Wildbienen und Honigbienen – wo ist der Unterschied?

Beim Vorbeigehen am Garten fallen dem neugierigen Spaziergänger mehrere kleine Bauwerke auf. „Wildbienenhotel“ steht an einem Häuschen, das nur aus einer einzigen Wand besteht, allerdings durch ein Dach geschützt. An anderer Stelle stehen mehrere Kästen, die weder Fenster noch eine sichtbare Tür besitzen.

Die Bewohner und Hotelgäste sind Vertreter der Insektenordnung der Hautflügler und an sonnigen, warmen Tagen schon im März zahlreich zu beobachten. Wo liegt der Unterschied zwischen den Honigbienen und den Wildbienen?

Wildbienen machen keinen Honig. Die meisten der in Deutschland vorkommenden 520 Arten von Wildbienen leben solitär, d.h. alleine. Sie versorgen nur sich selbst mit Nektar als „Flugbenzin“ und ihre Eier, aus denen später Larven schlüpfen, mit Pollen oder einem anderen Proteinvorrat. Eine soziale Lebensweise findet sich dagegen bei echten Hummeln, oder auf am weitesten entwickelter Stufe, bei der Honigbiene (Apis mellifera) im Dauerstaat. Sie überwintert als ganzes Volk mit mehreren Tausend Individuen. Der eingelagerte Honig wird als Energiequelle „verheizt“, indem mit der von der Flügelbewegung abgekoppelten Flugmuskulatur Wärme erzeugt wird. Die Temperatur liegt so innerhalb der dicht sitzenden „Wintertraube“ der Honigbienen bei erstaunlichen 20 Grad Celsius, ab Januar im langsam wachsenden Brutbereich sogar bei fast säugetierwarmen 35 Grad Celsius. Rund um die Wintertraube ist die Luft in den Bienenkästen fast so kalt wie draußen! Wie überwintern dagegen die Solitärbienen? Sie nutzen das Angebot an Wildbienenhotels und anderen Nistgelegenheiten im Ökogarten mit diversen Hohlräumen, hohlen Pflanzenstängeln, Bohrgängen in Holz oder Lehm, die als Brutkammern benutzt werden.

Noch mehr über Wildbienen:

Im März ist beispielsweise die Rote Mauerbiene (Osmia rufa) bei Paarung und Eiablage zu beobachten, mit etwas Glück sogar beim Schlüpfen der neuen adulten Generation. Viele Wildbienen überdauern den Winter als Puppe, die winterstarr und schlüpfbereit in ihrer Kammer den Frühling abwartet. Nach der Paarung und der Anlage der Brutkammern ist der Lebenszyklus vollendet. Eine weitere Betreuung der Nachkommen findet nicht statt. Dass die Eltern der Wildbienen schon gestorben sind, wenn die Jungen auf die Welt kommen, führt bei unseren jugendlichen Besuchern oft zu Nachdenklichkeit.

Überwinterung

Ein weiterer wichtiger Unterschied zwischen Wild- und Honigbienen ergibt sich aus der unterschiedlichen Art der sozialen Lebensweise und der Strategie der Überwinterung.
Honigbienen legen Vorräte an. Sie sind Massensammler und besuchen die jeweils ergiebigsten Trachtquellen. Dass sie eine gefundenen Pflanzenart nicht wechseln (Blütenstetigkeit), hat für sie arbeitsökonomische Vorteile (Erlernen komplizierter Blütenmechanismen) und für die Pflanzen Bestäubungsvorteile (Bestäubung nur mit arteigenem Pollen). Der Mensch zweigt sich seinen Vorteil  ab, indem er einen Teil des gesammelten Honigs erntet. Für 1 Kilogramm Honig müssen 7,5 Millionen Rapsblüten besucht werden. Ein Bienenvolk produziert im Jahr etwa 50–60 kg Honig.

Bestäubung von Blüten

Der größere  volkwirtschaftliche Nutzen der Honigbiene liegt jedoch in ihrer Bestäubungsfunktion bei Kulturpflanzen. Ein Bienenvolk kann pro Tag  zum Beispiel bis zu 3 Millionen Obstblüten bestäuben. Da sie den ganzen Sommer über aufeinander folgend verschiedenste Pflanzenarten befliegt, bezeichnet man sie als Universalbiene. Für alle diese Leistungen ist das viel beachtete Kommunikationssystem der Honigbiene Voraussetzung.
Wildbienen spielen eine wichtige Rolle als Bestäuber von Pflanzen, die von der Honigbiene vernachlässigt werden, darunter auch von seltenen und gefährdeten Arten. Die im Ökogarten vorkommende Sandbiene wurde an der Zweihäusigen Zaunrübe  (Giftpflanze) gesichtet. Weitab von Bienenständen stellen sie zusammen mit Hummeln die wichtigsten Bestäubungsinsekten von Wild- und Kulturpflanzen dar. Die Nisthilfen für Wildbienen im PH-Ökogarten demonstrieren die Vielfalt dieser Organismen, ihre Lebensbedürfnisse und  ökologischen Wechselbeziehungen.

Wildbienenschutz

In der Wissenschaftlichen Hausarbeit von Frau Zöllner zum Thema Wildbienen konnte aus Schülergesprächen geschlossen werden, dass die intrinsische Motivation, etwas für den Wildbienenschutz zu tun, durch die handlungsorientierte Auseinandersetzung  bei der Herstellung und Beobachtung von Nisthilfen gesteigert wurde. Etwa 50% der heimischen Wildbienen stehen in der Roten Liste der gefährdeten Tierarten Deutschlands. Der Wert eines Wildbienenhotels liegt  jedoch weniger im konkreten Artenschutz  als in seiner pädagogischen Nutzung. Die Wildbienen-Wände in Ökogarten dienen als Modell für die schulische und natürlich auch private Umsetzung.
Zu Nisthilfen für Wildbienen und Magazinbeuten für Honigbienen gehören unabdingbar die entsprechenden Nahrungsquellen an Nektar und Blütenpollen für die jeweiligen Insekten. Eine Vielfalt an Biotopen, Pflanzenarten und Strukturelementen anzubieten, ist ein Bestandteil des Konzeptes des PH-Ökogartens. Manche Flächen werden gezielt mit entsprechenden Pflanzen besiedelt und als Bienen- oder auch Schmetterlingsbeet gestaltet, andere wachsen vielfältig und artenreich heran durch wohlüberlegten Umgang mit der Wildflora bereits im Keimlingsstadium. Bei der Artenzusammensetzung des Gehölzbestandes wird besonders auf das Pollenangebot im zeitigen Frühjahr geachtet, das mit Haseln, Weiden und Erlen mittlerweile recht üppig ist.
Die Blütenvielfalt des Ökogartens von März bis November ist auch für Nicht-Insekten wahrnehmbar. So wird gewinnt ein tragfähiges Beziehungsgefüge auch für weitere Teilhaber des ökologischen Netzes, und als solche betrachten wir uns, an Wert. Zur Honigernte gesellt sich der ästhetische Wert der Vielfalt an Farben, Formen und Düften.

Arbeit der Imker

Im PH-Ökogarten stehen etwa 25 Bienenvölker. Sie werden von 4 Imkern, die alle auch an anderen Standplätzen Bienen stehen haben, betreut. Herr Heil ist  langjähriger Imker und Bienensachverständiger und betreut seit mehreren Jahren im Lehrauftrag den nachgefragten Imker- und Bienenkurs. Herr Roth betreut den Bienen-Schaukasten, den er selbst gebaut und optimiert hat. Er stellt für unsere Schulklassen eine der größten Attraktionen im Garten dar. Geschützt durch eine Glasscheibe, kann man im Sommer den Bienen bei ihrem Treiben zusehen. Auch Frau Dresel von unserem Team ist Imkerin. Ein anderes Bienenvolk wird von Jungimkerin Susann Hofmann gehalten, um ein Umweltmonitoring (Firma Rifcon) mit Bienenvölkern vorzubereiten. 
Der Wirkungskreis der Honigbienen und Wildbienen bleibt natürlich nicht auf den Ökogarten beschränkt. Unsere Bienen werden jedoch in diesem und den Folgejahren massive Einschränkungen ihrer Nahrungsgrundlagen hinnehmen müssen. Mehr als 30 große Obstbäume wurden im angrenzenden Umfeld gefällt, etwa 2 Hektar Wiese werden zum Hubschrauber-Landeplatz. Das Ökogarten-Team und die beteiligten Studierenden fühlen sich durch die aktuellen Veränderungen in nächster Umgebung, durch Kahlschlag und Baustellen-Lärm beeinträchtigt.

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