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Forschung

Projekt will Effekte taubblindenpädagogischer Qualifizierungen überprüfen

An der Pädagogischen Hochschule Heidelberg ist ein neues Forschungsprojekt gestartet: Unter der Leitung von Professorin Dr. Andrea Wanka (Institut für Sonderpädagogik) wird erstmals untersucht, ob bzw. inwiefern Art und Inhalt von Qualifizierungsangeboten in der Taubblindenpädagogik die Haltung der Mitarbeitenden sowie deren Partnerkompetenzen beeinflussen. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen die vorhandenen Qualifizierungsangebote und die Interaktion mit taubblinden Menschen verbessern. Das Projekt "Vom Wissen zum Handeln" wird in Kooperation mit der Universität Groningen (Niederlande) sowie den deutschen Kompetenzzentren für Menschen mit Taubblindheit/Hörsehbehinderung durchgeführt. Das Projekt wird von der Friede Springer Stiftung gefördert; die Ergebnisse sollen im Herbst 2021 vorliegen.

In der Qualifizierung von Menschen, die in der Taubblindenpädagogik tätig sind, liegt der Schwerpunkt in der Regel auf Haltungsaspekten und Partnerkompetenzen. "Dabei geht es unter anderem darum, dass der Sehend-hörende lernt, die häufig schwer verstehbaren oder - wie in der Taubblindenpädagogik heißt - 'schwer lesbaren' Verhaltensweisen zu erkennen. Es geht zudem darum, den Sinn hinter dem Verhalten eines Menschen mit Taubblindheit/Hörsehbehinderung zu finden, auch wenn das sehend-hörende Gegenüber diesen nicht immer versteht", erklärt Wanka.
Darüber hinaus wird in der Qualifizierung zudem die Methoden der Vermittlungsweisen äußerst bewusst gewählt, um ein möglichst nachhaltiges und sich selbst weiter reflektierendes Lernen zu gewährleisten. So betrachten die Teilnehmenden beispielsweise ein Video einer Person mit Taubblindheit/Hörsehbehinderung und seinem Interaktionspartner und spielen dies im Anschluss szenisch nach. Dabei nehmen sie einmal die Rolle der Person mit Taubblindheit/Hörsehbehinderung und einmal die Rolle des Kommunikationspartners ein und verbinden die hier gewonnen Erfahrungen mit theoretischen Konzepten.

Inwiefern die eingesetzten Methoden den gewünschten Effekt haben und inwiefern eine Qualifizierung Aspekte der Haltung gegenüber den Menschen mit Taubblindheit/Hörsehbehinderung beeinflussen kann, soll erstmals im Zuge des nun gestarteten Projektes "Vom Wissen zum Handeln" überprüft werden. Hierzu wird das Team um Professorin Wanka Qualifizierungsteilnehmende mittels Fragenbogen und Videografie befragen. Sie wollen so herausfinden, inwiefern durch Art und Inhalte des Qualifizierungsangebots eine Veränderung der eigenen Haltung und der Partnerkompetenzen stattgefunden hat und wenn ja, welche.
Den Forschenden geht es zudem um die Entwicklung eines Fragebogens, der eine Selbsteinschätzung der Haltung ermöglicht. Sie wollen außerdem ein videoanalytisches Vorgehen entwickeln, für das sie auf einen Kriterienkatalog zur Analyse von Partnerkompetenzen in der Interaktion mit einem taubblinden Menschen zurückgreifen.
Beide Tools sollen zukünftig auch für andere Zwecke eingesetzt werden können wie etwa in der Evaluierung des neuen Besonderen Erweiterungsfaches "Taubblinden- und Hörsehbehindertenpädagogik" an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg.

Weitere Informationen finden Sie unter www.ph-heidelberg.de/taubblind.

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