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KI als „Sparringpartnerin“ in Bildungsprozessen

Pauschale Medienverbote sind keine Lösung – DFG fördert theoretische Forschung von Professor Thomas Knaus zu generativer KI und Ko-Kreativität

Prof. Dr. Thomas Knaus: „Wer Bildung fördern will, sollte Medien und Techniken nicht verbieten, sondern Menschen zu einem kritischen und kreativen Umgang damit befähigen.“

Social-Media-Verbot in Australien, Diskussionen in ganz Europa: Sind pauschale Medienverbote wirklich ein geeigneter Weg, um junge Menschen zu schützen? Prof. Dr. Thomas Knaus, Professor für Medienbildung an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, bezweifelt das. Vielmehr wirbt der Experte für Medienpädagogik und Bildungsinformatik für eine kritisch-reflexive und handlungsorientierte Auseinandersetzung mit Techniken und Medien sowie Diensten und Plattformen. Diese Perspektive verfolgt er auch in seinem kürzlich von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bewilligten Projekt KI und Ko-Kreativität – Bildung im Spannungsfeld von Mensch und Maschine“, das generative und kommunikative KI als „Impulsgeberin“ und „Sparringspartnerin“ für kreative Lern- und Bildungsprozesse in den Blick nimmt.

Dabei untersucht der Wissenschaftler grundlegende theoretische Fragen zum Verhältnis von KI, Bildung und Kreativität: Wie verändern sich Bildungs- und Lernprozesse durch generative KI, die eigene Inhalte erzeugen kann? Und unter welchen Bedingungen kann KI nicht nur Wissen reproduzieren, sondern auch kritisch-reflexive und aktiv-kreative Lernprozesse unterstützen?

Internationale Forschung zu Artificial Intelligence in Education (AIED) fokussiert bislang primär technische und organisatorische Perspektiven. KI wird hier vor allem als Instanz zur Lernleistungsmessung, für Feedback oder als Instrument zur Steuerung von Lernprozessen behandelt. „Die ebenso mögliche ko-kreative Rolle generativer und kommunikativer KI für Lehrende und Lernende wird bislang kaum thematisiert und reflektiert“, sagt der Wissenschaftler. Es fehle ein theoretisches Modell zu Ko-Kreativität. Um diese Forschungslücke zu schließen, will er ein bildungstheoretisch fundiertes Verständnis zum Verhältnis von Mensch, Maschine und Bildung entwickeln.

Seine Studie verbindet erziehungswissenschaftliche (insbesondere medienpädagogische) Perspektiven mit der kritischen Analyse der in digitalen Lernumgebungen eingeschriebenen bildungs- und lerntheoretischen Annahmen. Knaus wird zunächst das Verhältnis von menschlicher und künstlicher Kreativität und deren Bedeutung in schulischen Lernprozessen untersuchen. Darauf aufbauend wird er normative Vorstellungen von Bildung, Lernen und Kreativität in aktuellen Lernumgebungen analysieren und auch, wie sich diese in digitalen Lernumgebungen einschreiben und pädagogische Handlungsräume beschneiden.

Ein konzeptionelles Gegenmodell könne sein, KI als „Sparringpartnerin“ für kreative Exploration zu nutzen, die eine kritisch-reflexive Auseinandersetzung fördert, Lernperspektiven erweitert und Lehrende in der Durchführung erfahrungs- und handlungsorientierter Unterrichtskonzepte unterstützt“, so Knaus. Dies setze voraus, Lehr- und Lernprozesse nicht technikdeterministisch, sondern bildungstheoretisch und medienpädagogisch fundiert zu gestalten. Wie dies gelingen kann, will er an beispielhaften pädagogischen Konzepten zeigen.

Verhältnis von Mensch und Maschine überdenken

Die Bekanntgabe der DFG-Förderung fiel zeitlich mit der Antrittsvorlesung des Wissenschaftlers an der PHHD zusammen. In seinem Vortrag „The Ban Society? Generative KI, globale Social-Media-Bans und das Ende der Medienbildung“ griff er Beobachtungen aus seinem Forschungssemester in Australien auf. Dieses war der Untersuchung generativer und kommunikativer KI in Bildungskontexten gewidmet, ließ ihn aber auch unmittelbar an der Dynamik des australischen Social-Media-Bans teilhaben. In seinem Vortrag analysierte Knaus die rechtlichen, technischen und pädagogischen Implikationen von Medienverboten und forderte stattdessen eine gezielte Förderung von Medienbildung in der Schule sowie in außerschulischen Bildungskontexten. (Aufgezeichneter Vortrag unter )

„Nicht die Maschine entscheidet über gute Bildung – sondern unser Bildungsbegriff entscheidet darüber, welche Rolle Maschinen darin spielen sollen“, sagte Thomas Knaus. Generative KI fordere Bildung nicht deshalb heraus, weil Maschinen plötzlich „intelligent“ seien, sondern weil wir erneut über das Verhältnis von Mensch und Maschine nachdenken sollten. „Bildung entstehe durch die aktive und kritisch-reflexive Auseinandersetzung mit unserer Lebenswelt – dazu gehörten selbstverständlich auch digitale Medien und Technik sowie KI-basierte Dienste und Plattformen“, so Knaus. „Wer Bildung fördern will, sollte deshalb keine Medien und Techniken verbieten, sondern Menschen – jeden Alters – befähigen, selbstbestimmt, kritisch und kreativ mit ihnen umzugehen.“

Weitere Informationen unter e und  

Das Projekt
„KI und Ko-Kreativität – Bildung im Spannungsfeld von Mensch und Maschine“ wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert und von Prof. Dr. phil. Thomas Knaus von der Abteilung Medienbildung der PHHD bearbeitet. Eine zentrale theoretische Linie des Projekts entwickelt Knaus derzeit in einer englischsprachigen Monografie, die theoretische Grundlagen und konzeptionelle Implikationen zusammenführt und die voraussichtlich bei Cambridge University Press (CUP) als Open Access-Monografie erscheinen wird. 

Text: Antje Karbe
Foto: Jonathan Starker / Medienbildung

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