Call for Papers - bis 31.05.2021

Persönlichkeitsbildung in Zeiten von Digitalisierung

19.–20.11.2021, PH Heidelberg/Onlinetagung 

Jahrestagung der Kommission Pädagogik und Humanistische Psychologie in der Sektion 13 (Differentielle Erziehungs- und Bildungsforschung) der DGfE an der Fakultät für Erziehungs- und Sozialwissenschaften der Pädagogischen Hochschule Heidelberg

Lassen sich Konzepte von Persönlichkeit und Bildung sowie von Persönlichkeitsbildung von der Antike an bis heute verfolgen, ist die Digitalisierung ein vergleichsweise junges Phänomen, das eine alle Lebensbereiche betreffende Transformation unserer Gesellschaften und damit auch pädagogischer Kontexte kennzeichnet.

In den pandemie-bedingten Lockdowns wurde und wird die Bedeutung von Digitalisierung hinsichtlich der Aufrechterhaltung zentraler Lebensbereiche deutlich. Die Frage nach Wirkungen auf den Menschen ist ein noch vielfach offenes Feld. So wird Digitalisierung vielfältig diskutiert: zwischen ihrem Innovationspotenzial, durch das den Menschen nicht nur mannigfache Ressourcen für ihre Lebensführung zur Verfügung stehen, sondern sich auch neue digitale Kommunikationsräume öffnen, bis hin zu Dynamiken verselbstständigter, dem Einzelnen entzogener Algorithmen. All dies ist nicht ohne Sinn- und Wertreflexion etwa hinsichtlich von Autonomie, Interaktionsgestaltung, Gerechtigkeit und Demokratie zu thematisieren.

Persönlichkeitsbildung hat längst Eingang in supranationale wie nationale Rechtstexte gefunden (Menschenrechtscharta 1948, Kinderrechtskonvention 1989, Behindertenrechtskonvention 2006, Grundgesetz 1949) und ist Kernziel von Bildung in verschiedenen pädagogischen Kontexten. In demokratischen Zusammenhängen ist sie mit Vorstellungen von Reflexivität, Mündigkeit und sozialer Verantwortung verbunden. Die UNESCO zählt seit 2012 Aspekte der Pesönlichkeitsbildung als „21st century skills“ zu ihren globalen Bildungszielen.

Was bedeutet Persönlichkeitsbildung in Zeiten von Digitalisierung mit ihren Chancen und Risiken?

In jüngerer Zeit wird in der Charta der Digitalen Grundrechte der Europäischen Union konstatiert, Digitalisierung bewirke eine „Veränderung der Grundlagen unserer Existenz“ (Charta 2018, Präambel), verbunden mit dem Plädoyer einer Grundrechteaktualisierung. Denn die Möglichkeiten des Digitalen betreffen die Anerkenntnis etwa von Würde, Freiheit und Bildung (ebd.).

Die Tagung möchte das Verhältnis zwischen Persönlichkeitsbildung und Digitalisierung ausleuchten, indem Möglichkeiten und Chancen ebenso reflektiert werden wie Spannungslagen und Begrenzungen. Dazu wird Forschungen, Bildungskonzepten und Praxisbeispielen Raum für Präsentation und Austausch gegeben.

Es interessieren dabei vor dem Hintergrund einer humanistisch-pädagogisch begründeten Ressourcenorientierung Fragen wie:

Was bedeutet Digitalität für die Person und ihre Bildungsprozesse?

Welche auf die Personen und ihre Beziehungen bezogenen Dynamiken entfalten die aktuellen Transformationsprozesse?

Was verändert sich durch zeitgleiche, örtlich getrennte Begegnungsräume wie synchrone digitale Veranstaltungen?

Welche Auswirkungen haben die in einigen Hinsichten entleiblichten Formen von Interaktion?

Was bedeutet Gegenwart als Raum individueller Handlungsorganisation angesichts von zunehmenden „Mehrörtlichkeiten“ zwischen individuellen analogen Räumen und einem digital geteilten Raum – etwa in Onlinekonferenzen?

(Wie) lässt sich im digitalen Raum eine Kultur des Miteinanders etablieren, die eine Bildung der Persönlichkeiten zum Gemeinwohl hin stärkt?

 

Es können Forschungs-, Konzept- und Praxisbeiträge eingereicht werden.

Forschungsbeiträge berichten theoretische und/oder empirische Analysen zu Persönlichkeitsbildung und Digitalisierung/Persönlichkeitsbildung in Zeiten von Digitalisierung, indem sie den aktuellen Stand der Fachdiskussion aufgreifen und vor diesem Hintergrund verschiedenen bearbeiteten Forschungsfragen theorie- oder empiriegeleitet nachgehen.

Konzeptbeiträge berichten von Konzepten zur Persönlichkeitsbildung in Zeiten von Digitalisierung im Kontext pädagogischer Professionalisierung.

Praxisbeiträge, jeweils in Bezug auf verschiedene pädagogische Handlungsfelder, berichten über best-practice-Modelle von Persönlichkeitsbildung in Zeiten von Digitalisierung sowie deren Entstehung und Anwendung.

Als Beitragsformate sind 20-minütige Vorträge (mit anschließender 10-minütiger Diskussion) ebenso wünschenswert wie 90-minütige Workshops und Poster, für die ein Online-Präsentationsformat und -zeitraum entwickelt und angeboten wird.

Wir bitten um Einreichung von Abstracts gemäß der Formatvorlage (bis zu 500 Zeichen plus Leerzeichen) bis zum 31.05.2021 an: persoenlichkeitsbildung@remove-this.ph-heidelberg.de. Rückmeldung zu Ihrem Abstract erhalten Sie bis Ende Juli/Anfang August.

Auf Ihre Vorschläge freut sich das Tagungsteam

Prof. Dr. Ulrike Graf, Dr. Nils Altner, Dr. Katja Staudinger, Prof. Dr. Telse Iwers

Tagungsorganisation

Kommission Pädagogik & Humanistische Psychologie

Prof. Dr. U. Graf, PH Heidelberg
Dr. N. Altner, Univ. Duisburg-Essen
Dr. K. Staudinger, PH Heidelberg
Prof. Dr. T. Iwers, Univ. Hamburg

persoenlichkeitsbildung@remove-this.ph-heidelberg.de