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Gebärdensprachdolmetschen kritisch betrachtet

Expert:innen diskutieren auf Einladung von Prof. Dr. Uta Benner und Prof. Dr. Okan Kubus die Zukunft der Disziplin. Die Tagung wird von der VolkswagenStiftung gefördert.

Studierende in der Ausbildung: Die Profession des Gebärdensprachdolmetschens entwickelt sich stetig weiter.

Dolmetschende übersetzen nicht nur in eine andere Sprache, sie tragen auch Verantwortung: Wer zwischen zwei Parteien dolmetscht, ist die Schnittstelle für Dialog genauso wie für potenzielle Missverständnisse. Was braucht es für einen bewussten, professionellen Umgang mit dieser Verantwortung? Themen wie diese beschäftigen auch die Disziplin des Gebärdensprach-dolmetschens, wie Prof. Dr. Uta Benner sagt. Die Professorin für Gebärdendolmetschen an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg lädt deshalb zu einer Tagung ein, bei der die künftige Entwicklung der Disziplin diskutiert wird - gemeinsam mit Prof. Dr. Okan Kubus, Studiengangsleitung Gebärdensprachdolmetschen der Hochschule Magedburg-Stendal.

Die VolkswagenStiftung fördert die Veranstaltung Ende Juli im Rahmen ihres Formats „Scoping Workshop“: Bei solchen „Arbeitstreffen“ nehmen Wissenschaftler:innen eine Standortbestimmung für ihr Fachgebiet vor und erarbeiten Zukunftsperspektiven. Die Profession des Gebärdensprachdolmetschens sei nun in diese Phase gekommen, findet Benner.

Seit 2002 ist die Deutsche Gebärdensprache (DGS) in Deutschland anerkannt, auch besteht seitdem ein rechtlicher Anspruch auf kommunikative Teilhabe durch Dolmetschende. „Studiengänge wurden eingerichtet, es ist eine Struktur entstanden und der Berufsstand hat sich stark professionalisiert“, sagt die Wissenschaftlerin. Doch dabei sei ein Spannungsfeld entstanden, zwischen der berufspolitischen Verantwortung der Dolmetschenden und Empowerment-Bewegungen innerhalb der Gebärdensprachgemeinschaften. Zudem komme es auf verschiedenen Ebenen zu struktureller Benachteiligung und Ungleichheiten: Dolmetschende haben aus sprachlichen und organisatorischen Gründen wie auch durch ihre Dolmetschkompetenz eine machtvolle Position.

Und so treffen sich in Hannover, im Tagungszentrum der Stiftung, internationale Forschende wie Vertreter:innen der Gebärdensprachgemeinschaften, um „Kritische Ansätze im Bereich Gebärdensprachdolmetschen“ zu erarbeiten. Mit der Methode „Appreciative Inquiry“ (wertschätzendes Erkunden) sollen Impulse gesammelt werden, die den Beruf im Sinne aller Beteiligten weiterentwickeln - das Ganze übrigens durchgehend in DGS und International Sign (IS), mit Verdolmetschung zwischen den Sprachen.

Themen sind unter anderem die Schwachstellen und Potenziale des Gebärdensprachdolmetschens, der Umgang mit Machtverhältnissen, das kritische Hinterfragen des bisherigen Ausbildungssystems und der Bezug zu den Communities. Am Ende soll ein Positionspapier erarbeitet werden, das Gebärdensprachgemeinschaften und der Scientific Community, aber auch Akteur:innen aus Wissenschaftspolitik und -förderung zur Verfügung steht, wie Benner sagt. „Es wird in Form eines Videos in Gebärdensprachen erscheinen, aber selbstverständlich mit Übersetzung in Schriftsprache.“

Das Projekt
Mit dem Förderformat „Scoping Workshops“ möchte die VolkswagenStiftung zur Reflexion und Weiterentwicklung von Forschungsgebieten und -communities beitragen. Der Workshop „Kritische Ansätze im Bereich Gebärdensprachdolmetschen“ findet vom 29. -31. Juli 2026 in Hannover statt, neben der bereitgestellten Infrastruktur werden Reise- und Sachmittelkosten gefördert. 

Mehr zum Bachelor Gebärdensprachdolmetschen unter .

Text: Antje Karbe
Foto: Birgitta Hohenester

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