Studium

Hinweise zur Reflexion

E-Portfolios können dir dabei helfen, deine eigenen Kompetenzen und Lernprozesse zu reflektieren. Reflexion spielt für dein Lernen und deinen Professionalisierungsprozess eine große Rolle. Indem du dir deine eigenen Lern- und Entwicklungsprozesse bewusst machst, diese einordnest und kontinuierlich dokumentierst, übernimmst du als Lernende/r auch die Verantwortung für dein Lernen und deine Weitentwicklung.

 

Reflexion kommt vom lateinischen und bedeutet so viel wie zurückbeugen. Es meint das Rückblicken auf das, was passiert ist, um sich Erlebtes bewusst werden zu lassen, es differenziert zu betrachten und zu analysieren und so Erkenntnisse daraus zu gewinnen.

 

Feedback kann als eine Form von Reflexion mit besonderer Qualität verstanden werden, da hierdurch ein Vergleich von Selbst- und Fremdwahrnehmung ermöglicht wird. Reflexion ermöglicht dabei u.a. Erlebnisse bewusst wahrzunehmen und zu verarbeiten, Erfahrungen nachhaltig zu sichern, das eigene Verhalten und Handeln kritisch zu betrachten, Ansichten und Gefühle zum Ausdruck zu bringen, die eigene Position in der Gruppe wahrzunehmen und Gruppenprozesse zu erkennen, andere und die Gruppe besser zu verstehen, Unterscheidung zwischen Sach- und Beziehungsebene bei Rückmeldungen zu unterscheiden sowie vergangenes Handelns als Ausgangspunkt zur Weitentwicklung zu nutzen.

 

Reflexion kann zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Lern- und Entwicklungsprozess stattfinden, nämlich prospektiv, aktuell oder retrospektiv.

 

Dabei kann auf unterschiedlichen Ebenen reflektiert werden:

Ebene

Reflexionsart

Reflexions-Schwerpunkte

Ich

Selbstreflexion

Eigene Person, Rolle, eigenes Handeln,…

Wir/ Gruppe

Gruppenreflexion

Gruppengefühl, Gruppenprozesse, Gruppenphasen, Zusammenarbeit, Mitbestimmung, Beziehung zu anderen Personen, Meinungen, Erwartungen,…

Sache/ Thema

Problemreflexion

Inhalte/ Themen, Ziele, Methoden, Materialien,….

 

Reflexion ist ein mehrschichtiger Prozess, der einen Rückblick durch Beschreibung und Dokumentation umfasst, eine Bewertung in Form einer Analyse und Interpretation und einen Ausblick/ eine Konsequenz durch Vergleichen, Evaluieren, Ziele setzen und nächste Schritte planen. Das vergangene Handeln und dessen Voraussetzungen und Konsequenzen werden einer Analyse unterzogen und es wird geprüft, ob angestrebte Ziele und Wünsche erreicht wurden. Somit sind die Schritte der Reflexion (hier beispielhaft bezogen auf eine eigene Handlung):

 

1.    Dokumentieren und beschreiben
Bsp.: Wie habe ich gehandelt?
Hier können auch grafische Darstellungen o.ä. hilfreich sein.

2.    Analysieren und interpretieren
Bsp.: Wie war die Qualität der Handlung? Warum habe ich so gehandelt? Wie habe ich mich bei der Handlung gefühlt? Warum habe ich mich so gefühlt? Woran hat es gelegen, dass die Handlung (nicht) erfolgreich war?
Hier sollte auch Literatur einbezogen werden.

3.    Vergleichen und evaluieren/ Ziele setzen und nächste Schritte planen
Bsp.: In welchem Zusammenhang steht die Handlung mit meinen Zielen/ den Erwartungen von anderen/ Anforderungen aus dem Berufsfeld,...? Welche Handlungsalternativen hätte es gegeben? Welche Erkenntnisse ziehe ich aus den gewonnenen Erfahrungen? Welche Schlussfolgerungen/ Konsequenzen ziehe ich für zukünftiges Handeln? Welche Ziele setze ich mir? Wie möchte ich die Ziele angehen/ welche nächsten Schritte plane ich?

 

Portfolio-Arbeit und Reflexion stehen in einem wechselseitigen Verhältnis zueinander. So benötigst du in gewissem Maße Reflexionskompetenz, um erfolgreich und gewinnbringend mit deinem Portfolio arbeiten zu können. Andererseits kannst du durch die Portfolio-Arbeit deine Reflexionskompetenz erweitern.

 

Quellen und Literatur

Hatton, N. /Smith D. (1993): Reflection in teacher education: Towards definition abd implementation. In: Teaching and Teacher Education, Jg. Vol. 11, H. 1, S. 33–49.

Helsper, Werner (2001): Praxis und Reflexion. Die Notwendigkeit einer "doppelten Professionalisierung" des Lehrers. In: Journal für LehrerInnenbildung, Jg. 1, H. 3, S. 7–15.

Hilzensauer, W. (2008). Theoretische Zugänge und Methoden zur Reflexion des Lernens. Ein Diskussionsbeitrag. In: Bildungsforschung. Jg. 5, Ausgabe 2 Schwerpunkt “Reflexives Lernen“, hrsg. von Thomas Häcker, Wolf Hilzensauer & Gabi Reinmann. Verfügbar über: http://bildungsforschung.org/index.php/bildungsforschung/article/download/77/80 (Datum des Zugriffs: 02.04.2014)

Institut für Unterrichts- und Schulentwicklung & SchreibCenter im Auftrag von IMST (Hrsg.) (2010). Starke Texte schreiben. Anregungen für Menschen im Arbeitsfeld Schule. Klagenfurt: Institut für Unterrichts- und Schulentwicklung.  Verfügbar über: https://www.imst.ac.at/starke_texte_schreiben(Datum des Zugriffs: 24.10.13)

Mansvelder-Longayroux u.a. (2007): Functions of the Learning Portfolio in Student Teachers' Learning Process. In: Teachers College Record, Jg. Volume 109, H. 1, S. 126–159.

Pullich, L. (2007). Weblogs als Lernjournale. Kommunikation und Reflexion mit Weblogs im Rahmen akademischer Abschlussarbeiten. IfBM.Impuls – Schriftenreihe des Instituts für Bildungswissenschaft und Medienforschung. 1. Jahrgang 2007, Beitrag 3. Verfügbar über: http://deposit.fernuni-hagen.de/342/1/2007-03-Weblogs-als-Lernjournale.pdf(Datum des Zugriffs: 24.10.2013)

Schön, Donald A. (2009): The reflective practitioner. How professionals think in action. Reprinted. Aldershot: Ashgate

Wildt, Johannes (2003): Reflexives Lernen in der Lehrerbildung. Ein Mehrebenenmodell in hochschuldidaktischer Perspektive. In: Obolenski, Alexandra; Meyer, Hilbert (Hg.): Forschendes Lernen. Theorie und Praxis einer professionellen LehrerInnenausbildung. Bad Heilbrunn/Obb.: Klinkhardt, S. 71–84.

Reflexionsfragen zur E-Portfolio-Arbeit im Praktikum

Zur Anregung für die inhaltliche Ausgestaltung deiner E-Portfolio-Arbeit im Bereich „Lernprozess“ findest du im Folgenden Leitfragen für unterschiedliche Phasen deines Praktikums.  Arbeite die Fragen nicht ab, sondern überlege dir, welche Fragen für dich hilfreich sind. Triff eine begründete Auswahl, mit der du dich auseinandersetzen möchtest und / oder entwickle eigene Fragen.

Beispiele