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Hochschule will landesweit Internetsucht bei Jugendlichen vorbeugen

Die Pädagogische Hochschule Heidelberg will das am Institut für Psychologie entwickelte Programm "Professioneller Umgang mit technischen Medien" (PROTECT), das die Internet- und Computerspielabhängigkeit bei Jugendlichen nachweislich reduziert, landesweit an Schulen bringen. Ziel ist es, dem Entstehen von Internetbezogenen Störungen frühzeitig entgegen zu wirken. Die Projektleitung hat Jun.-Prof. Dr. Katajun Lindenberg inne. Das Ministerium für Soziales und Integration des Landes Baden-Württemberg fördert das Vorhaben "Gründung einer landesweiten Disseminationsstruktur für PROTECT-Präventionsprojekte" (PROTECTdissemination) für drei Jahre mit rund 364.000 Euro.

Aktuelle Studien zeigen, dass etwa 97 Prozent der 12- bis 19-Jährigen in Deutschland ein eigenes Smartphone besitzen; 2010 waren es lediglich 14 Prozent. Etwa sechs Prozent der Jugendlichen leiden unter sogenannten Internetbezogenen Störungen: "Sie ziehen sich häufig zurück und vernachlässigen Freunde, frühere Hobbies und schulische Pflichten. Die Leistungsfähigkeit nimmt ab, die Konflikte mit Eltern und Lehrkräften nehmen zu. Ihre Lebensqualität wird maßgeblich beeinträchtig", erklärt Junior-Professorin Dr. Katajun Lindenberg.
2018 hat die Weltgesundheitsorganisation Computerspielabhängigkeit offiziell als Krankheit eingestuft und zur Entwicklung von Präventionsmaßnahmen aufgerufen. Das international erste Programm, das die Internet- und Computerspielabhängigkeit bei Jugendlichen nachweislich signifikant reduziert, ist PROTECT: Von Lindenberg und ihrem Team entwickelt, lernen die Schülerinnen und Schüler dabei den funktionalen Umgang mit Alltagsproblemen und werden befähigt, technische Medien in einem angemessenen Umfang zu nutzen.

Damit Schülerinnen und Schüler in ganz Baden-Württemberg von dem Programm profitieren können, sollen nun im Rahmen von PROTECTdissemination landesweit Trainerinnen und Trainer fortgebildet werden. Diese werden befähigt, in Schulen Interventionen zur Prävention von Internetbezogenen Störungen durchzuführen: Hierzu durchlaufen sie zunächst 32 theoretische Unterrichtseinheiten, in denen sie die Vermittlung der PROTECT-Interventionen sowie eine Informationsvermittlung zum gesunden Umgang mit Medien lernen. Im Anschluss sind 16 Unterrichtseinheiten praktische Fortbildung vorgesehen, die an Schulen durchgeführt und von erfahrenen PROTECT-Ausbilderinnen und -Ausbildern begleitet werden. Nach dem erfolgreichen Abschluss eines kompletten Trainings erhalten die Teilnehmenden ein Zertifikat, das sie zur selbständigen Durchführung des Programms befugt.

Zur Organisation von PROTECTdissemination ist der Aufbau von zwölf so genannten Regionalzentren geplant: Diese sollen sich aus Kommunalen Suchtbeauftragten und Mitarbeitenden aus Beratungsstellen zusammensetzen und als regionaler Ansprechpartner für die Schulen fungieren. Die Koordination der Trainings erfolgt zunächst zentral über die Pädagogische Hochschule Heidelberg; im Projektverlauf ist die Ausgründung eines Instituts geplant, das die nachhaltige Etablierung sicherstellen soll. Die Wirksamkeit des Vorhabens unter Alltagsbedingungen wird ab dem Frühjahr 2020 durch eine klinische Langzeitstudie untersucht, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird.

Weitere Informationen finden Sie unter www.ph-heidelberg.de/protect.

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