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Gute Klassengemeinschaft hilft gegen Zukunftsängste

Was gibt Schüler:innen in herausfordernden Zeiten Halt?: Studie befragte Kinder zu ihrem Wohlbefinden und wo sie in der Schule Unterstützung erleben

Wer sich in der Schule gut integriert fühlt, kann leichter Ängste kompensieren.

Ein guter Klassenzusammenhalt stärkt Schüler:innen und hilft gegen Zukunftsängste: Dies zeigt eine Studie aus der Sonderpädagogik, in der rund 3.000 Schüler:innen aus Grundschulen und Sonderschulen in Deutschland befragt wurden. Die Erhebung wurde von Prof. Dr. Nicola-Hans Schwarzer und Dr. Robert Vrban von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg gemeinsam mit Kolleg:innen der Universitäten Wuppertal, Münster und Oldenburg durchgeführt. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Emotional and Behavioural Difficulties veröffentlicht.

Seit der Pandemie haben psychische Belastungen junger Menschen zugenommen. Die Autor:innen zitieren Studien, die zeigen, dass Kinder und Heranwachsende vermehrt von Zukunftsängsten beeinträchtigt sind. Dabei sorgen sich diese nicht nur um ihre persönliche Zukunft, sondern fürchten auch potenzielle Gesundheits-Krisen und damit einhergehende, erneute Einschränkungen wie Schulschließungen und soziale Isolation. In Folge seien psychische Probleme wie Depressionen und Ängste angestiegen.

„Uns hat deshalb interessiert, wie Kinder und Jugendliche noch gezielter unterstützt werden können, besonders im Schulkontext“, sagt Schwarzer, Juniorprofessor der Sonderpädagogik mit dem Schwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung. Vielversprechend seien hier die Beziehung zur Lehrkraft sowie die soziale Integration in die Klasse, die man in den Fokus genommen habe. Man gehe davon aus, dass sowohl eine gesunde Schüler-Lehrer-Beziehung wie auch das Gefühl, sozial integriert zu sein und dazuzugehören, Sicherheit und Orientierung vermittelten.

Zu diesen Themen befragte das Forscherteam in einer Online-Erhebung Schüler:innen aus insgesamt 416 Klassen, diese waren im Schnitt zehn Jahre alt. Die Schüler:innen gaben unter anderem an, wie stark sie von Sorgen und Ängsten betroffen sind und was sie in der Schule als unterstützend erleben: Kommen sie gut mit ihren Mitschüler:innen aus? Fühlen sie sich von der Lehrkraft gesehen oder können diese bei Problemen ansprechen?

Gruppenzusammenhalt in der Schule fördern

Im Ergebnis bestätigte sich, dass beide Faktoren zum Wohlbefinden der Schüler:innen beitragen. Überraschenderweise zeigte sich aber, dass den Befragten die Einbindung in die Klasse wichtiger war als der direkte Draht zur Lehrkraft, wie Schwarzer berichtet. Teil eines Sozialgefüges zu sein und akzeptiert zu werden, sei offensichtlich hilfreich, um Ängste zu kompensieren – und habe einen höheren Stellenwert als die direkte Beziehung zur Lehrkraft.

„Ein interessantes Ergebnis, weil man in der Pädagogik oft stark die Lehrkraft-Schüler:innen-Beziehung in den Blick nimmt“, so der Sonderpädagoge. „Doch auch Sorgen zu teilen kann helfen - in Gruppen wird sichtbar, dass es anderen genauso geht.“ Die Erkenntnis schließe an die Erfahrung im klinischen Bereich an: „Im psychotherapeutischen Bereich fokussiert man sich zunehmend auf Gruppen und Gruppentherapien.“

In der Schule tun Lehrkräfte also gut daran, in ihrer Klasse Gemeinschaft herzustellen und Zugehörigkeit zu vermitteln, so die Schlussfolgerung der Autor:innen. Es könne auch eine Entlastung sein, öfters die Gruppendynamik zu fördern statt intensive Einzelbeziehungen zu Schüler:innen zu pflegen. Insgesamt sei es wichtig, pädagogische Maßnahmen für den Zusammenhalt zu fördern. „Das können kooperative Lehr-Lernformate, Ausflüge oder Erlebnispädagogik sein – alles was die Gruppendynamik positiv beeinflusst.“

An der Befragung und ihrer Auswertung waren auch Studierende beteiligt, die sich in ihren Bachelor- und Masterarbeiten mit den Daten befassten. Aktuell arbeiten die Wissenschaftler:innen des Projekts an weiteren Veröffentlichungen.

Publikation 
Schwarzer, N. H., Nicolay, P., Urton, K., Bolz, T., Gensler, A. F., Hank, C., … Hillenbrand, C. (2026). Corona-related future anxiety and well-being among school-aged children: the relevance of social integration and the student-teacher relationship. Emotional and Behavioural Difficulties, 31 (2), 213–228.

Text: Antje Karbe
Foto: Birgitta Hohenester