Mitreden statt nur zuhören: Beim Kinderparlament an der PHHD brachten rund 200 Grundschüler:innen ihre Ideen ein und zeigten, wie Demokratie schon in der Grundschule gelebt werden kann.
Wie sollte Schule aussehen? Braucht es Schuluniformen, Klimageräte in den Klassenräumen oder sogar einen Dönerladen auf dem Schulgelände? Über diese und viele weitere Fragen haben rund 200 Grundschüler:innen aus der Metropolregion Rhein-Neckar vergangene Woche an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg diskutiert und abgestimmt. Beim Abschluss des Pilotprojekts "Kinderparlamente" erlebten die Kinder in Anwesenheit von Andreas Deuschle MdL, Staatssekretär im Ministerium für Kultus Baden-Württemberg, Demokratie nicht als Unterrichtsthema, sondern als gelebte Praxis.
An der Abschlussveranstaltung nahmen Dritt- und Viertklässler aus drei Startchancen-Grundschulen gemeinsam mit ihren Lehrkräften teil. Organisiert und moderiert wurde das Kinderparlament maßgeblich von Politikstudierenden der PHHD, die zuvor unter Leitung von Dr. Christian Mühleis (Institut für Politikwissenschaft) als Demokratiebegleiter geschult worden waren. Im Plenum stimmten die Kinder unter anderem über verschiedene Vorschläge zur Gestaltung ihres Schulalltags ab. An Posterstationen diskutierten sie weitere Themen und beteiligten sich beispielsweise mit Klebepunkten oder eigenen Notizen an Abstimmungen – etwa darüber, wann der Schultag beginnen sollte oder welche Orte sie an ihrer Schule besonders schätzen. Die vorbereiteten Gesprächs- und Abstimmungsformate boten den Kindern vielfältige Möglichkeiten, ihre Perspektiven einzubringen und die Meinungen anderer kennenzulernen.
"Genau so lernt man Demokratie"
Staatssekretär Deuschle zeigte sich sowohl von den Kindern als auch den Studierenden beeindruckt: "Demokratiebildung kann nicht früh genug beginnen. Das Kinderparlament hat eindrucksvoll gezeigt, mit wie viel Engagement, Offenheit und Verantwortungsbewusstsein sich schon Grundschülerinnen und Grundschüler mit gesellschaftlichen Fragen auseinandersetzen. Es hat mich sehr beeindruckt, wie selbstbewusst die Kinder ihre Positionen vertreten, unterschiedliche Meinungen diskutiert und dabei immer auch nach tragfähigen Lösungen gesucht haben. Genau so lernt man Demokratie: indem man sich einbringt und erlebt, dass die eigene Stimme zählt. Mein herzlicher Dank gilt der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, die dieses Projekt mit großem Engagement entwickelt und die Schülerinnen und Schüler hervorragend auf diesen Tag vorbereitet hat."
Erkenntnisse für die Schule von morgen
Das Kinderparlament bildete den vorläufigen Abschluss des gleichnamigen Forschungsprojekts der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Seit Beginn des Sommersemesters hatten geschulte Studierende das Format in insgesamt 18 Klassen an Startchancen-Grundschulen der Region durchgeführt. Ziel des Projekts ist es, Demokratiebildung bereits in der Grundschule als erfahrungsorientierten Prozess zu gestalten. Die Kinder setzen sich dabei mit Fragen auseinander, die ihre Lebenswelt betreffen, lernen unterschiedliche Perspektiven kennen und erfahren, wie demokratische Entscheidungsprozesse funktionieren. Das Projekt wird von Dr. Christian Mühleis und Prof. Dr. Stine Albers (Institut für Sachunterricht) in Kooperation mit dem Ministerium für Kultus Baden-Württemberg durchgeführt. Die Ergebnisse der Pilotphase werden wissenschaftlich ausgewertet und sollen dazu beitragen, Konzepte demokratischer Beteiligung im Grundschulbereich weiterzuentwickeln.
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Text: Verena Loos
Fotos: Birgitta Hohenester