Das Tagungsthema „Nachhaltigkeit – Demokratie – Transformation“ gewinnt im Kontext des Anthropozäns eine besondere Relevanz für die Chemie- und Physikdidaktik. Klimakrise, Biodiversitätsverlust und Ressourcenübernutzung verweisen auf überschrittene oder bedrohte planetare Belastungsgrenzen und sind zugleich eng mit Fragen globaler Gerechtigkeit, Macht und Teilhabe verknüpft. Für den Chemie- und Physikunterricht bedeutet dies, dass fachliche Inhalte zu Klimawandel, Erdsystemdynamik, Stoffkreisläufen, Energieumwandlungen und technologischen Transformationsprozessen nicht nur sachgerecht, aktuell und evidenzbasiert aufbereitet werden müssen. Sie sind zugleich in komplexe sozio-wissenschaftliche Problemlagen einzubetten, in denen unterschiedliche Interessen, ungleiche Betroffenheiten und wissenschaftliche Unsicherheiten eine zentrale Rolle spielen.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie Lernumgebungen gestaltet werden können, in denen Schüler:innen naturwissenschaftliche Evidenz verstehen, diese kritisch in Konfliktfelder globaler Umwelt- und Ressourcengerechtigkeit einordnen und eigene, demokratisch verantwortete Handlungsoptionen reflektieren. Dies umfasst etwa Themen wie Energie- und Mobilitätswende, Landnutzung, Ernährungssysteme oder den Umgang mit Extremereignissen. Die Tagung bietet einen Rahmen, Ansätze zu entwickeln und zu diskutieren, wie Chemie- und Physikunterricht Lernende dabei unterstützt, die Komplexität von sogenannten „wicked problems“ zu begreifen, Ambiguitäten auszuhalten und begründet zu urteilen. Zugleich eröffnet sie die Möglichkeit, die Rolle von Chemie- und Physiklehrkräften als Gestaltende einer demokratie- und zukunftsfähigen MINT-Bildung im Anthropozän kritisch in den Blick zu nehmen.