| EN
Museumsbesuch mit pädagogischem Weitblick

Die Hochschule und das Kurpfälzische Museum bündeln ihre Kräfte: Gemeinsam wollen sie historische sowie kulturelle Bildung fördern und junge Menschen für Geschichte bzw. Kultur begeistern.

Die Kooperationspartner wollen angehende Lehrkräfte dazu befähigen, Schüler:innen für Kunst und Kultur zu begeistern.

Die Pädagogische Hochschule Heidelberg und das arbeiten künftig noch enger zusammen: Rektorin Prof. Dr. Karin Vach und Museumsdirektor Prof. Dr. Frieder Hepp haben gestern einen Kooperationsvertrag unterzeichnet, der die gemeinsame Arbeit in Lehre, Forschung und Museumspädagogik langfristig stärkt. Das Ziel ist, Studierenden einen praxisnahen Zugang zu historischen und kulturellen Quellen zu ermöglichen und mehr junge Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen für Museen als außerschulische Lern- und Erfahrungsorte zu gewinnen.

Kinder und Jugendliche lassen sich Geschichte heute vielfach von ihrem Handy erklären. Doch wissen sie, was ein echtes historisches Zeugnis ist? Wie sich die Größe eines Gemäldes auf die Wahrnehmung auswirkt oder welche handwerkliche Kunst in einem steinzeitlichen Beil steckt? Spektakuläre Funde aus dem Neuenheimer Feld berichten im Kurpfälzischen Museum vom Schicksal der Menschen im unteren Neckarraum vor zweitausend Jahren. In den barocken Räumen des Palais Morass wird Heidelbergs große Zeit als Residenzstadt der Kurfürsten von der Pfalz lebendig. Porträts, Skulpturen, Stadtansichten und historische Zeugnisse zeichnen die Entwicklung der Stadt zum Wissenschaftsstandort anschaulich nach.

Direktor Frieder Hepp bezeichnet das pädagogische Potenzial des Museums als essenziell: „Hier begegnen junge Menschen Originalen, lernen historische Quellen einzuordnen und stärken ihre Urteilskraft. Gerade in einer von Algorithmen und Künstlicher Intelligenz geprägten Welt gewinnt diese Kompetenz zunehmende Bedeutung. Die Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule ist deswegen besonders wertvoll und willkommen.“ Dem stimmt die Rektorin der PHHD, Karin Vach, zu und ergänzt: „Mit der Kooperationsvereinbarung besiegeln wir eine langjährig gewachsene, strategische Partnerschaft, die Forschung nahbar macht, gesellschaftliches Vertrauen stärkt und auch unser Wissenschaftssystem krisenfest verankert.“

Geschichte zum Anfassen

Bezogen auf die zukünftige Kooperation, die didaktische sowie wissenschaftliche Kompetenzen der mit den Sammlungen, Ausstellungen und Vermittlungsangeboten des Kurpfälzischen Museums verbindet, sagt Vach: „Das Kurpfälzische Museum ist ein wunderbarer Ort, an dem Geschichte und Kultur lebendig werden und junge Menschen entdecken können, wie Vergangenheit ihre Gegenwart und Zukunft prägt. Unsere Studierenden werden diese Erfahrungen später als Lehrkräfte in ihre Schulen tragen und vielen Kindern sowie Jugendlichen – insbesondere der Sekundarstufe – den Zugang zu kultureller Bildung eröffnen. Genau darin liegt das besondere Potenzial dieser Kooperation: Professor Dr. Manfred Seidenfuss und sein Team schaffen gemeinsam mit Professor Dr. Frieder Hepp und erfahrenen Museumspädagog:innen Bildungswege, die weit über unsere Hochschule und das Kurpfälzische Museum hinaus wirken.“

So können Lehrende und Studierende künftig verstärkt die Möglichkeiten des Museums etwa für Lehrveranstaltungen oder im Rahmen ihrer Praktika als außerschulischen Lernort nutzen. Durch die Arbeit mit Originalobjekten und musealen Vermittlungsformaten erhalten sie Einblicke in die praktische Umsetzung historischer Bildung. Das Kurpfälzische Museum bringt wiederum seine Expertise in die Hochschullehre ein, indem bspw. Museumspädagog:innen innovative Veranstaltungen im Fach Geschichte der PHHD anbieten.

Von der Kooperation profitieren Studierende aller Lehrämter. Erreicht werden angehende Lehrkräfte für Grundschule, Sekundarstufe I und Sonderpädagogik sowie – durch die Zusammenarbeit der PHHD mit der Universität Heidelberg – auch Studierende des gymnasialen Lehramts. Sie lernen das Kurpfälzische Museum bereits während ihres Studiums als außerschulischen Lernort kennen und können diese Erfahrungen später in ihre Arbeit mit Schulklassen einbringen. So trägt die Partnerschaft dazu bei, langfristig möglichst vielen Kindern und Jugendlichen Zugänge zu Geschichte, Kunst und Kultur zu eröffnen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Zusammenarbeit liegt auf der gemeinsamen Weiterentwicklung von Bildungsangeboten. Die Partner wollen museumspädagogische Konzepte und geschichtsdidaktische Ansätze auf theoretischer, praktischer und empirischer Ebene untersuchen und weiterentwickeln. Perspektivisch können auch begleitende Forschungsprojekte neue Erkenntnisse darüber liefern, wie historische und ästhetische Bildung erfolgreich gestaltet werden kann.

Text: Verena Loos (PHHD) / Annina Seele (KMHD)
Foto: Annina Seele