Institut für PsychologieJuniorprofessur für Entwicklungspsychologie

PROTECTdia: Diagnostische Erfassung von Computerspiel- und Internetabhängigkeit

Mit der Definition von Forschungskriterien für die Internet Gaming Disorder im DSM-5 (American Psychiatric Association, 2013) wurde erstmalig eine einheitliche Arbeitsdefinition des seit den 90er Jahren zunehmend diskutierten Phänomens des Pathologischen Computerspiel- und Internetgebrauchs geschaffen und gezielt zur systematischen Beforschung sowie der Entwicklung von Interventionsmaßnahmen aufgerufen.

Zur Prävention von Internet- und Computerspielabhängigkeit bei Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe I haben wir das kognitiv-verhaltenstherapeutische Präventionsprogramm PROTECT ("Professioneller Umgang mit technischen Medien") entwickelt. Zum Nachweis der Wirksamkeit dieses Präventionsprogramms wurde an einer Hochrisikogruppe eine prospektive, randomisierte Studie mit Kontrollgruppe durchgeführt, wobei letztere keine Prävention durch PROTECT erhielt. Das Hauptzielkriterium war die Entwicklung einer Internet- und Computerspielabhängigkeit innerhalb eines Zeitraumes von 12 Monaten (Inzidenzrate), wobei für die Diagnose die Forschungskriterien für die Internet Gaming Disorder nach DSM-5 erfüllt sein mussten. Es wurde erwartet, dass die Interventionsgruppe ein Jahr nach Beginn des Programms eine geringere Inzidenzrate aufweist als die Kontrollgruppe.

Um eine exakte Erfassung und Diagnosestellung zu ermöglichen, entwickelte die Arbeitsgruppe um PD Dr. Hans-Jürgen Rumpf (Universität Lübeck) und PD Dr. Florian Rehbein (Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen) einen strukturierten klinischen Interviewleitfaden. In seiner ersten Version wurde dieser erstmals in der PINTA-DIARI-Studie (Bischof, Bischof, Meyer, C., John, U., & Rumpf, 2013) zur Schätzung der allgemeinen pathologischen Internetnutzung entwickelt und eingesetzt. Mit Herausgabe des DSM-5 (American Psychiatric Association, 2013) wurde das Interview in Übereinstimmung mit den Diagnosekriterien für eine Internet Gaming Disorder überarbeitet und an die an die Formulierungen internationalen Konsenses (Petry, Rehbein, Gentile, Lemmens, Rumpf et al., 2014) angepasst. Das so entstandene "Strukturierte Internet Gaming Disorder Interview" (SIGDI) wurde in der "Deutschlandweiten Repräsentativbefragung Computerspielabhängigkeit" erfolgreich eingesetzt (Rehbein, Kliem, Baier, Mößle & Petry, 2015).

In Zusammenarbeit mit den Arbeitsgruppen in Hannover und Lübeck bekamen wir die besondere Chance, das SIGDI für PROTECT einzusetzen und zu erweitern, so dass sowohl die Computerspielabhängigkeit als auch die Internetabhängigkeit valide erfasst werden können. Dadurch erreichte die PROTECT Wirksamkeitsstudie den höchsten Grad an wissenschaftlicher Aussagekraft. Die Computerspiel- und Internetabhängigkeit wurde an etwa 450 Schülerinnen und Schülern anhand des SIGDI Interviews diagnostisch erfasst.

Aufgrund der bisher dünnen Datenlage in diesem Forschungsfeld wurde international mehrfach zur systematischen Beforschung von Computerspiel- und Internetabhängigkeit aufgerufen. Mit der PROTECT-Studie sowie der Erweiterung PROTECTdia wurde ein Beitrag dazu geleistet.

PROTECTdia wurde durch die Dietmar Hopp Stiftung gefördert (12/2016-09/2018).