Institut für deutsche Sprache und LiteraturDeutsch

Anne Berkemeier: Hörtabelle

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Die Arbeit mit der Hörtabelle bedeutet keinesfalls, dass hier die Methode „Lesen durch Schreiben“ präferiert würde. Die Hörtabelle kann mit allen Schriftvermittlungsmethoden kombiniert werden. Jede Methode hat ihre Vor- und Nachteile, die nur durch die Kombination der verschiedenen Ansätze ausgeglichen werden können. Egal mit welcher Methode das Lesen und Schreiben erlernt wird (z.B. Fibel, „Lesen-durch-Schreiben“, „Häuschen-Methode“): LehrerInnen und SchülerInnen benötigen einen Überblick über die zu erwerbenden Graphem-Phonem-Beziehungen (wissenschaftlich exakter Ausdruck für „Laut-Buchstaben-Beziehungen“). Anlaut- bzw. Lauttabellen sollen Schülerinnen und Schüler dabei unterstützen und sind im deutschsprachigen Raum weit verbreitet: Neben den Graphemen finden sich dort Bilder, die für Wörter stehen, die mit den entsprechenden Lauten beginnen (Anlaut) oder sie an anderer Stelle im Wort enthalten. (Vorsicht: Leider enthalten viele dieser sog. (An-)Lauttabellen Fehler.) Wenn Kinder allerdings kaum Deutsch sprechen können, so sind ihnen die Anlauttabellen keine große Hilfe: Wenn man nicht weiß, welches Wort dem jeweiligen Bild zugeordnet werden soll, kann man auch den Anfangslaut (Anlaut) nicht identifizieren.

Die Hörtabellen für Vokale und Konsonanten sollen dabei helfen, dieses Problem zu lösen. Mit ihnen können die Laute, die einem Buchstaben oder einer Buchstabenkombination (einem Graphem) zugeordnet werden, direkt angehört werden. Das funktioniert entweder hier online oder mithilfe eines „Audio-Stiftes“ (z.B. dem AnyBook Reader) und einer ausgedruckten Hörtabelle. Der „Audio-Stift“ muss allerdings dafür von Ihnen selbst besprochen werden. Außerdem können die Grapheme, die schon eingeführt wurden, mit einer Overlay-Folie (s.Foto) farblich für die Kinder hervorgehoben werden.

Zur Hörtabelle (auf das Bild klicken):

Zitierhinweis: Berkemeier, Anne (2015): Hörtabelle. Aus: Werkstattmaterialien zur Sprachförderung. Verfügbar unter: www.ph-heidelberg.de/hoertabelle

Die Hörtabelle berücksichtigt keine Graphem-Phonem-Korrespondenzen aus Fremdwörtern (außer <Y/y> in Fachwörtern aus dem Griechischen, die in der Sekundarstufe häufig vorkommen).

Download der Hörtabelle als PDF zum Ausdrucken

Overlays für verschiedene Sprachen und Schriften

SchülerInnen, die bereits eine Alphabetschrift erworben haben, kennen sich bereits mit Graphem-Phonem-Beziehungen aus. Daher erlernen sie das deutsche Schriftsystem in der Regel viel schneller als Kinder, die vorher noch keine Alphabetschrift erworben haben. Dabei geht das Lernen umso schneller, je mehr Graphem-Phonem-Beziehungen mit dem deutschen Schriftsystem übereinstimmen.

Im Folgenden finden Sie farbige Hörtabellen für verschiedene Schriftsysteme anderer Sprachen (online leider nur visuell zugänglich). SchülerInnen und Lehrkräfte können so auf einen Blick erkennen, welche Laute aus der jeweiligen Muttersprache und ggf. welche Grapheme aus der Erstschrift bereits bekannt sind.

Hinweise zur Bedeutung der Markierungen:

  • Audio-Punkte, die nicht farblich markiert sind, gehören zu Lauten, die es in den jeweiligen Muttersprachen nicht gibt. Möglicherweise müssen mit den SchülerInnen entsprechende Ausspracheübungen durchgeführt werden.
  • Laute mit grünen Audio-Punkten sind bekannt und können ausgesprochen werden.
  • Grün gedruckte Grapheme (Buchstaben) bedeuten, dass die Graphem-Phonem-Beziehungen in der jeweiligen Sprache die gleichen wie im Deutschen sind. Sie können von bereits entsprechend alphabetisierten Kindern direkt benutzt werden
  • Rot markierte Grapheme (Buchstaben) sind sogenannte „falsche Freunde“: Sie sehen in der jeweiligen Schrift zwar genauso oder sehr ähnlich aus, korrespondieren aber mit anderen Lauten. Sie sollten erst später eingeführt werden.

Die farbigen Markierungen können Sie  für Kinder mit den entsprechenden Erstschriften auf Overlay-Folien übertragen. Die Audio-Punkte sollten allerdings nur eingekreist (siehe Foto), nicht ausgemalt werden, damit der Audio-Stift weiterhin funktioniert. So können alle LernerInnen eine Hörtabelle nutzen, indem sie die ihrer Erstschrift entsprechende Overlay-Folie drüberlegen.

Nutzen Sie Vorkenntnisse der Kinder:

  • SchülerInnen, die noch keine Alphabetschrift erworben haben, brauchen in der Regel mindestens so lange wie Schulanfänger (also 6 Monate bis zu 2 Jahre), bis sie die Grundzüge der Phonem-Graphem-Beziehungen erworben haben.
  • Jüngere SchülerInnen mit einer alphabetischen Erstschrift brauchen etwas länger und sollten mit den grün markierten Audio-Punkten beginnen. 
  • Ältere SchülerInnen (spätestens in der Sekundarstufe I), die bereits eine oder mehrere Alphabetschriften beherrschen, können die Graphem-Phonem-Beziehungen des Deutschen mithilfe der Hörtabelle und dem passenden Overlay in wenigen Stunden weitgehend selbstständig erwerben.

Links zu den Overlays

Hörtabellenoverlays zum Anzeigen im Browser und als Download zum Ausdrucken:

 

 

Literaturhinweis:

Berkemeier, Anne (i. E.): Schrifterwerb und L2-Alphabetisierung. In: Roll, Heike/Grießhaber, Wilhelm/Schmölzer-Eibinger, Sabine/Schramm, Karen (demnächst): Schreiben in der Zweitsprache. De Gruyter.