Presse & Kommunikation

Heidelberger Vorträge zur Kulinaristik (3/4): "Ekel als emotionales und kulturelles Phänomen"

19.06.2018

Ein Vortrag von Professor Dr. Dücker (Universität Heidelberg).

Gemeinhin steht die Emotion Ekel in extremem Kontrast zum Genuss, die Polarität dieser Erfahrungsformen gilt als Faktor von Kulturgestaltung. Welche sozialen Funktionen kann Ekel erfüllen? Lassen sich strukturelle Merkmale ekelauslösender Situationen beschreiben und analysieren? Ekel gilt sowohl als angeboren als auch durch Sozialisation kulturspezifisch vermittelt. Welche Speisen, Objekte, Verhaltensweisen, sinnliche Wahrnehmungen lösen Ekelreaktionen aus? In welchen Formen äußert sich Ekel? Antworten auf diese Fragen gibt Professor Dr. Burckhard Dücker (Universität Heidelberg) in seinem Vortrag am Dienstag, 19. Juni 2018. Veranstaltungsbeginn ist 18.15 Uhr im Hörssaalgebäude der Pädagogischen Hochschule Heidelberg (Im Neuenheimer Feld 561, 69120 Heidelberg). Der Vortrag ist Teil der "Heidelberger Vorträge zur Kulinaristik".

Essen und Trinken sind komplexe menschliche Grundbedürfnisse und zugleich kulturtragende Kommunikationsformen. Darum wurde die Kulinaristik als Fächer und Branchen übergreifender Beitrag zu den Lebens- und Kulturwissenschaften konzipiert. Ausgangsbasis ist die Erkenntnis, dass das Kulturphänomen Essen den ganzen Menschen betrifft und sich Kulturen im Kontext ihrer rechtlichen, sprachlichen, sozioökonomischen und politischen Systeme auch über ihre Essenordnungen definieren. Leitende Differenzierung ist die Unterscheidung zwischen Essen und Ernährung. Gegenstand ist die Trias von Kultur, Kommunikation und Küche. Voraussetzung ist der Kampf gegen den Hunger in der Welt. Ziel ist die Verdeutlichung der Bedeutungen des Essens und der Gastlichkeit im Aufbau der Kultur(en), in der Verständigung zwischen den Menschen (Generationen) und im Leben des Einzelnen. Da die Kulturen - und im wachsenden Maße auch die sich globalisierende Nahrungsmittelindustrie - über unsere Essensnormen, Verhaltensrituale und Versorgungsstrukturen mitbestimmen, lässt sich kulinarische Bildung nicht als Privatsache, auch nicht als bloße Frage der Gesundheit etwa im Sinne der WHO erläutern. Sie ist vielmehr Teil der kulturellen und interkulturellen Bildung, also eine Schlüsselqualifikation. Um sie geht es in der Kulinaristik.

Im Sommersemester 2018 werden unter der Leitung von Professor Dr. Burckhard Dücker (Universität Heidelberg) und Professorin Dr. Angela Häußler (Pädagogische Hochschule Heidelberg) vier Vorträge zum Thema angeboten (3/4):

  • Dienstag, 19. Juni 2018
    "Ekel als emotionales und kulturelles Phänomen"
    Professor Dr. Burckhard Dücker (Universität Heidelberg)
  • Dienstag, 10. Juli 2018
    "Geschmackssprechen - Ausdrucks- und Textwelten des Geschmacks"
    Professorin Dr. Anja Lobenstein-Reichmann (Universität Göttingen, Akademie der Wissenschaften)