Institut für GesellschaftswissenschaftenSportwissenschaft / Sportpädagogik

Forschungsprojekt

„Zur Praxis aeroben Lauftrainings von Sportlehramtsstudierenden während der Corona-Pandemie: körperliche und psychosoziale Auswirkungen und Digitalisierung“

Abstract

Aufgrund der Corona-Pandemie kam Mitte März 2020 die hochschulische Präsenzlehre zum Erliegen. Auch sportpraxisrelevante sowie sport- und bewegungsdidaktische Lehrveranstaltungen in der Sportlehramtsausbildung, die gemeinsames performanzbasiertes Handeln in Präsenz unabdingbar machen (Fuchs, 2020; Winkelmann, 2020), wechselten in die Online-Lehre. Unter der Berücksichtigung der curricular obligatorischen Fachdidaktik und Fachpraxis mussten neue Online-Formate entworfen werden (Huber & Helm, 2020; Porsch & Porsch, 2020).

Das Forschungsprojekt begleitete 21 Sportlehramtsstudierende im ersten Lockdown während der Corona-Pandemie im Kalenderjahr 2020 via Fernlehre bei einer 4-wöchigen-Lauf-Aktivität (Joggen) und prüft die Auswirkungen der Intervention auf das Bewegungsverhalten sowie das Wohlbefinden (Bucksch & Schlicht, 2014; Vondung & Bucksch, 2019; Mutz & Gerke, 2020) und auf Aneignungsprozesse von Lernstrategien (Bund & Wiemeyer, 2005; Fischer, Fischer-Ontrup & Schuster, 2020). Darüber hinaus werden die Konsequenzen für die Mobilität und das Bewegungslernverhalten aus einem mit digitalisierten Transformationen angereicherten Lernalltag herausgestellt (Wagner & Wulff, 2020).

Methode

Zur Datengenerierung wurden verschriftete narrative Aussagen aus Laufdokumentationen (KW 17 bis KW 20) mit Einblicken in das themenrelevante Erinnern nach einem Abstand von zwei Monaten zur Laufintervention mittels qualitativer Online-Leitfaden-Befragung (KW 28) zusammengeführt. Für die empirische Analyse wurden die quantifizierbaren Variablen aus den Dokumenten statistisch erfasst und deskriptiv in Häufigkeiten dargestellt und mit den interpretierbaren Daten nach qualitativen Inhaltsanalyse (Mayring, 2016) kombiniert.

Ergebnisse

Zur Lauf-Intervention:

  • In der durch starke Einschränkungen belasteten Ausnahmesituation hat das Joggen das körperliche und das psychische Befinden aller Teilnehmenden positiv beeinflusst.

Zum Bewegungsverhalten:

  • Die beteiligten Sportler*innen waren während des ersten Lockdowns nur wenig von Bewegungsreduktion betroffen.
  • Sie nutzten über das Joggen hinausgehende gesundheitsförderliche Bewegungsmaßnahmen zur Bewältigung der Ausnahmesituation.
  • Fehlende Sozialkontakte etwa mit Freunden oder der Sportmannschaft stellen den größten Risikofaktor für diese Gruppe dar. Zwar kann Bewegung und Sport soziale Entbehrungen über einen gewissen Zeitraum abmildern, das Risiko der sozialen Vereinsamung bleibt auf Dauer bestehen.

Zum Bewegungsverhalten in Zeiten von Digitalisierung

  • Die Sportlehramtsstudierenden sind kenntnisreich im Umgang mit digitalen Medien.
  • Beim extensiven Laufen nutzen sie digitale wie analoge Unterstützungs-medien.
  • Bewegungslernen in technischen und spieltaktischen Sportarten findet selten digital gestützt statt.
  • Für einen Ausgleich zur digitalen Hochschullehre beurteilten die Teilnehmenden die abgekoppelte Bewegungszeit als effizient.

Die Studie über die Sportlehramtsstudierenden in der Corona-Pandemie hat auch spezifische Handlungsbegrenzungen aufgezeigt. Generalisierbare Aussagen der Sportlehramtsstudierenden zu deren Befinden und zur Bewegungslernsituation während der mit Digitalisierung angereicherten Corona-Pandemie deuten darauf hin, dass

  • in der Hochschullehre zunehmende digitale Transformationen mit einer reduzierten körperlichen Mobilität einhergehen und
  • verminderte körperliche Mobilität einen negativen Einfluss auf das physische und psychische Befinden hat.

Aus einer sportpädagogischen Sichtweise werden aus den überwiegend qualitativen Ergebnisinterpretationen explizite Handlungsempfehlungen für die bevorstehenden Herausforderungen des gesellschaftlichen Wandels herausgearbeitet. Dabei werden neue Formate auf ihre Eignung für eine Vermittlung in der fachdidaktischen und fachpraktischen Sportlehramtsbildung hinterfragt.

Literatur

Bucksch, J. & Schlicht, W. (2014). Sitzende Lebensweise als ein gesundheitliche riskantes Verhalten. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin, 65 (1), 15-21.

Bund, Andreas & Wiemeyer, Josef (2005). Strategien beim selbstgesteuerten Bewegungslernen: Ergebnisse zur Validität und Reliabilität eines neuen Fragebogens. Zeitschrift für Sportpsychologie (1), 22-34.

Fischer, Christian; Fischer-Ontrup; Christiane & Schuster, Corinna (2020). Individuelle Förderung und selbstreguliertes Lernen. Bedingungen und Optionen für das Lehren und Lernen in Präsenz und auf Distanz In Detlef Fickermann & Benjamin Edelstein (Hrsg.), „Langsam vermisse ich die Schule...“ Schule während und nach der Corona Pandemie, DDS Die Deutsche Schule.

Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, Bildungspolitik und pädagogische Praxis, 136-152.

Fuchs, Thomas (2020). Das Gedächtnis des Leibes. Phänomenologische Forschungen, 5, 71-89.

Huber, S.G. & Helm, C. (2020). Lernen in Zeiten der Corona-Pandemie. Die Rolle familiärer Merkmale für das Lernen von Schüler*innen: Befunde vom Schul-Barometer in Deutschland, Österreich und der Schweiz. DDS Die Deutsche Schule. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, Bildungspolitik und pädagogische Praxis, 37-60.

Mayring, P. (2008). Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken (10. Aufl.). Weinheim: Beltz.

Mutz, M. & Gerke, M. (2020). Sport and exercise in times of self-quarantine: How Germans changed their behaviour at the beginning of the Covid-19 pandemic. International Review for the Sociology of Sport. Online First.

Porsch, Raphaela & Porsch, Torsten (2020). Fernunterricht als Ausnahmesituation. Befunde einer bundesweiten Befragung von Eltern mit Kindern in der Grundschule. In Detlef Fickermann & Benjamin Edelstein (Hrsg.), „Langsam vermisse ich die Schule...“ Schule während und nach der Corona Pandemie. DDS Die Deutsche Schule. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, Bildungspolitik und pädagogische Praxis (16), 61-78.

Wagner, P. & Wulff, H. (2020). Digitalisierung und körperliche Aktivität - Risiken und Nutzen digitaler Medien für Bewegung und Gesundheit. In Ch. Breuer, Ch. Joisten, W. Schmidt (Hrsg.), Vierter Deutscher Kinder- und Jugendsportbericht (S. 64-75). Schorndorf: Hofmann.

Vondung, Catherina & Bucksch, Jens (2019). Sedentäres Verhalten reduzieren – eine neue und eigenständige Perspektive in der Bewegungsförderung. B&G Bewegungstherapie und Gesundheitssport, 35(06), 295-301.

Winkelmann, Ulrike (2020): Lernen ist Performance! Zur Bedeutung der Performativen Didaktik für eine zeitgemäße Lernkultur. In: KULTURELLE BIL-DUNG ONLINE: www.kubi-online.de/artikel/lernen-performance-zur-bedeutung-performativen-didaktikzeitgemaesse-lernkultur (letzter Zugriff am 18.03.2020).

Entwicklungsprojekt -

Turnen in Stundenbildern für die Sekundarstufe I und II mehrperspektivisch unterrichten und auswerten

Kurzinhalt:

Turnen in der Sekundarstufe ist eine viel diskutierte, von Sportlehrkräften oft als schwierig wahrgenommene Unterrichtspraxis des Faches Sport. Sein problematisches Verhältnis, das sich zwischen turnenden Schülerinnen und Schülern respektive Lehrkräften und Turnsachen nur all zu leicht zu einem selbst verstärkenden Problemzirkel entwickeln kann, entsteht aus der Fixierung des Turnens auf traditionelles Gerätturnen. Ein Turnunterricht, der dem Vorbild des Vereinssports folgt, ist wegen personeller, wie struktureller Bremswirkungen zu überdenken.

In unserem Projekt soll das Erlernen spezifischer Turnfertigkeiten an Wettkampfgeräten als nur einer von vielen optionalen Bereichen innerhalb eines mehrperspektivischen Turnunterrichts entwickelt werden. Im mehrgedeuteten Turnunterricht befassen sich Schüler mit zahlreichen Kompetenzansprüchen: individuelles sowie Turnkönnen mit Partner und in der Gruppe, synchrones und gruppenvariantes nachgestalten können von Turnfolgen, eigenständiges um- und ausgestalten können, Gerätearrangements bauen können, sich an und mit Geräten, an und mit Partner/n darstellen können, Hindernisse drinnen in der Sporthalle, aber auch in der freien Natur überwinden und vielfältig bewältigen können und Techniken aus Akrobatik, Bewegungskunst, Parkour, B-Girling/B-Boying, Tricking oder Hip-Hop einbeziehen können.

Für das Auswerten eines von vielseitigen Ansprüchen begleiteten Turnvorhabens sind Teaching-To-The-Test-Verfahren mit exklusiver Bewertung des Endprodukts, der Bewegungstechnik oder des Lernergebnisses als geeignete Prüfungsmaßnahme auszuschließen. Vielmehr stehen in jedem Unterrichtsvorhaben die passenden sachlichen und sozialen Ziele im Vordergrund, den Schülerinnen und Schülern wird Raum und Zeit zur Verfügung gestellt, um selbsttätig zu werden oder die Aufgaben mit Hilfe von Lehrenden oder Lernpartnern anzupacken, so dass Etappen des Lernprozesses und das Lernprodukt zusammen kommen sollen. Die thematisierten Objekt- und Subjektkriterien sollen in einer Matrix für die entsprechende prozess- und produktbezogene Bewertung der Lernentwicklung zusammengeführt werden.

Projektdauer: 01.03.17 bis 30.06.2018

Leiterin: Dr. Sabine Hafner

Kontaktdaten: INF 720, 69120 Heidelberg, Tel. 06221/477-601, Mail: hafner1@ph-heidelberg.de

In Zusammenarbeit mit:

Andreas Laube - Lehrer an der Geschwister-Scholl-Schule in St. Ilgen und Ausbildungsberater für Studierende an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg

Limpert-Verlag GmbH Wiebelsheim

Forschungsprojekt

Bildung zur kulturellen Teilhabe an Bewegungskunst durch Tanzunterricht an Schulen

Status: aktuell laufendes Vorhaben

Kurzinhalt:
Von bildungspolitischer Seite ist für Schulen Bildung zur kulturellen Teilhabe in Auseinandersetzung mit den Künsten erwünscht und von wissenschaftstheoretischer Seite als Voraussetzung für ein geglücktes Leben in seinen personalen und gesellschaftlichen Dimensionen bestimmt.
Das gilt auch für die Bewegungskunst, deren Maßstab für bildungspolitisches Gelingen in der Idee, aber auch in der diesbezüglichen Kritik einer Verortung in der Sportlehrerbildung zu finden ist. Greifen Studien auf tanz- und/oder kreativitätsbezogene Unterrichtsinterventionen zurück, werden im Sportunterricht (externe) Tanzpädagoginnen oder Tanzpädagogen zur Durchführung herangezogen. Derlei Experten-Zuweisungen stellen sich vor dem potenziellen Wirkungsspektrum der Kreativfächer nachvollziehbar dar, repräsentieren aber den Hintergrund sportunterrichtlicher Möglichkeiten und Dispositionen von Lehrkräften für Bewegung, Spiel und Sport defizitär.
Ziel der Forschung ist es auf personeller Seite, Verhältnisse zwischen produktivem und rezeptivem Sportengagement sowie produktivem und rezeptivem Kunstengagement von angehenden Sportlehrkräften zu prüfen (Kontrollgruppen-Design). Auf fachdidaktisch struktureller Seite sollen konzeptionelle Herausforderungen offen gelegt und faktorielle und sequenzierter Ausbildungsstrukturen impliziert werden.

Projektdauer: 01.04.17 bis 31.03.2020

Leiterin: Dr. Sabine Hafner

Kontaktdaten: INF 720, 69120 Heidelberg, Tel. 06221/477-601, Mail: hafner1@remove-this.ph-heidelberg.de

Publikationen:

Hafner, S. (2016). Forschung in Bewegung: Tanzen, Gestalten, Darstellen - Sportunterrichtliche Widersprüche? Sport & Spiel, 16(2), 38-41.

Hafner, S. (2015). Forschung in Bewegung: Kompetenzorientiert tanzen und turnen! Eine mehrdimensionale Bewertungsmatrix zur Förderung prozess- und produktorientierten Kompetenzerwerbs beim Gestalten im Tanz- und Gruppenturnunterricht an (Hoch)Schulen. Sport & Spiel, 15(3) 38-40.