[ka] Der C-Bau (Ersatz-Neubau) der Pädagogischen Hochschule Heidelberg ist offiziell in Betrieb: Am Dienstag wurde das Gebäude vom Amt Vermögen und Bau an die Hochschulleitung übergeben. Nach einem Rundgang bekräftigten Rektorin Prof. Dr. Karin Vach, Kanzlerin Stephanie Wiese-Heß und der Leiter des Gebäudemanagements, M. Claudius Walter, die Übernahme per Unterschrift.
Nach dieser formalen Übergabe in kleiner Runde ist die PHHD nun für ihr neues Gebäude im Neuenheimer Feld verantwortlich. Die Fächer Physik und Biologie sind bereits mit ihren Sammlungen und Lehrveranstaltungen in die neuen Labore gezogen. Die Fächer Chemie, Technische Bildung & Ingenieurpädagogik sowie Alltagskultur und Gesundheit folgen zum Wintersemester 2026/27. Eine feierliche öffentliche Einweihung inklusive symbolischer Schlüsselübergabe wird es noch in diesem Jahr geben – bis dahin sollen auch die letzten Arbeiten am Bau abgeschlossen sein.
„Wir freuen uns sehr, dass wir nun den Lehrbetrieb in den neuen Räumlichkeiten aufnehmen können“, sagte Kanzlerin Stephanie Wiese-Heß. Das fünfgeschossige Gebäude erweitert den bestehenden Neubau und ist mit modernster Infrastruktur für naturwissenschaftliche Lehre und Forschung ausgestattet. Auf rund 2500 Quadratmetern Fläche sind hier Labore und Arbeitsräume eingerichtet. Der Bau ist mit den neuesten Energiestandards ausgestattet.
„Studierende und Lehrende dürfen sich auf ein inspirierendes Umfeld freuen, das Raum für Experimente, Austausch und kreative Lösungsansätze bietet“, sagte Rektorin Karin Vach. „Damit festigt die Pädagogische Hochschule Heidelberg ihren Ruf als einer der führenden Standorte für moderne Lehrerbildung und innovative Wissenschaft.“
[ka] Professorin Dr. Welzel-Breuer spricht über ihre Begeisterung für Physik, ihren Weg in die Wissenschaft und darüber, warum der Funke bei allen überspringen kann.
Karbe: Was begeistert Sie an Ihrem Fach?
Prof. Welzel-Breuer: Schauen Sie mal, wie dieses Prisma das Licht in die Spektralfarben zerlegt. Ist das nicht ein wunderschöner Regenbogen? Zu verstehen, wie solche Phänomene zustande kommen, hat mich schon immer begeistert. Meine Eltern haben uns früh an Naturphänomene herangeführt - beispielsweise die Jahreszeiten und Gewitter an den Havel-Seen, wo ich aufgewachsen bin. Physikalische Phänomene zu erleben, zu hinterfragen und sie im Alltag zu nutzen, das ist auch heute mein Anspruch an die Physik-Didaktik.
Sie haben in den 1980er Jahren in Jena Lehramt „Physik und Astronomie“ studiert, war das damals als Frau noch selten?
Ich bin ja in der DDR sozialisiert. Dass Frauen dort in so einem Bereich studierten und arbeiteten, war völlig normal. Es war selbstverständlich, dass ich im Werkunterricht der Schule Schleifen, Fräsen und Bohren gelernt habe. Und was die Naturwissenschaften betrifft, hatten wir beispielsweise deutlich mehr Physikunterricht und haben auch mehr experimentiert als in den westlichen Bundesländern. Auch im Physik-Studium hatte ich keine Sonderrolle, obwohl es etwas mehr Männer gab. Der Gleichstellungs-Frage bin ich erst 1991 in Westdeutschland an der Universität Bremen begegnet. Plötzlich wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass Frauen in unserem Bereich nicht selbstverständlich sind und traf auf „Frauenbeauftragte“. Allerdings hatten die Frauen in der DDR zwar eine etwas andere Rolle, aber letztlich lag die Care-Arbeit doch hauptsächlich bei ihnen.
Wie kam es zum Wechsel in die Wissenschaft?
Ich habe sieben Jahre als Lehrerin in der Sekundarstufe I gearbeitet und wurde dann angefragt, ob ich eine wissenschaftliche Aspirantur machen möchte. Das fand ich eine spannende Idee. Nach der Wende bekam ich gleich eine Promotionsstelle an der Universität Bremen und konnte mir sogar meinen Doktorvater aussuchen. Ich wurde im Bereich der Lernprozessforschung promoviert - allerdings war das als Alleinerziehende nur mit Unterstützung meiner Eltern möglich. 1999 wurde ich dann auf die Professur in Heidelberg berufen.
Sie hatten immer wieder Leitungsfunktionen, unter anderem als Prorektorin und Direktorin der Forscherstation – hatten Sie je das Gefühl, sich als Frau besonders behaupten zu müssen?
Ich glaube, das hängt auch etwas von der Persönlichkeit ab. Ich bin so sozialisiert, dass es für mich natürlich war, mich selbstbewusst in diesem Feld zu bewegen. Wenn man selbstbewusst auftritt, dann funktioniert es auch. Klar machen Männer schon mal komische Sprüche und Bemerkungen - die nehme ich aber nicht sehr ernst und gebe sie zurück.
Würden Sie das auch jungen Wissenschaftlerinnen raten?
Ja! Man sollte sich nicht unterordnen – dann hat man gleich verloren -, aber flexibel anpassen. Es ist wichtig, sich bietende Gelegenheiten zu nutzen, konstruktiv zu denken und auch eigene Ideen einzubringen. Es wird mal mehr und mal weniger anstrengend sein. Ich denke, die Komponenten aus der Motivationspsychologie müssen stimmen: Autonom arbeiten zu können, sich als kompetent zu erleben und sozial eingebunden zu sein. Für Letzteres sind Teams wichtig, in denen man sich miteinander besprechen kann – sowohl im Beruf als auch im Privaten oder mit anderen Frauen.
Was macht Ihren Beruf als Professorin bis heute für Sie attraktiv?
Dass ich Menschen für physikalische Zusammenhänge und das Anwenden von Wissen begeistern kann. Ich habe mich mit Physik für Hochbegabte beschäftigt, genauso wie für Straßenkinder und Kinder in schwierigen Lebenslagen – bei Erkenntnissen das Leuchten in den Augen zu sehen, ist immer wieder toll. Gerade an der Pädagogischen Hochschule hat die Didaktik einen hohen Stellenwert und wird nicht den Fachwissenschaften untergeordnet, das finde ich gut.
Das sind sehr unterschiedliche Zielgruppen.
Und alle konnten wir begeistern! Wir haben mit Lehramtsstudierenden in Kolumbien Möglichkeiten entwickelt, mit Straßenkindern physikalische Experimente zu erleben. Man kann diese Kinder nicht aus ihrem Milieu holen, aber kognitiv fordern. Bei Hochbegabten muss man wiederum das Lernangebot sprachlich und inhaltlich komplexer und auf einem höheren Niveau gestalten. Der Funke springt auch bei den Lehramtsstudierenden über: Wenn die erkennen, dass man sich das Wissen über eigenes Experimentieren selbst erarbeiten kann, ist das für mich das Größte.
Wie sehen Sie Ihren Weg im Rückblick?
Ich würde es wieder so machen. Auch wenn ich mir gerade in der Promotionsphase als Mutter flexiblere Strukturen gewünscht hätte. Leider hat die Gesellschaft bis heute wenig Verständnis, wenn sich das Private und der berechtigte Wunsch, sich beruflich weiterzuentwickeln, in die Quere kommen. Das sehe ich nun wieder bei meiner Tochter, die für die Care-Aufgaben ebenfalls gut unsere Unterstützung als Großeltern brauchen kann.
Ihr Ruhestand steht bevor, haben Sie Pläne?
Ich habe für das Amt der Dekanin noch einmal verlängert und versuche sicherzustellen, dass es hier ohne Brüche weitergeht. Da gibt es viele Verwaltungsaufgaben. Außerdem bereiten wir für den Herbst eine Fachtagung vor und ziehen gerade unsere Labore in den Neubau um. Gleichzeitig versuche ich, die Fakultät weiterzuentwickeln.
Wohin soll sich die Fakultät entwickeln?
Man muss die MINT-Fächer weiter stärken. Ich habe eine Abschlussarbeit betreut, in der Schüler:innen zu ihrer Einstellung zu Physik befragt wurden. Es zeigte sich, dass Mädchen in naturwissenschaftlichen Berufen nicht als attraktiv gesehen werden – und dass dies Mädchen wiederum daran hindert, in die Naturwissenschaften zu gehen! Ich fürchte, die alten Rollenbilder sind weiter in den Köpfen und werden durch Influencer und Medien wieder verstärkt. Wir müssen gerade Mädchen vermitteln, dass beides wichtig ist, die Familien und die eigene Entwicklung. Die Hochschule ist um ihre Studentinnen in den Naturwissenschaften bemüht und unterstützt sie. Man sollte nun nur nicht umgekehrt die Männer vernachlässigen.
Und was werden Sie machen, wenn Sie hier wirklich aufhören?
Pläne funktionieren bei mir nicht wirklich, ich lebe eher situativ. Mein Leben ist von ständigen Überraschungen und Möglichkeiten gekennzeichnet – ich habe immer in der Situation entschieden, woran ich Interesse habe. Ich könnte also in Kolumbien weiterarbeiten oder mit Hochbegabten, meinen Garten pflegen oder mit meinem Mann reisen. Oder einen Lehrauftrag übernehmen. Das wird sich zeigen.
[hop] Der campusblog gewährt wieder authentische Einblicke ins Hochschulleben und den Schulalltag: Alumna Christina erzählt „17+Wir“, die Nachhaltigkeitsideen mit Schüler:innen in der Eberbacher Realschule umsetzt. Masterstudentin Pia berichtet, wie sehr sie das Deutschlandstipendium im Studium weitergebracht hat. Diese und weitere Themen finden sich auf
[red] Am 9. Juni 2026 berät das Akademische Auslandsamt Studierende zu Auslandsstudienaufenthalten und -praktika, zur Zusatzqualifikation Zertifikat Global Citizen sowie zu allen Stipendienprogrammen. GOstralia!-GOmerica!, World of Students und die Studienbotschafterinnen des Pädagogischen Austauschdienstes informieren über Auslandssemester. Das Selbstlernzentrum für Sprachen der PH Heidelberg ist ebenfalls dabei. Einfach vorbeikommen: In der Aula im Altbau zwischen 10 und 14 Uhr.
[red] Kurz nach Mittsommer feiern wir den Klimatag am 23.6. ab 8 Uhr im Ökogarten. Schließlich geht es ja darum, wie grüne Produzenten die Energie der Sonne in Nahrung umwandeln und wie der Mensch diese Schätze der Natur nachhaltig nutzen kann (BNE). Bunte zauberhafte Farben, köstliche Gemüse, scharfe Sachen und duftende Blüten sind unsere Themen unter dem Motto: Kreuzblütler füllen das halbe Kochbuch. Aber auch globale Stoffströme (Düngung), ökologische Beziehungen zu Tieren (kein Aurorafalter ohne Kreuzblütler), menschliche Sinne (Wasabi) oder Molekularbiologie (Corona- oder Zucker-Teststreifen) und spielen eine Rolle.
Schließlich stammt eines der am häufigsten benutzten Enzyme der molekularen Biologie, die HRP (Meerrettichperoxidase) von einem Kreuzblütler. Bei unserem MINT- Angebot werden die Fachgrenzen der Biologie überschritten.
Schauen Sie vorbei am 23. Juni 2026 am Vormittag im Ökogarten am Klausenpfad Heidelberg, wenn von Studierenden und Dozentinnen konzipierte Lernstationen mit Schulklassen auf Herz und Nieren getestet werden.
Weitere Informationen unter:
[red] Dieser explorative Workshop am 26.6. um 9:15 Uhr eröffnet Lehramtsstudierenden aller Schulformen und Fächer die Möglichkeit, einen neuen innerstädtischen Lernort in Heidelberg kennenzulernen und didaktisch zu erschließen. Auf Basis von Impulsen der Dozierenden entwickeln und erproben die Teilnehmenden in interaktiven Arbeitsphasen Lernaktivitäten, die Wahrnehmung, Reflexion und fachübergreifendes Lernen unterstützen. Inhaltlich greifen diese Aktivitäten unter anderem Fragen des Klimawandels, der Nachhaltigkeit, der Hitzeanpassung im urbanen Raum, der innerstädtischen Aufenthaltsqualität sowie der Bedeutung von Ruhe und Reflexion für Lernprozesse auf.
Im Mittelpunkt steht, mit Blick auf die Leitperspektive Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), die Frage, wie zukünftige Lehrkräfte Lerngelegenheiten schaffen können, die komplexe Themen wie Klimawandel oder Nachhaltigkeit nicht nur vermitteln, sondern erfahrbar machen. Ausgehend von Überlegungen aus dem Bereich der Outdoor-Education wollen wir explorieren, wie das Heraustreten aus Klassenzimmer und Seminarraum Lernprozesse unterstützen kann.
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Weitere Informationen zu Lage, Dozent:innen, Anrechnung und Anmeldung finden sich unter
[red] Der Workshop am 1.7. von 16:15 bis 18:15 Uhr per Zoom kombiniert praxisnahe Methoden, interaktive Übungen und individuelle Reflexion, damit ihr eure Selbstführungskompetenzen stärken und den Studienalltag strukturierter und fokussierter gestalten könnt. Eure Referentin ist Aylin Tanriver, gelernte Betriebswirtin mit dem Schwerpunkt Beratungsmanagement.
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[ka] Ein tanzender Friedrich Merz und Yanis Varoufakis mit dem Stinkefinger – echt oder Deep Fake? Ob Bilder und Videos wahre Situationen zeigen oder bearbeitet wurden, lässt sich für uns immer schwerer unterscheiden. Zunehmend verbreiten sich über Soziale Medien auch gezielte Falschinformationen und manipulative Narrative und beeinflussen die Meinungsbildung in demokratischen Gesellschaften.
Eigentlich sei es in Zeiten „synthetischer Realitäten“ ratsam, Informationen grundsätzlich anzuzweifeln und erst zu verifizieren, sagt Prof. Dr. Marco Kalz von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. „Doch auf diese Herangehensweise sind wir nicht vorbereitet.“ Besonders Jugendliche gelten als vulnerable Gruppe, wie der Mediendidaktiker erzählt, der das Heidelberger Zentrum für digitale Transformation in der Bildung leitet. Über ihre Social Media-Kanäle seien sie regelmäßig mit Fake News konfrontiert – multimodal, über Text, Bild und Audio.
Der Umgang mit solchen Informationen ist noch wenig Thema im Unterricht – auch wenn seit Herbst 2025 Baden-Württemberg das Fach „Informatik und Medienbildung“ an weiterführenden Schulen unterrichtet wird. Mit einem neuen Forschungsprojekt könnte die PHHD hierzu einen Beitrag leisten: Im Vorhaben MARSS (Multimodales System zur Abwehr von Desinformation mittels Sozioemotionaler Prozesse für SchülerInnen) entwickeln Marco Kalz, Holger Meeh und Marlene Ganz (alle Institut für Kunst, Musik und Medien) eine digitale Lernumgebung für den Schulunterricht, die Desinformation und emotionale Manipulation thematisiert.
Zwar sind Falschinformationen nichts Neues – schon analoge Fotos werden seit Generationen manipuliert. „Mit KI-Prompting und Sozialen Medien ist es aber viel einfacher geworden, sie zu produzieren und zu verbreiten“, sagt Meeh. „Manipulationen sind oft nur noch bei genauer Analyse zu erkennen.“ Das betrifft nicht nur politische Themen, sondern auch Bereiche wie Ernährung oder Produktwerbung.
„Hier wird genauso mit emotionaler Desinformation gearbeitet, oft weitaus diffuser als bei offensichtlicher Panikmache“, so Kalz. Der Wissenschaftler war auch als Autor am Leitfaden für Lehrkräfte zu „Desinformation und digitaler Medienkompetenz“ der Europäischen Kommission beteiligt. Die im Februar 2026 veröffentlichte Version wurde von europäischen Expert:innen aktualisiert und thematisiert erstmals die Rolle generativer KI bei der Produktion und Verbreitung von Falschinformationen.
Training für Schüler:innen
Für das neue Bildungsangebot der PHHD stellt sich das Team einen Mix verschiedener Medienformate vor: In einem ersten Schritt wird grundlegendes Wissen zu emotionalen Falschinformationen vermittelt, z.B. in welchen Formen sie uns begegnen. In weiteren Modulen lernen Schüler:innen anhand realer Inhalte beispielsweise Quellen und Vertrauenswürdigkeit zu hinterfragen und typische Muster multimodaler Desinformation zu erkennen.
In einem dritten Schritt sollen sie dann ein KI-basiertes Tool an die Hand bekommen, mit denen sich Feeds in Echtzeit auf Manipulationsstrategien überprüfen lassen. An Letzterem arbeitet das Deutsche Forschungszentrum für künstliche Intelligenz als Projektpartner: Ein Team entwickelt gerade Large-Language-Models (LLM) und Algorithmen, die emotional aufgeladene Desinformation erkennen können. Als dritter Projektpartner wird die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg ihre Expertise in Sachen Wissenschaftskommunikation einbringen.
Mit Lehrkräften entwickelt
Für das Teilprojekt der PHHD sichten die Forschenden derzeit vorhandene Unterrichtsangebote. Die neuen Materialien werde man gemeinsam mit Lehrkräften aus der Praxis erarbeiten, erklärt Meeh. „Wir werden uns immer wieder Feedback holen, ob unsere Ideen tauglich für den Schulalltag und eine 45-Minuten-Stunde sind.“ Dazu sei man bereits mit Schulen im Gespräch und freue sich über weitere interessierte Lehrkräfte, die gelegentlich mitarbeiten wollen.
Mitgedacht wird natürlich auch die Ausbildung angehender Lehrkräfte. Bereits jetzt setzen sich Studierende der Hochschule im Grundlagenmodul Medienbildung intensiv mit Themen wie Desinformation in Sozialen Medien auseinander. Alle entwickelten Materialien und Tools sollen am Ende unter einer offenen Lizenz zur Verfügung stehen. Und idealerweise sei dann ein Chatbot Teil des Bildungsangebots, mit dem Lehrkräfte mit Stichworten eine angepasste Lernumgebung für ihre Zwecke kreieren können, sagt Kalz. „KI lässt sich ja nicht nur für Desinformation nutzen, sondern genauso für 'Anti-Desinformation‘ und Bildung.“
Das Projekt
Das dreijährige Projekt MARSS (Multimodales System zur Abwehr von Desinformation mittels Sozioemotionaler Prozesse für SchülerInnen. Entwicklung und Evaluation eines integrierten Bildungsformats) ist im April 2026 gestartet und wird gemeinsam mit dem Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz und der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg durchgeführt. Es wird durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt im Rahmen der Förderlinie „Vertrauen in Demokratie und Staat: Digitale Desinformation erkennen und abwehren“ gefördert. Informationen unter
[ka] Unsere Gesellschaft verändert sich rasant. Um mit Herausforderungen wie der Digitalisierung oder dem Klimawandel umzugehen, gelten Kompetenzen in den MINT-Fächern - Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – als zentral. Je früher Kinder Zugang zu MINT-Themen haben, desto besser sind später ihre Chancen auf Teilhabe an einer technisierten Gesellschaft, unabhängig von der sozialen Herkunft. Dafür brauche es wiederum gut ausgebildete pädagogische Fachkräfte in Kitas und Grundschulen, sagt Prof. Dr. Markus Rehm, Professor für Didaktik der Naturwissenschaften an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg (PHHD). „Diese bringen ganz unterschiedliche Erfahrungen und Einstellungen zur MINT-Bildung mit. Und auch entsprechende Fortbildungsformate sind sehr unterschiedlich ausgestaltet.“
In einem neuen Forschungsvorhaben will er nun gemeinsam mit dem Klaus-Tschira-Kompetenzzentrum für frühe naturwissenschaftliche Bildung und Partnern in Tübingen und Greifswald die Wirkungsmessung von Fortbildungen zur frühen naturwissenschaftlichen Bildung grundlegend neu denken. Bisher seien punktuell einzelne Formate getestet worden, sagt Rehm. „Wir wollen hier einen Paradigmenwechsel herbeiführen.“ Statt Fortbildungen als isolierte Ereignisse zu behandeln, soll es dann ein umfassendes Verständnis für die MINT-Professionalisierung von Fachkräften geben.
Zwei Bildungsformate unter der Lupe
Am Beispiel und gemeinsam mit der Heidelberger Forscherstation, Klaus-Tschira-Kompetenzzentrum für frühe naturwissenschaftliche Bildung gGmbH, wird NAWIM ein „Wirkungsmesssystem“ entwickeln. Die aus einem PHHD-Projekt ausgegründete Forscherstation bietet mittlerweile als „Klaus-Tschira-Kompetenzzentrum für frühe naturwissenschaftliche Bildung“ seit fast 20 Jahren Fortbildungen für Fachkräfte in Kitas und Grundschulen an. Teilnehmende sollen im Forschungsprojekt NAWIM nun über mehrere Angebote hinweg begleitet, ihre Fortschritte erfasst und ihr Feedback eingeholt werden. Zudem ist eine detaillierte Nutzungsanalyse der Angebote geplant. „Mit diesem System können wir erstmals die nachhaltige Wirksamkeit eines gesamten Anbieters erfassen und gezielt weiterentwickeln“, sagt Dr. Miriam Brandtner, die in der Forscherstation den Bereich „Forschung“ leitet.
Gleichzeitig will das Forschungsteam diese Herangehensweise auf das Format „Jugend präsentiert“ übertragen. Die Kompetenzstelle der Universität Tübingen schult Schüler:innen dafür, naturwissenschaftliche und technische Inhalte verständlich und adressat:innengerecht zu präsentieren und bildet Lehrkräfte im Bereich der MINT-Kommunikation weiter. Die Übertragung auf ein zweites Bildungsprogramm soll zeigen, inwieweit die entwickelten Modelle, Instrumente und Erkenntnisse anschlussfähig für andere (Fort-)Bildungsanbieter sind. Am Ende soll ein Verfahren stehen, das für verschiedene Fachbereiche und Bildungskontexte angepasst werden kann. „Auf Basis unserer Daten sind Anbieter dann in der Lage, ihr Portfolio weiterzuentwickeln.“
Professionelle Fachkräfte für mehr Chancengerechtigkeit
Zur Qualität einzelner Professionalisierungsangebote liegen bereits empirische Befunde vor. So weiß man unter anderem, dass Fortbildungen sehr individuell erlebt werden. Gleichzeitig hängt ihr Wirkung von verschiedenen Faktoren ab, wie beispielsweise dem Engagement der Teilnehmenden oder der Kombination von Lernformaten und Unterstützungsangeboten. Wie sich professionelles Handeln und die Kompetenzen der Teilnehmenden entwickeln, wird häufig erst über einen längeren Zeitraum hinweg sichtbar.
„Einzelne Studien können diese komplexen Wirkzusammenhänge nicht erfassen und erlauben keine Aussagen, wie das Gelernte langfristig wirkt“, sagt Prof. Dr. Hendrik Lohse-Bossenz von der Universität Greifswald. „Unser Ziel ist eine innovative Form der Wirkungsmessung und eine Qualitätsverbesserung im Fortbildungsbereich.“
Das höhere Ziel bleibt dabei die Chancengerechtigkeit für Kinder: Trotz zahlreicher Initiativen gebe es immer noch deutliche Ungleichheiten beim Zugang zu MINT-Bildungswegen, so Rehm. Dies könne vom sozialen Hintergrund abhängen oder auch vom Geschlecht - bereits ab der Grundschule lasse sich bei Jungen ein größeres Interesse an MINT-Themen nachweisen als bei Mädchen. Umso wichtiger sei es, Fachkräfte für die frühkindliche MINT-Bildung zu professionalisieren. Fortbildungsangebote müssten sich den individuellen Lernprozessen der Teilnehmenden anpassen. „Nur so stärken wir die Qualität naturwissenschaftlicher Bildung und ermöglichen langfristig allen Kindern einen gleichwertigen Zugang zu Bildungsgelegenheiten.“
Das Projekt
NAWIM: „Nachhaltige Wirkungsanalyse von (Fort-)Bildungsanbietern im MINT-Bereich – ein evidenzbasiertes Wirkungsmesssystem“ ist ein dreijähriges Forschungsprojekt, das von der Klaus Tschira Stiftung gefördert wird. Beteiligt sind das Institut für naturwissenschaftliche und technische Bildung der PHHD (Ann-Katrin Böhm, Julia Speidel, Prof. Dr. Markus Rehm), die Forscherstation, Klaus-Tschira-Kompetenzzentrum für frühe naturwissenschaftliche Bildung gGmbH (Dr. Kim Erdmann, Dr. Miriam Brandtner, Dr. Anna Hartenstein), die Forschungsstelle Präsentationskompetenz – Jugend präsentiert an der Universität Tübingen (Dr. Carmen Lipphardt) und der Lehrstuhl für Allgemeine Grundschulpädagogik der Universität Greifswald (Prof. Dr. Hendrik Lohse-Bossenz).
[red] Ein Objekt, viele Perspektiven, unzählige Geschichten: Uschy Szott, Friederike Elias, Alban von Stockhausen sowie Nicholas Humphrey und Daniel Vetter (beide PHHD) erzählen, fragen, lachen und widersprechen sich zu und mit ausgewählten Objekten aus der aktuellen Ausstellung „
Ganz nebenbei öffnet sich dabei auch ein Resonanzraum für die Lehrkräftebildung: Wie lassen sich spielerische Zugänge, ästhetische Erfahrungen und multiperspektivisches Erzählen in pädagogische Kontexte übersetzen? Welche Impulse entstehen für einen Unterricht, der Neugier weckt, Beteiligung ermöglicht und Kulturelle Bildung lebendig macht? Ohne erhobenen Zeigefinger, dafür mit viel Praxisnähe und Inspiration lädt der Abend dazu ein, Spiel als ernsthafte – und zugleich überraschend leichte – Ressource für Bildung zu entdecken.
Weitere Informationen unter:
[red] Bei Hackdays wird im Transferzentrum vom 26.6. 10:00 Uhr bis 27.6. 17:00 Uhr gebastelt, getüftelt, konstruiert und programmiert – kurz: Makingbildung praktisch erlebt. In einer offenen Werkstattatmosphäre widmen wir uns gemeinsam der Frage, wie Schüler*innen auf eine Zukunft vorbereitet werden können, die von Digitalisierung und ständigem Wandel geprägt ist. Makingbildung kann einen Rahmen schaffen, in dem sie selbstbestimmt, kreativ und lösungsorientiert im Team an vielfältigen Herausforderungen arbeiten können. Dabei werden unterschiedliche Inhalte und Lernziele mit praktischen Methoden verbunden – von Handwerk und DIY über Coding bis hin zu Robotik.
Mit dem Workshop möchten wir einen Einblick in die Makingbildung geben. Außerdem werden wir selbst aktiv: In Teams entwickeln und realisieren wir ein eigenes Projekt - mit Hilfe zur Selbsthilfe. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.
Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Projekt Make Your School von Wissenschaft im Dialog statt.
Weitere Informationen unter:
[hop] Die eigene Meinungen bilden und begründen sowie Kompetenzen strukturiert aufbauen und bewerten: Der Gastvortrag mit Dr. Ramona Benkenstein am 8. Juli von 18:00 Uhr bis 19:30 Uhr stellt praxisnahe Bausteine vor, wie Schüler:innen lernen können, ihre Meinungen begründet auszudrücken. Der Vortrag, vom Fach Sprecherziehung veranstaltet, richtet sich an Studierende der lehramtsbezogenen Studiengänge in Heidelberg.
In einer demokratischen Gesellschaft sind fundierte Meinungen ein zentrales Element. Auch Schüler:innen sollen in der Lage sein, sich zu unterschiedlichen Themen eine eigene Position zu erarbeiten und diese überzeugend zu begründen. Doch genau das fällt angehenden Lehrkräften häufig schwer: Argumentieren, Diskutieren und insbesondere das Verfassen von Erörterungen stellen häufig große Herausforderungen dar.
In dieser Fortbildung mit Dr. Ramona Benkenstein (Lehrerin für Deutsch, Geschichte, Rhetorik und Informationstechnische Grundbildung) soll gezeigt werden, wie sich diese Kompetenzen durch klare Strukturen, geeignete Methoden und passendes Scaffolding wirksam fördern lassen. Es werden praxistaugliche Bausteine vorgestellt, mit denen Schüler:innen Schritt für Schritt lernen, ihre Meinungen begründet auszudrücken. Darüber hinaus werden Einblicke in Kriterien und Vorgehensweisen zur Bewertung von Meinungsäußerungen gegeben.
Die Veranstaltung wird per Zoom durchgeführt:
(Meeting-ID: 615 0171 2749; Kenncode: 129994)
Kontaktperson:
Andrea Brunner, Pädagogische Hochschule Heidelberg, Sprecherziehung,
[LRK PHn BW] Das Studium auch für die eigene Persönlichkeitsentwicklung zu nutzen, rät Prof. Karl-Heinz Dammer. Im Gespräch blickt er zurück auf seine Tätigkeit als Wissenschaftler und Prorektor der PHHD.
Sie haben 18 Jahre an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg gelehrt, geforscht und mitgestaltet, unter anderem als Prorektor - was werden Sie im Ruhestand vermissen (und was nicht)?
Karl-Heinz Dammer: Ich gehe einerseits mit einem weinenden Auge. Es war für mich eine sehr erfüllte Zeit und auch eine persönliche Entwicklung. Vermissen werde ich das kollegiale Klima – es gab keine Streitigkeiten über die „richtige“ Wissenschaft, das ist nicht selbstverständlich. Auch die Lehre hat mir immer Spaß gemacht. Nicht vermissen werde ich andererseits die Pendelei über mehr als 300 Kilometer – in 18 Jahren habe ich knapp eine halbe Million Kilometer zurückgelegt. Auch lange Sitzungen und der zunehmende formale Aufwand in der Lehre werden mir nicht fehlen. Gerade liegen die letzten 80 Ausarbeitungen zu meiner Vorlesung auf dem Schreibtisch und dann ist es auch gut!
Sie waren in der Wissenschaft und im Schuldienst tätig. Wofür schlägt Ihr Herz stärker: Für die Arbeit im Klassenzimmer oder für die Lehrkräftebildung?
Das ist schwierig zu beantworten. In beiden Fällen hatte ich Freude am Lehren, Diskutieren und Zusammensein mit Menschen. Auch als Lehrer im Berufskolleg hatte ich mit jungen Erwachsenen zu tun – aber die Studierenden waren interessierter und die anspruchsvolle Arbeit an der Hochschule war reizvoller. Dafür hat mir dort der kontinuierliche Kontakt zu den Studierenden gefehlt. Während man eine Abiturklasse oft drei Jahre unterrichtet, kommt es an einer Hochschule kaum zu einer solchen personellen Kontinuität.
Im Rahmen der Studienordnungen vor 2015 kamen Studierende gelegentlich wiederholt in meine Kurse. Seitdem werden aber die Module nacheinander abgearbeitet und ich sehe die Studierenden meist nur einmal. Eine sinnvolle Innovation ist aber das Integrierte Semesterpraktikum . Hier betreut man Studierende 1:1 über ein Semester hinweg und kann die Fortschritte verfolgen. Das war in meiner Wahrnehmung der wirksamste Teil meiner Lehre hier.
Gibt es Menschen oder Schlüsselerlebnisse, die Sie auf Ihrer Laufbahn besonders geprägt haben?
Ein Schlüsselerlebnis war meine Zeit als Fremdsprachenassistent an französischen Schulen. Nachdem ich mein Lehramtsstudium für Französisch und Deutsch leider ohne jegliche Praxis absolviert hatte, konnte ich dort Praxiserfahrung sammeln und habe gemerkt, dass mir dieser Beruf liegt.
Die Begegnung mit dem Pädagogen Andreas Gruschka hat mich in die Erziehungswissenschaften gebracht. Er holte mich gegen Ende des Studiums in die Redaktion seiner Zeitschrift „Pädagogische Korrespondenz“, in der ich das wissenschaftliche Schreiben gelernt habe. Während und nach meiner Dissertation haben wir weiter in wissenschaftlichen Projekten an der Universität Essen zusammengearbeitet, wo ich auch Pädagogik als Unterrichtsfach nachstudierte. Später legte er mir eine Habilitation ans Herz, die ich neben Lehrerberuf und Elternzeit durchzog. Mit Andreas Gruschka bin ich bis heute verbunden, er war auch bei meiner Abschiedsvorlesung. Die Zeitschrift habe ich 2016 zusammen mit Kolleg:innen übernommen, als er sich zur Ruhe setzte.
Werden Sie diese Arbeit weiterführen?
Auf jeden Fall, das ist gewissermaßen meine intellektuelle Altersversorgung (lacht). Die Zeitschrift hat sich einen Ruf innerhalb der Wissenschaftscommunity erarbeitet, wir arbeiten an Heft 73.
Haben Sie weitere Pläne – wird es ein Ruhestand oder Unruhestand?
Im Moment arbeite ich noch Aufgaben ab. Aber irgendwann möchte ich nicht mehr auf Termine und Deadlines achten müssen. Die Zeitschrift existiert hoffentlich noch einige Jahre und ich bleibe außerdem in der „Gesellschaft für Bildung und Wissen“ aktiv, die versucht, eine Brücke zwischen Lehrerschaft und Wissenschaft zu schlagen. Wir haben noch viele Themen auf der Agenda.
Eines Ihrer Herzensanliegen war, Studierende zu mündigen Menschen auszubilden – wie erreichen wir als Hochschule dieses Ziel?
Man kann nicht zur Mündigkeit erziehen, nur den Weg dahin ebnen. Durch die Art und Weise, wie man mit jemandem umgeht, stößt man beispielsweise die kritische Urteilsbildung oder Selbstreflexion an. Die Studienstrukturen seit Bologna sind da wenig zuträglich, weswegen ich aus meiner Kritik daran nie einen Hehl gemacht habe. Statt Inhalte nach Interesse zusammenzustellen sind die Studierenden eher im „Erledigungsmodus“ und haken Module ab. Unsere fachliche Ausbildung ist jedoch gut und auch den fachübergreifenden Studienbereich der PHHD mit den Querschnittsthemen finde ich positiv.
An den Strukturen kann eine Hochschule wenig ändern. Aber sie kann dafür sorgen, dass eine transparente Kultur des Lehrens und Lernens entsteht, in der offen und hierarchiefrei diskutiert werden darf. Das ist der Mikrokosmos, in dem sich Mündigkeit bilden kann. Dafür habe ich mich eingesetzt und als Prorektor versucht, das auf eine institutionelle Ebene zu heben. Man muss aber immer wieder an die Lehr-Lernkultur erinnern, sonst versandet sie – das sehe ich bei Prorektor Christian Rietz in guten Händen.
Was macht eine gute Lehrkräftebildung für Sie aus?
Die Hochschule muss natürlich Tools liefern, damit Lehrkräfte in der Schule bestehen können. Darüber hinaus sollte sie aber auch vermitteln, warum bestimmte Themen unterrichtet werden – Gruschka hat es auf die Formel „Verstehen lehren“ gebracht. Um zudem zu verstehen, wie „der Laden Schule“ funktioniert und was es bedeutet, im Kontext einer Institution und ihres Soziotops zu unterrichten (psychologisch, institutionskritisch, politisch) braucht es die Theorie bzw. muss im Studium theoretisches Denken entwickelt werden.
Studierende sollten außerdem lernen, mit Scheitern und Ungewissheit umzugehen: Im Lehrberuf weiß man nicht, wie das, was man zu lehren beabsichtigt, bei den Schüler:innen ankommt. Außerdem ist es wichtig, dass Studierende die erzieherischen Aspekte des Berufs kennenlernen; das macht die PHHD sehr gut.
Wie viel Gestaltungsmöglichkeit hat man als Rektoratsmitglied und als gesamte Hochschule?
Was die Lehr-Lernkultur betrifft, so gab es hier für mich als Prorektor durchaus Gestaltungsspielräume. Ansonsten bestehen allerdings solche Ämter aus viel Verwaltungsarbeit, hier konnte ich aber mit der Stabsstelle Qualitätsmanagement auf ein hochkompetentes Team zurückgreifen. Letztlich sind die Entscheidungsbefugnisse der Prorektor:innen auf Landesebene begrenzt, das letzte Wort haben immer die Rektor:innenkonferenz und die Ministerien. Zum Glück waren sich unsere Gremien in der Regel einig.
Welchen persönlichen Rat würden Sie unseren Studierenden mitgeben?
Nutzen Sie das Studium als Zeit, sich auszuprobieren und zu entwickeln. Diese Freiheiten gibt es nie wieder und Persönlichkeitsentwicklung ist wichtig, um authentisch vor einer Klasse stehen zu können. Schüler:innen merken und honorieren das, selbst wenn sie einen nicht mögen. Und noch eins: Versuchen Sie das, was Ihnen in der Schule widerfährt, nicht persönlich zu nehmen.
Und was bzw. welchen bildungspolitischen Kurs wünschen Sie den Schulen? Sie haben ja einen kritischen Blick auf das „Hamsterrad“ der Reformen, das Lehrkräfte dauerhaft unter Druck setzt.
Mehr Zeit für das Kerngeschäft Unterricht, statt dauernd Dokumentationspflichten erfüllen zu müssen, die letztlich nur einer quantifizierten Steuerung durch die Schulaufsicht dienen. Ich wünsche den Schulen weniger Überfrachtung mit „Weltrettungsaufgaben“ – das kann man nicht alles adäquat in der Schule hinkriegen – und Unterricht statt Buzzword-Bingo. Letzteres ist ein konservativer Wunsch, denn natürlich sind manche Innovationen sinnvoll. Hier wünsche ich mir den kritischen Blick der Schulen wie auch unserer Studierenden: Sind Innovationen auch immer pädagogisch wertvoll? Kultusministerkonferenz und Länder lassen sich für meinen Geschmack im Bereich der Digitalisierung zu stark von privatwirtschaftlichen Playern statt von demokratisch legitimierten Institutionen beraten. Sieht man genauer hin, stecken oft weniger pädagogische Ambitionen dahinter als wirtschaftliche Interessen.
Was tun Sie, um gelegentlich den Kopf von all diesen Themen frei zu kriegen?
Lesen – neben meinem Schreibtisch stapeln sich viele Bücher mit Themen, auf die ich Lust habe. Und ich möchte regelmäßiger Sport treiben, Krafttraining und Rad fahren.
Zur Person
Prof. Dr. Karl-Heinz Dammer studierte Erziehungswissenschaft, Romanistik, Germanistik und Philosophie an den Universitäten Münster und Toulouse. Er promovierte in Romanistik über „Pressezeichnung und Öffentlichkeit in der Fünften Republik“ und war an Projekten zur „Integration beruflicher und allgemeiner Bildung“ tätig. Er war Lehrbeauftragter für Erziehungswissenschaft (Allgemeine Pädagogik) an der Universität Essen und zehn Jahre lang als Deutsch- und Französischlehrer am Gymnasium und Berufskolleg in NRW tätig. Seine Habilitation verfasste er über die Integrationsfunktion von Erziehung und Bildung und wurde 2008 auf die Professur für Allgemeine Pädagogik an der PH Heidelberg berufen. Dort war er Direktor des Instituts für Erziehungswissenschaft und Prorektor für Studium, Lehre und Internationalisierung (2022-2025).
Seine Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind die Philosophie und Theorien von Bildung und Erziehung, die pädagogische Anthropologie, pädagogisches Denken und Handeln im gesellschaftlichen Kontext, die Geschichte der Schule, kritische Erziehungswissenschaft und Bildungsreformen.
[hop] Der vorliegende Sammelband, mitherausgegeben von PHHD-Musikprofessor Dr. Jürgen Oberschmidt, fasst die Ergebnisse der Jahrestagung der Internationalen Leo-Kestenberg-Gesellschaft (IKG) im Mai 2022 an der Universität Luxemburg in französischer und deutscher Sprache zusammen. Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit der Thematik 'Musik lernen und lehren' aus ländervergleichender Perspektive. Dabei werden künstlerische, empirische und historische Perspektiven auf Musikunterricht in Luxemburg, Frankreich und Deutschland betrachtet.
Neben historischen Blickwinkeln stand der Dialog zwischen den Spannungsfeldern Forschung und unterrichtliche Praxis, der die in Lehr- und Lernprozessen angewandten Methoden beleuchtete, sowie künstlerische Perspektiven im Mittelpunkt dieses Austauschs. Um die Authentizität der Denkstrukturen in den 14 Beiträgen zu bewahren, werden die jeweiligen Abhandlungen in ihren Muttersprachen veröffentlicht.
Zum Buch:
Musik lernen und lehren| Apprendre et enseigner la musique. Künstlerische, empirische und historische Perspektiven auf Musikunterricht in Luxemburg, Frankreich und Deutschland | Perspectives artistiques, empiriques et historiques sur l'enseignement de la musique au Luxembourg, en France et en Allemagne. Herausgegeben von Ina Henning, Jürgen Oberschmidt, Damien F. Sagrillo und Pascal Terrien. 2025, Rombach Wissenschaft, 290 Seiten, ISBN 978-3-96821-918-9
Im Rahmen des BNE-Colloquiums sprach Wilma van Staden am 28. April über „Co-Engaged Global Learning for Change in Digital Contexts“ an der Hochschule. Im Zentrum stand ein Verständnis von globalem Lernen als gemeinsamer, transformationsorientierter Prozess, der über reine Wissensvermittlung hinausgeht. Van Staden betonte, dass Wissen zwar weiterhin eine wichtige Grundlage sei. Zusätzlich müsse Bildung für nachhaltige Entwicklung Lernräume schaffen, in denen sich Lernende mit realen Herausforderungen, gelebten Erfahrungen, Beziehungen, Widersprüchen und konkreten Veränderungsmöglichkeiten auseinandersetzen können.
Anhand von Change Projects und Nord-Süd-Kooperationen zeigte sie, wie Lernende an realen Nachhaltigkeitsherausforderungen arbeiten und dabei lokale Perspektiven mit globalen Fragestellungen verbinden. Dabei hob sie hervor, dass transformatives Lernen nicht nur bedeute, Nachhaltigkeitsprobleme besser zu verstehen, sondern auch die Fähigkeit fördern müsse, kritisch zu reflektieren, kollaborativ zu arbeiten und alternative Zukunftsperspektiven zu entwickeln.
Digitale Lernumgebungen wurden zudem als zentrale Räume für Dialog, Aushandlung und gemeinsames Handeln hervorgehoben – insbesondere dann, wenn digitale Werkzeuge pädagogisch sinnvoll eingesetzt werden und Möglichkeiten für Storytelling, Partizipation und Reflexion eröffnen. Besonders betont wurden die Implikationen für die Lehrer:innenbildung, in der solche partizipativen und reflexiven Lernprozesse stärker verankert werden sollten. Eine anschließende Diskussion bot Raum für vertiefende Fragen und Austausch.
Das BNE-Colloquium wurde von Teresa Ruckelshauß (BNE-Zentrum) moderiert, die mit Wilma van Staden bereits im Projekt “Sub-Saharan Africa Teacher Leadership for Education for Sustainable Development” (
Öffentliche Vortragsreihe
Die Colloquiumsreihe des BNE-Zentrums Heidelberg lädt renommierte Expert:innen verschiedener Disziplinen an die Pädagogische Hochschule Heidelberg ein. Nach einem öffentlichen Vortrag im Kontext „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ gibt es jeweils die Möglichkeit zur intensiven Diskussion.
Im Sommersemester 2026 steht die Reihe unter dem Motto "Globales Lernen - Globale Perspektiven". Weitere Termine: 2. Juni, „Globales lernen – der Weg zum Weltbürgertum“ (Cathy Nzimmitbu Plato); 16. Juni, „Values-based education for sustainability with the Earth Charter“ (Alicia Jimenz).
Weitere Informationen und Anmeldung unter
Text: BNE-Zentrum