunkel und Sie sehen nicht, wie viele Ihrer Zuhörer schon eingenickt sind.

   

Dias sollen einen hellen Hintergrund haben, um so den Raum zu beleuchten!

Führen Sie mehrere Diasätze mit sich. Mindestens einen in deutscher Sprache, den Sie in Übersee (England, Schottland, Irland) zeigen und einen zweiten in englischer Sprache für das Publikum hier! Das verleiht dem Kongress internationales Flair!

   

Die Dias sollten die Sprache der Zuhörerschaft berücksichtigen!

Sorgen Sie für eine rasche Abfolge von Dias bzw. Folien. Auf die Weise können Sie viel mehr zeigen und etwaige Fehler bleiben unbemerkt! Gewöhnliche Referenten setzen pro Minute ein Schaubild ein. Übertreffen Sie das! Zeigen Sie vier bis sechs!

   

Die Standzeit der Dias richtet sich nach der Komplexität des Inhalts!

Belassen Sie es nicht bei der herkömmlichen Doppelprojektion! Sprechen Sie vorher mit der Kongressleitung die Möglichkeit der Vierfach-Projektion ab! Sollte diese nicht gegeben sein, so nutzen Sie zwei Dias, um simultan Tabellen, Texte oder Diagramme zu zeigen. Kein Mensch kann diese bis zum Bildwechsel zu Ende lesen.

   

Die Doppelprojektion sollte lediglich zum Vergleich von zwei Bildern eingesetzt werden oder den Text bildlich ergänzen!

Wenn Sie Ihren Vortrag gleich komplett auf Dias schreiben, dann hat das zwei Vorteile: 1. Sie können unbemerkt den Vortrag ablesen. 2. Die weiter entfernt sitzenden Hörer erkennen die Schrift nicht. Verstecken Sie möglichst viele Zahlen auf einem Dia und nutzen Sie die gesamte Farbpalette! Sog. RBB-Dias (sprich: Regenbogenbunte Dias) gefallen dem Kunstfreund unter den Besuchern.

   

Ein Dia sollte maximal zehn Zeilen haben und übersichtlich gestaltet sein!

 

Schluss

Vermeiden Sie am Schluss Ihres Vortrags Hinweise und Vorschläge! Bringen Sie einen völlig neuen abschließenden Gedanken. Alternativ dazu können Sie auch auf vier Diapositiven eine mehrteilige Zusammenfassung en detail anbieten.

   

Helfen Sie dem Zuhörer! Bringen Sie Ihre Botschaft auf den Punkt!

Wenn Sie sofort nach Ihrem Vortrag - und noch vor der Diskussion - aus dem Saal rennen, lassen Sie Ihre Dias zurück, damit sie Ihnen nachgeschickt werden können. Das erhöht die Aufmerksamkeit der Kongressorganisation Ihnen gegenüber enorm.

   

Die Verweildauer von Referent und Zuhörer vor und nach einem Vortrag ist Ausdruck der gegenseitigen Wertschätzung!

Panne

Das höchste Glück für den Referenten ist eine Panne: Sie oder ein Dia bleiben stecken ...

Sie verwechseln beim Ablesen die Seiten und merken es erst, wenn es schon zu spät ist ...

Der Projektionist schläft ...

Gehören Sie zu den Glücklichen, denen das widerfährt, sollten Sie Ihren Vortrag abbrechen und von vorn beginnen, das intensiviert die repetierende Wirkung des bereits Gesagten.

 

Der Mensch zeigt seine wahre und volle Größe in der Krise!
Tun Sie's!

Denken Sie dabei an ein Gedicht von R. J. Gernhardt

"Ein Erlebnis Kants"

Eines Tags geschah es Kant,
daß er keine Worte fand.

Stundenlang hielt er den Mund,
und er schwieg - nicht ohne Grund.

Ihm fiel absolut nichts ein,
drum ließ er das Sprechen sein.

Erst als man zum Essen rief,
wurd' er wieder kreativ,

und er sprach die schönen Worte:
"Gibt es hinterher noch Torte?"