Institut für PsychologieJuniorprofessur für Entwicklungspsychologie

PROTECT - Professioneller Umgang mit technischen Medien

Das PROTECT-Team (v.l.n.r. Katharina Halasy, Carolin Szász-Janocha, Sophie Schoenmaekers, Katajun Lindenberg)

Wenn Jugendliche das Internet (Gamen, Chatten, Surfen etc.) so exzessiv nutzen, dass ihre Lebensqualität auf sozialer, psychischer und körperlicher Ebene massiv beeinträchtig ist, spricht
man von Internetsucht.

Etwa 4 bis 8 % aller Jugendlichen sind inzwischen betroffen. Durch die Internet- sucht haben Betroffene große Probleme ihren Alltag zu bewältigen und gefährden nicht nur ihre sozialen Beziehungen, sondern auch ihre schulischen und beruflichen Perspektiven.

Entwicklungspsychologisch-klinische Ätiologiemodelle fassen den patholo- gischen Internetgebrauch als erlernte, maladaptiv-vermeidende Stressbewältigungsstrategie auf. Die Internetaktivität wird als leicht verfügbare Strategie angewandt, um negative Emotionen zu regulieren, beängstigende Situationen zu vermeiden oder unangenehme Tätigkeiten aufzuschieben. Durch das chronische Aufschieben anderer Tätigkeiten entstehen häufig Konflikte mit Angehörigen, Freunden und Lehrern. Eltern erleben oft, dass sich ihre Kinder zurückziehen und ihre Freunde, frühere Hobbys und schulischen Pflichten vernachlässigen. Lehrer beobachten zunehmend Fehltage, Leistungseinbußen, Müdigkeit und Konzentrationsmangel im Unterricht.

Empirische Befunde weisen darauf hin, dass die psychische und soziale Belastung durch die pathologische Internetnutzung sogar höher ist als bei depressiven Patienten. Die Prävention von Internetsucht ist daher von hoher gesundheitspolitischer Relevanz. Mit der Definition von Forschungskriterien für die Internet Gaming Disorder im DSM V (American Psychiatric Association, 2013) wurde erstmalig eine einheitliche Arbeitsdefinition des seit den 90er Jahren zunehmend diskutierten Phänomens aufgestellt. Damit wurde die Möglichkeit zur systematischen Beforschung des Phänomens geschaffen und gezielt zur Entwicklung von Interventionsmaßnahmen für die Prävention und Behandlung des Störungsbildes aufgerufen.

Das Trainingsprogramm PROTECT („Professioneller Umgang mit technischen Medien“) besteht aus vier 90-minütigen Modulen und richtet sich an Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren. Es wird als Präventionsprogramm in Schulen (PROTECT) und als Gruppentraining in Beratungsstellen und an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg (PROTECT+) angeboten. Dabei wird die Intervention in wöchentlichen Abständen in Gruppen von 4-9 Jugendlichen von geschulten Psychologinnen durchgeführt.

Die vier PROTECT Module wurden anhand aktueller Forschungsbefunde zur Prävention und Behandlung von Internetsucht bei Jugendlichen entwickelt und beziehen sich auf die Problembereiche (1) Langeweile und motivationale Probleme, (2) Prokrastination und Leistungsangst, (3) Unsicherheit im Sozialkontakt und (4) dysfunktionale Affektregulation. Problematische Verhaltensweisen und Denkmuster auf diesen Ebenen werden durch evidenzbasierte, verhaltenstherapeutische Techniken bearbeitet und modifiziert, insbesondere durch (1) Psychoedukation, (2) kognitive Umstrukturierung, (3) Problemlösefertigkeiten und (4) Emotionsregulationstechniken. Die Wirksamkeit dieser Techniken in der Prävention und Behandlung von psychischen Auffälligkeiten wie Ängsten, Depressionen, Suchterkrankungen oder Essstörungen ist vielfach belegt. 

Durch PROTECT soll mit dem Internet nicht der Internetgebrauch an sich, sondern der schädliche, exzessive Umgang verhindert werden.