Der neunjährige Alfred gehört zu den Vergessenen, mittelschwere Kategorie, aber noch handlungsfähig. Seine Mutter ist seit Jahren verschwunden...
Der neunjährige Alfred gehört zu den Vergessenen, mittelschwere Kategorie, aber noch handlungsfähig. Seine Mutter ist seit Jahren verschwunden und sein Vater ist entweder auf Geschäftsreise oder liegt geistesabwesend auf der Couch. Alfred ist schon so lange allein zu Hause, dass ihm langsam, aber sicher das Essen ausgeht und er schauen muss, wie er satt wird. Eines Nachts steht die warmherzige Amanda vor seiner Tür. Sie gehört zu den „Feinohrigen“ und hat ein besonders gutes Gehör und Gespür für das verzweifelte Seufzen von vergessenen Kindern. Jede Nacht schleicht sie von Haus zu Haus, um diesen Kindern zu helfen, indem sie ihnen heimlich in Zeitung eingewickelte Äpfel, Butterbrote und Wollsocken schenkt. Alfred darf Armanda in ihr himbeerrotes Haus am „Rande der Welt“ begleiten, wo er sich zum ersten Mal in seinem Leben zuhause fühlt. Er lernt Armandas Haustiere kennen und hilft ihr beim Verarbeiten der Äpfel aus dem Garten. Durch Zufall entdeckt Alfred ein altes Radio und wird kurzum Moderator des Senders „Radio Popow“, mit dem er samstagnachts viele weitere verlassene Kinder weniger allein fühlen lässt. Alfred wächst über sich hinaus, doch jemand kommt ihm auf die Schliche. In der Schule erkennt die aufmerksame und mutige Iiris Alfreds Stimme aus dem Radio und stellt ihn zur Rede. Die beiden freunden sich an, doch dann taucht plötzlich Alfreds Vater auf und es erscheinen merkwürdige Graffitis auf Alfreds Schulweg. Die Sache verkompliziert sich. Mit Hilfe von Amanda und dem Lehrer Herrn Kleinstern wird Alfred vorerst vor seinem Vater versteckt und in Schutz genommen. Trotz der Aufregung gibt Alfred nicht auf, denn er möchte den vergessenen Kindern helfen und organisiert kurzerhand ein einzigartiges Weihnachtsfest, um Trost und Hoffnung zu spenden. Ein magisches Abenteuer, das Alfreds Leben für immer verändert.
Die finnische Autorin Anja Portin hat mit „Die Stadt der kleinen Wunder“ eine einzigartige Geschichte geschaffen, die berührt und gleichzeitig nachdenklich macht. Ihr Buch wurde mit dem renommiertesten finnischen Literaturpreis für Kinder- und Jugendbücher (Finlandia Junior) ausgezeichnet und ist international erfolgreich. Die Seiten sind mit wunderschönen Schwarz-Weiß-Illustrationen von Jade van der Zalm geschmückt, die die Geschichte zum Leben erwecken. Das heimelige Haus und den Garten von Amanda kann man förmlich vor sich sehen. Außerdem fühlt man sich mit den liebevoll gestalteten Charakteren schnell verbunden und kann sofort bei Alfreds Reise mitfiebern. Dabei baut sich der Spannungsbogen kontinuierlich auf und hält bis zum Schluss an. Neben Freundschaft und Zusammenhalt spielt die Vernachlässigung von Kindern in unterschiedlichen Formen eine zentrale Rolle. Auch wenn von erschreckenden Kinderschicksalen berichtet wird, schenkt das Buch Zuversicht und zeigt die Magie des Lebens und die Kraft der Wunder. In unserer heutigen Gesellschaft bleibt zu hoffen, dass es genügend „Feinohrige“ wie Amanda gibt, die aufmerksam durchs Leben gehen, Warnsignale der Kinder früh erkennen und dementsprechend handeln. „Die Stadt der kleinen Wunder“ ist eine Geschichte, die sich ins Herz schleicht und dort Hoffnung und Wärme hinterlässt.
Verfasst von Greta Lauer
- Titel: Die Stadt der kleinen Wunder
- Autorin: Anja Portin
- Illustratorin: Jade van der Zalm
- Erscheinungsjahr: 2023
- Verlag: arsedition Verlag
- Seiten: 304
- Altersempfehlung: ab 9 Jahren
- ISBN: 978-3-84558-5098-6
- Preis: 14,00 Euro