Alle Vorträge am Freitag

 

 

Einsatz von MR-Technologie in sprecherzieherischen Lehrlernsituationen - Pilotstudie zur Untersuchung der Hals- und Kopfhaltung beim Tragen einer VR-Brille

Björn Meißner und Lara Wolff, Freitag, 10:00 - 10.45 Uhr

Mithilfe von Mixed Reality soll es gelingen, eine virtuelle Lehr- und Lernumgebung zu schaffen, die als real empfunden wird, ohne real zu sein. Damit ist geplant, das Einüben von u. a. stimmlichen und sprecherischen Kompetenzen unter simulierten berufsspezifischen Bedingungen zu ermöglichen, um stimm-physiologische und psychosoziale Anforderungen zu trainieren. Ziel ist eine, eine möglichst immersive Trainingsumgebung zur Verfügung zu stellen, die unter Verwendung einer VR-Brille eine virtuelle Umgebung schafft, in der die tatsächlichen visuellen und akustischen Eigenschaften verschiedener Räume wie bspw. die eines Hörsaals oder Klassenzimmers simuliert werden.

Die Verwendung dieser Technologie ist nicht unproblematisch. Sie stellt eine haptisch-usuelle Hürde dar und verändert die Lehr-Lern-Situation auf eine neue Weise. Fragen der methodischen Einbettung, der Technologie-Akzeptanz, des Handlings und der Technikbeherrschung stellen sich und müssen aus sprechwissenschaftlicher Perspektive evidenzbasiert erforscht werden.

In einer Pilotstudie an der RWTH Aachen University wurde der Einfluss der VR-Brille auf die Kopf- und Halshaltung als Teilaspekt dieses Forschungsinteresses untersucht. Bei Probanden wurde die individuelle Neutral- bzw. Gewohnheitshaltung des Kopfes mit kraniovertikalen und kraniozervikalen Messergebnissen kontrastiert, die sich nach dem Aufsetzen einer VR-Brille ergaben. Vorgestellt werden sollen das Forschungsdesign als Diskussionsgrundlage für weiterführende, umfangreichere Untersuchungen und die Ergebnisse der Pilotstudie.

 

 

 

 

 

 

 

 

Computergestütztes Stimm- und Sprechscreening für Lehramtsstudierende- Neue Möglichkeiten für die Sprecherziehung an Hochschulen

Kerstin Hillegeist/ Fabian Thomas, Freitag, 10.45 - 11.30 Uhr

Die Notwendigkeit eines verpflichtenden Stimm- und Sprechscreening für Lehramtsstudierende wird in der Sprecherziehung / Sprechwissenschaft immer wieder diskutiert. Bekannte Studien (Gutenberg/Pietzsch 2003, Schiller 2017, Lemke 2006, Schneider/Bigenzahn, 2005) zeigen, dass rund 37% der Studierenden Auffälligkeiten in diesem Bereich aufweisen; wiederum gibt es nur sehr wenige obligatorische Kursangebote an Hochschulen und Universitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. An der Pädagogischen Hochschule Weingarten (PHW) konnte im WS 2020/21 erstmals ein verpflichtendes Stimm- und Sprechscreening für ALLE Erstsemestrigen im BA Lehramt (GS/Sek I) installiert werden.

Das Wissenschaftsministerium Baden-Württemberg erteilte 2018 den Auftrag, Eignungs- und Beratungsprojekte an Hochschulen und Universitäten auszuarbeiten. So entstand an der PHW das Projekt PHokus (Orientierung, Kompetenzentwicklung und Unterstützung im Studium) mit dem Alleinstellungsmerkmal eines Stimm- und Sprechprofils. Ziel des Projekts, das aus Vertretern/Vertreterinnen der Erziehungswissenschaft, Psychologie, Sprecherziehung sowie der Studienberatung besteht, ist die Eigenverantwortung der Studierenden über ein vielfältiges Screening-, Mentoring und Peer-Coaching-Angebot zu unterstützen. Die Sprecherziehung ist in verschiedenen Phasen des Projektes beteiligt: Online-Assessments zu Beginn des Studiums sowie nach dem integrierten Semesterpraktikum und dem Kernstück „Stimm- und Sprechscreening“, bei dem die Studierenden gleich zu Beginn des Studiums Rückmeldung zu den Bereichen Stimme, Körpertonus, Atmung, Artikulation, Sprachcode, Sprechausdruck und Kommunikationsverhalten erhalten. Neben perzeptiven Untersuchungen der Stimme kommt auch die computergestützte Stimmanalyse zum Einsatz. In diesem Zusammenhang wird momentan der Acoustic Voice Qualitiy Index (AVQI) verwendet, der auch gesprochene Sprache analysieren kann und damit anwenderfreundlicher und weniger zeitintensiv ist, wie z.B. der Dysphonia Severity Index (DSI).

Unterstützt wird das Screening durch Studierende im BA Logopädie. Die Lehramtsstudierenden werden auf dieser Basis beraten, ob eventuell eine medizinische Abklärung notwendig ist, vor allem aber, welche Thematik bei der in Baden-Württemberg verpflichtenden Übung zur Sprecherziehung empfehlenswert ist. Trotz Corona konnte im WS 2020/21 ein erstes Screening in Präsenz mit ca. 100 Studierenden durchgeführt werden. Die Ergebnisse liegen vor und zeigen bereits neue Möglichkeiten und Chancen für die Forschung in den Bereichen Sprechwissenschaft und Logopädie. www.ph-weingarten.de/studium-weiterbildung/studium-services/phokus/

„Liebe Mitglieder*innen“ - Bemerkungen zur Normendiskussion um das Gendern

Norbert Gutenberg, Freitag, 11.45 - 12.30 Uhr

Das Anliegen ist ehrenwert: Es geht um weniger sprachliche Diskriminierung von Frauen und Menschen, die sich keinem der beiden Geschlechter zuordnen. Die Mittel dazu sind umstritten: Gendersternchen, generisches Femininum auf -in u.ä. Der Vortrag diskutiert die Argumente, die in der Debatte gebraucht werden auf linguistischer, phonetisch-sprechwissenschaftlicher und sprachdidaktischer Grundlage.

30 Min Vortrag, 15 Min Diskussion

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gemeinsamkeit herstellen: Die soziale Situation in Videokonferenzen

Kati Hannken-Illjes, Freitag, 16.15-17.45 Uhr

Das Herstellen einer gemeinsamen Orientierung und eines gemeinsamen Rahmens ist grundlegend für gelingende Gespräche und gelingende Lehre in Videokonferenzen. Was wir in Präsenz u.a. über Blickkontakt, Ausrichtung des Körpers und Körperspannung tun, wird in Videokonferenzen anders hergestellt. Der Vortrag diskutiert die Bedingungen der „synthetischen Situation“ (Knorr-Cetina 2009), kontrastiert sie mit sozialen Situationen (Goffman 1963) in Ko-Präsenz und zeigt Möglichkeiten der Herstellung einer gemeinsamen Interaktionssituation in Videokonferenzen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Björn Meißner (Diplom-Sprechwissenschaftler) arbeitet am Institut für Sprach- und Kommunikationswissenschaft der RWTH Aachen University. Seine Lehrtätigkeit umfasst die Gebiete Phonetik und Phonologie, Rhetorik, Vortragskunst und Sprechbildung. Im Bereich der Lehramtsausbildung leitet er das Lektorat Sprechwissenschaft/Sprecherziehung und ist beteiligt an Forschungsprojekten zur allgemeinen und normativen Phonetik, zu Stimmgesundheit für Lehrende und zum Einsatz von VR-Technik in Rhetorik und Stimmbildung.

Lara Wolff hat Sprach- und Kommunikationswissenschaft an der RWTH Aachen studiert und im Juni diesen Jahres ihre Bachelorarbeit zum Thema "Einsatz von MR-Technologie in rhetorischen und sprecherzieherischen Lehrlernsituationen - Untersuchung zu Hals- und Kopfhaltung beim Tragen einer VR-Brille" eingereicht. Zusätzlich befindet sie sich in der Ausbildung zur DGSS Sprecherzieherin. Den Master würde sie gerne in Interkultureller Kommunikation und Bildung an der Universität zu Köln ab dem kommenden Wintersemester absolvieren.

 

 

Kerstin Hillegeist ist Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin und Sprecherzieherin (DGSS). Seit 1996 arbeitet sie als Sprecherzieherin an der Pädagogischen Hochschule Weingarten im Studiengang BA Lehramt und BA Logopädie, bei dem sie auch die Geschäftsführung übernommen hat. Zudem dozierte sie an verschiedenen Hochschulen und Universitäten in Deutschland und der Schweiz. Mehr Informationen unter: deutsch.ph-weingarten.de/das-fach/lehrende/kerstin-hillegeist/

Fabian Thomas ist Atem-, Sprech- und Stimmlehrer, B. Sc. Logopädie, MA Speech Science. Er arbeitete an Hochschulen in Deutschland und China und unterrichtet seit 2017 an der PH Weingarten im Bereich Deutsch mit Sprecherziehung und Logopädie. Schwerpunkte in Lehre und Forschung sind mündliche Kommunikation und (computergestützte) Stimmdiagnostik. Mehr Informationen unter: deutsch.ph-weingarten.de/das-fach/lehrende/fabian-thomas/

Beide sind Mitarbeitende im Projekt PHokus (Orientierung, Kompetenzentwicklung und Unterstützung im Lehramtsstudium) an der PHW mit dem Schwerpunkt Entwicklung eines Prophylaxekonzepts für den Sprechberuf.

 

 

 

 

 

 

Prof. Dr. habil. Norbert Gutenberg, M.A., Sprecherzieher (DGSS), geb. 1951, bis 2016 Leiter des Fachgebiets Sprechwissenschaft und Sprecherziehung an der Universität des Saarlandes, bis 2019 Vorsitzender des Sprachenrats Saar und Leiter des Masterstudiengangs ‚Unternehmenskommunikation und Rhetorik‘ an der UdS und der Universität Koblenz-Landau, seit 2019 Leiter des Masterstudiengangs ‚Sprechwissenschaft und Sprecherziehung‘ der UdS. Autor zahlreicher Monographien und Aufsätze zu Sprechwissenschaft, Rhetorik, Medien, ästhetische Kommunikation, Didaktik von Sprache und Sprechen usw. Mitherausgeber der ‚Saarbrücker Schriften zur Rhetorik‘ und der in Berlin erscheinenden Reihe ‚Rhetorik in Europa.‘ Ko-Leiter mehrerer interdisziplinärer Forschungsprojekte (phonologische Bewusstheit, sprachliche Schlüsselkompetenzen bei Hauptschulabsolventen, Verständlichkeit von Hörfunknachrichten, akademische Beredsamkeit, Rhetorik und Wissenschaft usw.) Mitglied in der Wissenschaftskommission der DGSS und stellvertretender Vorsitzender der Europa-Union Saar, international tätig als freiberuflicher Trainer, Coach, Consultant und Supervisor in Medien, Wirtschaft, Politik und Verwaltung auf Deutsch, Französisch und Englisch.

 

 

Kati Hannken-Illjes, Universität Marburg

Kati Hannken-Illjes, Prof. Dr., Professorin für Sprechwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg, M.A. (USA) in Speech Communication Studies 1998 (CSULB, USA), Diplom in Sprechwissenschaft und Phonetik 1999 (Universität Halle), Promotion 2002 (Universität Halle). Forschungsschwerpunkte: Argumentation bei Kindern, das Verhältnis von Argumentation und Narration, Relevanzsetzung in geburtshilflichen Gesprächen und lecture performances als Format zwischen Sprechkunst und Rhetorik. Publikationen: 3 Monographien, 5 herausgegebene Bände, mehr als 50 Aufsätze. Herausgeberschaften: European Journal of Psychology of Education, Schriften zur Sprechwissenschaft und Phonetik