F III / IGWGES

Geschichte

Willkommen auf der Seite der Abteilung 'Geschichte und ihre Didaktik' an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Hier bekommen Sie aktuelle Informationen über das Fach Geschichte, das Studium und die Arbeit in Lehre und Forschung.

Außerdem stehen Ihnen eine Reihe von Dokumenten zum Download zur Verfügung. Zudem erhalten Sie einige Hinweise zu anderen interessanten Webadressen.

Aktueller Hinweis

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Aktuelles

Glückwunsch: Urban Sager hat die Disputatio bestanden

Der Dekan Prof. Dr. Jens Bucksch und die Prüfungskommission konnten Herrn Urban Sager zur gelungenen Doktorprüfung gratulieren. 

Urban Sager wurde im Rahmen der Kooperation und des Doktorand:innenkollegs mit der Pädagogischen Hochschule Luzern promoviert. Nach Abgabe der Dissertation zum Thema „Ich werde versuchen, dir die Schweiz etwas näher zu bringen. Historische Erzählungen zur Schweizer Geschichte von Schülerinnen und Schülern am Ende ihrer Schullaufbahn“ verteidigte Urban Sager seine Thesen vor der Prüfungskommission in der Disputatio am 12. Dezember im Technologiepark. Urban Sager ist Lehrbeauftragter an der PH Luzern, Lehrer im beruflichen Schulwesen im Kanton Luzern und seit 2016 Luzerner Kantonsrat.

Verleihung des Uwe-Uffelmann-Preises und feierliche Verabschiedung der Examinierten des Studienjahres 2022 im Fach Geschichte

Nach einem kurzen Bericht über die vielfältigen Aktivitäten des Faches Geschichte und die zahlreichen Personalwechsel im Fach wurde am 18. November im Rahmen der Verabschiedung der Examinierten des Studienjahres 2022 zum 13. Mal der mit 1000 Euro dotierte Uwe-Uffelmann-Preis vergeben. Der Preis erinnert an das Wirken von Prof. Dr. Uwe Uffelmann, der mit seinen Forschungen und als Wissenschaftsorganisator die Entwicklung der Didaktik der Geschichte an der Hochschule und in der Bundesrepublik Deutschland zwischen 1971 und 2003 wesentlich prägte. Der Preis wird für herausragende wissenschaftliche Leistungen oder für besondere Verdienste für die Fachkultur vergeben.
Weitere Informationen zum Preis

Felix Martel erhielt den Preis für seine Masterarbeit zum Thema  „Der Umgang mit Kolonialismus in deutschen, französischen und englischen Schulbüchern des Fachs Geschichte“. Herr Martel stellte zunächst seine Masterarbeit in den Kontext zentraler geschichtsdidaktischer Gedanken von Uwe Uffelmann und betonte dabei die Prinzipien von Gegenwarts- und Problemorientierung. Dieter Burkard würdigte in seiner Laudatio die innovativen Fragestellungen, Prof. Dr. Manfred Seidenfuß als Erstbetreuer der Arbeit betonte die transnationale Zuspitzung und die anspruchsvolle methodische Bearbeitung. Er unterstrich zudem das breite Expertenwissen, das in unterschiedlichen Bereichen in dieser Arbeit nachzuweisen war: in der historischen Forschung, in der Bildungs- und Schulforschung, in der empirischen Grundlagenforschung, in der geschichtsdidaktischen und geschichtstheoretischen Forschung mit den Spezialgebieten von Narrativitätstheorie, Aufgaben- und Bildforschung. Zudem besticht die Arbeit durch ein hohes Maß an Eigenständigkeit und einen vergleichenden Blick auf Kolonialismus und Kolonialität in England, Frankreich und Deutschland.

Zuletzt verabschiedeten Anette Hettinger, Mario Resch, Bettina Degner, Corinna Link, Marco Dräger  und Manfred Seidenfuß die Absolventen und Absolventinnen des Studienjahres 2022 mit persönlichen und wertschätzenden Worten.

Schule als Lernort für Queere Geschichte?! Diskussion über Herausforderungen und Zukunftsaussichten eines vielfältiges Geschichtsunterrichts

Podiumsdiskussion im Transferzentrum

Im Rahmen des Seminars “Gedenkstätten, Denkmale, Geschichte in der Öffentlichkeit. Geschichtskultur und Geschichtsunterricht”, geleitet von Herrn Prof. Dr. M. Seidenfuß, veranstalteten am 14.07.2022 die Studierenden eine Podiumsdiskussion im Transferzentrum der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Dieses Seminar verfolgte das wesentliche Ziel, Öffentlichkeit für ein gesellschaftsrelevantes Thema zu erzeugen. Um auch einen Bezug zum Geschichtsunterricht zu herzustellen, wählte die Gruppe die Diskussionsfrage “Wie Queere Geschichte in der Schule unterrichtet werden” kann aus.

Die eingeladenen Experten und Expertinnen Judith Ulmer, Annick Benz, Christian Könne und Klaus Schirdewahn diskutierten über die Frage, ob und wie queere Geschichte einen Platz im Schulunterricht erhalten soll. Schule wird durch Schülerinnen und Schüler sowie den Lehrkräften zu einem vielfältigen Lernort. Daher waren sich die Experten und Expertinnen schnell darüber einig, dass die Frage nach “ob” allein dadurch bereits beantwortet ist.

Dieser Vielfältigkeit würde es nicht gerecht werden, nur die heteronormative Gesellschaft  und deren Geschichte abzubilden. Der Meinungsaustausch der Experten und Expertinnen führte zu dem Ergebnis, dass Unterricht zur Orientierung in der Kultur beiträgt. Dabei sind die Werte wie Toleranz, Freiheit, Solidarität, Geschrechtigkeit und Partizipation von besonderem Stellenwert. Daraus resultiert, dass das Thema der queeren Geschichte nicht nur im Geschichtsunterricht Platz finden sollte, sondern in jedem Unterrichtsfach. Dies beginnt bereits bei der Arbeitsblattgestaltung darauf zu verzichten, nur heteronormative Familien abzubilden.

Die Schule ist der Ort an dem Menschen aus allen Bereichen der Gesellschaft zusammenfinden. Die Experten und Expertinnen wollen, dass sich queere Menschen in der Mitte der Gesellschaft verorten können und nicht als Randgruppe betrachtet werden. Daher soll das Thema auch nicht lediglich in Form von externen Workshops behandelt werden, sondern selbstverständlich in den Schulunterricht integriert werden. Konkret auf den Geschichtsunterricht bezogen bedeutet dies, die vielfältige Gesellschaft abzubilden, die schon immer da war. Das schließt eine breitere Quellenarbeit mit ein und queere Geschichte nicht nur während des Nationalsozialismus zu behandeln.

Angehende und tätige Lehrkräfte sollen mutig und aufgeschlossen sein, die Thematik der queeren Geschichte im Unterricht zu thematisieren. Die selbstverständliche Einbettung der queeren Geschichte in den Unterricht bietet Sicherheit für alle Schüler*innen und hilft sich in ihrer Selbstorientierung und Identifikation.

Podiumsdiskussion: "Was tun mit 'belasteten' Straßennamen in Mannheim und sonstwo?"

Eine Veranstaltung im Marchivum in Mannheim
- organisiert von Studierenden des Faches Geschichte der Pädagogischen Hochschule und der Universität Heidelberg

Im Rahmen des Verschränkungsmoduls im Master of Education gestalten derzeit Studierende des Seminars "Gedenkstätten, Denkmale, Geschichte in der Öffentlichkeit. Geschichtskultur und Geschichtsunterricht" Veranstaltungen zu aktuellen geschichtskulturellen Themen: Die Rolle der Politischen Stiftungen in der bundesdeutschen Geschichtspolitik und Erinnerungskultur, Umbenennung von Straßennamen, Plätzen und Schulen sowie Geschichtswerkstätten - Neue Geschichtswerkstätten - Queere Geschichtswerkstätten. Die Studierenden der Pädagogischen Hochschule und der Universität Heidelberg setzen ihr Fachwissen u.a. dafür ein, um mit Methoden und Praktiken der Public History eine Öffentlichkeit zu erzeugen und ihr Thema in den Problemhorizont einer Öffentlichkeit zu platzieren.

Am Montag, 27. Juni findet im Marchivum, dem Archiv der Stadt Mannheim (Archivplatz 1, D-68169 Mannheim), bereits die zweite Abendveranstaltung des Seminars statt: Im Mannheimer Stadtteil Rheinau verweisen drei Straßennamen auf Persönlichkeiten der deutschen Kolonialzeit (Theodor Leutwein, Gustav Nachtigal, Adolf Lüderitz). Um diese Straßenbenennungen entwickelte sich in der Mannheimer Stadtgesellschaft eine Kontroverse, ob diese Straßen – wie bereits in anderen Kommunen praktiziert - umbenannt werden sollen.   Die Forderung und der Entschluss ihrer Umbenennung stoßen auf unterschiedliche Reaktionen. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion zum Thema "Was tun mit 'belasteten' Straßennamen in Mannheim und sonst wo? Entsorgen – Behalten – Kommentieren?", diskutieren Vertreter und Vertreterinnen von Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft an diesem lokalen Beispiel die Historizität sowie die gesellschaftliche und politische Aufladung von ('belasteten') Straßennamen: Welche Lösungsstrategien gibt es aus wissenschaftlicher Sicht für dieses 'dunkle' historische Erbe? Welchen Beitrag kann die historische Forschung für gegenwärtige Orientierungsprobleme von Kollektiven und Individuen leisten? Wem will die Stadt Mannheim den öffentlichen Raum überlassen und wie kann sich dazu eine Gesellschaft positionieren?

Die Veranstaltung beginnt um 18.00 Uhr im Friedrich-Walter-Saal des ehemaligen Hochbunkers aus dem Zweiten Weltkrieg in der Neckarstadt-West. Studierende und Lehrende aller Fachrichtungen, insbesondere des Lehramtes, sowie interessierte Bürger:innen sind herzlich eingeladen, im gemeinsamen Austausch mit den Expert:innen zu diskutieren. Der Eintritt ist frei. Ihre Ansprechpartner an der Hochschule sind Professor Dr. Manfred Seidenfuß, der Student Mazlum Ildem sowie die Studentin Hannah Wacker.

Mittelaltertag an der Universität Heidelberg

Am Samstag (4. Juni 2022) findet der 9. Mittelaltertag an der Neuen Universität in der Heidellberger Altstadt statt (Beginn: 14 Uhr). Veranstaltet wird dieses interdisziplinäre Angebot von der Universität Heidelberg (Mittelalterliche Kunstgeschichte und Geschichte, Germanistische Mediävistik, Mittellatein, u.a.), zusammen mit dem Karlsruher Institut für Technologie/Universitätsbereich (Institut für Germanistik, Abt. Mediävistik und Frühneuzeitforschung), der Pädagogischen Hochschule Heidelberg (Abt. Geschichte), der Heidelberger Akademie der Wissenschaften (Forschungsstellen »Deutsches Rechtswörterbuch«und »Klöster im Hochmittelalter«), der  Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg und dem Interdisziplinären Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen, Heidelberg.

Getreu dem Motto „Präsenz“ wird dies – das erste Mal seit 2019 – wieder vor Ort in den Räumlichkeiten der Neuen Universität geschehen. Thematisch passend werden sich die Veranstaltungen mit den verschiedenen Facetten der mittelalterlichen Präsenz-Kultur befassen. Kurzvorträge und interaktive Formate können im Wechsel besucht werden. Familien sind willkommen – schließlich gibt es auch wieder ein Angebot für Kinder. Ein abwechslungsreiches Begleitprogramm und ein musikalischer Abend runden den Tag ab. Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt.

Das ausführliche Programm des Mittelaltertags 2022 finden Sie hier.

Verabschiedung von Prof. Dr. Bettina Degner durch die Fachschaft Geschichte

Exkursion nach Olomouc

Im Rahmen des ERASMUS-Projektes Reflection of National and European identity in the New Millennium“ (NAETINEM) reiste eine Gruppe von Studierenden des Fachs Geschichte zu unserer Partneruniversität nach Olomouc. Die Fahrt fand in der Woche vom 20.03.2022 bis 26.03.2022 statt und war Teil des sog. „mobilty-month“ des ERASMUS-Projektes. Im Vorfeld der Exkursion nahmen die Student*innen an täglich stattfindenden online-Treffen teil und diskutierten gemeinsam mit Partner*innen aus Olomouc, Ostrava und Banska Bystrica Fragen der nationalen und europäischen Identität. Dabei lag der Schwerpunkt auf der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen nationalen Erinnerungs- und Gedenkkulturen. In Olomouc wurden die Ergebnisse der vorbereitenden Treffen zusammengefasst und gemeinsam mit Wissenschaftler*innen und Student*innen der beteiligten Universitäten reflektiert.

Veränderungen zum Sommersemester

Die vorlesungsfreie Zeit war verbunden mit zahlreichen Überraschungen, Neuerungen und Turbulenzen (s. auch unten).

Bettina Degner ist seit dem 01/04/2022 Pensionärin. Danke für alles und eine schöne Zeit. Zum Zum Glück wird Bettina Degner in Verbindung zum Fach bleiben und in diesem Semester auch Lehrveranstaltungen anbieten.

Die Rektorate von PH und Universität erteilten Manfred Seidenfuß den Ruf auf eine heiEducation-Professur, die u.a. für die Stärkung der Kooperation gedacht ist, die im Fach Geschichte seit Beginn der BA/MA-Reform etabliert ist. Weiterhin werden das Fach, die geschichtdidakische Forschung und die Lehre mit den Studierenden von PH und Universität die wichtigsten Koordinaten bleiben.

Seit dem 01/04/2022 ist Prof. Dr. Marco Dräger unser neuer Kollege, den wir ganz herzlich begrüssen möchten. Ohne seine Entschlossenheit und sein Engagement hätten wir nur schwer diese Stelle zum 1. April besetzen können. Herzlichen Dank!!!

Seit dem 01/04/2022l arbeitet eine neue Mitarbeiterin, Frau Julia Friedrich, im Fach. Sie bietet u.a. Lehrveranstaltungen mit Manfred Seidenfuß und sehr wahrscheinlich im Sommer eine Exkursion nach Genua an.

In Trauer

Privatdozent Dr. Markus Daumüller verstarb am 21. März 2022. Ein akademisches Leben zwischen Verstehen, Vermitteln und Mitteilen.

Am 21. März erreichte uns die Nachricht, dass unser Kollege Markus gestorben ist. Noch drei Tage zuvor erkundigte er sich über seinen Lehrauftrag für das Sommersemester und wollte nach überstandener schwerer Krankheit wieder einsteigen in die Arbeit mit Studierenden, die er stets mit großem Engagement und der ihm eigenen Ernsthaftigkeit ausfüllte und die ihm wichtig und bedeutsam war. Dazu wird es nicht kommen. Wir alle vom Fach, Studierende und Lehrende, sind fassungslos und traurig, dass er nicht mehr unter uns wird sein können und dass wir einen besonderen Menschen verloren haben.

Über zehn Jahre, seit dem Wintersemester 2011/12, war Markus Lehrbeauftragter des Faches. Vom Februar 2012 bis Juli 2014 war er Akademischer Mitarbeiter im Fach und seit dem Juli 2013 Privatdozent im Fach und in der Fakultät für Natur- und Gesellschaftswissenschaften. Im Jahre 2014 erhielt er den Uwe-Uffelmann-Preis, den die Familie Uffelmann und das Fach Geschichte für besondere wissenschaftliche Leistungen vergeben und die er für seine Habilitationsschrift erhielt. In dieser Zeit brachte er sich in die Facharbeit ein, wirkte an mehreren Überarbeitungen und Neuordnungen von Studienordnungen mit, die ihm als praktizierender Geschichtslehrer, Betreuer von Schulpraktika, Lehrbeauftragten der Zweiten Phase und an der Lehrerbildung Interessierten wichtig waren. Markus fand administrative Problemlösungen oder strategische Überlegungen bei unseren Fachsitzungen eher zum Gähnen. Seine Energie schenkte er uns bei inhaltlichen Fragen des Studiums und von Lehrveranstaltungen und seinem Lebensthema, wie wir Möglichkeiten schaffen, damit Studierende sich zu „guten“, präziser: reflektierenden, Fragen initiierenden, Geschichtslehrpersonen entwickeln können. Von besonderem Wert war seine konstruktive Kritik und seine Mitarbeit bei der Begleitung der Doktorarbeiten von Georg Kanert und Mario Resch und seine Tätigkeit als critical friend beim Forschungs- und Nachwuchskolleg „EkoL“.

Im Folgenden möchte ich als Fachleiter, Betreuer seiner Habilitationsschrift und Co-Autor einige Punkte zu ihm und über ihn schreiben. Ich weiß sehr genau, dass er keine Lobeshymnen hätte hören wollen, sondern meine oder unsere ehrlichen Worte und Mitteilungen. Nicht vergessen werde ich einen Satz, den ich etwas abgewandelt übernommen und seither oft auf Kongressen, Lehrveranstaltungen oder anderen Diskussionen verbreitet habe. In Schule, Unterricht und im Geschichtsunterricht stehen nicht das Vermitteln, sondern das Mitteilen der Lehrperson und das Verstehen von Menschen in zeitbedingten Kontexten im Zentrum des Geschehens. Methoden, Tricks, Verfahren sind Instrumente für die Lehrperson, damit die Schülerinnen und Schüler zum Denken angeregt, mitunter zum Denken gezwungen und provoziert werden. Markus scheute sich keineswegs, dafür bisweilen skurrile und befremdende Aktionen einzusetzen.

Wir haben Markus als überaus verantwortungsbewussten Lehrer kennengelernt. Er war passionierter Pädagoge und professioneller Diplompädagoge. Er verstand sich als Anwalt seiner Jugendlichen, sah es als seine Pflicht an, seine Schülerinnen und Schüler gut bei Prüfungen zu begleiten, wofür er auch spätnachts noch individualisierte Feedbacks und Anregungen verschickte. Er erzählte mir Kurzporträts seiner Schülerinnen und Schüler und deren Fortschritte beim Geschichtenerzählen und Verstehen von zeitbedingten Entscheidungen. Sein Buch „In der Hölle (?). Meine Klasse. Eine Liebeserklärung“ (2021), das er während seiner schweren Erkrankung unter unglaublichen Behinderungen schreiben musste, zeugt davon, wie wichtig ihm die Lebenslagen seiner Jugendlichen waren. Er wollte seine Gegenüber verstehen. Wohl auch deshalb ließ er den Jugendlichen etliche Entgleisungen durch. Dazu ein kurzer Auszug aus diesem Buch: „Ein zweiter Aspekt ihrer Einzigartigkeit war ihre Offenheit. Man kann auch Direktheit dazu sagen. .[…]. Sie würden nicht überlegen, was der Lehrer gerne hören möchte. Und genau das machte die Stunden zu einer echten Gesprächssituation. Weil die Auseinandersetzung echt war, konnte man etwas bewirken in ihnen. Sich in andere Perspektiven hineinzuversetzen, das fiel ihnen viel leichter als anderen. […] unsere Stunden waren frei von Autoritätsgeplänkel. Man konnte einfach offen und unbelastet Neues ausprobieren.“ (S. 51-53). Markus war Pädagoge, ohne zu pädagogisieren, Geschichtslehrer, der den Geschichten einen pädagogischen Sinn gab, und auch von Philosophie und Ethik geprägt. Er verabscheute eine Betroffenheitspädagogik, sondern versuchte, gemeinsam mit den Jugendlichen zu verstehen, wie man das Handeln von Menschen unter den Rahmenbedingungen ihrer und unserer Zeiten als Rädchen in Systemen beurteilen und erzählen kann. Er stellte beispielsweise den KZ-Aufseher auf die Agenda, der eben noch liebevoll mit den Kindern spielte und wenig später einen KZ-Insassen ermordete, oder Nationalsozialisten, die schlimme Pädophile hinter Gittern brachten.

Dieses Interesse am Verstehen und Mitteilen wurde sehr wahrscheinlich durch sein Studium und seine weitere wissenschaftliche Tätigkeit an der Pädagogischen Hochschule im Fach Geschichte und den Erziehungswissenschaften geprägt. Der Einfluss seines Doktorvaters Lothar Steinbach, dem er jahrelang assistierte und dessen Kontakt ihm wichtig blieb, mag diese Freude an der Hermeneutik und an Interpretationen gefördert haben. Lothar Steinbach gilt als einer der Pioniere der Oral History, wobei er die Zeitzeugen- und Zeitzeuginneninterviews zur NS-Zeit aufwändig, verständlich und nachvollziehbar kontextualisierte und interpretierte. In seiner Dissertation (2004) „Begegnungsdidaktik im Kontext aktueller Bildungsdiskussionen. Zur Transformation von Geschichtsbewusstsein in Handlungsorientierung“ und seiner Hablitationsschrift (2013) „Lehrgeschichten. Lerngeschichten. Lebenskonstruktionen. Wie Geschichtslehrerinnen und Geschichtslehrer ihre Berufserfahrungen organisieren“ operierte Markus überwiegend mit Interviews bzw. Protokollen von Schülerinnen und Schülern sowie von Lehrpersonen. Es kennzeichnet das Denken und das Sein von Markus, dass er beispielsweise bei den Interpretationen seiner Interviews in der Habilitationsarbeit weniger nach eindeutigen Korrelationen, sondern nach „Inkohärenzen“(ein dominierender Topos in dieser Arbeit), Widersprüchen oder Ambivalenzen und Ambiguitäten suchte oder wie sich Geschichtslehrpersonen unter systemischen Aninomien in „Kokons“ einspinnen. Bei der gemeinsamen Arbeit bei dem Projekt „Endstation Geschichtsunterricht“ (2013) konnte ich von seinen beeindruckenden Fähigkeiten bei der Gesprächsführung in Gruppeninterviews und bei den anschließenden Auswertungen profitieren. Mit diesen Beispielen aus seinem wissenschaftlichen Oeuvre sind nur einige der wissenschaftlichen Leistungen von Markus im Feld der Geschichtsdidaktik benannt. Das enorme Erkenntnisinteresse und der besondere Arbeitseifer zeigt sich auch daran, dass er diese wissenschaftlichen Leistungen zusätzlich zu seinen Lehraufträgen bei uns im Fach und an der Universität Heidelberg sowie zu seinem Volldeputat an der Schule realisierte, wo er meist für die besonders vertrauensreiche Tätigkeit als Klassenlehrer in Abschlussklassen eingesetzt wurde. Markus ist der erste Habiltand im Fach und in der Fakultät für Natur- und Gesellschaftswissenschaften.

Wir verlieren mit Markus einen originellen Kopf. Seine Individualität wird uns fehlen. Unsere besondere Anteilnahme gilt seiner Familie. Die private Trauerfeier findet am 14. April 2022 um 14 Uhr in Grötzingen bei Karlsruhe (Friedhof, Karl-Jäck-Weg 1) statt.

Manfred Seidenfuß, Bettina Degner, Anette Hettinger, Mario Resch

Neujahrsempfang im Transferzentrum der Hochschule

Nach dem letztjährigen Ausfall konnte das Fach Geschichte und ihre Didaktik zum 20. Januar einen kleinen Kreis der Lehrenden, Studierenden, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in das Transferzentrum der Hochschule einladen. Mit diesem Empfang wollen die Lehrenden ihre Wertschätzung für diese Zusammenarbeit zeigen.

Die Studierenden und Lehrbeauftragten gewinnen auf diesem Empfang auch einen Einblick in den Wissenschaftsbetrieb des Faches. In diesem Jahr stand allerdings ein anderes Ereignis im Mittelpunkt, die Verabschiedung von Bettina Degner. Die Lehrenden wandten in ihren Beiträgen das an, worum es derzeit im kompetenzorientierten Geschichtsunterricht geht: narrative Kompetenz und (historische) Geschichten erzählen. Anette Hettinger erinnerte unter anderem an das Berufungsverfahren, Manfred Seidenfuß an die Bedeutung der Tagungen der Konferenz für Geschichtsdidaktik für frühere Nachwuchswissenschaftler und –wissenschaftlerinnen und Mario Resch an die Integration von Studierenden bei Forschungsprojekten und unterschiedlichen wissenschaftlichen Tagungen. Zuletzt würdigte Herr Gräfl aus studentischer Sicht das anregende Studieren und das soziale Miteinander bei Bettina Degner und im Fach.

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Prof. Dr. Manfred Seidenfuß

Studienfachliche Beratung:
Dr. Marco Dräger

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