Institut für GesellschaftswissenschaftenSportwissenschaft / Sportpädagogik

Forschungsprojekt

Dr. Sabine Hafner (Abteilung Sportwissenschaft/Sportpädagogik-Pädagogische Hochschule Heidelberg)

In Zusammenarbeit mit: Prof. Dr. Dirk Büsch (Leitung Arbeitsbereich Sport und Training; Institut für Sportwissenschaft; Universität Oldenburg)

Zur Praxis aeroben Lauftrainings von Sportlehramtsstudierenden während der Corona-Pandemie: Psychosoziale und körperliche Auswirkungen

Die Forschungsstudie „Zur Praxis aeroben Lauftrainings von Sportlehramtsstudierenden während der Corona-Pandemie: Psychosoziale und körperliche Auswirkungen“ resultiert aus der situationsbedingten Notwendigkeit, Lehrveranstaltungen aufgrund von Kontakteinschränkungen, Abstands- und Hygieneregeln im Sommersemester 2020 auch im Pflichtstudienbereich der Sportdidaktik und Sportpraxis für die verordnete häusliche Hochschullehre online durchführen zu müssen.
23 Sportstudierende, die das Seminar „Handlungsfeld-outdoor/Sportunterricht im Freien“ innerhalb des Lehramtssportstudiums (Bachelor of Education Bildung im Primarbereich, Bachelor of Education Bildung Sekundarbereich oder Master of Education Lehramt Sonderpädagogik) belegen, werden digital bei einer, dieser Veranstaltung obligat zugrundeliegenden, sportmotorischen Herausforderung begleitet.

Zur Auswahl der sportmotorischen Herausforderung

Die Seminaraufgabe soll die intensivierte Bewegungsgewohnheit von Sportlehramtsstudierenden als Normalität voraussetzen, bei aller Verschiedenheit von Sportartenspezifika. Es gilt unabhängig von Geschlecht, Alter, Fachsemester, Bewegungsbildung, gesellschaftlich zugewiesenem Status sowie der körperlichen und kognitiven Verfasstheit, ein Bewegungsangebot zu finden, an dem alle Interessenten an der Veranstaltung teilhaben können. Die sportmotorische Herausforderung muss im Freien stattfinden (s. Veranstaltungstitel). Corona-Einschränkungen, Maßnahmen, Abstands- und Hygienevorschriften müssen eingehalten werden können.
Das Bewegungsfeld „Joggen/Ausdauernd Laufen“ bietet dementsprechend gute Voraussetzungen. Sowohl hinsichtlich der konstituierenden Rahmenbedingungen als auch seiner informellen Ausgestaltung ist das Joggen ein konsequent an den Bedarfen, Erfahrungen und in der Regel auch Interessen von Sportlehramtsstudierenden orientiertes Bewegungsangebot. Die Ausrichtung an Studierenden erfordert interessierte Fragen, was die teilnehmenden Sportlehramtsstudierenden gegenüber den Lauferfahrungen vor dem Hintergrund der Ausnahmesituation in der Pandemie zu erzählen (zu zeigen, zu entwickeln, zu urteilen und zu problematisieren) haben und wie sie dies tun.

Zum Problemhintergrund und den Fragestellungen

Die Studie widmet sich verschiedenen psychosozialen und sportmotorischen Problemfeldern, die in den neuen und unter dem Druck der Corona-Pandemie ad hoc ausgestalteten digitalen Bildungsprozessen, insbesondere im Bereich der Bewegungsbildung unter Auflagen, auffällig geworden sind:

1. Auswirkungen auf Strategien informeller Selbstlernprozesse Forschungsfragen:

Welche Voraussetzungen respektive Erfahrungen bringen Sportlehramtsstudierende für selbstbestimmte Bewegungslernprozesse, die medien- und recherchefreie durchgeführt werden sollen, mit?
Welche Bedeutung räumen Sportlehramtsstudierende dem selbstgesteuerten Erreichen von normierten, im spezifischen sportmotorischen Bildungssystem verankerten, motorischen Zielen ein?

2. Auswirkungen auf das Wohlbefinden
Forschungsfragen:

Steigert das Laufen das Wohlbefinden der Studierenden in der durch starke Einschränkungen belasteten Ausnahmesituation?
Bietet die Laufaufgabe einen angemessenen Bewegungsausgleich zum digitalen Lernen?
Sind die Studierenden trotz der Ausnahmesituation in der Lage, ergänzende gesundheitsförderliche Maßnahmen zu ergreifen (Reduktion von Suchtverhalten: Alkohol-, Medikamente- und Rauchkonsum, ungesunde Ernährung), die förderlich auf ihre Immunresistenz wirken können?

3. Querschnittsthemen: Auswirkungen von digitaler Lehre und Normativität
Forschungsfragen:

Welche bewegungseinschränkenden Auswirkungen hat die digitale Lehre auf das Bewegen von Sportlehramtsstudierenden in der Ausnahmesituation? Setzen sich Sportlehramtsstudierende konstruktiv-kritisch mit ihnen zugemuteter rigider Normativität auseinander?

Zur Datengewinnung

Das beabsichtigte Forschungsvorhaben führt in einem Mixed-Method-Approach quantitativ mit qualitativ erhobenen Daten zusammen:

In einem ersten Schritt soll die Studie die aerobe Laufentwicklung der Teilnehmer*innen im Zeitraum von der Kalenderwoche 17 bis zur Kalenderwoche 20 im Jahr 2020 untersuchen und Erkenntnisse aus den eingereichten Dokumentationen bündeln. Tabellarische Protokolle bilden die Grundlage für die systematische Dokumentation des Prozesses. Die im Rahmen des Monitorings resultierenden Tabellen enthalten Parameter für eine Analyse und können unmittelbar und deskriptiv Aufschluss über die Beantwortung einiger Forschungsfragen geben.
Nach einem Abstand von 2 Monaten (KW 28) zur Lauferfahrung wird, in einem zweiten Schritt, den Teilnehmer*innen die Möglichkeit zum für sie relevanten Erinnern an die vergangene Intervention gegeben. Per qualitativer Online-Leitfaden-Interviews sollen weitere Interviewdaten aus den Erzählungen der Teilnehmer*innen interpretiert werden. Wie die Erzählpersonen ihre Erlebnisse und Erfahrungen darstellen und welche Bedeutung den Erzählungen zukommt, kann auf wichtige Relevanzstrukturen verweisen. Gewechselt wird zwischen narrativen Interviewfragen, offenen Fragen, die durch einen Leitfaden strukturiert sind, und geschlossenen Fragen.
Anhand der interaktiven Kombination aus quantitativen und interpretativ-qualitativen Forschungsstrategien im Grundverständnis einer methodologischen Triangulation werden aus praktisch bedeutsamen Vergleichen die Konsequenzen dargelegt.
Handlungsempfehlungen für die bewegungskulturelle Laufarbeit aus psychosozialer und sportmotorischer Sicht sollen abgeleitet werden.

Zum Ertrag

Die konsequente Umsetzung einer digital gestützten, kulturell-gesellschaftlichen Bewegungsbildungspraxis erfordert Veränderungen auf personeller und struktureller Ebene, deren Etablierung Zeit und fachliche Unterstützung benötigen.
Empfehlungen für eine in verschiedener Hinsicht effektive aerobe Laufpraxis unter den Einschränkungen in Pandemiezeiten sollen handlungsfeld- und aufgabenbezogen ausgesprochen werden können.

Bezugsquellen:

Bortz, J. & Döring, N. (2006). Forschungsmethoden und Evaluation für Human- und Sozialwissenschaftler. Springer: Heidelberg.

Flick. U. (2011). Triangulation. Eine Einführung. 3. Aufl. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Gläser, J. & Laudel, G. (2010). Experteninterviews und qualitative Inhaltsanalyse. Als Instrumente rekonstruierender Untersuchungen (Lehrbuch, 4. Aufl.). Wiesbaden: VS.

Helfferich, C. (2011). Die Qualität qualitativer Daten. Manual für die Durchführung qualitativer Interviews (Lehrbuch, 4. Aufl.). Wiesbaden: VS.

Hoffmann, N. (2017). Dokumentenanalyse in der Bildungs- und Sozialforschung. Überblick und Einführung. Weinheim Basel: Beltz Juventa in der Verlagsgruppe Beltz.

Hottenrott, K. & Gronwald, T. (2009). Ausdauertraining in Schule und Verein. Schorndorf: Hoffmann.

Neuber, N. (Hrsg.). (2010). Informelles Lernen im Sport. Beiträge zur allgemeinen Bildungsdebatte. Wiesbaden: VS.

Olivier, N., Marschall, F. & Büsch, D. (2016): Grundlagen der Trainingswissenschaft und -lehre (2. Aufl.). Schorndorf: Hofmann.

Entwicklungsprojekt -

Turnen in Stundenbildern für die Sekundarstufe I und II mehrperspektivisch unterrichten und auswerten

Kurzinhalt:

Turnen in der Sekundarstufe ist eine viel diskutierte, von Sportlehrkräften oft als schwierig wahrgenommene Unterrichtspraxis des Faches Sport. Sein problematisches Verhältnis, das sich zwischen turnenden Schülerinnen und Schülern respektive Lehrkräften und Turnsachen nur all zu leicht zu einem selbst verstärkenden Problemzirkel entwickeln kann, entsteht aus der Fixierung des Turnens auf traditionelles Gerätturnen. Ein Turnunterricht, der dem Vorbild des Vereinssports folgt, ist wegen personeller, wie struktureller Bremswirkungen zu überdenken.

In unserem Projekt soll das Erlernen spezifischer Turnfertigkeiten an Wettkampfgeräten als nur einer von vielen optionalen Bereichen innerhalb eines mehrperspektivischen Turnunterrichts entwickelt werden. Im mehrgedeuteten Turnunterricht befassen sich Schüler mit zahlreichen Kompetenzansprüchen: individuelles sowie Turnkönnen mit Partner und in der Gruppe, synchrones und gruppenvariantes nachgestalten können von Turnfolgen, eigenständiges um- und ausgestalten können, Gerätearrangements bauen können, sich an und mit Geräten, an und mit Partner/n darstellen können, Hindernisse drinnen in der Sporthalle, aber auch in der freien Natur überwinden und vielfältig bewältigen können und Techniken aus Akrobatik, Bewegungskunst, Parkour, B-Girling/B-Boying, Tricking oder Hip-Hop einbeziehen können.

Für das Auswerten eines von vielseitigen Ansprüchen begleiteten Turnvorhabens sind Teaching-To-The-Test-Verfahren mit exklusiver Bewertung des Endprodukts, der Bewegungstechnik oder des Lernergebnisses als geeignete Prüfungsmaßnahme auszuschließen. Vielmehr stehen in jedem Unterrichtsvorhaben die passenden sachlichen und sozialen Ziele im Vordergrund, den Schülerinnen und Schülern wird Raum und Zeit zur Verfügung gestellt, um selbsttätig zu werden oder die Aufgaben mit Hilfe von Lehrenden oder Lernpartnern anzupacken, so dass Etappen des Lernprozesses und das Lernprodukt zusammen kommen sollen. Die thematisierten Objekt- und Subjektkriterien sollen in einer Matrix für die entsprechende prozess- und produktbezogene Bewertung der Lernentwicklung zusammengeführt werden.

Projektdauer: 01.03.17 bis 30.06.2018

Leiterin: Dr. Sabine Hafner

Kontaktdaten: INF 720, 69120 Heidelberg, Tel. 06221/477-601, Mail: hafner1@ph-heidelberg.de

In Zusammenarbeit mit:

Andreas Laube - Lehrer an der Geschwister-Scholl-Schule in St. Ilgen und Ausbildungsberater für Studierende an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg

Limpert-Verlag GmbH Wiebelsheim

Forschungsprojekt

Bildung zur kulturellen Teilhabe an Bewegungskunst durch Tanzunterricht an Schulen

Status: aktuell laufendes Vorhaben

Kurzinhalt:
Von bildungspolitischer Seite ist für Schulen Bildung zur kulturellen Teilhabe in Auseinandersetzung mit den Künsten erwünscht und von wissenschaftstheoretischer Seite als Voraussetzung für ein geglücktes Leben in seinen personalen und gesellschaftlichen Dimensionen bestimmt.
Das gilt auch für die Bewegungskunst, deren Maßstab für bildungspolitisches Gelingen in der Idee, aber auch in der diesbezüglichen Kritik einer Verortung in der Sportlehrerbildung zu finden ist. Greifen Studien auf tanz- und/oder kreativitätsbezogene Unterrichtsinterventionen zurück, werden im Sportunterricht (externe) Tanzpädagoginnen oder Tanzpädagogen zur Durchführung herangezogen. Derlei Experten-Zuweisungen stellen sich vor dem potenziellen Wirkungsspektrum der Kreativfächer nachvollziehbar dar, repräsentieren aber den Hintergrund sportunterrichtlicher Möglichkeiten und Dispositionen von Lehrkräften für Bewegung, Spiel und Sport defizitär.
Ziel der Forschung ist es auf personeller Seite, Verhältnisse zwischen produktivem und rezeptivem Sportengagement sowie produktivem und rezeptivem Kunstengagement von angehenden Sportlehrkräften zu prüfen (Kontrollgruppen-Design). Auf fachdidaktisch struktureller Seite sollen konzeptionelle Herausforderungen offen gelegt und faktorielle und sequenzierter Ausbildungsstrukturen impliziert werden.

Projektdauer: 01.04.17 bis 31.03.2020

Leiterin: Dr. Sabine Hafner

Kontaktdaten: INF 720, 69120 Heidelberg, Tel. 06221/477-601, Mail: hafner1@remove-this.ph-heidelberg.de

Publikationen:

Hafner, S. (2016). Forschung in Bewegung: Tanzen, Gestalten, Darstellen - Sportunterrichtliche Widersprüche? Sport & Spiel, 16(2), 38-41.

Hafner, S. (2015). Forschung in Bewegung: Kompetenzorientiert tanzen und turnen! Eine mehrdimensionale Bewertungsmatrix zur Förderung prozess- und produktorientierten Kompetenzerwerbs beim Gestalten im Tanz- und Gruppenturnunterricht an (Hoch)Schulen. Sport & Spiel, 15(3) 38-40.