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Was kommt heute auf den Tisch?

Eine Studie der Abteilung Alltagskultur und Gesundheit erhebt, wie Jugendliche zum Thema „Fleisch essen“ stehen. Die Daten sollen später Grundlage für Unterrichtsmaterialien und Fortbildungen sein.

Fleisch essen oder nicht?: Eine Studie erforscht, was Jugendliche darüber denken.

Bei manchen Themen redet man sich schnell die Köpfe heiß. Gerade Gespräche über Fleisch polarisieren: In vielen Ländern ist der Genuss von Fleisch ein wesentlicher Bestandteil der Esskultur, etwa ein Kilo pro Woche nehmen die Deutschen im Schnitt zu sich. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein für die problematischen Seiten, beispielsweise was Tierwohl und Gesundheit betrifft oder die Klimafolgen der Tierhaltung.

Diese Debatten würden häufig emotional geführt, sagt Dr. Corinna Neuthard aus der Abteilung Alltagskultur und Gesundheit der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. „Es gibt gute Argumente dafür, Fleischkonsum zu reduzieren und gleichzeitig heftige Reaktionen auf das Thema.“ Menschen fürchteten „Verbote“. Schon in ihrer Promotion beschäftigte sie sich mit dem Diskurs dazu in Sozialen Medien - als Ökotrophologin forscht sie unter anderem zu ernährungswissenschaftlichen Themen.

In einem neuen Forschungsprojekt geht sie der Thematik nun im Bildungskontext und gemeinsam mit Professorin Dr. Katja Schneider und Professorin Dr. Angela Häußler auf den Grund: Bis zum Ende des Jahres sollen junge Menschen und Lehrende aus Baden-Württemberg zu ihren Einstellungen zum Thema befragt werden. Das baden-württembergische Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz fördert das Vorhaben mit rund 50.000 Euro.

Dünne Datenlage zu Ernährungsentscheidungen

Im Schulunterricht werde das Thema Fleisch essen überwiegend kritisch betrachtet, was aber vom Essalltag der meisten Schüler:innen weit weg sei, erklärt Neuthard. „Unter Lehrkräften gibt es Unsicherheiten, wie man didaktisch mit so einem polarisierenden Thema umgehen kann.“

Was Jugendliche und junge Erwachsene wirklich über Fleischkonsum denken, dazu gibt es bislang wenig Daten. Dabei wäre gerade dies für die Entwicklung von fachdidaktischen Konzepten und entsprechender Materialien hilfreich: Was motiviert junge Menschen dazu, Fleisch zu essen oder eben nicht, und was wissen sie über Fleischproduktion? Wie hängen ihre Ernährungsentscheidungen mit Freundeskreis, Familie oder eigenen Haustieren zusammen? 

In Gruppeninterviews an weiterführenden Schulen, in Vereinen und mit Auszubildenden/Studierenden soll ein möglichst breites Meinungsbild eingeholt werden. „Denn Einstellungen können sich nach Bildungs- und Berufskontext, Geschlecht oder Region unterscheiden“, sagt die Wissenschaftlerin. In Einzelinterviews wird sie zudem unter anderem engagierte Lehrkräfte und Multiplikator:innen aus der Ernährungsbildung befragen. Interessant sei, was Lehrkräfte motiviere oder eben davon abhalte, ein so polarisierendes Thema in den Unterricht zu integrieren. 

Methoden für Unterrichts-Debatten

Nach einer qualitativen Auswertung sollen die Antworten als Basis für weitere Schritte zur Verfügung stehen. „Wir arbeiten bereits an einem Drittmittelantrag, um im Folgeprojekt Materialien für die Praxis entwickeln zu können.“ Es gehe darum, Lehrkräften Begleitmaterial und Methoden an die Hand zu geben, wie sich gesellschaftlich polarisierende Themen im Unterricht verankern lassen.

In Vorarbeiten wurde das Thema in den vergangenen Semestern bereits mit Studierenden in Lehrveranstaltungen diskutiert und erarbeitet. Derzeit werden die Interviews vorbereitet und Teilnehmende rekrutiert. Auch Studierende werden in die Datenerhebung und -auswertung einbezogen, derzeit läuft ein Pretest mit Studierenden der PHHD.

Auch Expert:innen will das Team einbeziehen, beispielsweise Forschende anderer Fächer, die bereits Erfahrungen zu polarisierenden Themen im Unterricht gesammelt haben, erzählt Corinna Neuthard. „Am Ende möchten wir junge Menschen befähigen, sich zu informieren und ihre eigene Entscheidung zu treffen.“ 

Das Projekt „Fleisch essen zwischen esskultureller Normalität und nachhaltigkeitsbezogener Normativität – Perspektiven von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Baden-Württemberg“ läuft von Dezember 2025 bis Dezember 2026 und wird vom Ministerium für Ernährung, Ländlicher Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg gefördert. 

Mehr Informationen zur Abteilung für Alltagskultur und Gesundheit unter

Text: Antje Karbe
Foto: Birgitta Hohenester


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