Institut für Sonderpädagogik

Untersuchung der Wirksamkeit eines Programms zur Förderung von hörbehinderten Kindern im exekutiven System

Anlass für das Projekt sind zahlreiche Forschungsarbeiten zur Häufigkeit exekutiver Dysfunktionen bei Kindern und Jugendlichen mit Hörbehinderung. Demnach sind Kinder und Jugendliche an Schulen mit dem Förderschwerpunkt Hören vier- bis fünfmal häufiger von exekutiven Dysfunktionen betroffen verglichen mit Kindern und Jugendlichen ohne Hörbehinderung. Programme zur Förderung exekutiver Funktionen hörbehinderter Kinder fehlen sowohl im deutschen als auch angloamerikanischen Sprachraum. In Anbetracht der hohen Prävalenzrate, zunehmender inklusiver Beschulung hörbehinderter Kinder und Jugendlicher und der Schlüsselfunktion, welche exekutiven Funktionen für Lern- und Entwicklungsprozesse zukommt, sind Programme zur Förderung hörgeschädigter Kinder dringend erforderlich.

Mit dem Programm Hexe wurde erstmals ein Programm zur Förderung der exekutiven Funktionen von Kindern mit Hörbehinderung konzipiert. Das Programm Hexe knüpft an die wissenschaftlich gesicherten Einflüsse auf die exekutiven Funktionen im Kindesalter an: Diese sind achtsamkeitsbasierte Interventionen, verschiedene sportliche Aktivitäten wie Laufen, Fitnesstraining, Kampfsport und Yoga. Diese förderlichen Einflüsse sind bislang noch in kein Curriculum überführt worden, welches eine Umsetzung an den Schulen ermöglichen würde: Hexe wirkt dem vorgestellten Forschungsdesiderat entgegen, indem es speziell auf Kinder mit Hörbehinderung ausgerichtet ist, alle exekutiven Funktionen integriert und auf einem körperlich-kognitiven Ansatz basiert. Zur Überprüfung der Wirksamkeit des Programms Hexe wird ein quasi-experimentelles Wartekontrollgruppendesign mit Pre-/Post-/Follow-up Erhebung verwendet. An der Untersuchung nehmen vier SBBZ mit dem Förderschwerpunkt Hören und insgesamt 60 hörbehinderten Schüler*innen teil. In der Pretestphase werden die Schüler*innen mit verschiedene neuropsychologischen Testverfahren überprüft. Es folgt an Schulen der Treatmentgruppe die Intervention über einen Zeitraum von acht Wochen. Nach der ersten Interventionsphase folgt eine Posttestphase, bevor an Schulen der Wartekontrollgruppe die Intervention über einen Zeitraum von acht Wochen durchgeführt wird. An diese Phase schließen sich eine weitere Posttestphase sowie ein Follow-up an.

Folgeuntersuchungen zur Überprüfung der Wirksamkeit an einer größeren Anzahl an Schüler*innen sowie zur Erfassung des Einflusses der sportlichen bzw. kognitiven Aktivität sind geplant.

Veröffentlichungen

Avemarie, L. (2021). Effects of Cognitively Engaging Physical Activity on Executive Functions in Deaf and Hard-of-Hearing Students. Posterpräsentation, 23rd International Congress on the Education of the Deaf (ICED), Brisbane, 05.07.–08.07.2021.

Avemarie, L. (2020). Exekutive Funktionen und sozial-emotionale Entwicklung von Kindern mit Hörbehinderung – Zusammenhänge und Möglichkeiten der Förderung im Rahmen der Schulsozialarbeit. Vortrag, Fachtagung Schulsozialarbeit, Frankfurt, 31.01.–01.02.2020.

Avemarie, L. (2019). Erfolg ist Kopfsache – zur Bedeutung und Förderung exekutiver Funktionen im Kontext von Hörbehinderung. Vortrag, Feuersteintagung des Berufsverbands Deutscher Hörgeschädigtenpädagogen, Ebermannstadt, 28.09.–01.10.2019.

Avemarie, L. (2019). Einblicke in aktuelle Forschungsprojekte im Bereich Psychologie bei Gehörlosen und Schwerhörigen an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Vortrag, 52. Direktorenkonferenz der Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Bildungseinrichtungen für Gehörlose und Schwerhörige, Köln, 26.05.–29.05.2019.

 

 

Forschungsförderung durch

Leitung

Jun.-Prof. Dr. Laura Avemarie

Projektlaufzeit

02/2019 bis 07/2021