Samen und Früchte erkennen - mit der Lupe

Um Blühmischungen auszubringen und ökologische Vielfalt zu fördern, ist die Auswahl geeigneter Arten sinnvoll. Bei mehrjährigen Mischungen haben heimische Insekten eine faire Chance. Dann können Wildbienen, Falter, Käfer, Schwebfliegen u. v. a. nicht nur Nektar schlürfen und schlecken oder Pollen ernten. Dann finden auch die Larven etwas zu fressen, können ggf. als Puppen überwintern und sich zu Vollinsekten entwickeln. Auch Süßgräser gehören zu einer mehrjährigen Blühmischung.

Manche Pflanzen, die miteinander verwandt sind, haben auch ganz ähnlich geformte Samen. So kann man an den Samen die Pflanzenfamilie und manchmal die genaue Art erkennen.

Das Ausbringen gebietsfremder Arten in der freien Natur ist aus Naturschutzgründen verboten - das ist sehr sinnvoll. So soll solchen Fällen wie der Verbreitung von Drüsigem Springkraut, Japanischem Knöterich oder Riesenbärenklau zukünftig vorgebeugt wird.

Die regionale heimische Vielfalt ist so reichhaltig, dass eine Zuwendung lohnt.

Flockenblumen sind entweder an ihren Früchten zu unterscheiden, oder aber an ihren Hüllblättern des Blütenkorbes sowie den Laubblättern.

Korbblütengewächse haben typische Früchte. Diese besonderen Nussfrüchte werden auch Achänen genannt. Manchmal besitzen sie einen Haarkranz, den Pappus, manchmal ist dieser Haarkelch aber auch reduziert zu einem kleinen Krönchen, wie bei der Wegwarte. Zu den Korbblütlern gehören neben den Flockenblumen auch Kletten, Rainfarn, Artischocken oder Disteln, Kamille oder Gänseblümchen. Wir schauen hier gezielt auf deren Früchte.

 

Die Wegwarte Cichorium intybus ist die Wildform des Chicorée und wird zugleich als Zichorienkaffee genutzt, die Wurzeln werden gemahlen und geröstet. Ihre prachvollen Blütenköpfe sind nicht für die Vase, sondern für den Wegesrand und verblühen am frühen Nachmittag. Schon Albertus Magnus, einer der ersten forschenden Naturwissenschaftler des Mittelalters, wusste die Wegwarte zu schätzen.

Nachfolgend sind weitere Früchte von Korbblütengewächsen aufgezeigt.

Die Ringelblume ist mit ungefüllten Sorten eine wertvolle Gartenpflanze.

Ringelblume und Echte Kamille

Die Ringelblume Calendula wird auch zur Herstellung von Salben zur Hautpflege verwendet, die Kamille bietet ebenfalls Inhaltsstoffe zur Gesundheitsförderung. Beide sind Korbblütler, die Form der Früchte (Achänen) ist aber gut zu unterscheiden.

Zu den Korbblütengewächsen gehört auch die Kamillen. Es gibt natürlich mehrere Arten, echte und unechte, geruchlose und überriechende, strahlenlose und solche mit randständigen weißen Zungenblüten. Die echte Kamille erkennt man nicht nur am Duft, sondern an ihrem hohlen Blütenboden, der sich nach oben wölbt.

Rainfarn - kein Farn, sondern ein Korbblütler

Auch die Früchte des Rainfarns weisen darauf hin, dass diese gelb blühende Pflanze ein Korbblütler ist. Die Früchte sind Achänen. Einen Haarkelch (Pappus) haben sie aber nicht.

 

Nelkengewächse haben typische Samen

Nicht nur die Früchte der Korbblütler sind einander ähnlich, auch Nelkengewächse erkennt man sehr leicht an hübschen Samen mit elegant gemustesterter Oberfläche. Nelkengewächse haben fünfzählige Blüten und bilden oft Kapselfrüchte, aus denen die reifen Samen gestreut werden. Kornraden sind zarte Ackerwildblumen, aber giftig. Die Tenside des Seifenkraut werden seit römischer Zeit geschätzt. Rote Lichtnelken sind zweihäusig, es gibt also "Herrn Lichtnelke" und Frau Lichtnelke", beiden blühen fast über die gesamte Vegetationsperiode.

Hübsche Samen bei heimischen Pflanzen

Die Karde ist eine wehrhafte Pflanze, gehört aber nicht zu den Disteln und also auch nicht zu den Korbblütlern. Aber ihre Fruchtstände sind eine wertvolle Struktur im Winter. Auf den zahlreichen prachtvollen Blüten tummeln sich im Sommer Wildbienen und andere Insekten. Karden wurden früher zum Kämmen von Wolle genutzt, das nannte man Kardieren.

Die blühende Karde ist attraktiv für Hautflügler.

Klausenfrüchte der Lippenblütler

Die Früchte der Lippenblütler heißen Klausen. Sie sind Bruchfrüchte, d. h. die Fruchtknoten zerbrechen in fast kugelrunde Samen. Zu den Lippenblütlern gehört als artenreichste Gattung der Salbei. Neben dem zauberhaften blauen heimischen Wiesensalbei (Salvia pratensis) gibt es zahlreiche Gartenformen des mediterranen Gartensalbeis (Salvia officinalis), aber auch etliche aus Südamerika eingeführte andere Arten. Einer der bekanntesten in der Küche ist Chia (Salvia hispanica).

Der Mehlige Salbei Salvia farinacea bildet weiße Samen. Seine blauen Blüten sind Trachtpflanzen für Wildbienen.

Auch andere Lippenblütler neben dem Salbei sind wertvolle Trachpflanzen und bilden Klausenfrüchte.

 

Mehliger Salbei und Duftnessel sind beide Lippenblütler.

Wiesensalbei - der heimische Salbei

Wie alle Salbeiblüten, so bildet auch der Wiesensalbei nur zwei Staubblätter pro Blüte. Die übrigen zwei Staubblätter sind umgebildet zu einem sogenannten Schlagbaummechnismus.

Es sorgt dafür, dass nur Insekten mit passender Rüssellänge am Nektar schlürfen können, dabei den Schlagbaum berühren und die Staubblätter nach unten klappen. So kann der Pollen auf dem Abdomen der Insekten passgenau zur nächsten Blüte transportiert und dort die Narbe bestäubt werden.

Auch die Agastache ist ein Lippenblütler. Sie wird Duftnessel genannt und blüht den ganzen Sommer über blassblau. Wilde Bienen nutzen sie als Trachtpflanze und bestäuben sie erfolgreich. So entstehen keinfähige Samen.

Noch ein paar Samen ...

Bevor man nun Samen bzw. Früchte der Süßgräser und Korbblütler in Samenmischungen identifizieren kann, stellen wir noch einige wenige weitere Arten vor:

Malvengewächse, Klatschmohn (ein Mohngewächs), Tüpfel-Hartheu = Johanniskraut (ein Johanniskrautgewächs), die wilde Möhre mit Widerhaken (eigentlich sonst ganz untypisch für Doldenblütlerfrüchte). Für Doldenblütler ist jedoch typisch, dass sich Streifenwanzen auf den Pflanzen tummeln. Die Spaltfrüchte der Doldenblütler sind vielgestaltig, bekannt von den Gewürzen Kümmel, Anis, Fenchel, Koriander, Dill etc., aber Samen der Gewürze der Welt würden hier zu weit führen.

Samenmischung verstehen und durchschauen

Je mehr Samen man bereits kennt, umso besser kann man Samenmischungen analysieren und gezielt daraufhin prüfen, ob gutes Saatgut vorliegt, oder nur eine knallbunte Exotenmischung ohne ökologische Nachhaltigkeit. Dieser Ausschnitt fokussiert auf eher einjährige Pflanzen wie Kornblume (Punkfrisur), Kornrade (schwarze gemusterte Samen), Ringelblume. Daneben befinden sich Samen, die erst im zweiten Jahr blühen. Die einjähringen Pflanzen können helfen, Wertschätzung und Akzeptanz für hochwertige Blühflächen zu fördern, da sie bereits im ersten Jahr attraktiv sind, auch wenn sie dann später ins Hintertreffen geraten.

Vielfältige Samen werden in gut vorbereiteten krümeligen Boden ausgebracht und gut angegossen. Dann ist Geduld gefragt. Gemäht wird nach dem Blüten und Fruchten, ein bis zwei Mal im Jahr. Ist die Mischung gut etabliert, dann ist der Pflegeaufwand gering.

Neben den Süßgräsern (erkennbar an den Grannen) sieht man hier die talerförmigen Früchte von Doldenblütlern, kantige Samen des Natternkopfes, widerborstige Tönnchen des Odermennigs, die "Tortenstücke" von Malven sowie Samen von Nelkengewächsen und die "Kanonenkugel" eines Wiesensalbeis. 

Natternkopf - ein prachtvolles Raublattgewächs

Die kantigen Samen des blau blühenden behaarten Natternkopfes sind eigentlich nur mit den Samen der gelbblütigen Nachtkerze zu verwechseln. 

Den Überblick behalten

Nachdem viele Arten vorgestellt wurden, hier ein Bild einer Samenmischung mit Beschriftung einzelner Arten. Gutes Saatgut für regionale Mischungen erhält man bei Rieger & Hofmann. Wichtig: Standortbedingungen prüfen und sehr rechtzeitig bestellen.