Pressemitteilung der Stadt Mannheim vom Dezember 2005
Für Sie archiviert: 400.000 Euro für Sprachförderung an Grundschulen
Fachbereich Bildung: Heinrich-Vetter-Stiftung unterstützt Förderprojekt
Verstehen, was der Lehrer sagt ? für manchen Erstklässler schwierig, weil seine Deutschkenntnisse (noch) nicht ausreichen. Viele Sprachfördermaßnahmen an Kindergärten, Vorschulen und Schulen laufen bereits, doch jetzt tritt man in eine neue Dimension ein: Die Heinrich-Vetter-Stiftung stellt, aufgeteilt auf die nächsten vier Jahre, 400.000 Euro für Sprachförderung an Grundschulen zur Verfügung. Dr. Carl-Heinrich Esser, Vorstand der Heinrich-Vetter-Stiftung, und Bildungs-Bürgermeister Dr. Peter Kurz brachten am Freitag, 18. November, die Sache unter Dach und Fach.
"Durch die Unterstützung der Heinrich-Vetter-Stiftung können wir ab Februar 2006 in zehn Grundschulen mit besonders hohem Förderbedarf alle diejenigen Erstklässler intensiv fördern, die beim Sprachtest deutliche Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache gezeigt haben“, erklärte Dr. Kurz. Das sind rund 330 Kinder. Für sie stehen nun 120 Stunden zusätzlicher Sprachunterricht pro Schuljahr auf dem Programm, das entspricht vier bis fünf Stunden in der Woche. Am Ende des ersten Schuljahres sollen die Kinder in der Lage sein, dem Unterricht ohne Probleme zu folgen. In den Genuss der Förderung kommt dann jeweils die neue Generation von Erstklässlern. Dr. Carl-Heinrich Esser: "Mit 100.000 Euro jährlich macht die Unterstützung der Sprachförderung einen großen Teil unseres Fördervolumens aus. Wir wollen dazu beitragen, die Startposition der Kinder in der Grundschule zu verbessern, denn hier wird die Basis für die weitere Bildungskarriere gelegt.“
Für die zusätzlichen Sprachstunden werden speziell geschulte Studenten eingesetzt. Bürgermeister Kurz: "Dieses Modell hat man an Einzelschulen bereits erprobt und gute Erfahrungen gemacht. Jetzt kann es im großen Stil eingesetzt werden.“ Das Förderkonzept für die zehn Schulen, entwickelt vom Fachbereich Bildung und dem Staatlichen Schulamt für die Stadt Mannheim, sieht neben dem Sprachunterricht für die Kinder noch weitere Bausteine vor. Zum Beispiel die so genannten Elternbegleiterinnen: Dafür werden Mütter ausgewählt und qualifiziert, die die enge Kooperation zwischen Schule und Eltern sicherstellen, insbesondere die Eltern der beteiligten Kinder über das Projekt auf dem laufenden halten und sie mit einbeziehen. Als besonderen Anreiz lobt die Heinrich-Vetter-Stiftung jährlich Preisgelder von 3.000 Euro aus, die für die vorbildliche Weiterentwicklung und Umsetzung von Fördermaßnahmen vergeben werden.
Projektpartner sind die Universität Mannheim, das Institut für Deutsche Sprache und die Pädagogische Hochschule in Heidelberg. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Nach vier Jahren wird auch untersucht, wie sich die intensive Sprachförderung auf den Übergang in weiterführende Schulen auswirkt.
Die Evaluation der Sprachfördermaßnahmen wird vom Projekt EiSMann durchgeführt.
BILDUNG².online
Deutsch lernen, damit der Start ins Schulleben besser klappt
Heinrich-Vetter-Stiftung sagt weitere Unterstützung zu
Von Martina Fuchs
05.07.2007 - Verstehen was der Lehrer sagt - für manchen Erstklässler ist das nicht einfach: Seine Deutschkenntnisse reichen nicht aus. Seit Februar 2006 unterstützt die Heinrich-Vetter-Stiftung ein Projekt zur Sprachförderung an zehn Mannheimer Grundschulen. Für den Sprachunterricht von ausländischen ABC-Schützen stellt sie 400.000 Euro, aufgeteilt auf vier Jahre, zur Verfügung. In Kleingruppen von maximal sechs Kindern gibt es von speziell geschulten Studenten der Universität Mannheim zweimal pro Woche ein spielerisches Deutschtraining. Das Konzept wurde vom Fachbereich Bildung und dem Staatlichen Schulamt für die Stadt Mannheim entwickelt.
Im Interview zieht Dr. Carl-Heinrich Esser, Vorstand der Heinrich-Vetter-Stiftung, eine Zwischenbilanz:
Frage: Warum engagiert sich die Heinrich-Vetter-Stiftung so umfangreich für Deutschförderung an Grundschulen?
Esser: Dem Stiftungsgründer Dr. Heinrich Vetter lag die Ausbildung der Jugend sehr am Herzen und wir führen die Stiftung in seinem Sinne fort. Daher haben wir uns entschlossen, Kindern mit Migrationshintergrund einen besseren Start ins Leben zu ermöglichen. Denn wenn sie in die Schule kommen und vom Unterricht nichts verstehen, weil sie einfach die Sprache nicht beherrschen, kann man sich ja vorstellen, was dabei herauskommt. Wir wollen den Kindern auf die Sprünge helfen, für ihre schulische Laufbahn und damit auch für ihren späteren Berufsweg. Wir haben auch schon punktuell im Kindergarten Deutschförderung unterstützt. Ein regelrechtes Schlüsselerlebnis war für uns die Beobachtung, wie ein Junge einen Plastikhund aus einem Baukasten zog und nicht in der Lage war, auf deutsch zu sagen, um was für ein Tier es sich handelte.
Frage: Wie schätzen Sie die Bedeutung dieses Engagements unter gesellschaftlichen Gesichtspunkten ein?
Esser: Sprache ist der Schlüssel für alles! Wir können nicht zulassen, dass eine ganze Generation heranwächst, die nicht integriert ist. Am Schluss haben wir hier Verhältnisse wie in Kreuzberg. Mannheim muss sich seiner alten Tradition besinnen, Leute unterschiedlicher Nationen aufzunehmen und zu integrieren. Eingliederung erfolgt über Sprache. Dazu müssen wir bei den Kleinen anfangen. Wenn die nicht mit den anderen spielen können, weil es mit der Verständigung nicht klappt, sind sie doch gleich ausgegrenzt.
Frage: In welcher Relation steht die Unterstützung der Deutschörderung zu anderen Stiftungsaktivitäten?
Esser: Mit jährlich 100.000 Euro ist dieses Projekt mit Abstand unsere größte Einzelmaßnahme. Deswegen sind wir auch sehr an der Evaluation interessiert, also was am Ende dieser Periode von vier Jahren als Ergebnis steht.
Frage: Wie kam die Zusammenarbeit zwischen der Stiftung und der Stadt Mannheim zustande?
Esser: Deutschförderung punktuell zu unterstützen, wie wir es im einen oder anderen Kindergarten gemacht haben, ist ja ganz nett. Aber uns war irgendwann klar, wir müssen "was Gescheites" machen. Bei einem Treffen mit Bildungs-Bürgermeister Dr. Peter Kurz kamen wir auf dieses Thema zu sprechen. Und er meinte, sein Fachbereich Bildung habe da ein Konzept in der Schublade, das aber bislang nicht umgesetzt werden konnte, weil es dazu an Geld fehlte. So kam die Sache ins Rollen.
Frage: Was hat Sie an dem Konzept besonders überzeugt?
Esser: Dass es ganzheitlich ist, sich also nicht nur an die Kinder richtet, sondern auch die Eltern, die Familien einbindet. Den Zugang zu den Eltern zu finden, ist uns ganz wichtig. Auch die Zusammenarbeit mit der Universität sehen wir sehr positiv. Die Studenten aus den verschiedenen Pädagogik-Fachrichtungen können so für sich schon mal testen, ob sie sich selbst für die Arbeit mit Kindern für geeignet halten.
Frage: Wie schätzen Sie die bisherigen Ergebnisse/Erfahrungen aus Ihrer Sicht ein?
Esser: Wir sehen dieses Projekt als Erfolgsstory. Deshalb werden wir uns sicherlich auch weiter engagieren, wenn die ersten vier Jahre, für die wir momentan Unterstützung zugesagt haben, vorbei sind. Die Kinder kommen im Unterricht besser mit, und an allen Projektschulen wurden Mütter gefunden, die als Kontaktpersonen zu den Eltern fungieren. Und: wir werden immer gut informiert und auf dem Laufenden gehalten.
Frage: Welche Rolle spielt der Preis, der im Rahmen des Förderkonzepts jedes Jahr ausgelobt und verliehen wird?
Esser: Mit diesem Preis wollen wir die Leistungen von Schulen würdigen, die das Konzept besonders gut umgesetzt haben. Diese Leistung muss herausgehoben werden, einerseits als Anerkennung für die Anstrengung, andererseits als Ansporn für die anderen.
