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Lernen vom Kopf auf die Füße gestellt

Bewegung erhält die Gesundheit und verbessert nachweislich Lernprozesse. Forschende arbeiten an einem Schulunterricht, der auch körperlich aktiviert, mit Unterstützung der Dietmar Hopp Stiftung.

Desk-Bike im Büro: Bewegung fördert Lehr- und Lernprozesse

Wir sitzen zu viel. Der Bewegungsmangel ist laut Weltgesundheitsorganisation eine der größten Herausforderungen für die Gesundheit im 21. Jahrhundert. Vor allem tägliche Bewegungsanlässe wie der Weg zur Arbeit oder zu Freizeitaktivitäten werden heute gerne mit dem Auto zurückgelegt. Viele Menschen nähmen ihr körperliches Bedürfnis nach Bewegung kaum mehr wahr, sagt Prof. Dr. Jens Bucksch, Professor für Prävention und Gesundheitsförderung an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg.

Schon Kinder und Jugendliche kommen selten auf die 60 Minuten intensive Bewegung täglich, die für ihre Altersgruppe empfohlen werden. Stattdessen sitzen sie bis zu 10 Stunden pro Tag. Und diese verbringen sie wiederum zu 60 Prozent in der Schule. Genau dies will das Team um Professor Bucksch und Dr. Robert Rupp nun als Hebel nutzen: Im Forschungsprojekt „Bildung bewegt!“ sollen Lehr-Lernprozesse so umgestaltet werden, dass Kinder und Jugendliche dabei auch immer wieder körperlich aktiviert werden.

Bewegung als selbstverständlichen Bestandteil des Unterrichts stellen sich die Forschenden vor - und einen echten Perspektivwechsel, der bisherige Ansätze vom „Kopf auf die Füße“ stellt. Der innovative Ansatz wird von der Dietmar Hopp Stiftung begleitet und gefördert. Sie stellt für das dreijährige Projekt eine Million Euro zur Verfügung.

Überholte Tradition: Lernen nur im Sitzen

Gelernt wird in unserem Bildungssystem traditionell im Sitzen. Weiterhin dominiert die Vorstellung eines Lehrens und Lernens auf rein kognitiver Ebene, ohne Einbezug des Körpers. Das schlägt sich nicht zuletzt in der Architektur von Schulen und engen Klassenräumen nieder. Dabei zeigen wissenschaftliche Studien längst, dass sich die Einbeziehung des Körpers neuropsychologisch positiv auf den Lernprozess auswirkt. In bewegungsaktivierenden Stunden arbeiteten Schüler:innen konzentrierter und weniger abgelenkt, ihre mathematischen und sprachlichen Fähigkeiten verbesserten sich nachweislich.

Die Abteilung Prävention und Gesundheitsförderung der PHHD forscht bereits seit einiger Zeit zur bewegungsorientierten Gesundheitsförderung. Unter anderem entwickelte sie das Heidelberger Modell der bewegten Lehre, das Mikrobewegungen in Lehr-Lernprozesse niedrigschwellig integriert. Dabei wechseln unter anderem Sitz- und Stehphasen ab. Arbeitsaufträge oder Präsentationen werden so organisiert, dass die Studierenden sich im Raum bewegen, Platz wechseln oder beim Spaziergang diskutieren.

Mit dem neuen Projekt sollen nun Lehramtststudierende – als Innovator:innen zukünftiger Schulgestaltung - systematisch mit solchen Kompetenzen und Methoden ausgestattet werden, so die Vision. Ziel ist unter anderem, das Thema bereits im Lehramts-Studium der PHHD zu verankern. Gleichzeitig wird ein Fortbildungskonzept für die Lehrkräfte an Schulen der Metropolregion Rhein-Neckar entwickelt. Den Prozess der Implementierung will das Forschungsteam an ausgewählten Schulen wissenschaftlich begleiten.

Vor allem geht es darum, Bewegung grundsätzlich im Schulalltag zu verankern. Es gehe nicht um ein „Add-on“ in bestimmten Fächern oder zusätzliche Pausen, sagen die Forschenden. „Bewegung gehört als integrativer Bestandteil von Lehr- und Lernprozessen in alle Fächer“.

Das Projekt
„Bildung bewegt! – Mit Bewegung gute Schule gestalten“ startet im April 2026. Das dreijährige Forschungsprojekt der Abteilung Prävention und Gesundheitsförderung (Prof. Dr. Jens Bucksch, Dr. Robert Rupp, Juliane Möckel, Amina Fünfstück, Anna Lehmann, Lena Molitor und Robert Zimmermann) wird von der mit einer Million Euro gefördert.

Text: Antje Karbe
Foto: Birgitta Hohenester

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