Im Projekt „Kinderparlamente“ erleben Grundschüler:innen demokratische Prinzipien - Pilotprojekt der PHHD und des baden-württembergischen Kultusministeriums
Wie lernen Kinder Demokratie? Mehr noch als das Wissen über Regeln oder Institutionen hilft das eigene Erleben und Mitgestalten. Genau dies will das Forschungsprojekt „Kinderparlamente“ ermöglichen: In dem Pilotprojekt testet die Pädagogische Hochschule erstmals in Grundschulen ein Format, in dem Dritt- und Viertklässler:innen demokratische Prinzipien selbst erfahren können. „Wir verstehen Demokratiebildung nicht als abstraktes Unterrichtsthema, sondern als gemeinsame Praxis: Kinder können hier erleben, dass ihre Perspektiven zählen und, dass demokratisches Handeln im Alltag beginnt“, sagt Projektleiter und Politikwissenschaftler Dr. Christian Mühleis von der PHHD. Das Projekt findet in Kooperation und mit finanzieller Unterstützung des Kultusministeriums Baden-Württemberg statt.
PHHD-Studierende, die als „Demokratiebegleiter:innen“ geschult wurden, führen das Format diesen Sommer an vier Startchancen-Grundschulen in der Region durch. In insgesamt 18 Schulklassen leiten sie ein strukturiertes Gesprächsforum an, das - anders als etwa ein Klassenrat - übergreifende Themen behandelt: Die Grundschüler:innen diskutieren in Lerngruppen unter anderem über Bildschirmzeiten und Mediennutzung, Kinderrechte oder die Frage, was faire Regeln ausmacht.
Ausgehend von konkreten eigenen Erfahrungen können sie so gemeinsam demokratische Prinzipien und gesellschaftliche Fragen entwickeln. Die Kinder erlebten, was es bedeute, demokratische Entscheidungen zu treffen, und lernten, verschiedene Sichtweisen zu akzeptieren, sagt Mühleis. „Die Klassen sollen auch erfahren, zu welchen Ergebnissen die anderen Kinderparlamente‘ gekommen sind.“
Der Politikwissenschaftler und sein Team bereiten die Sitzungen mit den Studierenden vor und nach, führen Begleitinterviews und werden das Projekt am Ende evaluieren. Die Abschlussveranstaltung findet an der Pädagogischen Hochschule statt: Im Juli treffen sich die teilnehmenden Klassen hier, um schulübergreifend ein Thema zu diskutieren. Auch das Kultusministerium wird dabei sein – die Kinder sollen an diesem Tag direkt von der Politik gehört werden.
Die derzeitige Projektphase sieht Mühleis noch als Erprobung: „Es ist wichtig, sowohl die Kinder als auch die Lehrkräfte zu hören, am Ende muss das Format gut kompatibel mit dem Schulalltag sein.“ Denkbar seien Folgestudien, was es für eine dauerhafte Implementierung der Kinderparlamente brauche und wie sich die Erfahrung auf die politische Kompetenz von Kindern auswirke, sagt Mühleis. „Insgesamt sollen die Ergebnisse dazu beitragen, Konzepte demokratischer Beteiligung im Grundschulbereich weiterzuentwickeln – insbesondere auch mit Blick auf inklusive Bildungssettings.“
Das Projekt
Das Pilotprojekt „Kinderparlamente an Startchancen-Grundschulen in der Region Heidelberg“ testet in Grundschulklassen die Einführung eines strukturierten und inklusiven Kinderparlaments. Das Gesprächsforum soll einen Erfahrungsraum für Grundrechte, Toleranz und Beteiligung bieten und damit einen neuen Ansatz der Demokratiebildung. Es wird von Dr. Christian Mühleis (Institut für Politikwissenschaft, PHHD) und Prof. Dr. Stine Albers (Institut für Sachunterricht, PHHD) in Kooperation mit dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg durchgeführt. Weitere Informationen unter
Text: Antje Karbe
Foto: Birgitta Hohenester