Die 17-jährige Nova hat bereits mehr erlebt, als viele in ihrem Alter verkraften müssen...
Die 17-jährige Nova hat bereits mehr erlebt, als viele in ihrem Alter verkraften müssen. Doch nun wagt sie gemeinsam mit ihrer Mutter Rebekka und ihrem Halbbruder Cosmos einen Neuanfang. Nachdem Nova von ihrem gewalttätigen Stiefvater verletzt wurde, packen die drei ihre Sachen und ziehen in eine neue Wohnung, in der Hoffnung auf Ruhe und Sicherheit. Jedoch hat die Vergangenheit ihre Spuren hinterlassen: Rebekka ist arbeitslos und aufgrund ihrer Alkoholsucht muss Nova früh Verantwortung übernehmen und sich größtenteils um ihren kleinen Bruder kümmern. Nur sehr langsam heilen die seelischen und physischen Wunden der Familie. Unterstützung und Trost findet Nova bei ihrer langjährigen Freundin Mitra, bei Felix, einer nicht-binären Person und ihren Meerschweinchen Mandu und Mr. Shandu. Als sie Akoua begegnet, verändert sich alles. Nova verliebt sich Hals über Kopf in die strahlende und lebhafte Tänzerin, die sie zum Lachen bringt und mit der das Leben so viel leichter wirkt. Durch Akoua öffnet sich Nova nicht nur für die Liebe, sondern auch für sich selbst. Sie findet zurück zu ihrer großen Leidenschaft, dem Rollschuhfahren und taucht in die Welt des Tanzens ein. In solchen Momenten fühlt Nova sich frei, denn sie kann ganz sie selbst sein. Die Liebesgeschichte von Nova und Akoua scheint perfekt, doch das Erwachsenwerden als schwarze lesbische Frau bringt zusätzliche Herausforderungen mit sich. Nova wird immer wieder mit Alltagsrassismus konfrontiert, der ihre neu gewonnene Leichtigkeit überschattet. Als schließlich ihr Stiefvater wieder in ihr Leben tritt und Rebekka erneut um den Finger wickelt, droht alles, was sie sich aufgebaut haben, zu zerbrechen. Für Nova und Cosmos bleibt nur noch ein einziger Ausweg.
Mit „Die Sonne, so strahlend und schwarz“ gewann Chantal-Fleur Sandjon 2023 den Deutschen Jugendliteraturpreis und erzählt eine eindrucksvolle Geschichte über Liebe, Lebensfreude und das Aufstehen nach dem Fall. Der gesellschaftskritische und zugleich empowernde Adoleszenzroman verbindet individuelles Schicksal mit kollektiver Erinnerung. Zentrale Themen wie Rassismus, häusliche Gewalt, Coming-out und reale Ereignisse aus dem Jahr 2020 werden sensibel und vielschichtig aufgegriffen. Im Mittelpunkt steht die schwarze, queere Protagonistin Nova, deren Weg ins Erwachsenwerden von Identitätskonflikten und Unsicherheiten geprägt ist. Durch die Ich-Perspektive und eine authentische Jugendsprache erhalten die Lesenden tiefe Einblicke in ihre Gefühlswelt und ihre Erfahrungen. Besonders hervorzuheben ist die außergewöhnliche formale Gestaltung des Romans. Die Versform beschleunigt das Lesen und verleiht dem Text eine einzigartige Dynamik. Immer wieder durchbrechen einzelne Worte, Satzteile oder ganze Zeilen das gewohnte Schriftbild, verblassen oder bilden ein Muster, etwa ein Herz. Auch gezielt eingesetzte Leerräume heben vereinzelte Aussagen hervor und spiegeln zugleich inhaltliche Leere wider. Als Novas Leben erneut auf den Kopf gestellt wird, müssen auch die Lesenden das Buch drehen, um die Geschichte weiter zu verfolgen. So werden Novas Emotionen wie auch Metaphern auf eindrucksvolle Weise erfahrbar gemacht. Diese kreative Gestaltung bringt Lesefreude und lässt die Geschichte noch realer wirken. Ein sehr empfehlenswerter Coming-of-Age-Roman über Resilienz und die Kraft der Liebe – besonders für Jugendliche ab 14 Jahren.
Verfasst von Greta Lauer
- Titel: Die Sonne, so strahlend und schwarz
- Autorin: Chantal-Fleur Sandjon
- Erscheinungsjahr: 2022
- Verlag: Thienemann
- Seiten: 384
- Altersempfehlung: ab 14 Jahren
- ISBN: 978-3-522-20286-0
- Preis: 17,00 Euro