Archiv für vorhergehende BNE-Colloquiumsreihen

BNE-Colloquiumsreihe Sommersemester 2021

08.06.2021: „Das Menschenrecht auf (Nachhaltige) Bildung – Whom do we leave behind?“

Zum letzten Termin der BNE-Colloquiumsreihe im Sommersemester 2021 war Dr. Christina Ayazi, stellvertretende Vorsitzende des World University Service, zu Gast. In ihren interaktiven Vortrag stellte sie den Zusammenhang zwischen sozialer Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit vor und verknüpfte somit das Konzept des Globalen Lernens mit dem der Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Im ersten Teil wurden zentrale Begriffe der Diversität und Bildung zur Akzeptanz von Vielfalt geklärt. Diversität stellt einerseits eine Haltung dar, in der der Umgang mit Verschiedenheit im Fokus steht und die Gleichberechtigung in einer pluralen Gesellschaft fördert. Andererseits hinterfragt Diversität Machthierarchien und -strukturen, die zu sozialen Ungleichheiten führen. Demnach ist Diversität eng mit sozialer Gerechtigkeit, Partizipation und Nachhaltigkeit verknüpft. Tatsächlich ist Partizipation notwendig, um die Ziele einer sozialen Nachhaltigkeit zu erreichen. Darüber hinaus wurde in den letzten Jahren über die soziale Dimension hinaus auch die ökologische Perspektive auf Nachhaltigkeit mit dem Begriff der Diversität zunehmend miteinander verbunden. Eine Verschiebung von einem egocentric zu einem ecocentric mindest ist wichtig, um die Herausforderungen der Umweltkrise zu bewältigen. Somit wurde der Zusammenhang zwischen Diversität und Biodiversität bzw. zwischen Fragen der sozialen Gerechtigkeit und des Umweltschutzes aufgezeigt.

Im zweiten Teil wurden Praxisbeispiele der Umsetzung von Diversität in der Bildung für nachhaltige Entwicklung vorgestellt und besprochen. Neben Angeboten des Entwicklungspädagogischen Informationszentrum (EPiZ), wurden die Einbeziehung von Methoden aus dem Bereich des Globalen Lernens und der BNE in den sogenannten „Willkommensklassen“ sowie das Kunst- und Bildungsprojekt Greenpop vorgestellt. Zudem ging Frau Ayazi auf die Arbeit des World University Service und spezifisch auf das Programm „Grenzenlos – Globales Lernen in der beruflichen Bildung“ ein. Zuletzt konnten die Teilnehmenden selbst ein Online-Lerntool, das machtkritische Diskriminierungen hinterfragt, in Kleingruppen ausprobieren. Die im Tool angesprochenen Themen sorgten nicht nur für Irritation bei den Teilnehmenden, sondern regten sie auch zur eigenständigen Recherche an.

In der abschließenden Diskussion wurde nach dem Unterschied zwischen den Bildungskonzepten Globales Lernen und Bildung für nachhaltige Entwicklung gefragt. Frau Ayazi erläuterte, dass beide Konzepte inzwischen zusammen gedacht werden, allerdings das Globale Lernen aus dem Bereich der Entwicklungszusammenarbeit und BNE aus dem der Umwelterziehung komme.

18.05.2021: „Let’s Talk Climate! – Kann Bildung für nachhaltige Entwicklung umweltfreundliches Verhalten fördern?“

Im Rahmen der BNE-Colloquiumsreihe fand am Dienstag, den 18.05.2021 eine Debatte in Kooperation mit dem Transferzentrum der Pädagogischen Hochschule und dem forum für internationale entwicklung + planung e.V. (finep) statt. In der Diskussion standen sich zwei Studierenden-Gruppen gegenüber und vertraten jeweils ihren Standpunkt zur Frage, ob Bildung für nachhaltige Entwicklung zu einem umweltfreundlichen Verhalten führen kann.

Im ersten Teil der Veranstaltung führten die Gruppensprecher/innen ihre Argumente in kurzen Statements an. So vertrat die pro-Gruppe, dass Bildung ein höheres Umweltbewusstsein fördere – was notwendig sei, um sein individuelles Verhalten zu ändern und sich aktiv für einen Wandel einzusetzen. Dahingegen war die contra-Gruppe der Meinung, ein systemischer Wandel sei erforderlich, um schnell und effektiv Maßnahmen gegen dem Klimawandel zu ergreifen. Im Verlauf der Debatte wurde einerseits die Stellung vertreten, dass über Bildung ein systemischer Wandel von der Bevölkerung aktiv eingefordert wird und somit Druck auf Politik und Wirtschaft entsteht. Andererseits wurde bemängelt, dass Bildung keine ausreichende Antwort sei angesichts der Dringlichkeit, Entscheidungen zu treffen, um unsere Emissionen zu verringern und Unternehmen in die Verantwortung zu ziehen.

Im zweiten Teil der Veranstaltung hielt Prof. Dr. Alexander Siegmund, Geschäftsführender Direktor des BNE-Zentrums, einen Impulsvortrag zur Bedeutung der Bildung als Schlüssel zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele. Er stellte zentrale Etappen auf dem Weg zum neuen UNESCO-Programm „ESD for 2030“ und den Beitrag der Pädagogischen Hochschule Heidelberg zur Implementierung einer Bildung für nachhaltige Entwicklung vor. In der darauffolgenden Diskussionsrunde wurde die Frage gestellt, was er gegen die Argumente der contra-Gruppe antworten würde. Herr Siegmund räumte ein, dass Bildung zwar allein für einen systemischen Wandel nicht ausreiche. Dennoch führe Bildung zu einem notwendigen Umdenken, das Verhaltensänderungen ermögliche. So betonte er, dass man nicht nur über BNE reden sollte, sondern nachhaltige Entwicklung leben und mitgestalten müsse im Sinne einer Selbstwirksamkeitserfahrung.

Zuletzt wurden die Gewinner/innen der Debatte bekannt gegeben. Trotz schwieriger Entscheidung wurden die Studierenden der contra-Gruppe zu den Gewinner/innen gekürt. Allerdings qualifizierten sich beide Gruppen weiter, um am nationalen Wettbewerb teilzunehmen.

04.05.2021: „Die Nachhaltigkeitsreise der SAP - Lerneffekte aus über 10 Jahren“

Am Dienstag, den 04.05.2021, stellte Daniel Schmid, Chief Sustainability Officer der SAP, das Nachhaltigkeitskonzept des marktführenden Softwareunternehmen im Rahmen unserer BNE-Colloquiumsreihe vor.

Zu Beginn hatte Herr Schmid ein kurzes Quiz vorbereitet, um den Teilnehmenden die Nachhaltigkeitsstrategie der SAP näherzubringen. So wurde die Frage nach dem Anteil der erneuerbaren Energien im Stromverbrauch des Unternehmens, nach der Besonderheit des Jahresberichts und zuletzt nach der Initiative „Climate 21“ gestellt. Mit der Antwort, dass 100% des Stromverbrauchs der SAP aus grünen Energiequellen stammt, wurde die Nachhaltigkeit des Unternehmens betont.

Daran anknüpfend stellte Daniel Schmid die wichtigen Meilensteine und Ziele der SAP im Bereich der Nachhaltigkeit vor. Als zukunftsorientiertes und innovatives Unternehmen wurde somit vor über zehn Jahren ein Konzept ausgearbeitet, in dem Nachhaltigkeit als integrativer Teil der Unternehmensstrategie gesehen wird. Somit verfolgt SAP einen holistischen Ansatz, in dem Nachhaltigkeit mit der gesamten Unternehmensstrategie verknüpft ist. Deshalb gibt es z.B. bei SAP keinen gesonderten Nachhaltigkeitsbericht, da dieser im Jahresbericht eingegliedert ist. Darüber hinaus zeichnet sich SAP nicht nur durch ihre zahlreichen Initiativen aus, sondern auch durch ihre Governance-Struktur, welche auch die Umsetzung ihrer Nachhaltigkeitsziele ermöglicht hat. So unterstützt SAP auch ihre Kund/innen und Partner /innen in ihren Nachhaltigkeitszielen.

In der darauffolgenden Fragerunde wurde nach den Beweggründen von Unternehmen, sich für Nachhaltigkeit einzusetzen, gefragt. An dieser Stelle betonte Herr Schmid die Bedeutung sowohl für Arbeitnehmer/innen als auch für Kund/innen, sich mit den Werten des Unternehmens zu identifizieren – somit spiele Nachhaltigkeit auch auf dem Arbeitsmarkt eine bedeutende Rolle, um Nachwuchskräfte heranzuziehen. Zum Abschluss wurde nach der Zukunftsvision des Unternehmens gefragt. Diese besteht darin, die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen sicher und schneller zu erreichen sowie ein Umdenken im Wirtschaftssektor zu bewirken.

27.04.2021: „Nach uns die Sintflut?! Fakten zum Klimawandel und was wir dagegen tun können" (Prof. Dr. Mojib Latif)

Zum ersten Termin der BNE-Colloquiumsreihe im Sommersemester 2021 war Prof. Dr. Mojib Latif vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel zu Gast mit einem Vortrag zum Klimawandel und den Antworten aus der Politik. Zunächst vermittelte Herr Latif anschaulich grundlegenden Fakten und Daten zum Klimawandel.

Dabei betonte er, dass es fünf unumstrittene Sachverhalte zum Klimawandel gibt:
- Er ist real.
- Wir sind die Ursache.
- Er ist gefährlich.
- Die Fachleute sind sich einig.
- Wir können noch etwas tun.

So sei zwar das Klimaproblem öfters überschattet worden von anderen Krisen – wie die Weltwirtschaftskrise oder die Coronakrise –, jedoch gibt es neue Anstrengungen in der Klimapolitik, die hoffen lassen, dass Klimaschutz als höchste Priorität eingestuft wird.

Dabei betonte Herr Latif, dass unsere heutige Wirtschaft auf Kosten der Umwelt geht, sodass das Problem des Klimawandels ganzheitlich zu betrachten ist. Tatsächlich nähern wir uns einem Kipppunkt, an dem die Ökosysteme so unter Druck geraten, dass es keinen Weg zurück gibt. Wir müssen uns auch immer wieder klarmachen, dass es „no planet B“ gibt und wir deswegen auf drastische Weise unsere CO2-Emmissionen reduzieren müssen. Tatsächlich liegt das Kernproblem des Klimawandels in der Verbrennung fossiler Brennstoffe, welche den Anstieg des CO2-Gehalts in der Atmosphäre erhöhen. Da sich CO2-Gehalt und Temperatur gegenseitig bedingen, führt ein Anstieg des CO2-Gehalts in der Atmosphäre zu einem positiven Rückkopplungseffekt, der für einen stetigen Temperaturanstieg sorgt. Da man – anders als in der Politik – nicht mit der Physik verhandeln und einen Kompromiss finden kann, sind tiefgreifende und globale Maßnahmen zu treffen, um die Ziele des Pariser Abkommens noch zu erreichen.

In der anschließenden Diskussionsrunde wurde auf den Umgang mit Klimaskepsis und Misstrauen in die Wissenschaft eingegangen. So könne man anhand von Klimamodellen und Computersimulationen sehr gut vorweisen, dass der Klimawandel existiert und menschengemacht ist, jedoch geht es bei Wissenschaftsfeindlichkeit eher um Fragen der sozialen Ungleichheiten und der (Medien)Bildung, die zu Klimaskepsis und der Verbreitung von Falschinformationen führen. So müsse man auch gesellschaftliche Aspekte mitberücksichtigen. Schließlich wurde die Frage nach einem umfassenden Wandel unseres Weltwirtschaftssystems gestellt und hervorgehoben, dass die Kosten des Klimaschutzes geringer seien als die Kosten des Klimawandels, sodass massive Investitionen und ein Umdenken notwendig sind.

BNE-Colloquiumsreihe Wintersemester 2020/21

02.02.2021: Das UNESCO-Programm „ESD for 2030" - Genese, Hintergründe, Ziele (Alexander Leicht, UNESCO)

Am Dienstag, den 02.02.2021 war Alexander Leicht, Leiter der Sektion Bildung für nachhaltige Entwicklung der UNESCO, unserer BNE-Colloquiumsreihe aus Paris zugeschaltet. In seinem Vortrag stellte er das neue Programm der UNESCO „Education for Sustainable Development: Towards achieving the SDGs“ (kurz „ESD for 2030“) umfassend vor.

Zu Beginn stellte Herr Leicht die Bedeutung von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in der Arbeit der UNESCO vor. Er betonte, dass durch die Benennung von BNE als Teil der Sustainable Development Goals diese in den Vordergrund des Tätigkeitsbereiches der UNESCO gerückt ist. Ziel ist es, Bildung für nachhaltige Entwicklung über möglichste viele Wege zu etablieren: in der nationalen Bildungspolitik, in Schulen und außerschulischen Lernorte, in der Lehrerausbildung sowie auf kommunale Ebene. Es geht demnach um eine ganzheitliche Veränderung, die über die individuelle Ebene und die der schulischen Bildung hinausreicht.

Anschließend stellte Herr Leicht die Schlüsselelemente des neuen UNESCO-Programmes vor. Zentrale Aufgabe der UNESCO sei die Förderung des Austausches auf globale Ebene, die Sichtbarmachung von Beispielen guter Praxis sowie die Unterstützung nationaler Regierungen bei der Erarbeitung und Umsetzung eigener BNE-Programme. Darüber hinaus sei auch das Monitoring eine wichtige Aufgabe der UNESCO. Abschließend wurden die nächsten Schritte zur Erreichung der Programm-Ziele erläutert. Hierzu zählen u.a. die Weltkonferenz zu BNE im Mai 2021 sowie globale Vernetzungstreffen, die alle zwei Jahre stattfinden sollen.

In der abschließenden Diskussionsrunde wurde unter anderem die Frage nach einer vermeintlichen Konkurrenz unterschiedlicher Bildungsziele und –begriffe, vor allem des globalen Lernens im Vergleich zur BNE, aufgeworfen. Herr Leicht betonte, dass auf internationale Ebene unterschiedliche Begrifflichkeiten und Themen auftauchen würden, Bildung für nachhaltige Entwicklung jedoch im Vordergrund stünde. Zum Abschluss machte Herr Leicht deutlich, dass durch das UNESCO-Programm „ESD for 2030“ ein wichtiger Schritt getan sei, es jedoch auch sicherlich nach 2030 der Umsetzung weiterer Folgeprogramme bedarf, um BNE auf alle Ebenen weiterhin nachhaltig zu verankern

Den UNESCO-Programm „ESD for 2030" finden Sie hier.

12.01.2021: Lernen für den Wandel - Bildung für nachhaltige Entwicklung und Globales Lernen in der Praxis (Gundula Büker, EPiZ)

Am Dienstag, 12.01.2020, hielt Gundula Büker vom Entwicklungspädagogisches Informationszentrum Reutlingen (EPiZ) im Rahmen der BNE-Colloquiumsreihe einen Vortrag zur praktischen Umsetzung von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) und globalem Lernen.

Zunächst betonte Frau Büker die enge Verknüpfung von BNE und globalem Lernen als Bildungsziele der Agenda 2030. In einem ersten Impuls zu den Dimensionen von BNE (Subjekt-, Sach- und Werteorientierung) stellte die Referentin zentrale Fragestellungen einer guten Praxis vor: Wie gelingt didaktische Reduktion ohne Zusammenhänge eindimensional darzustellen? Wie kann der Dialog konkret gefördert werden? Ein wichtiger Baustein sei vor allem die Stärkung von Kompetenzen, welche durch verschiedene Ansätze vermittelt werden: der Orientierungsrahmen für den Lernbereich Globale Entwicklung, das Konzept der Gestaltungskompetenz und die vier Säulen des Lebenslangen Lernens. Mit einer kurzen praktischen Übung zeigte Frau Büker auf, wie Herausforderungen einer globalisierten Welt deutlich gemacht werden können. Auf einer Online-Weltkarte konnten die Teilnehmenden monetäre Ressourcen und die Weltbevölkerung auf den unterschiedlichen Kontinenten verteilen (s. Abbildung). Die Bedeutung des kritischen Reflektierens über Konzepte wie „Reichtum“ und „Armut“ wurden dabei unterstrichen.

Im Anschluss darauf stellte Frau Büker den Referenzrahmen für globales Lernen sowohl auf internationale, als auch auf nationaler und regionaler Ebene vor. In diesem Zusammenhang betonte sie, dass sich Bildungsarbeit an der Schnittstelle zwischen Politik, Kommunen, Zivilgesellschaft und (formaler) Bildung bewege.

In einem weiteren Schritt wurden die Herausforderungen und Gelingensbedingungen von BNE in der Praxis angesprochen. Diese reichen von der Bedeutung von Kooperationen, der Unterstützung durch die Politik und eines „Whole Institution Approach“ bei der Umsetzung bis hin zur Qualifizierung von Multiplikator/-innen. Auch der Umgang mit Komplexität sowie das Erleben von Selbstwirksamkeit bei den Lernenden seien entscheidende Faktoren.

Abschließend stellte sie noch ein paar landesweite Programme und Projekte vor, darunter die Initiative „Lernen, die Welt zu ändern“ sowie den „CHAT der WELTEN“.

02.12.2020: Bisherige Bilanz und zukünftige Ziele und Herausforderungen zur Umsetzung der BNE in Deutschland im Kontext des Programms „ESD for 2030"

Am Dienstag, 02.12.2020, war Chloé Frenzel, Referentin beim Bundesministerium für Bildung und Forschung, im Rahmen des BNE-Colloquiums eingeladen. In dem gut besuchten Vortrag stellte Frau Frenzel die nationale Strategie zur Umsetzung des UNESCO-Programmes „Education for Sustainable Development: Towards achieving the SDGs“ (kurz: „ESD for 2030“) vor. Zu Beginn wurden die am Umsetzungsprozess beteiligt Akteur/innen und Institutionen kurz vorgestellt. Dabei wurde die Rolle des Bundesministeriums in der institutionellen Verankerung von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) hervorgehoben. Neben der Gründung einer nationalen Plattform wurde der partizipative Ansatz als zentrales Merkmal der Umsetzungsstrategie beleuchtet. Des Weiteren wurden zentrale Aspekte des UNESCO-Programmes vorgestellt. Neben den drei Schwerpunkte (transformatives Lernen, strukturelle Verankerung, technologische Zukunft) wurden die fünf Handlungsbereiche (politische Unterstützung, ganzheitliche Transformation, Kompetenzentwicklung, Jugend, lokale Ebene) der „ESD for 2030“ skizziert. Abschließend wurden Aktivitäten im Bereich BNE in Deutschland vorgestellt, die über das UNESCO-Programm hinaus reichen. Hier wurde auf die Rolle Deutschlands innerhalb der Europäischen Union im Rahmen seiner Ratspräsidentschaft eingegangen.

In der anschließenden Diskussion stellten die Teilnehmenden vertiefende Fragen zur Rolle und Zusammenarbeit innerhalb der Europäischen Union, sowie der Kompetenzen des Bundes und der Kommunen in Hinblick auf das deutsche Bildungssystem. Dabei stellten sich weitere Fragen zur Rolle der Politik und individueller Akteur/innen in der Förderung von BNE und von transformativem Handeln. Abschließend äußerte Frau Frenzel den Wunsch, dass nicht-zielführende Streitigkeiten zwischen den verschiedenen Akteure/innen, u.a. aus den Bereichen BNE und Globalem Lernen, bei Seite gelegt werden, damit BNE in der breiteren Öffentlichkeit zum Konsens wird.

10.11.2020: Trotz großer UN-Programme - Warum BNE an Hochschulen nicht zum Selbstläufer wird!

Am Dienstag, 10.11.2020, war Prof. Dr. Georg Müller-Christ von der Universität Bremen beim BNE-Colloquium zu Gast und referierte in seinem knapp einstündigen Vortrag darüber, warum Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) an Hochschulen (noch) nicht zum Selbstläufer geworden ist. Die rund 30 Studierenden und anderen Interessierten erhielten zunächst einen Überblick über die Netzwerke und Aktivitäten im Bereich BNE, welche es auf nationaler Ebene aktuell gibt. Anschließend wurde das System Hochschule als Ganzes aus der Sicht der Organisationsentwicklung analysiert und differenziert dargestellt. Langfristiges Ziel in der Entwicklung von Lehre, Forschung und Betrieb müsse es laut Prof. Müller-Christ sein, ein integrales System, das co-kreativ ausgeprägt ist, zu erreichen und damit die höchste der Entwicklungsstufen der Hochschulen zu erreichen (Phase 1.0: traditionelles System; Phase 2.0: egozentrisches System; Phase 3.0: dialogisches System). In dieser Entwicklungsstufe soll die Lehre co-kreativ gestaltet werden, im Rahmen der Forschung soll die kollektive Kreativität genutzt werden und der Betrieb soll so umgestaltet werden, dass er sowohl physische als auch kreative Energiequelle für das gesamte Umfeld der Hochschule darstellt. Faktisch verhält es sich jedoch so, dass Forschung, Lehre und Betrieb bzw. Verwaltung aktuell (noch) unterschiedliche Entwicklungsstufen erreicht haben und somit noch Potential zur Entwicklung vorhanden ist. Prof. Müller-Christ hob außerdem hervor, dass Kommunikation abhängig von den unterschiedlichen Stufen der Organisationsentwicklung gestaltet werden muss und dass die Kenntnis darüber, auf welcher Stufe sich das Gegenüber gerade befindet, elementar für gelingende Veränderungsprozesse an Hochschulen, auch im Bereich der Nachhaltigkeit, sind.

Die Präsentation des Vortrages finden Sie (intern) über Stud.IP.

14.01.2020: Özden Terli (ZDF-Wetterredaktion) spricht u.a. zu der medialen Aufbereitung des Klimawandel-Wissens

Der Klimawandel ist derzeit in aller Munde. Während Ergebnisse wissenschaftlicher Studien schon seit geraumer Zeit die gebotene Dringlichkeit verdeutlichen, erhalten sie aktuell weltweit eindrucksvolle Unterstützung von jungen Menschen, die mit der Bewegung „Fridays for Future" Druck auf Politik und Wirtschaft auszuüben versuchen. Warum aber ist es so schwierig, den Kampf gegen den Klimawandel zu einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe zu machen? Wie kann dies trotz der komplexen Problemlage und divergierenden Interessen der beteiligten Akteur/-innen gelingen?

Der Schlüssel liegt einmal mehr in einer wirkungsvollen Klimabildung und in wechselseitiger Kommunikation. Im Wintersemester 2019/2020 gab die Pädagogische Hochschule Heidelberg in vier Vorträgen Einblick in den aktuellen Stand der Klimaforschung und Fragen der Kommunikation und Vermittlung. Sie stellte zudem daraus abzuleitende praktische Ansätze für Bildungseinrichtungen, Politik und Gesellschaft zur Diskussion. Am Dienstag, 14.01.2020 ging dazu Özden Terli primär auf den Aspekt der Klimakommunikation ein und berichtete von seinen Erfahrungen als Redakteur und Moderator in der ZDF-Wetterredaktion. Dabei sollte auch gezeigt werden, welche Merkmale der Klimakrise heute schon zu beobachten sind. Zusammen mit dem Publikum hat der Meteorologe zudem erkunden wollen, ob die Klimakrise unterschätzt oder eventuell falsch vermittelt wird. Terli suchte eine Antwort auf den scheinbaren Widerspruch, dass eine Gesellschaft einerseits wissenschaftlich interessiert zu sein und andererseits die Klimawissenschaft zu ignorieren scheint. Diese und weitere Fragen wurden in dem Vortrag gemeinsam betrachtet.

05.11.2019: Fridays for (which) Future? Eine offene Diskussionsveranstaltung.

Die Debatte um den Klimawandel findet derzeit eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit. Sie wird aber weniger geprägt von Akteur/-innen aus Politik, Wissenschaft oder NGOs, sondern ist initiiert und getrieben vor allem durch die Jugend, die in regelmäßigen Abständen freitags für eine progressivere und engagiertere Klimapolitik demonstriert. Für die Wissenschaft gilt es, sich konstruktiv mit den Anliegen der jungen Menschen auseinanderzusetzen und deren Initiative zu einer sachlich basierten öffentlichen Diskussion zur Erreichung ambitionierterer Klimaschutzziele im Sinne des Pariser Abkommens aufzugreifen. In einer offenen Disukussionsrunde am Dienstag, 05.11.2019, widmeten sich unsere Referierenden Fragen bezüglich der Globalisierung, des Wohlstands und der Nachhaltigkeit. Dabei hatte das Publikum die Gelegenheit, sich in die als Fishbowl organisierte Diskussionsrunde einzubringen - und das sowohl digital als auch analog.Weitere Infos dazu finden Sie hier und hier.

Die Termine und Inhalte der BNE-Colloquiumsreihe für das Wintersemester 2019/20 finden Sie hier.

Die Termine und Inhalte der BNE-Colloquiumsreihe für das Sommersemester 2019 finden Sie hier:

06.11.2018: Start der BNE-Colloquiumsreihe mit Dr. Karl von Koerber (Arbeitsgruppe Nachhaltige Ernährung e.V.)

Am 06.11.2018 ging die BNE-Colloquiumsreihe des Wintersemesters mit dem Vortragenden Dr. Karl von Koerber der Arbeitsgruppe Nachhaltige Ernährung e.V./Beratungsbüro für Ernährungsökologie, München an den Start. Dr. Karl von Koerber zählt zu den Pionieren in Fragen Ernährungsökologie und den darauf begründeten Konzepten „Vollwert-Ernährung" bzw. „Nachhaltige Ernährung". Die Schwerpunkte seines fesselnden Vortrags reichten von „Klimaschutz geht durch den Magen" bis zur Frage „Üppige Teller auf Kosten der Welternährung?". Gemeinsam mit den Studierenden wurden angeregt Lösungsansätze für globale Herausforderungen aus ökologischer, sozialer, gesundheitlicher und kultureller Perspektive hergeleitet und diskutiert.