Qualifizierung

Die Nachfrage nach den Bildungsangeboten der Bildungsfachkräfte ist sehr groß. Um das bestehende Angebot aufrecht erhalten zu können werden am AW-ZIB Menschen, die als kognitiv beeinträchtigt gelten, zu Bildungsfachkräften qualifiziert.

Von 2022 - 2025 absolvierten Susann Bensch und Louisa Kabbe die Qualifizierung. Der zweite Qualifizierungsdurchgang startete im November 2025 mit Cedric Rüter, Mehmet Can Friedel, Lilly Lorenz und Maya Silva.

Die angehenden Expert:innen in eigener Sache lernen im Laufe der dreijährigen Vollzeitqualifizierung von ihren Teilhabe- und Ausgrenzungserfahrungen zu berichten, um Studierende und (angehende) Fach- und Führungskräfte für diese zu sensibilisieren. Bei persönlichem Interesse werden sie auch in die partizipative Forschung eingebunden.

Das Bild zeigt das Büro der Qualifizierung. Anna Neff, Noemi Heister, Susann Bensch und Louisa Kabbe sitzen um einen Tisch herum. Auf dem Tisch liegen Post-its und Moderationskarten.

Die Teilnehmenden kommen an fünf Tagen pro Woche in das AW-ZIB. Wenn Sie vorher in einer Werkstatt für behinderte Menschen gearbeiten haben, bleiben sie während der Qualifizierung in ihrer Werkstatt angestellt. So bleibt der Werkstattlohn erhalten und es gibt eine Rückkehroption - falls die Qualifizierung zur Bildungsfachkraft doch nicht das Passende ist.

Die Qualifizierung umfasst unter anderem Kommunikation und Präsentation, Reflexion der eigenen Lebensgeschichte, inklusionspädagogische Grundlagen und Teamarbeit.

Eine Besonderheit der Qualifizierung liegt in der Verknüpfung von Theorieinhalten, Praxiserfahrungen und einer psychosozialen Begleitung. Die zu erwerbenden Kompetenzen werden systematisch auf der Basis eines zugrundeliegenden Modulhandbuches erarbeitet.

Im Anschluss an eine erfolgreich abgeschlossene Qualifizierung, wird eine Anstellung als Bildungsfachkraft am AW-ZIB angestrebt.

Im Zentrum der Qualifizierung zur Bildungsfachkraft stehen Praxisbezüge und das Erfahrungswissen der Teilnehmenden. Mit Blick der verschiedenen Leitideen Teilhabe, Selbstbestimmung, Inklusion, Bildung und Empowerment ordnen sie ihre Erfahrungen aus den unterschiedlichen Lebensbereichen und Handlungsfeldern ein. Sie verknüpfen ihre individuellen Erfahrungen mit theoretischem Wissen über die Lebensbereiche, Handlungsfelder und Leitideen.

Begleitet wird dieser Prozess durch zwei unterstützende Elemente: Die Psychosoziale Begleitung schafft Raum für die Bearbeitung von (auch schwierigen) Erfahrungen. Im Zuge angeleiteter individueller Reflexionsprozesse werden persönliche Ressourcen gestärkt. Die Teilhabebegleitung zielt darauf ab, Barrieren zu entdecken und abzubauen, um Zugänge zu schaffen und Teilhabechancen – auch über die Qualifizierung hinaus – zu ermöglichen. 

So entsteht ein ganzheitlicher Lernprozess, in dem Theorie, Praxis und persönliche Entwicklung ineinandergreifen.

Evaluation

Die Qualifizierung wird im Rahmen einer Mixed-Methods-Evaluation wissenschaftlich begleitet.
Weitere Informationen finden Sie im Bereich  .

Das AW-ZIB startete zum November 2025 eine neue dreijährige Qualifizierungsrunde zur Bildungsfachkraft. Die Qualifizierung findet in Kooperation mit der Werkstatt für Menschen mit Behinderung Weinheim, der Gemeindediakonie Mannheim und den Heidelberger Werkstätten der Lebenshilfe statt. Drei der vier neuen Teilnehmenden waren dort bislang beschäftigt und sind nun an die Hochschule gewechselt. Gefördert wird die Qualifizierung von der Dietmar Hopp Stiftung.

"Unsere bisherigen Mitarbeitenden erhalten am AW-ZIB die tolle Chance, sich für einen anspruchsvollen Beruf auf dem ersten Arbeitsmarkt zu qualifizieren", sagt Mareike Damm von der Gemeindediakonie Mannheim. "Das ist ein wichtiger Beitrag zur inklusiven Weiterentwicklung beruflicher Perspektiven, den wir auch finanziell im erheblichen Maße unterstützen", ergänzt Wolfgang Thon von den Heidelberger Werkstätten der Lebenshilfe Heidelberg.

Meine Motivation ist, den Studierenden beizubringen, was es heißt, ein Mensch mit Behinderung zu sein. Dass es eben keine „Krankheit“ ist. Ich freue mich, auch mehr Geld zu verdienen, weil ich in der Werkstatt nur ein bisschen Taschengeld bekomme. Außerdem freue ich mich auf neue Aufgaben. Beispielsweise auf die Workshops und Seminare, bei denen ich hospitiere und die ich später halten werde. Ich freue mich, die neue Umgebung noch mehr kennenzulernen, neue Menschen an der Hochschule kennenzulernen und mit dem Team und den Assistenzen zusammenzuarbeiten.

Mehmet Can Friedel, angehende Bildungsfachkraft

Ich bin total gespannt auf die neue Aufgabe und freue mich darauf, viel Neues zu lernen und mich weiterzuentwickeln. Ich habe mich schon ein bisschen mehr an die Arbeit mit den Assistenzen gewöhnt; sie können Dinge für uns aufschreiben. Bisher bin ich glücklich mit meiner Arbeit am AW-ZIB.

Cedric Rüter, angehende Bildungsfachkraft

Ich möchte den Studierenden beibringen, wie man mit Menschen mit Behinderung umgeht, weil viele Menschen damit noch Schwierigkeiten haben. Ich habe schon sehr viele Leute getroffen, die mich geduzt haben, weil ich im Rollstuhl sitze oder weil ich so jung aussehe. Das geht so nicht, das möchte ich verändern.

Maya Silva, angehende Bildungsfachkraft

Ich möchte Bildungsfachkraft werden, weil ich gerne mehr über Inklusion lernen will und das auch weitergeben möchte. Das Thema Inklusion begleitet mich schon mein Leben lang und wird es auch mein Leben lang tun, weil ich das Down-Syndrom habe. Zuerst fand ich das blöd, aber mittlerweile finde ich das ganz toll, weil ich weiß, dass ich was Besonderes bin. Vor allem freue ich mich darauf, im Team zu arbeiten, denn Zusammenarbeit ist mir besonders wichtig.

Lilly Lorenz, angehende Bildungsfachkraft

Von Oktober 2022 bis September 2025  wurden Susann Bensch und Louisa Kabbe am AW-ZIB zu Bildungsfachkräften qualifiziert.

Beide besuchten eine Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Darüber hinaus haben sie auch inklusive Lern-, Arbeits- und Freizeiterfahrungen gesammelt, so dass die Erfahrungsexpertise des Zentrums im Bereich des inklusiven (außer)schulischen Lernens erweitert werden kann. Gleichzeitig sollte bewusst zwei Frauen mit Behinderungserfahrung eine Perspektive auf eine Tätigkeit im Bildungsbereich eröffnet werden.

Susann Bensch und Louisa Kabbe verstärken seit Oktober 2025 das Team der Bildungsfachkräfte.

Ich möchte als Bildungsfachkraft arbeiten, weil ich Bildungsangebote ausbringen möchte.

Die Arbeit als Bildungsfachkraft bedeutet für mich eine wichtige und wertvolle Arbeit.

Ich möchte mich mit Studierenden über meine Erfahrungen als Menschen mit Behinderung austauschen.

Ich möchte, dass Menschen mit Behinderung zuerst als Menschen gesehen werden.

Susann Bensch, Bildungsfachkraft

Die Arbeit als Bildungsfachkraft bedeutet für mich, sich für Menschen mit Behinderung einzusetzen, weil Sie zur Gesellschaft dazu gehören.

Wir sollen Menschen mit Behinderung integrieren und überall in die Gesellschaft mitnehmen.

Sie sollen nicht in Schubladen gesteckt werden.

Sie sollen nicht so gesehen werden, als würden sie von einem anderen Planeten kommen.

Louisa Kabbe, Bildungsfachkraft

Die Qualifizierung legt den Blick sowohl auf jede einzelne Person als auch auf verbindende Momente.

Durch vielfältige Methoden aus der Sonder- und Inklusionspädagogik, psychosozialen Begleitung und Beratung werden auch schwierige Erfahrungen bearbeitet und in einen größeren Zusammenhang gestellt.

So entstehen Räume für Empowerment, gegenseitiges Verstehen und ein kritisches Bewusstsein für gesellschaftliche Inklusions- und Exklusionsprozesse.

Noemi Heister, Qualifizierungsleitung

Unterstützt wurde die Qualifizierung 2022 - 2025 neben der Stiftung Lebenshilfe Heidelberg von Dr. Jobst Wellensiek (†), Ehemann der 2015 verstorbenen Rektorin der Hochschule und Namensgeberin des AW-ZIB, dem Rotary Club Heidelberg-Schloss sowie der Dietmar Hopp Stiftung. Meike Leupold, stellvertretende Stiftungsleiterin, sagt: “Wir freuen uns sehr, dazu beizutragen, dass die inklusive Arbeit der Bildungsfachkräfte am AW-ZIB gesichert und ausgebaut werden kann. Durch die Förderung möchten wir einen Beitrag zur gelebten Inklusion und zur Bildung leisten.”


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