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LRS und DyskalkulieBeratungsstelle

Was ist eine LRS?

Unter einer Lese-Rechtschreibstörung (LRS) wird allgemein ein Versagen beim Erlernen des Lesens und der Rechtschreibung verstanden.

Verbreitung

Bei ca. 4 % aller Kinder tritt eine LRS auf. Jungen sind etwa 3-mal häufiger als Mädchen betroffen. Das Verhältnis von Jungen zu Mädchen wird mit 3:1 bis 4:1 angegeben (Schwenck&Schneider, 2006).

Eine LRS ist nicht auf das Kindesalter beschränkt, sondern auch noch im Erwachsenenalter von Bedeutung. Nach Haffner et al. (1998) erreichen 4 % aller deutschen jungen Erwachsenen nur ein durchschnittliches Rechtschreibniveau von Viertklässlern. (http://www.kjp.med.uni-muenchen.de/faq/legasthenie.htm)

Phänomene

Mit dem Schuleintritt beginnt für Kinder die Phase des zielgerichteten Lese- und Schreiblernprozesses. Einigen Kindern fällt es z.B. besonders schwer:

  • die Bedeutung geschriebener Zeichen zu erfassen,   
  • etwas vorzulesen und den Inhalt wieder zu geben,
  • an die Tafel zu schreiben,        
  • den Sinn der Wörter und Sätze zu erkennen usw.

Da die betroffenen Kinder in anderen Bereichen häufig gute Fähigkeiten aufweisen, wird dieses Leistungsversagen oft auf mangelnde Anstrengungsbereitschaft, Interesselosigkeit und Faulheit zurückgeführt. Es wird empfohlen, (noch) mehr und intensiver zu üben. So überträgt sich dieser Druck häufig auch auf die häusliche Situation; Eltern versuchen durch ein Mehr an Übungszeit den Leistungsrückstand ihrer Kinder aufzuholen; die Schüler verweigern nicht selten das Anfertigen der Hausaufgaben. Nicht selten führt dieser Teufelskreis zu familiären Konflikten, Schulunlust und -verweigerung.

Charakteristische Probleme beim Lesen:

  • Niedrige und häufig stockende Lesegeschwindigkeit,
  • Verlieren der Zeile im Text
  • Auslassen, Vertauschen, Hinzufügen und/oder Ersetzungen von Wörtern, Silben oder einzelnen Buchstaben
  • Unzureichende Wiedergabe bzw. Interpretation des Gelesenen

Charakteristische Probleme in der Rechtschreibung:

  • Hohe Fehlerzahl bei ungeübten Diktaten und abgeschriebenen Texten.
  • Buchstabenverdrehungen, Reihenfolgen- und Regelfehler, Auslassungen
  • Wörter werden teilweise fragmenthaft, im selben Text häufig auch mehrfach unterschiedlich falsch geschrieben (Inversionen, Reversionen, Wortruinen).
  • Grammatik- und Interpunktionsfehler und oft eine unleserliche Handschrift.

Erklärung nach ICD-10 (WHO)

Nach der internationalen Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation ist eine Lese-Rechtschreibstörung eine umschriebene Beeinträchtigung der Entwicklung der Lesefertigkeiten und in der Regel damit verbunden der Rechtschreibfähigkeiten, die nicht durch eine Intelligenzminderung, unzureichende Lernbedingungen, unkorrigierte Seh- oder Hörstörungen, ausgeprägte neurologische Defizite oder emotionale Störungen bedingt ist. Die Probleme bestehen von Anfang an und werden nicht erst später während der Schullaufbahn erworben.

Die Lese-Rechtschreibstörung zählt zu den umschriebenen Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten (F81). "Der Begriff der umschriebenen Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten umfasst die spezifischen und deutlichen Beeinträchtigungen des Erlernens des Lesens, Rechtschreibens und Rechnens. Ihnen gemeinsam ist die ätiologische Annahme, dass diese Störungen wesentlich in einer zentralnervösen, kognitiven Störung der Informationsverarbeitung begründet sind.“
Lese- und Rechtschreibstörung (F81.0). Definierendes Merkmal ist eine umschriebene Beeinträchtigung in der Entwicklung der Lesefertigkeiten und damit verbunden sehr häufig der Rechtschreibung. In der späteren Kindheit und im Erwachsenenalter ist regelhaft die Lesefähigkeit verbessert, die Rechtschreibproblematik das meist größere Defizit.
Isolierte Rechtschreibstörung (F81.1). Diagnostisches Merkmal ist die Entwicklungsstörung der Rechtschreibfertigkeit, ohne dass eine umschriebene Lesestörung in der Vorgeschichte erkannt werden kann. (Dilling, et.al., 2004)

Erklärungsmodelle

Ob eine Lese-Rechtschreibstörung als Störung, Krankheit, Behinderung oder als umschriebener Begabungsmangel aufgefasst wird, darüber gehen die Ansichten auseinander. Die Antwort auf diese Frage ist aber für die betroffenen Kinder von erheblicher praktischer Bedeutung und nicht nur von allgemeinem theoretischen Interesse. Von ihr hängt ab, ob und wie eine LRS-Förderung bzw. Behandlung finanziert wird.
Nach der internationalen Klassifikation psychischer Störungen der Weltgesundheitsorganisation (ICD-10 der WHO) wird die LRS zu den umschriebenen Entwicklungsstörungen gerechnet. Als Ursache wird - wie bei allen Entwicklungsstörungen - eine "Einschränkung oder Verzögerung in der Entwicklung von Funktionen, die eng mit der biologischen Reifung des Zentralnervensystems verknüpft sind", vermutet.
Behinderung ist ein sozialrechtlicher Begriff, der Personen beschreibt, die ein Anrecht auf eine Eingliederungshilfe haben. Eine Behinderung ergibt sich nicht ohne Weiteres aus der Feststellung einer Lese-Rechtschreibstörung, sondern liegt nur dann vor, wenn die soziale Eingliederung des Kindes durch die LRS gefährdet ist.
In der Pädagogik wird die LRS meist nicht als Störung oder Behinderung, sondern als Ausdruck einer schwachen Begabung im schriftsprachlichen Bereich und damit als normale Variante der Fähigkeiten eines Kindes aufgefasst. Es wird davon ausgegangen, dass nicht alle Kinder gleiche Fähigkeiten besitzen sondern in einzelnen Bereichen mehr oder weniger deutliche Stärken und Schwächen haben. LRS-Kinder hätten ausgeprägte Schwächen in der Schriftsprache bei Stärken in nichtsprachlichen Bereichen. Eine Suche nach spezifischen Symptomen oder Ursachen wird damit als wenig hilfreich angesehen. Die Kinder bedürften einer guten Pädagogik aber keiner Behandlung. Im Erlass der Kultusministerkonferenz vom 20.04.1978 und in vielen neueren Legasthenie-Erlassen der Länder wird deshalb anstelle von Lese-Rechtschreibstörung von Schülern "mit besonderen Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und Rechtschreibens" gesprochen. (http://www.kjp.med.uni-muenchen.de/faq/legasthenie.htm)

Gesetzliche Regelungen zur Unterstützung von Kindern mit LRS

Welche Besonderheiten im Umgang mit einem LRS-Kind in der Schule zu beachten sind, ist in den Bundesländern durch Legasthenie-Erlasse geregelt. Spezielle Regelungen für jedes einzelne Bundesland sind erforderlich, da der Bildungsbereich zu den Kompetenzen der Länder gehört. Mit Ausnahme von Sachsen haben alle Bundesländer Verordnungen erlassen, die sich mit der Legasthenie auseinandersetzen und Richtlinien zum Umgang mit LRS-Kindern enthalten. Die Legasthenie-Erlasse sind im Internet unter der Adresse des Legasthenieverbandes abrufbar (www.legasthenie.net). (http://www.kjp.med.uni-muenchen.de/faq/legasthenie.htm)

Literatur

Dilling, H./Mombour, W./Schmidt, M. (Hrsg.) (2004). Internationale Klassifikation psychischer Störungen; ICD – 10. Bern: Huber.

Schwenck, C./Schneider, W. (2006). Diagnostik bei Teilleistungsstörungen des Lesens und Schreibens. In: Petermann, U./Petermann, F. (Hrsg.). Diagnostik sonderpädagogischen Förderbedarfs. Göttingen: Hogrefe; S. 117 – 138