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Corona-Pandemie erforschen und bewältigen

Projekte und Studien der Pädagogischen Hochschule Heidelberg

Ob Impfstoffentwicklung oder digitale Lernangebote fürs Homeschooling: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlichster Fachdisziplinen in Baden-Württemberg beschäftigen sich intensiv in Studien und Forschungsprojekten mit COVID-19. Dabei nehmen sie auch die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie in den Blick. Entstanden sind in den vergangenen Wochen zudem konkrete Informations- und Serviceangebote, die den Umgang mit der Krise, die sich auch auf den persönlichen und sozialen Bereich auswirkt, erleichtern.

Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg hat am 22. Juni 2020 eine Übersicht mit ausgewählten COVID-19-Forschungsprojekten, Studien und Angeboten der unterschiedlichen Hochschulen des Landes veröffentlicht, darunter auch Projekte der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Beispielhaft soll gezeigt werden, was in der Corona-Forschung zur Bekämpfung des Virus und zur Bewältigung seiner Auswirkungen getan wird, so Wissenschaftsministerin Theresia Bauer. Unter dem Motto #CovidScienceBW stellt das Ministerium zudem auf seinen "Social Media"-Kanälen täglich drei der Projekte vor.

In der folgenden Auflistung sind neun Projekte der Pädagogischen Hochschule Heidelberg gelistet, die zu den ausgewählten Projekten des Wissenschaftsministeriums zählen. Zu finden sind dort eine kurze Zusammenfassung des jeweiligen Projektes sowie Ansprechpartner.

"Ich kann das nicht allein": erste Befunde zur Corona-bedingten Schule zu Hause

In der explorativen Studie der Pädagogischen Hochschulen in Heidelberg und Ludwigsburg wurden Schülerinnen und Schüler zu ihren Erfahrungen im ersten Abschnitt der neuen Schule zu Hause befragt. Die Studie bietet mit ihren Einblicken in das häusliche Lernen sowohl Anhaltspunkte für die Lehrkräfte und die Schulen als auch für die Lehrerbildung.

Bedingt durch die Ausbreitung des Coronavirus und die Maßnahmen zu seiner Eindämmung wurden am 17. März 2020 die Schulen in Baden-Württemberg geschlossen und die Schülerinnen und Schüler - mit Ausnahme von wenigen Notregelungen - in das häusliche Lernen entlassen. Eine solche verordnete häusliche Beschulung, mit der die gesellschaftliche Bildungsfunktion und Schulpflicht aufrechterhalten werden soll, ist beispiellos in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.
Konkrete Handlungsempfehlungen lagen zum Zeitpunkt der Schulschließungen nicht vor und waren von den Schulen und Lehrpersonen in kürzester Zeit zu entwickeln. Aus einer wissenschaftlichen Perspektive heraus, bleiben bislang viele Fragen zur Schule zu Hause unbeantwortet, die nicht nur inhaltlich bedeutsam für die Weiterentwicklung der Hochschullehre sind, sondern darüber hinaus auch den Schulen und Lehrkräften Anhaltspunkte zum Handeln geben könnten.

Eine gerade veröffentlichte Studie der Pädagogischen Hochschulen Ludwigsburg und Heidelberg, in der Schülerinnen und Schüler zur neuen Situation befragt wurden, versucht diese Lücke mit ersten explorativen Ergebnissen zu füllen. Sie wurde von Valentin Unger, Doktorand im "Projekt Effektive Kompetenzdiagnose in der Lehrerbildung" (EKoL) an der PH Heidelberg, Professor Dr. Albrecht Wacker von der PH Ludwigsburg und Dipl.-Päd. Thomas Rey, ebenfalls Doktorand im EKoL-Projekt an der PH Heidelberg und Mitarbeiter der Universität Bamberg, durchgeführt.

In dieser Studie wurden Schülerinnen und Schülern nach den (digitalen) Verfahren der Schule zu Hause, nach ihrer täglich aufgewendeten Arbeitszeit, nach erfolgten Kontrollen und Rückmeldungen sowie nach Vor- und Nachteilen befragt. Von Interesse war ebenfalls, was aus ihren Erfahrungen heraus förderlich erscheint, wenn die Schulen weiterhin (teilweise) geschlossen bleiben würden.
Zum Zeitpunkt der Befragung hatten die Probandinnen und Probanden den ersten Arbeitsblock von der Schulschließung bis zu den Osterferien bewältigt. Insgesamt liegen die Antworten von 169 Personen vor, wobei die Stichprobe ein deutliches Übergewicht von Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums aufweist.

Insgesamt verweist die Studie auf eine große Varianz der Schülereinschätzungen bezüglich der Schule zu Hause, die zwar auch positive Beurteilungen enthält ("...eigentlich war alles gut so."), aber mehrheitlich unzureichende Aspekte andeutet ("Ich kann das nicht alleine, es ist keiner da, der mir es erklärt."). Mehr als die Hälfte der Schülerinnen und Schüler gibt ferner an, weniger als im Präsenzunterricht für die Schule zu arbeiten; jeweils ein knappes Viertel verweist darauf, eben so viel oder sogar mehr zu arbeiten.

Die Studie zeigt, dass die verschiedenen Wege und Verfahren, über die häusliche Beschulung erfolgt, noch vielfältiger sind als bisher angenommen: Die Angaben der befragten Schülerinnen und Schüler lassen den Schluss zu, dass sich der digitale Unterricht nicht nur von Schule zu Schule unterscheidet. Vielmehr bestehen auch innerhalb einer Schule häufig differente Wege und die Lehrkräfte machen unterschiedliche Vorgaben, wie etwa Aufgaben einzureichen sind. Für die Schülerinnen und Schüler erschwert sich hierdurch nach eigener Angabe die Strukturierung ihrer Arbeit und sie wünschen sich in Folge, dass die Vorgaben innerhalb einer Schule abgestimmt und besser koordiniert werden. Die Ergebnisse verdeutlichen darüber hinaus den Wunsch der Lernenden nach einer engmaschigeren Kommunikation mit den Lehrpersonen, die ungeachtet der vielfältigen und engagierten Bemühungen der Lehrkräfte über das häufig aufzufindende "Aufgabe-Lösung"-Schema des Heimunterrichts hinausweist.

Weitere Informationen finden Sie unter www.ph-ludwigsburg.de. Informationen zum EKoL Forschungs- und Nachwuchskolleg finden Sie unter www.ph-heidelberg.de/fun-ekol.

Hintergrund
Die Autoren der Studie stellen den Datensatz gerne allen interessierten Personen zur Verfügung und laden zu weiteren Forschungen ein. Die Ergebnisse wurden online in der Mai-Ausgabe der Zeitschrift "Lehren und Lernen" veröffentlicht (PDF; ca. 6,1 MB) und in der Juli-Ausgabe der Zeitschrift b & w auch den Lehrkräften in einer Kurzfassung zur Verfügung gestellt.

Kunst und Inklusion

Die Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung stehen zurzeit noch weiter am gesellschaftlichen Rand als sonst: Die Werkstätten sind geschlossen, die Menschen sitzen zu Hause oder in Wohnheimen, haben nur wenig Beschäftigung und kaum Möglichkeiten der Partizipation. Einige gehören zur Risikogruppe und müssen sich auch bei "Kontakten-auf-Abstand" zurückhalten. Etliche können nicht lesen und schreiben, haben kein Handy, keinen Computer und sind damit auch von digitalen Wegen der Kommunikation zur "Außenwelt" abgeschnitten.

Das Fach Kunst hat das bestehende Seminar "Kunst & Inklusion" daher angepasst und die kreativen Begegnungen zwischen den Studierenden und Menschen, die als geistig behindert gelten, neu gestaltet: Künstlerische Dialoge in Wort und Bild werden mit Postkarten verschickt und ausgetauscht.

Die Briefkontakte und künstlerischen Aufgaben geben sinnvolle Beschäftigungen und sie ermöglichen risikofreie Kommunikationen und Begegnungen mit neuen Menschen. In einigen Fällen motiviert die Teilnahme an dem Projekt sogar zu ungeahntem, eigenständigen Handeln im Sinne einer Selbstversorgung und selbstbestimmteren Lebensführung. Das Projekt hat das Potenzial, einen wertvollen Beitrag zum inklusiven (Kunst-)Unterricht zu leisten.

Das Projekt wird in Kooperation mit der Lebenshilfe Heidelberg durchgeführt. Ihre Ansprechpartnerin an der Hochschule ist Susanne Bauernschmitt.

Weitere Informationen finden Sie unter www.ph-heidelberg.de/kunst.

Hackathon "EduThon": Erste Lösungen für Probleme der digitalen Schule erarbeitet

Beim Hackathon "EduThon" haben die Teilnehmenden Mitte April 2020 gemeinsam Konzepte zur Lösung der Herausforderungen entwickelt, die mit dem Corona-bedingten Homeschooling einhergehen. Organisiert wurde die Online-Veranstaltung von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg und der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH. Die Ergebnisse reichen von einem Leitfaden mit Hospitationsmöglichkeiten, über Apps bis hin zu ausdruckbaren Wochenplänen. In einem nächsten Schritt sollen zeitnah und in Kooperation mit dem S-HUB Mannheim konkrete Dienstleistungen bzw. Produkte entwickelt werden.

Das Coronavirus hat im Bildungssystem in kurzer Zeit viel verändert und stellt Lernende, Lehrende und Familien vor große Herausforderungen. Zur Lösung dieser Probleme hat das Projekt TRANSFER TOGETHER, ein gemeinsames Vorhaben der Pädagogischen Hochschule Heidelberg und der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH, mit dem EduThon einen digitalen Hackathon organisiert: "Aus der Klassengemeinschaft wird über Nacht die Chatgruppe, aus dem Esszimmer das Homeoffice mit integriertem Klassenzimmer, Hausaufgaben gibt's per Post oder Mail und digitaler Unterricht steht und fällt jetzt mit stabilem Internet. Im Rahmen des EduThon kann jeder seine individuelle Expertise einbringen, um anderen Menschen zu helfen", sagen die Organisatoren Carsten Huber und Dr. Melanie Seidenglanz (Metropolregion Rhein-Neckar GmbH) sowie Julika Ritter und Max Wetterauer (Pädagogische Hochschule Heidelberg).

Insgesamt sieben Teams - darunter zahlreiche Studierende der Pädagogischen Hochschule - haben während des 2-tägigen Hackathons digitale sowie analoge Konzepte entwickelt, die unmittelbar in den Homeschooling-Alltag mit einfließen können. Sie haben sich dabei an den Herausforderungen orientiert, die in Vorgesprächen mit Eltern als die größten Probleme identifiziert wurden. Die Jury des EduThon hat aus den eingereichten Konzepten drei ausgewählt, die etwa einen gesellschaftlichen Mehrwert bieten und sich kurzfristig realisieren lassen.
Als besonders aussichtsreich beurteilt die Jury ein Konzept, das vielfältige Tipps zum digitalen Unterricht mit konkreten Hilfestellungen und Angeboten kombiniert. Das Team hat sich hierzu mit der Frage beschäftigt, wie Schülerinnen und Schüler dazu motiviert werden können, sich an einem digitalen Unterricht zu beteiligen. Konkrete Antworten finden Lehrkräfte in einem Leitfaden, der im Rahmen des Hackathon entwickelt wurde. Der zweite Platz geht an eine storybasierte, spielerische und didaktisch fundierte App, die jüngeren Schülerinnen und Schülern dabei helfen soll, ihr eigenes Lernen zu strukturieren und zu reflektieren. Die Lernfortschritte sollen sowohl von Erziehungsberechtigten als auch von Lehrkräften eingesehen werden können. Den dritten Platz belegt der Prototyp einer Stress-App, mit der sich per Selbsteinschätzung das persönliche Stresslevel feststellen lässt und die dann alltagstaugliche Ausgleichsmöglichkeiten aufzeigt.

Die meisten Teilnehmenden des EduThon haben im Anschluss die Möglichkeit wahrgenommen, an individuellen Workshops zur Lösungs-, Projekt- und Geschäftsmodellentwicklung teilzunehmen. Diese werden vom S-HUB Mannheim, einem Gründerzentrum mit dem Fokus auf nachhaltigem und verantwortungsvollem Unternehmertum, in Zusammenarbeit mit den EduThon-Organisatoren durchgeführt. Ziel ist es, die Konzepte zeitnah zu konkreten Dienstleistungen und Produkten weiterzuentwickeln, die von betroffenen Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Eltern genutzt werden können.

Ihre Ansprechpartner an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg sind Julika Ritter, Max Wetterauer und ab 1. Juli 2020 Carsten Huber. Weitere Informationen finden Sie unter transfertogether.de/eduthon.

"Mapping Corona": Karten und Grafiken über die Epidemie "lesen lernen"

Die Abteilung Geographie der Pädagogischen Hochschule Heidelberg hat einen neuen Online-Kurs über die Ausbreitung des Coronavirus entwickelt: Bei dem kostenfreien Angebot lernen Jugendliche, Karten und Grafiken über COVID-19 zu lesen und zu interpretieren. Die Schülerinnen und Schüler erwerben zudem wichtige Kompetenzen im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung. Der Kurs "'Mapping Corona' - Was uns Karten und Satellitenbilder über COVID-19 sagen können" ist ab sofort online verfügbar; er richtet sich an Schülerinnen und Schülern der Klassenstufen 7 bis 9 sowie an Lehrkräfte.

Die Corona-Pandemie ist unverändert stark in den Medien vertreten und beeinflusst maßgeblich den Alltag von Schülerinnen und Schülern in ganz Deutschland. Dabei werden die Jugendlichen mit zahlreichen Graphiken, Diagrammen und Karten konfrontiert, deren Aussagen häufig scheinbar nicht deckungsgleich sind. Damit Schülerinnen und Schüler lernen, diese Daten selbst zu lesen und zu interpretieren, hat die GIS-Station an der Abteilung Geographie der Pädagogischen Hochschule Heidelberg nun einen entsprechenden Online-Kurs entwickelt: "Wir wollen den Schülerinnen und Schülern näherbringen, welche Rolle Geodaten und Geoinformationstechnologien bei den Darstellungen spielen, wie Karten und Grafiken zu lesen sind und welche Fallstricke es bei der Interpretation von diesen gibt", so die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Der Kurs arbeitet am Beispiel von aktuellen Daten zur Verbreitung von COVID-19: Somit wird nicht nur die Kartenlese- und Methodenkompetenz der Jugendlichen gestärkt, sie erwerben zudem Wissen über globale Zusammenhänge. Diese Kompetenz gilt als ein Schlüsselfaktor, um weltweiten wirtschaftlichen Fortschritt im Einklang mit sozialer Gerechtigkeit und in den Grenzen der ökologischen Belastbarkeit des Systems Erde gestalten zu können.

Der Online-Kurs "Mapping Corona" richtet sich an die Klassenstufen 7 bis 9 und kann ab sofort über mobile Endgeräte ohne Anmeldung aufgerufen werden. Die Lernenden werden durch ein Erklärvideo und mithilfe von kleinen Arbeitsschritten durch den Kurs geleitet; Lehrkräfte erhalten zudem eine Anleitung sowie eine Musterlösung. Die Expertise des UNESCO-Lehrstuhls für Erdbeobachtung und Geokommunikation von Welterbestätten und Biosphärenreservaten, der an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg angesiedelt und der einzige UNESCO-Chair in Baden-Württemberg ist, floss maßgeblich in das Projekt ein.

Ihre Ansprechpartner an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg sind Professor Dr. Alexander Siegmund und Johannes Keller. Weitere Informationen finden Sie unter www.ph-heidelberg.de/geographie.

Algebra differenziert fördern (aldiff)

Kenntnisse in der elementaren Algebra sind für ein erfolgreiches Studium in einem MINT-Fach unverzichtbar. Durch das aktuelle Homeschooling aufgrund von Corona wird in den kommenden Semestern die Heterogenität der Studienanfänger in Themen der Sekundarstufenmathematik voraussichtlich noch mehr als bisher divergieren. Das Diagnose- und Förderkonzept aldiff ist so angelegt, dass die Vorkurs-Teilnehmenden in (a)synchronen Vorkursteilen selbständig arbeiten können. Jede/r Teilnehmende erhält ein unmittelbares Feedback sowie bei Bedarf randomisiert generierte Übungsaufgaben.

aldiff hat das Potenzial, den Abiturient/innen den Übergang zwischen Schule und Studium zu erleichtern: Wissenslücken, die durch das Homeschooling entstanden sind, werden identifiziert und Übungsaufgaben zur Schließung der Lücken angeboten. Das Vorhaben kann grundsätzlich dazu beitragen, die Anzahl der Studienabbrecher im MINT-Bereich zu reduzieren und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Das Projekt wird von Professor Dr. Guido Pinkernell und Professor Dr. Markus Vogel aus der Abteilung Mathematik geleitet. Die Projektkoordination obliegt Tim Lutz.

Weitere Informationen finden Sie unter www.ph-heidelberg.de/aldiff.

Das digitale Sommersemester und die Auswirkungen auf die Lehre

Der mehr oder weniger abrupte und somit nur mit wenig Umsetzungszeit notwendige Umstieg von analoger auf digitale Lehre dürfte viele Lehrpersonen nicht nur in Baden-Württemberg vollkommen überrascht haben. Um die Perspektiven der lehrenden Personen auf das "digitale Sommersemester" aus verschiedenen Facetten zu erfassen, werden in diesem Vorhaben alle Lehrpersonen sowie alle Studierenden der PH Heidelberg befragt.

Das Vorhaben will Einblicke in die (digitale) Lehrerausbildung geben und verspricht - aus Sicht der Lehrenden - Erkenntnisse zum Beispiel über geänderte Anforderungen an die Didaktik sowie die Lehre. In Bezug auf die Studierenden will das Projekt zudem Antworten auf die Frage finden, wie Studierende kollaborativ mit digitalen Tools zusammenarbeiten und wie sich die "digitale Kommunikation" zwischen Studierenden und Lehrpersonen gestaltet. Die Ergebnisse können unmittelbar in die Lehrerbildung einfließen.

Ihr Ansprechpartner an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg ist Professor Dr. Christian Rietz. Weitere Informationen finden Sie unter www.ph-heidelberg.de/institut-fuer-erziehungswissenschaft.

Mäßigung in Zeiten von Corona: Gedanken über uns und unsere Zukunft

Die Corona-Krise hat unsere gesamte Gesellschaft in den Zustand einer "Zwangsmäßigung" versetzt. Sie hat damit zu vielfältigen Problemen im individuellen, ökonomischen und gesellschaftlichen Bereich geführt. Viele Menschen haben im Umgang mit der neuen Situation psychische und soziale Probleme. Der Shutdown hat mittlerweile viele Menschen überfordert, zu psychischen Erkrankungen und verschiedenen Formen von Aggressionen sowie häuslicher Gewalt geführt.

Die Philosophie der Mäßigung kann in dieser Situation Denkanregungen für eine individuelle Bewältigung der Situation, aber gleichzeitig auch für die Entwicklung neuer, nachhaltigerer Lebenskonzepte liefern. Professor Vogel hat seine bildungstheoretischen Studien zur "Mäßigung" daher mit Blick auf die aktuelle Pandemie weitergeführt. Dabei bleibt er nicht in der Theorie, sondern zeigt darüber hinaus, wie wir Mäßigung lernen und (auch) in Krisenzeiten sinnvoll nutzen können.

Das Vorhaben eignet sich, um über einen neuen individuellen Lebensstil zu reflektieren und ihn zu beginnen. Es kann zudem Grundlage für den erziehungswissenschaftlichen Diskurs über ein anderes, nachhaltigeres und zukunftsfähiges Narrativ für unsere Kultur liefern.

Ihr Ansprechpartner an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg ist Professor Dr. Thomas Vogel. Weitere Informationen finden Sie unter www.ph-heidelberg.de/institut-fuer-erziehungswissenschaft.

Nachbarschaftshilfen als Ausdruck lokaler Solidaritätsstrukturen

Die aktuelle Corona-Krise stellt unser Gemeinwesen vor große Herausforderungen. Vielerorts ist zu hören, dass diese Herausforderungen nur gemeinsam gemeistert werden können. Dabei wird sowohl an individuelle Verantwortung als auch an gesellschaftliche Solidarität appelliert. Tatsächlich ist zu beobachten, dass in vielen gesellschaftlichen Bereichen im Zuge der Krise Solidaritäts- und Engagement-Ressourcen mobilisiert werden konnten. In dem Vorhaben sollen Heidelberger Initiativen für nachbarschaftliche Hilfe in Coronazeiten als Ausdruck lokaler Solidaritätsstrukturen wissenschaftlich untersucht werden. Im Zentrum der Untersuchung steht die Frage nach Hintergründen, Bedarfen und Perspektiven.

Das Projekt "Die Etablierung von nachbarschaftlichen Hilfen in Zeiten von Corona als Ausdruck lokaler Solidaritätsstrukturen" wird von der Abteiligung Soziologie in Kooperation mit der FreiwilligenAgentur Heidelberg durchgeführt. Ihr Ansprechpartner an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg ist Daniel Vetter. Weitere Informationen finden Sie unter www.ph-heidelberg.de/soziologie.

WHO-Studie liefert Basislinie für die Messung der Auswirkungen von COVID-19

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat am 19. Mai 2020 ihren Bericht über die Studie zum Gesundheitsverhalten von Kindern im schulpflichtigen Alter (HBSC) veröffentlicht. Der Bericht enthält umfassende Daten über die körperliche Gesundheit, sozialen Beziehungen und das psychische Wohlbefinden von rund 227.500 Schulkindern aus 45 Ländern. Der Bericht dient damit zukünftigen Studien als Basislinie für die Messung der Auswirkungen von COVID-19 auf das Leben junger Menschen. Für den Zeitraum zwischen 2014 und 2018 deutet der Bericht insbesondere auf eine Verschlechterung des psychischen Wohlbefindens von Jugendlichen in vielen Ländern hin. Für Deutschland wurden die Daten von einem Studienverbund erhoben, dem auch Professor Dr. Jens Bucksch (Prävention und Gesundheitsförderung) angehört.

Das WHO-Regionalbüro für Europa hat heute einen neuen Bericht über die Studie zum Gesundheitsverhalten von Kindern im schulpflichtigen Alter (HBSC) veröffentlicht. Dieser befasst sich mit den gesundheitlichen und sozialen Verhaltensweisen von Schulkindern im Alter von 11, 13 und 15 Jahren aus 45 Ländern. Der Bericht deutet insbesondere auf eine Verschlechterung des psychischen Wohlbefindens von Jugendlichen in vielen Ländern im Zeitraum zwischen 2014 und 2018 hin. Er zeigt zudem, dass das psychische Wohlbefinden von Kindern sich verschlechtert, wenn sie älter werden. Dabei weisen Mädchen im Vergleich zu Jungen ein besonders großes Risiko auf, im Hinblick auf ihr psychisches Wohlbefinden schlecht abzuschneiden. Jeder vierte Jugendliche gibt an, mindestens einmal pro Woche mit Nervosität, Reizbarkeit oder Einschlafstörungen zu kämpfen zu haben. Der Bericht macht deutlich, dass in Bezug auf das psychische Wohlbefinden zwischen den Ländern erhebliche Unterschiede bestehen. Dies zeigt, dass kulturelle, politische und wirtschaftlichen Faktoren eine Rolle bei der Förderung des psychischen Wohlbefindens spielen können.

Dem Bericht zufolge werden Jugendliche in etwa einem Drittel der Länder im Vergleich zu 2014 zunehmend durch Schularbeiten belastet und immer weniger junge Menschen gehen gerne zur Schule. In den meisten Ländern verschlechtern sich die schulischen Erfahrungen mit dem Alter: die Schulzufriedenheit und die von den Jugendlichen wahrgenommene Unterstützung durch Lehrkräfte und Mitlernende sinkt mit der zunehmenden Belastung durch Schularbeiten. Die Studie untersucht neben dem sich verändernden Bild des psychischen Wohlbefindens bei Jugendlichen in der Region auch die zunehmende Verwendung digitaler Technologien durch die Jugend. Diese Technologien können laut den Forscherinnen und Forschern positive Effekte haben, doch sie können auch zur Verschärfung von Anfälligkeiten beitragen und neue Bedrohungen verursachen. Hierzu zählt etwa Cyber-Mobbing, durch das insbesondere Mädchen unverhältnismäßig stark betroffen sind. Mehr als jeder zehnte Jugendliche gibt an, mindestens einmal in den vergangenen zwei Monaten Opfer von Cyber-Mobbing gewesen zu sein.

Zeitgleich mit der Veröffentlichung der jüngsten HBSC-Studie, die Ergebnisse aus den Jahren 2017/2018 enthält, kämpft die Welt mit der COVID-19-Pandemie. Die nächste Studie mit Ergebnissen aus den Jahren 2021/2022 wird somit die Auswirkungen der Pandemie auf das Leben junger Menschen widerspiegeln: "Die Vielzahl an Themen, die von der HBSC-Studie abgedeckt werden, geben wichtige Einblicke in das Leben von Jugendlichen heute und sollte uns zudem eine nützliche Basislinie für die Messung der Auswirkungen von COVID-19 auf Jugendliche liefern, wenn die Ergebnisse der nächsten Studie im Jahr 2022 veröffentlicht werden", erklärt Martin Weber, Leiter des Programms für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen beim WHO-Regionalbüro für Europa. "Anhand eines Vergleichs der Daten werden wir messen können, in welchem Ausmaß und inwiefern sich längerfristige Schulschließungen und Ausgangssperren auf die sozialen Interaktionen junger Menschen sowie ihr körperliches und psychisches Wohlbefinden ausgewirkt haben."

Die vollständigen Ergebnisse finden Sie auf der WHO-Internetseite unter www.euro.who.int (Ergebnisse sowie Eckdaten); eine Zusammenfassung liefert die HBSC-Seite unter www.hbsc.org. Informationen zu der Abteilung Prävention und Gesundheitsförderung der Pädagogischen Hochschule Heidelberg finden Sie unter www.ph-heidelberg.de/gefoe.

Hintergrund
Die HBSC-Studie verfolgt seit über 35 Jahren die Erfahrungen junger Menschen und ist ein wichtiges Instrument, um die erzielten Fortschritte im Hinblick auf eine Vielzahl von gesundheitlichen und sozialen Indikatoren zu identifizieren und Problembereiche hervorzuheben, die möglicherweise aufeinander abgestimmte Handlungskonzepte und praktische Interventionen erforderlich machen. Die HBSC-Daten werden genutzt, um neue Erkenntnisse über Gesundheit und Wohlbefinden von Jugendlichen zu gewinnen, die sozialen Determinanten von Gesundheit besser zu verstehen und die Gestaltung von Politik und Praxis zur Verbesserung des Lebens junger Menschen in allen Teilen der Europäischen Region und Kanada zu inspirieren.

Kontakt

Dr. Birgitta Hohenester
Presse & Kommunikation
Wissenschaftsredakteurin
+49 6221 477-643
E-Mail


Verena Loos
Presse & Kommunikation
Pressesprecherin
+49 6221 477-671
E-Mail

Dr. Nicole Flindt
Forschungsreferat
Geschäftsführerin
+49 6221 477-468
E-Mail

#CovidScienceBW

Die hier genannten Vorhaben sind Teil der #CovidScienceBW-Kampagne des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg. Weitere Informationen finden Sie unter mwk.baden-wuerttemberg.de.

Stand: 23. Juni 2020

Coronavirus

Aktuelle Informationen zum Umgang der Hochschule mit dem Coronavirus finden Sie unter www.ph-heidelberg.de/coronavirus.