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"Was bleibt, ist Ihre Wirkung"

Die Arbeitsstelle Antiziganismusprävention beschäftigte sich mit Ursachen und Erscheinungsformen des Antiziganismus. Sie setzte vor allem im Bildungsbereich nachhaltige Impulse. Ein Rückblick.

Daniel Strauß: Die PHHD "war die erste Einrichtung, die sich selbstkritisch mit Antiziganismus in ihrem eigenen Umfeld auseinandergesetzt hat."

Nach mehr als fünf Jahren wirksamer Prävention und Aufklärung endet die Arbeit der Arbeitsstelle Antiziganismusprävention der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Unter dem Motto "Spuren hinterlassen – Perspektiven eröffnen" blickte das Team um , Nadine Küßner und Dr. Stefan Müller-Mathis gemeinsam mit Gästen aus der Politik, mit Kooperationspartnern und zivilgesellschaftlichen Akteur:innen im Februar 2026 auf ihre Arbeit zurück.

Bei der Veranstaltung in der historischen Festhalle der Hochschule sprach die Leiterin der Arbeitsstelle, Melanie Kuhn, das Kernproblem ihrer Antidiskriminierungsarbeit an: "Häufig fehlt in der Gesellschaft und in den Institutionen ein Gespür dafür, dass Antiziganismus überhaupt existiert." Als Beleg führte Kuhn den rechtsterroristischen Mordanschlag von Hanau an, bei dem neun Menschen getötet wurden und der sich am 19. Februar zum sechsten Mal jährte. Was in der medialen Berichterstattung kaum Erwähnung findet, ist die Tatsache, dass drei der Opfer der Minderheit der Sinti und Roma angehörten. "Das Schweigen ist ein Grundproblem des Antiziganismus", so Kuhn.

Wo setzt man an?

Obwohl er tief in unserer Gesellschaft verwurzelt ist, bleibt Antiziganismus eine der am wenigsten beachteten Formen des Rassismus. Antiziganismus bezeichnet eine spezifische Form des Rassismus, die sich primär gegen Sinti und Roma richtet: Die Betroffenen werden als „fremd“ markiert und erfahren strukturelle Benachteiligungen etwa bei der Wohnungssuche, in der Schule oder im Berufsleben.

Besonders häufig seien Kinder die Leidtragenden dieser Diskriminierung, wie Daniel Strauß in seinem Grußwort ausführte. Er ist Vorsitzender des Landesverbands Deutscher Sinti und Roma in Baden-Württemberg (): “25 Prozent aller antiziganistischen Vorfälle passieren in der Schule. Und von diesen wird ein Großteil entweder von den Lehrkräften gutgeheißen – oder gar selbst initiiert.”

Jahrelanges Engagement

Umso wichtiger war es, die Antiziganismusprävention direkt in einer Einrichtung der Lehrkräftebildung einzubinden. Die langjährige Mitarbeiterin Nadine Küßner stellte auf der Konferenz das vielfältige Engagement der Arbeitsstelle vor. So ging die Arbeitsstelle auf Initiative von Prof. i.R. Dr. Bettina Degner aus einem Teil des Transferprojekts Transfer Together (2018–2022) hervor und erstellte als erstes einen digitalen Stadtrundgang zur Geschichte der Sinti und Roma in Heidelberg, der weiterhin abrufbar ist. In den folgenden Jahren entwickelte die Arbeitsstelle u.a. eine Lehrer:innenfortbildung gemeinsam mit dem Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung, sie veranstaltete Seminare, Workshops und öffentliche Veranstaltungen, häufig im Verbund mit ihrem großen Netzwerk an Kooperationspartnern. Zuletzt war die Arbeitsstelle Teil des institutionenübergreifenden Projekts "Mediale Antiziganismen – Von der interdisziplinären Analyse zur kritischen Medienkompetenz" (MeAviA). Als Verbundsleiter des Projekts war Prof. Dr. Michael Haus (Universität Heidelberg) ebenfalls bei der Veranstaltung beteiligt und stellte mit seinen Kolleg:innen die Projektergebnisse vor.

Ein vielfältiges Programm

Bei der Abschlusskonferenz setzten sich die Teilnehmer:innen mit Antiziganismus in verschiedenen Lebensbereichen auseinander: in den Medien, in Kinder- und Jugendliteratur, im Film und in der Presseberichterstattung. Auf einem Markt der Möglichkeiten stellten regionale Akteur:innen ihre Arbeit vor, darunter der PH-Alumnus und Lehrer Bernhard Edin, der mit seiner Wanderausstellung über Vinzenz Rose kürzlich erst an der Hochschule Halt gemacht hat (). Am Nachmittag diskutierten die Teilnehmer:innen in Fishbowls: Radoslav Ganev (Katholischen Stiftungshochschule München) gab Impulse über Sinti und Roma an Hochschulen und Universitäten, David Rosenberg (engagiert in Bildungs- und Erinnerungsarbeit) zu Antiziganismus und Antisemitismus. Musikalisch wurde die Konferenz von der Band Noice begleitet.

“Waffe gegen Vorurteile”

Viele Wegbegleiter:innen der Arbeitsstelle bedankten sich für das Engagement des Teams . So verglich der langjährige Bundestagsabgeordnete und ehemalige Hochschulrat der PHHD Gert Weisskirchen die Arbeit der Kolleg:innen mit einer "Waffe gegen diese grässlichen Vorurteile.“ VDSR-BW-Vorstand Strauß lobte die Entscheidung des Rektorats, eine solche Einrichtung an der eigenen Hochschule zuzulassen: “Es war die erste Einrichtung, die sich selbstkritisch mit Antiziganismus in ihrem eigenen Umfeld auseinandergesetzt hat.” Und so blickten zum Ende der Veranstaltung auch viele mit einem optimistischen Blick in die Zukunft, obwohl die Finanzierung des Landes für die Arbeitsstelle zum 31. März 2026 endet. 

Auf den Punkt brachte es Strauß: “Was bleibt, ist Ihre Wirkung. Ihre Expertise. Ihr Mut, etwas Neues aufgebaut zu haben. Und die Verpflichtung, die Arbeit weiterzutragen. An neuen Orten, mit neuen Formaten.”

Die Veranstaltung wurde gefördert vom , dem sowie der

Text und Foto: Max Wetterauer

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