| EN
news_on!


[mw]  Hochschulen verstehen sich als Räume für öffentlichen Diskurs und als Orte gelebter Demokratie sowie des offenen Austauschs. Um diesen Dialog zu stärken, startet die Pädagogische Hochschule Heidelberg im Wintersemester 2026/2027 die neue öffentliche Veranstaltungsreihe hörsaal+. An drei Terminen bringt das Format spannende Speaker:innen nach Heidelberg, die sich zentralen Fragen unseres demokratischen Zusammenlebens widmen.

Den Auftakt macht am 20. November Stephan J. Kramer (Präsident des Thüringer Amtes für Verfassungsschutz) mit seinem Impuls zur wehrhaften Demokratie. Am 4. Dezember spricht Stefanie Jansen (Heidelberger Bürgermeisterin für das Dezernat Soziales, Bildung, Familie und Chancengleichheit) über lebendige Kommunalpolitik. Den Abschluss bilden am 15. Januar 2027 die Autor:innen Francesca Knaus und Gerald Knaus mit dem Thema „Europa: Wie wir ein politisches Wunder vor seinen Feinden schützen“.

Diskussion erwünscht

Nach den Vorträgen wird es stets die Möglichkeit geben, sich auszutauschen – sowohl mit Fragen an die Vortragenden, aber auch untereinander. „Für eine gedeihende demokratische Kultur ist solch ein Austausch zwischen den Wissenschaften und der außerakademischen Öffentlichkeit unerlässlich,“ sagt Prof. Dr. Olivia Mitscherlich-Schoenherr, die mit ihrer neuen Professur für anthropologischen Grundlagen die Reihe betreut.

Veranstaltungsmanagerin Alexandra Gräber und Transfermanager Max Wetterauer sind in der Planung und Durchführung ebenfalls beteiligt: „Im Sinne einer lebendigen Transferkultur, die wir an unserer Hochschule leben, finde ich es ein tolles Signal, unsere Hörsäle zu öffnen,“ sagt Wetterauer.

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist selbstverständlich kostenlos, zur besseren Planbarkeit wird um eine Anmeldung gebeten. Alle weiteren Informationen zu den Terminen und zur Anmeldung finden Sie unter  .


[ka] Die Pädagogische Hochschule Heidelberg forscht intensiv zu aktuellen bildungswissenschaftlichen und fachdidaktischen Fragen. Ob mediendidaktische Themen wie Lernen mit KI und Smartphone, Nachhaltigkeit in der Schule von morgen, Bildungsprozesse wie Lese- und Sprachentwicklung oder aktuelle Herausforderungen für unsere Gesellschaft wie Migration und Lernerfolg, die Expertise der PHHD-Wissenschaftler:innen ist vielfältig. Ein neuer Service macht dies künftig noch sichtbarer und ermöglicht einen schnellen Überblick: Unter dem Titel „Unsere Expertise“ sind Forschende der PHHD ab sofort nach Themenschwerpunkten auf der Webseite zu finden. 

„Ich freue mich über das neue Angebot für unsere Forschenden“, sagt Prof. Dr. Marita Friesen, Prorektorin für Forschung und Internationales. „Es bündelt die breitgefächerten Themen der Pädagogischen Hochschule Heidelberg und unterstützt unsere Wissenschaftler:innen dabei, ihre Forschung und umfassende Expertise noch sichtbarer zu machen und auch in die Gesellschaft hinein zu kommunizieren.“

Bereits mehr als 50 Wissenschaftler:innen der PHHD sind gelistet, weitere Forschende werden folgen. Für Fragen steht die Stabsstelle Presse & Kommunikation zur Verfügung, Kontakt: Antje Karbe, Tel. 477-165, 

Das Angebot:




Das Foto zeigt zwei Personen in einem Büro.

[red] Das Student Service Center (SSC) ist die zentrale Anlaufstelle für alle Fragen und Anliegen rund ums Studium an der PH Heidelberg. Die geschulten studentischen Mitarbeiter:innen beantworten individuelle Fragen und leiten bei Bedarf an die zuständigen Fachabteilungen wie das Studienbüro oder Prüfungsamt weiter. Im SSC können Abschlussarbeiten angemeldet, eingereicht und nach der Begutachtung abgeholt werden. Hier befindet sich auch das Fundbüro. Das SSC ist im Altbau, Erdgeschoss, Raum 012a (Keplerstraße 87).

Öffnungszeiten im Wintersemester 2026

  • SSC: Mo.-Do. 10:00–14:00 Uhr, Fr. 10:00–12:00 Uhr
  • Telefonische Auskunft unter 06221/477-555: Mo.–Do. 8:00–15:00 Uhr, Fr. 8:00–12:00 Uhr
  • Weitere Informationen zum Serviceangebot finden Sie unter 

     

Offene Sprechstunden im SSC vor Ort:

  • Studienberatung: Mo. 12:00–14:00 Uhr, Di 12:30–14:00 Uhr
    Offene Sprechstunde zu Studium, Bewerbung und Zulassungsvoraussetzungen, ohne Anmeldung. Weitere individuelle Termine (Mi. 14:00–17:00 Uhr) können telefonisch unter 06221/477-555 vereinbart werden.
  • Gemeinsame Sprechstunde des Prüfungsamtes und Studienbüros: Di. 10:00–12:30 Uhr
    Beratung zur Studienplanung und zum Prüfungswesen, ohne Anmeldung.
  • Sprechstunde zum Thema Stipendien & Studienfinanzierung: Mi. 12:00–14:00 Uhr
    Die Mitarbeiter:innen des SSC stehen den Studierenden aller Studiengänge für individuelle Fragen rund um die Studienfinanzierung (Stipendien, BAFöG, HiWi-Jobs) zur Verfügung. Es ist keine Voranmeldung erforderlich.
  • Sprechstunde für Studierende mit Beeinträchtigungen: Mi. 10:00–12:00 Uhr

Die Tutorin der Beauftragten für die Belange von Studierenden mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen, Frau Hempel, beantwortet individuelle Fragen. Es ist keine Voranmeldung erforderlich.

  • Sprechstunde des Akademischen Auslandsamtes: Mo. 10:00–12:00 Uhr
    Informationen zu Praktika und Studienaufenthalten im Ausland. Das Akademische Auslandsamt berät Studierende aller Studiengänge zu Fragen internationaler Studien- und Praktikumsmöglichkeiten. Ohne Anmeldung.
  • Sprechstunde des Zentrums für schulpraktische Studien: Fr. 11:00–12:00 Uhr
    Beratung zu schulpraktischen Fragen in lehramtsbezogenen Studiengängen, ohne Anmeldung.
  • Beratung für ein erfolgreiches Studium
    Individuelle Strategien für den Studienerfolg; bei Bedarf mit Verweis auf passende Angebote innerhalb und außerhalb der Hochschule . Termine nach Vereinbarung - siehe Homepage.
  • Karriereberatung für PH-Studierende
    Termine: 05.11, 03.12, 17.12.,14.01., 28.01.jeweils von 14:00–16:00 Uhr im SSC
    Stehen Sie kurz vor dem Abschluss und haben Fragen zu Karriereplanung und Arbeitsmarkt? Die Bundesagentur für Arbeit bietet Ihnen Beratung direkt im SSC an - ohne Voranmeldung.

Aufgrund neuer Entwicklungen bieten wir im SSC absofort eine neue zusätzliche offene Sprechstunde für Studierende rund um die Einrichtung und Nutzung von eduroam und des E-Mail-Programmes an. Die Sprechstunde findet Donnerstag von 12:00 bis 14:00 Uhr im SSC statt, ohne Voranmeldung.


Das Foto zeigt drei Studierende vor einem Hochschulgebäude.

[red] Am 18. November ist die Hochschule beim landesweiten Studieninformationstag von 8:30 bis 14:30 Uhr mit spannenden Angeboten dabei: Neben den lehramtsbezogenen Studiengängen werden etwa auch Kindheitspädagogik, Prävention & Gesundheitsförderung sowie Gebärdensprachdolmetschen vorgestellt. Studierende der Fächer berichten auf dem Markt der Möglichkeiten aus 1. Hand übers Studium, man kann sich über das Bewerbungsverfahren informieren und auch ganz individuell beraten lassen. Mathematik, Erziehungs-wissenschaften und Sonderpädagogik zeigen in Schnuppervorlesungen ihre interessanten Themen. Weitere Infos:  


Das Foto zeigt zwei Personen, welche schnipsen.

Egal ob in der Sekundarstufe, im Primarbereich oder in der Sonderpädagogik: Rhythmus, Stimme und Bewegung sind Tools, die niedrigschwellig in allen Schulformen eingesetzt werden können. Der Workshop „Dein Körper – Deine Bewegung – Dein Klang“ am 28. November von 10 bis 16 Uhr in der Festhalle, vom Fach Musik organisiert, behandelt dieses Thema für alle Lehramtsstudierenden: Beginnend bei Grundlagen der Bodypercussion und elementaren Tanz- und Kompositionsprinzipien werden hier Körperklänge, Bewegung und Stimme miteinander verbunden und als kreative Einheit erfahrbar.

Rhythmische Übungen, Vocal- und Bodypercussion-Techniken sowie angeleitete Bewegungsimprovisationen und -methoden fördern Körperbewusstsein, Rhythmusgefühl und Präsenz. Der Workshop bietet dazu praktische Erfahrungen, kreative Experimente und Raum für die eigene Persönlichkeitsentwicklung, unabhängig von tänzerischen oder perkussiven Vorkenntnissen. Sie erhalten einen reichen Fundus an einfachen Tools zum Thema Rhythmus, Stimme und Bewegung, welche Sie in ihrem pädagogischen Handeln direkt einsetzen können.

Mit dem Performance-Kollektiv GLÄNZ, bestehend aus Dagmar Ottmann (Freiburg) und Christian Herrmann (Hannover), konnten zwei erfahrene Referent:innen gewonnen werden, die sich im In- und Ausland bereits einen Namen gemacht haben.

„Dein Körper – Deine Bewegung – Sein Klang“ findet am 28. November 2026 von 10 bis 16 Uhr in der Mehrzweckhalle der Pädagogischen Hochschule Heidelberg statt. Die Anmeldung erfolgt über , die Teilnahme ist für alle Interessierten kostenfrei.

Bei Fragen melden Sie sich gerne unter .

Text: Mathias Schillmöller




Auf dem Bild ist ein Tablet zu sehen, auf dem das KomBus2.0-Instrument geöffnet ist
Das KomBus2.0-Instrument

Wie können Schulhöfe Bewegung und Begegnung fördern? Im Forschungsprojekt KomBus2.0 haben die Abteilung Prävention und Gesundheitsförderung der Pädagogischen Hochschule Heidelberg und die Stadt Mosbach gemeinsam die Bewegungsfreundlichkeit zweier Schulhöfe untersucht. Dabei standen neben der systematischen Erfassung der Umgebungsbedingungen besonders die Erfahrungen und Wünsche der Schülerinnen und Schüler im Mittelpunkt.

Schulhöfe sind wichtige Lebensräume im Alltag von Kindern und Jugendlichen. Sie bieten Raum für Bewegung, Spiel und soziale Begegnungen – und können dazu beitragen, einen aktiven Alltag zu unterstützen. Doch welche Bedingungen fördern Bewegung tatsächlich? Und welche Veränderungen wünschen sich diejenigen, die die Schulhöfe täglich nutzen?

Diesen Fragen widmete sich das Forschungsprojekt KomBus2.0 in Zusammenarbeit mit der Stadt Mosbach. Untersucht wurden die Schulhöfe des Auguste-Pattberg-Gymnasiums und der Waldsteige-Grundschule. Ziel war es, die bestehenden Bedingungen systematisch zu erfassen, Entwicklungspotenziale sichtbar zu machen und eine fundierte Grundlage für die weitere kommunale Planung zu schaffen.

Mit dem KomBus-Tool lassen sich kommunale Rahmenbedingungen für Bewegung anhand strukturierter Fragenkataloge untersuchen. Erfasst werden unter anderem Aspekte der Flächennutzung, der Fuß- und Radverkehrsinfrastruktur, der Verkehrssicherheit, der Attraktivität des Umfelds und des sozialen Umfelds. Die Anwendung auf die beiden Mosbacher Schulhöfe zeigt, wie ein wissenschaftlich fundierter Ansatz genutzt werden kann, um konkrete Bedingungen vor Ort differenziert zu betrachten. Die Ergebnisse helfen dabei, vorhandene Stärken und mögliche Entwicklungsbedarfe zu identifizieren und unterschiedliche Anforderungen in die weitere Planung einzubeziehen.

Die Perspektive der Schüler:innen macht den Unterschied

Ein zentraler Bestandteil des Projekts war die Einbeziehung der Kinder und Jugendlichen. Als tägliche Nutzerinnen und Nutzer ihrer Schulhöfe verfügen sie über wichtige Erfahrungen: Sie wissen, welche Bereiche sie gerne nutzen, wo Hindernisse bestehen und welche Angebote ihre Pausen attraktiver machen könnten.

Die Ergebnisse verdeutlichen, wie unterschiedlich die Bedarfe an den beiden Schulstandorten sind. Am Auguste-Pattberg-Gymnasium wurde beispielsweise der Erhalt eines sanierungsbedürftigen Fußballfeldes als wichtiges Anliegen benannt. An der Waldsteige-Grundschule stand unter anderem ein Schuhregalkonzept im Fokus, das die Nutzung des Außenbereichs bei unterschiedlichen Wetterbedingungen erleichtern soll.

Diese Beispiele machen deutlich, dass die Weiterentwicklung bewegungsfreundlicher Schulhöfe mehr erfordert als eine Betrachtung der vorhandenen Flächen. Auch die konkreten Nutzungserfahrungen und Bedürfnisse der Schulgemeinschaft sind wichtige Bausteine, um passende Lösungen zu entwickeln.

Gemeinsam mehr erreichen: Hochschule und Kommune im Austausch

Die Zusammenarbeit mit der Stadt Mosbach verdeutlicht den Wert des Wissenstransfers zwischen Wissenschaft und kommunaler Praxis. Durch die systematische Erhebung vor Ort, die Auswertung der Daten und den Austausch mit den beteiligten Akteurinnen und Akteuren konnten unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt werden.

Im September wurden die Ergebnisse bei einer gemeinsamen Abschlussveranstaltung vorgestellt und anschließend in schulbezogenen Arbeitsgruppen vertieft. Die Erkenntnisse wurden dokumentiert und dienen der Stadt Mosbach als Grundlage für die weitere Maßnahmen- und Entwicklungsplanung. Über konkrete Veränderungen an den Schulhöfen wird im Rahmen der kommunalen Planungsprozesse entschieden.

Damit zeigt das Projekt, wie Forschung dazu beitragen kann, kommunale Fragestellungen strukturiert zu bearbeiten, lokale Bedarfe sichtbar zu machen und Entscheidungsprozesse mit einer fundierten Informationsbasis zu unterstützen.

Forschung, die vor Ort ansetzt

KomBus2.0 steht für einen Forschungsansatz, der wissenschaftliche Methoden mit den Erfahrungen der Menschen vor Ort verbindet. Die Untersuchung der Mosbacher Schulhöfe macht exemplarisch sichtbar, wie Daten, Beteiligung und kommunale Zusammenarbeit zusammenwirken können, um Entwicklungsmöglichkeiten für bewegungsfreundlichere Lebenswelten aufzuzeigen.

Informationen zum Projekt unter

Text: Abteilung Prävention und Gesundheitsförderung


Das Foto zeigt verschiedene Sorten von Karotten

[ka] Rettich oder Pastinake, Spinat oder Mangold - kennen Sie Ihr Gemüse? Dass eine gesunde Ernährung auch einen hohen Gemüseanteil einschließt, ist bekannt. Wie viele Arten wir im Alltag aber überhaupt (er)kennen, hat Prof. Dr. Lissy Jäkel von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg nun in einer Studie getestet. Die Professorin für Biologiedidaktik und ihr Team präsentierten dafür mehr als 300 Proband:innen verschiedene Gemüsesarten im Original und auf Fotos. Die Ergebnisse wurden als .

Die Befragten waren zwischen drei und 89 Jahren alt und nahmen spontan an der Studie auf dem Campus und im Zoo teil. Vor Ort und in einem Online-Fragebogen mit Fotos wurden ihnen bekannte und weniger bekannte Kulturpflanzen vorgelegt. Eine kleinere Gruppe mit 32 Erwachsenen testete zudem Gemüsearten in pürierter Form. Anschließend werteten Jäkel, der Biologe Valentin Kleinpeter und der Informatiker Matthias Matzner die Antworten mit verschiedenen statistischen Methoden aus. 

Auf Fotos besser erkannt

Zu den Siegern in der direkten Präsentation gehören unter anderem die Paprika, die von 94 Prozent aller Befragten erkannt wurde, die Zucchini (87 Prozent) und die Zwiebel (80 Prozent). Eher hohe Werte erzielten auch grüne Gurken, Möhren, Tomaten, Lauch oder Bataten (Süßkartoffel, 76 Prozent). Während Spinat noch bei rund der Hälfte der Befragten punkten konnte, hatte es das Wurzelgemüse schwieriger: Rüben, Petersilienwurzeln, Pastinaken und Rettich wurden gerne verwechselt. Die Sellerie als ganze Frucht sagte den meisten wenig – sie holte dafür im Geschmackstest auf. Und Mangold wurde immer wieder als Salat eingeordnet, aber dafür auf Fotos besser erkannt.

Überhaupt kamen manche Gemüsesorten auf dem Foto besser weg als im Original, darunter auch Kohlrabi und Spinat. Möglicherweise seien auf Fotos deutlicher die wesentlichen typischen Merkmale zu sehen, so das Team. Tendenziell nahmen die Kenntnisse mit dem Alter der Befragten zu, auch das ein Ergebnis. Zudem outeten sich viele Teilnehmer:innen im Gespräch als Gartenbesitzer und -liebhaber. „Exotische Gemüse wie Aubergine oder Batate sind über den Supermarkt im Alltag angekommen“, zieht Lissy Jäkel Bilanz. „Dafür beobachten wir, dass zunehmend der Bezug zu den Ackerpflanzen fehlt, von denen die Gemüse stammen.“ 

Eine Aufgabe für die Schulbildung

Das Wissen über Gemüse und verschiedene Arten zu fördern sei wichtiger Teil der Gesundheits- und Ernährungsbildung, so Jäkel. Erhebungen wie die Nationale Verzehrs-Studie des Max-Rubner-Instituts oder die ESKIMO-Studie zeigten, dass die Deutschen tendenziell weniger als die empfohlene Menge von 440 Gramm Gemüse pro Tag verzehrten. Auch werde die „Angebotsbreite“ nicht genutzt. Am häufigsten wird in Deutschland demnach zu Tomaten gegriffen, gefolgt von Möhren, Zwiebeln, Gurken und Paprika. 

Um unser Geschmacksrepertoire auf Dauer zu erweitern, müssen Gemüsearten auch regelmäßig in unserem Alltag vorkommen. Die Schulbildung könne einen wichtigen Beitrag leisten, beispielsweise durch den Lernraum Schulgarten, so die Wissenschaftlerin. Aus Studien wisse man, dass ein einmaliger Besuch für messbare Lernzuwächse nicht ausreiche. Stattdessen sei es sinnvoll, konkrete Pflanzen in den Fokus zu nehmen, den Schulgarten regelmäßig einzubeziehen und Handlungsoptionen zu eröffnen, beispielsweise durch Mitarbeit im Garten oder die Erforschung von Pflanzen. „Aber auch Formate wie Feldspaziergänge sind geeignet, um Produkte wachsen zu sehen und Gemüsepflanzen nicht nur in der Supermarktversion wahrzunehmen.“

Insgesamt fördere Artenkenntnis eine pflanzenbasierte Ernährung und die individuelle Gesundheit von Menschen, so Jäkel. „Wenn damit zudem die Wertschätzung für Biodiversität steigt, kommt das auch unserem Planeten zugute.“


Zu sehen ist Prof. Dr. Christian Spannagel.

Mathematikprofessor Christian Spannagel beschäftigt sich mit Okkultismus. Im Gespräch erklärt er, wie Zahlenmystik Neugier weckt und warum Lehrkräfte Esoterik kritisch hinterfragen müssen. Er ist bekannt dafür, mit seiner Forschung und Lehre neue Wege zu gehen. Schon früh begann er , seine Vorlesungen auf hochzuladen. Mit seinem Projekt „“ bespricht er seit 2024 mathematische Fragestellungen in kurzen Reels in den sozialen Medien und vernetzt an Mathematik Interessierte erfolgreich auf Discord.

Seit rund einem Jahr verfolgt er nun ein weiteres Vorhaben: Spannagel hat sich in die der Wissenschaft eigentlich fernen Welt des Okkultismus gewagt. Als Mathematiker setzt er sich damit auseinander, wie Menschen Zahlen mystisch aufladen und mit okkulten Bedeutungen versehen. Er erhofft sich damit, eine kritische Auseinandersetzung mit Okkultismus anzustoßen und auch künftige Lehrkräfte dafür zu sensibilisieren. Transfermanager Max Wetterauer hat mit ihm gesprochen. 

Was verstehst du unter Okkultismus?
„Okkultismus“ kommt vom lateinischen occultus, das bedeutet „verborgen“ oder „geheim“. Gemeint sind Vorstellungen und Praktiken, die von der Existenz verborgener Kräfte und Zusammenhänge der Welt ausgehen. Damit verbunden ist die Idee, durch Magie, Rituale oder die Deutung von Symbolen Zugang zu ihnen zu bekommen. Dabei spielen Traditionen wie Alchemie, Astrologie und der Spiritismus eine wichtige Rolle.

Okkultismus kann als eine Strömung innerhalb der Esoterik verstanden werden. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden die Begriffe allerdings oft synonym verwendet. In meiner Arbeit fasse ich das Thema weiter: Mich interessieren esoterische Vorstellungen aus unterschiedlichen Zeiten und die Bedeutung, die Zahlen und geometrischen Formen darin zugeschrieben wird.

Warum beschäftigt sich ein Professor für Mathematikdidaktik ausgerechnet mit Okkultismus und Mystik?
Mathematik ist die Wissenschaft der Muster und Strukturen. Meist denken wir dabei an ihre Bedeutung für andere Wissenschaften wie etwa die Natur- und Ingenieurwissenschaften. Mathematische Strukturen spielen aber auch in esoterischen Weltbildern eine Rolle. Mich fasziniert, wie Menschen Zahlen und geometrische Formen aufgreifen und mit okkulter oder mystischer Bedeutung versehen. Welche Mathematik steckt dahinter – und wie entstehen daraus esoterische Aussagen?

Der zweite Grund ist die Lehrer:innenbildung. Ich erlebe, dass viele Lehramtsstudierende wenig über die Hintergründe von Esoterik wissen. Dabei begegnen auch Kinder und Jugendliche solchen Vorstellungen und sollten lernen, sie kritisch zu hinterfragen. Dafür brauchen sie gut informierte Lehrkräfte. Im Mathematikunterricht bieten etwa magische Quadrate, Heilige Geometrie, Numerologie und Gematrie spannende Anknüpfungspunkte: An ihnen lassen sich mathematische Kompetenzen erwerben und zugleich eine kritische Haltung gegenüber esoterischen Weltbildern entwickeln. Dabei geht es darum, mathematische Eigenschaften von den Bedeutungen zu unterscheiden, die Menschen ihnen zuschreiben, und die daraus abgeleiteten Behauptungen kritisch zu bewerten. Das alles thematisieren wir in einem Bachelorseminar für Studierende des Sekundarstufenlehramts.

Kannst du grob umreißen, mit welchen Fragen du dich in diesem Themenfeld auseinandersetzt?
Mich beschäftigen dabei im Wesentlichen drei Fragen: Erstens trage ich zusammen, welche mathematischen Konzepte in welchen esoterischen Denkmodellen vorkommen und welche Rolle sie dort spielen. Zweitens untersuche ich gemeinsam mit Studierenden, wie sich diese Kontexte für den Mathematikunterricht nutzen lassen: Welche mathematischen Kompetenzen können Schüler daran entwickeln, und wie lassen sich die esoterischen Deutungen kritisch thematisieren? Drittens interessiert mich das Potenzial für die Wissenschaftskommunikation. Wie können solche Themen Neugier auf Mathematik wecken, welches mathematische Wissen kann in diesem Kontext verständlich vermittelt werden und wie kann dabei gleichzeitig über esoterische Vorstellungen aufgeklärt werden? 

Hattest du einen echten Aha-Moment, seitdem du dich damit beschäftigt hast?
Oh ja, viele! Seit ich mich damit beschäftige, habe ich unglaublich viel gelernt. Das Thema steckt voller Rabbit Holes: Hinter jeder Entdeckung eröffnen sich neue Fragen und Zusammenhänge. Bei der Vorbereitung eines Vortrags zur „Zahl des Tieres“ hat mich beispielsweise verblüfft, welche mathematischen Eigenschaften die Zahl 666 besitzt. Noch überraschender war, dass auch viele Mathematik-Kolleg:innen diese Eigenschaften nicht kannten, als ich den Vortrag in verschiedenen Fachkolloquien hielt. Selbst für Mathematiker:innen gibt es hier noch einiges zu entdecken!

Ein zweiter, eher ernüchternder Aha-Moment war meine Beschäftigung mit der Anthroposophie. Je mehr ich darüber lernte, desto schockierter war ich, wie weit dieses esoterische Weltbild in unsere Gesellschaft hineinreicht, etwa in den Waldorfschulen und der biologisch-dynamischen Landwirtschaft. Und eine dritte Erkenntnis hatte ich bei der Beschäftigung mit dem Pentagramm: Es hat natürlich keine magische oder satanische Wirkung, aber seine Geschichte und seine mathematischen Eigenschaften sind wahnsinnig faszinierend. Es ist also so, dass man die vermeintliche Magie entzaubern kann, aber die Faszination des Gegenstands bleibt trotzdem erhalten!

Verändert diese andere Perspektive auf die Welt der Zahlen deinen Blick auf die Mathematik?
Ja, vor allem erweitert sie meinen Blick darauf, was Zahlen für Menschen bedeuten. Eine Zahl ist für die Mathematik wegen ihrer mathematischen Eigenschaften interessant. Menschen verbinden mit ihr aber auch Hoffnungen, Ängste oder die Vorstellung einer verborgenen Ordnung. Mich mit diesen Deutungen zu beschäftigen, macht mir noch einmal bewusster, wie eng Mathematik und Kultur miteinander verwoben sind.

Hast du den Eindruck, du erreichst mit deinem Thema eine andere Zielgruppe als mit deinen anderen WissKomm-Initiativen? 
Mein WissKomm-Programm „“ ist noch relativ neu, deshalb kann ich das bislang nur eingeschränkt beurteilen. Meine Erfahrung mit Wissenschaftskommunikation ist aber, dass sich viele Menschen von rein mathematischen Themen weniger angesprochen fühlen. Ein rätselhaftes Symbol oder eine vermeintlich unheilvolle Zahl kann dagegen Neugier wecken – auch bei Menschen, die von sich sagen, Mathematik sei nichts für sie. Meine Idee ist deshalb, über die Verbindung von Kulturgeschichte, okkulten Vorstellungen und mathematischen Entdeckungen einen weiteren Zugang zur Mathematik zu schaffen. Wer wegen der Geschichten über das Pentagramm oder die Zahl 666 kommt, entdeckt dabei vielleicht auch, wie spannend Mathematik sein kann.

Du berührst mit deiner Arbeit Themenfelder, in denen Verschwörungsmythen verbreitet und teils wissenschaftsskeptische Ansichten geteilt werden. Wie geht es dir damit?
Das beunruhigt mich. Und dadurch ist es zugleich ein wichtiger Grund, mich damit auseinanderzusetzen. Zwischen bestimmten esoterischen Strömungen, Verschwörungserzählungen und rechtsextremen Ideologien gibt es viele Verbindungen. In meinen Vorträgen thematisiere ich deshalb auch Erzählungen über angebliche satanische Verschwörungen sowie rassistische Vorstellungen in der Geschichte der Theosophie und Anthroposophie. Hier geht es um Erzählungen, die Feindbilder schaffen und Menschen abwerten. Mir ist wichtig, diese Zusammenhänge sichtbar zu machen. Ich möchte mit meiner Arbeit auch dazu beitragen, solche Vorstellungen kritisch zu bewerten und dem gesellschaftlichen Rechtsruck sowie dem Esoterik-Boom entgegenzuwirken.

Würdest du soweit gehen zu sagen, dass sich Wissenschaftler:innen stärker in diesen Räumen bewegen müssen?
Über Esoterik und Verschwörungserzählungen aufzuklären und ihre Behauptungen kritisch einzuordnen, halte ich für eine wichtige Aufgabe von Wissenschaftler:innen, wenn es ihr Fachgebiet berührt. Sich gezielt in diese Gruppen, beispielsweise in ihre Social-Media-Kanäle, zu begeben und dort dagegenzuhalten, ist allerdings eine andere Sache. Dabei kann man sich ziemlich aufreiben.

Ich kann mich selbst manchmal nicht zurückhalten und kommentiere kritisch unter einem Esoterik-Beitrag auf Instagram oder TikTok. Wenn dann die Reaktionen kommen, bereue ich es häufig schon wieder. Gelegentlich nutze ich solche Diskussionen gezielt, um meine Argumentation zu trainieren und zu schärfen. Aber das ist definitiv keine allgemeine Empfehlung: Dafür braucht man eine sehr dicke Haut und muss wissen, wann man aussteigt.

Wer sich für das Thema interessiert, wird bei einem deiner Vorträge (Beispiele nennen) mehr erfahren. Hast du darüber hinaus noch Lesetipps? 
Wer neugierig geworden ist, kann beispielsweise am 29. Oktober meinen bei der Veranstaltung von 12MIN.ME im Transferzentrum besuchen. An der VHS Heidelberg spreche ich außerdem am und am .

Zum Thema gibt es unzählige Bücher. Einen gut zugänglichen Einstieg bieten Harro Heusers „Die Magie der Zahlen. Die seltsame Lust, die Welt zu ordnen“ und Underwood Dudleys „Die Macht der Zahl. Was die Numerologie uns weismachen will“. Darüber hinaus schreibe ich gelegentlich über diesen Themenbereich.

Welche Pläne hast du für die kommenden Monate? Dürfen wir noch mehr Auftritte von dir zu dem Thema erwarten?
Ich habe gerade erst angefangen! Die nächsten Vorträge sind schon in Vorbereitung, und es gibt noch jede Menge Zahlen, Symbole und Geschichten zu erkunden. Weitere Auftritte sind also auf jeden Fall geplant. Die aktuellen Vortragstermine findet man immer auf der Website von “”.

Interview: Max Wetterauer




Das FOto zeigt zwei Schüler:innen, welche auf einem Stein sitzen.

[red] In diesem Workshop von 12:00 bis 18:00 Uhr im Neubau können die Teilnehmenden Klarheit gewinnen – über ihr eigenes Verständnis von Grenzüberschreitungen. Sie können dabei ihre eigene Haltung stärken und Argumente an die Hand bekommen. Der Workshop unter Leitung von Uwe Janke (Präventionsbeauftragter Malteser Hilfsdienst Baden-Württemberg) wird von der Sprecherziehung organisiert. Zur Teilnahme wird um Anmeldung auf Stud.IP gebeten.

Belästigung zu erfahren, kann verletzend, verwirrend, beschämend und überfordernd sein. Es ruft oft Wut sowie das Gefühl von Hilflosigkeit hervor und kann zu Widerspruch motivieren oder zur Resignation führen. Die richtige Antwort und ebenso wenig völlig falsche Reaktionen gibt es dabei oftmals nicht. Menschen reagieren unterschiedlich – abhängig von ihrer Persönlichkeit, ihrer Tagesform, der Situation, den anderen Beteiligten, der Vorgeschichte, den vermuteten Konsequenzen und Vorerfahrungen. Manchmal gibt es spontane Reaktionen, manchmal welche, die mit Abstand und vielleicht in Rücksprache mit anderen reifen. 

Wie positioniere ich mich als Lehrkraft? Und wie reagiere ich, wenn eines meiner anvertrauten Kinder Hinweise zu Grenzverletzungen oder Missbrauch zeigt? Fragen wie diesen möchte sich die Veranstaltung widmen.


Das Foto zeigt eine Diskokugel im Neubau der PH Heidelberg.

[red] Der Workshop richtet sich an Studierende der lehramtsbezogenen Studiengänge in Heidelberg und wird am Germanistischem Seminar von 9:00 bis 13:00 Uhr stattfinden. Dass generative Systeme kreative Prozesse verändern, gilt inzwischen als ausgemacht. Umstritten bleibt allerdings, was genau sich verändert und welcher Kreativitätsbegriff dabei überhaupt zugrunde gelegt wird. Wer gilt als Urheber:in eines Textes, der aus dem Zusammenspiel von Eingabe und Modell hervorgeht? Was bedeutet Originalität, wenn Systeme das statistisch Naheliegende besonders zuverlässig treffen? Und welche Fähigkeiten setzt ästhetisches Urteilen voraus, wenn die Ausübung dieser Fähigkeiten zunehmend delegiert wird?

Gesellschaftlich berühren diese Fragen mehr als den Kunstbetrieb. Wo Texte, Bilder und Entwürfe in großem Maßstab maschinell erzeugt werden, verschieben sich die Bedingungen kultureller Produktion insgesamt, ebenso die Verteilung von Arbeit, Zurechnung und Anerkennung. Empirische Befunde deuten darauf hin, dass der Einsatz solcher Systeme einzelne Ergebnisse aufwertet und die Gesamtheit der Ergebnisse einander zugleich ähnlicher macht, was die Vielfalt dessen einschränkt, was überhaupt gedacht und gesagt wird. 

Besonders scharf stellt sich die Frage in Bildung und Pädagogik. Schulen und Hochschulen sollen Kreativität fördern, Urteilskraft ausbilden und Leistungen zurechenbar bewerten, während die dafür genutzten Werkzeuge genau jene Übung unterlaufen, aus der solche Fähigkeiten erwachsen. Der Workshop entwickelt diese Spannung entlang von Thesen, ausgehend von Margaret Bodens philosophischem Kreativitätskonzept, und arbeitet sie in Gruppenarbeit weiter.

Sämtliche Informationen zur Veranstaltung finden sich unter

Zur Referentin: Dr. Dorothea Winter ist Philosophin und arbeitet zu Fragen der Ethik Künstlicher Intelligenz, der philosophischen Ästhetik und der politischen Philosophie digitaler Gesellschaften. Sie lehrt in dem Masterstudiengang Angewandte Ethik an der Humanistischen Hochschule Berlin (Schwerpunkt Digitale Ethik). Das Buch „Intentionalität und Künstliche Intelligenz“ ist 2026 bei Karl Alber erschienen, „KI, Kunst und Kitsch. Ein philosophischer Aufreger“ 2023 bei Carl Auer und „KI und Demokratie“ 2026 bei Reclam. 


Das Foto zeigt eine Gruppe von Menschen beim Tanzen.

[red] Praktische, niedrigschwellige Ideen für Rhythmus und Bewegung im Schulalltag – durch Vocal- und Bodypercussion, Improvisationen und Body Music Circles. Ergänzend werden Bewegungsansätze vorgestellt, die tänzerische Ausdrucksformen erschließen und direkt in Unterricht, Ensemble- und Projektarbeit einsetzbar sind. Der Workshop richtet sich Lehrkräfte aller Schulformen, Fachberater:innen, Mitarbeiter:innen im Bereich der frühkindlichen Bildung, Musikpädagog:innen und findet im Altbau der PH von 10:00 bis 15:00 Uhr statt. Die Fortbildung ist amtlich anerkannt durch das ZSL Mannheim. Weitere Informationen finden Sie unter: .




Porträt von Olivia Mitscherlich-Schönherr

[velo] Die Pädagogische Hochschule Heidelberg hat PD Dr. Olivia Mitscherlich-Schönherr zur Professorin für anthropologische Grundfragen der Bildung in interdisziplinärer Perspektive berufen. Seit Oktober 2026 lehrt und forscht sie am Institut für Philosophie und Theologie und in enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Gesellschaftswissenschaften. Mit der neu geschaffenen Professur ist auch eine Neukonzeption des Moduls „Grundfragen der Bildung“ verbunden: Dort steht künftig die Frage im Fokus, wie Bildung unter den Bedingungen einer sich verändernden Gesellschaft Orientierung geben und demokratische Verantwortung stärken kann.

Für diese deutschlandweit einzigartige Professur bringt Mitscherlich-Schönherr ideale Voraussetzungen mit, da sie ihre philosophische Forschung konsequent mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen verbindet. Als ausgewiesene Expertin für den Philosophen und Soziologen Helmuth Plessner beschäftigt sich Mitscherlich-Schönherr insbesondere mit philosophischer Anthropologie und Fragen eines gelingenden Lebens. Ihre Promotion widmete sie Plessners Anthropologie; in ihrer Habilitation setzte sie sich mit der „Wirklichkeit der Liebe“ auseinander. In weiteren Arbeiten richtet sie den Blick immer wieder auf Grenzsituationen und grundlegende Fragen menschlichen Lebens – etwa auf Geburt und Sterben, menschliche Würde oder die Auswirkungen neuer Technologien auf unser Mensch-Sein.

Die Forschung von Olivia Mitscherlich-Schönherr überschreitet dabei immer wieder die Grenzen des eigenen Fachs: Die Wissenschaftlerin arbeitet im Austausch mit unterschiedlichen Disziplinen und verbindet philosophische Fragestellungen unter anderem mit Perspektiven aus Theologie, Medizin, Psychologie und Sozialwissenschaften.

Diese Offenheit prägt auch ihre Lehre: Mitscherlich-Schönherr versteht Philosophie als partizipativen Prozess der Auseinandersetzung mit grundlegenden Fragen des Menschseins. Den Austausch und den offenen Streit unterschiedlicher Positionen sieht sie dabei als zentralen Bestandteil philosophischer Bildung. Dass der Dialog nicht auf den Hörsaal beschränkt bleiben muss, zeigt auch die neue , die Mitscherlich-Schönherr mit betreut. Sie bringt Expert:innen wie Stephan J. Kramer (Präsident des thüringischen Amtes für Verfassungsschutz) und Stefanie Jansen (Bürgermeisterin für das Dezernat Soziales, Bildung, Familie und Chancengleichheit der Stadt Heidelberg) mit Studierenden und der interessierten Öffentlichkeit ins Gespräch.

Der Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit ist auch darüber hinaus ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit. Mitscherlich-Schönherr sieht öffentliches Philosophieren als Möglichkeit, wissenschaftliche Denkansätze auf gesellschaftliche Fragestellungen anzuwenden und zugleich philosophische Positionen an den Herausforderungen der Gegenwart zu überprüfen. Als freie Autorin und Rednerin schreibt und spricht sie regelmäßig für überregionale Medien und Bildungseinrichtungen.

Weitere Informationen finden Sie in Kürze beim . Mehr zu Hintergrund der Professur in der Meldung “”.

Zur Person
Olivia Mitscherlich-Schönherr studierte Philosophie und Geschichte an den Universitäten Tübingen, Paris, Bochum und Berlin. Nach ihrem Studium war sie zunächst als Sprach- und Kulturassistentin an einem Gymnasium in Frankreich tätig. 2005 wurde sie an der Universität Potsdam mit einer Arbeit über Helmuth Plessners Lebensphilosophie promoviert. Im Anschluss war Mitscherlich-Schönherr unter anderem am Swedish Collegium for Advanced Study in Uppsala und an der Universität St. Gallen wissenschaftlich tätig. Ab 2010 arbeitete sie am DFG-Graduiertenkolleg „Lebensformen und Lebenswissen“ der Universitäten Potsdam und Frankfurt (Oder). 2017 wechselte sie an die Hochschule für Philosophie München auf eine eigens für sie eingerichtete Dozentur für Philosophische Anthropologie der Grenzsituationen menschlichen Lebens. 2019 erhielt sie von der Universität Potsdam die Venia Legendi für Philosophie. Ebenda ist sie als Privatdozentin tätig, bis September 2025 hat sie die Professur für Philosophiedidaktik der Universität Vechta vertreten; am Max Weber Kolleg der Universität Erfurt ist sie zudem Fellow. Im Oktober 2026 wurde sie von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg zur Professorin berufen.


Das Portätfoto zeigt Florian Vollweiler-Nelles.

[velo] Florian Vollweiler-Nelles übernimmt das Akademische Auslandsamt: Nach 14 Jahren im International Office der Universität Duisburg-Essen verantwortet er nun die internationalen Beziehungen der PHHD. Er bringt langjährige Erfahrung im internationalen Hochschulmanagement und in der Zusammenarbeit mit Partnerinstitutionen mit. In seiner neuen Funktion verantwortet er seit Oktober 2026 die internationalen Beziehungen und Austauschprogramme der Heidelberger Hochschule. Vollweiler-Nelles folgt auf Henrike Schön, die nach langjähriger Tätigkeit für die Hochschule in den Ruhestand gegangen ist (). 

Vollweiler-Nelles studierte an der Universität Mainz Romanistik und Politikwissenschaft und absolvierte einen Teil seines Studiums in Buenos Aires. Ebenda sammelte er im Rahmen verschiedener Tätigkeiten weitere berufliche Erfahrungen im internationalen Kontext. Diese Qualifikation ergänzte er an der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau um ein Zertifikat im Bereich nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit.

In den letzten 14 Jahren war Vollweiler-Nelles im International Office der Universität Duisburg-Essen tätig, wo er unter anderem das Team „Mobilität“ geleitet hat. Zu seinen Aufgaben gehörten die Betreuung akademischer Austauschprogramme sowie die Zusammenarbeit mit internationalen Partnerhochschulen. Darüber hinaus baute er das Büro der Universitätsallianz Ruhr in Lateinamerika mit auf und betreute dieses administrativ und operativ. 

„Internationale Perspektiven sind für Lehramtsstudierende und Lehrkräfte von großer Bedeutung. Sie helfen ihnen, unterschiedliche Bildungs- und Lebenswelten kennenzulernen und Schüler:innen auf eine vielfältige Gesellschaft vorzubereiten“, so Vollweiler-Nelles. „Ich freue mich darauf, die bereits vielfältigen internationalen Aktivitäten der PH Heidelberg aufzugreifen und die internationale Zusammenarbeit strategisch und gestalterisch weiterzuentwickeln.“

Weitere Informationen unter .




Cover des Buches

[red] Ilona Esslinger-Hinz, Professorin für Erziehungswissenschaft an der PH Heidelberg, hat zusammen mit Thomas Rucker und Maria Hallitzky in der Reihe „Journal für Allgemeine Didaktik“ einen Band zum Thema Didaktik und Demokratie herausgegeben. Auf einer begrifflichen Systematisierung von „Demokratiebildung“ aufbauend, diskutieren die Beiträge Demokratiebildung in unterschiedlichen Lehr-Lern-Situationen und insbesondere im schulischen Kontext. So werden etwa schulische Partizipationsmöglichkeiten von Jugendlichen zwischen Anspruch und Wirklichkeit in den Blick genommen oder Demokratieförderung durch Schülervertretungsarbeit betrachtet. 

Weitere Themen sind unter anderem demokratische Orientierungen in Unterrichtsinteraktionen, die Hochschuldidaktik im Dialog mit Hannah Arendts politischer Tätigkeit des Handelns und die körperbezogene Selbstbestimmung als Dimension demokratischer Bildung.

Journal für Allgemeine Didaktik (JfAD) Jg. 14/2026, Schwerpunkt Allgemeine Didaktik und Demokratie, herausgegeben von Esslinger-Hinz, Ilona / Rucker, Thomas / Hallitzky, Maria, Verlag Julius Klinkhardt 2026, 215 Seiten, ISBN: 9783781527959, eISBN: 9783781562578, OA-Lizenz: CC BY-NC-ND 4.0

Das eBook dieses Titels erscheint im Open Access und kann über die folgenden Links frei heruntergeladen werden: , peDOCS


Cover des Buches

[red] This volume, edited by Dennis Dietz, Matthias Heil and Stine Kaplan Jørgensen, examines the concept of maturity („Mündigkeit/Myndighed“) as a central educational aim within the context of school and teacher education. Particularly drawing on Adorno's critical theory, maturity is understood here not only as a cognitive attribute but as a relational and political process. Contributions from various disciplines illuminate historical aspects, theoretical perspectives, and practical experiences to highlight maturity as a guiding principle of pedagogical practice. 

Current societal challenges such as digitalization, political polarization, and authoritarian structures are addressed alongside the role of teachers in fostering critical thinking and solidarity. The volume is based on a two-year German-Scandinavian research dialogue coordinated by the Heidelberg School of Education. Its aim is to provide impulses for a teacher education that empowers individuals toward self-determination and responsible action.

The Shift Towards Maturity: "Mündigkeit/Myndighed" in the Context of (Teacher) Education, herausgegeben von Dennis Dietz, Matthias Heil und Stine Kaplan Jørgensen, Schriftenreihe der Pädagogischen Hochschule Heidelberg Band 69, Mattes Verlag, Heidelberg 2026, ISBN-103-86809-214-5, ISBN-13978-3-86809-214-1, 30,00 Euro, für PHHD-Studierende 10 Euro; .




Das Foto zeigt verschiedene Menschen vor einem Beamer.

[AW-ZIB] Was bedeutet Behinderung eigentlich? Welche Rolle spielen Barrieren in unserem Alltag? Und wie können wir eine Gesellschaft gestalten, in der alle Menschen selbstbestimmt leben und teilhaben können? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die knapp 30 Teilnehmenden des Workshops „Dekonstruktion von Behinderung“ am 30. September 2026 im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK) in Stuttgart. Anna Neff und Thorsten Lihl, Bildungsfachkräfte am Annelie-Wellensiek-Zentrum für inklusive Bildung (AW-ZIB), luden die Vertretungen der Referate im MWK dazu ein, gewohnte Vorstellungen zu hinterfragen und neue Perspektiven auf Behinderung und Inklusion kennenzulernen.

Nach der Begrüßung durch Staatssekretärin Neşe Erikli stellten Anna Neff und Thorsten Lihl das AW-ZIB vor, zu dem die beiden Bildungsfachkräfte gehören. Die Bildungsfachkräfte vermitteln durch Bildungsangebote persönliche Erfahrungen und Wissen über Inklusion und Exklusion. Das Motto des AW-ZIB lautet: „inklusiv, kompetent und bedeutsam“.

Im Mittelpunkt des Workshops stand die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Sichtweisen auf Behinderung: die gesellschaftliche Perspektive, die oftmals vermittelt „Ein Mensch ist behindert“, und dem gegenüber die Perspektive, dass ein Mensch durch Ausschluss und Barrieren behindert wird. In einem interaktiven Aufstellungsspiel setzten sich die Teilnehmenden mit verschiedenen Begriffen für Menschen mit Behinderung und deren Wirkung auseinander, zu denen die beiden Bildungsfachkräfte ebenfalls Stellung nahmen.

Anschließend veranschaulichten Anna Neff und Thorsten Lihl anhand persönlicher Erfahrungsberichte, wie Inklusion und Exklusion ihren Alltag prägen. Dazu gehörten Anna Neffs Erfahrungen in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung, sowie der Bericht von Thorsten Lihl über alltägliche Barrieren, die er in einem von ihm über KI generierten Song „Barrieren brechen“ verarbeitet. Die Teilnehmenden wurden anhand eines Bildes zum persönlichen Nachdenken und Diskutieren über getrennte Lebenswelten und fehlende Zugänge zur Gesellschaft angeregt. 

Zum Abschluss tauschten sich die Teilnehmenden über Möglichkeiten zum Abbau alltäglicher Barrieren aus und formulierten persönliche Wünsche für mehr Inklusion. Dabei wurde deutlich: Inklusion braucht Barrierefreiheit, Selbstbestimmung und konkrete Veränderungen, damit alle Menschen gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.

Sowohl die Bildungsfachkräfte als auch die Teilnehmenden des Workshops erlebten einen positiven Austausch und die Möglichkeit, konkrete Schritte hin zu mehr Inklusion und Teilhabe zu planen.




Das Foto zeigt viele Menschen im Innenhof des Altbaus der PH Heidelberg.

[AW-ZIB] Gemeinsam diskutieren, zuhören, unterschiedliche Meinungen aushalten und Demokratie aktiv gestalten: Am 2. Oktober 2026 beteiligte sich die Pädagogische Hochschule Heidelberg an der zweiten landesweiten . Mitarbeitende des Annelie-Wellensiek-Zentrums für inklusive Bildung (AW-ZIB) gestalteten das Programm gemeinsam mit Kolleg:innen, dem Studierendenparlament und anderen Studierenden aktiv mit. Unter dem Motto „Demokratie – checkst du?“ kamen Schüler:innen, Studierende, Lehrende und weitere Interessierte zusammen, um sich mit Fragen rund um Demokratie, Teilhabe und gesellschaftliches Miteinander auseinanderzusetzen.

Im Rahmen des Master-Seminars „Teilhabe und Demokratie“, angeboten für Sonderpädagogik-Studierende der Pädagogischen Hochschule, konzipierten Mitarbeitende des AW-ZIB Mitmachangebote zu Themen wie Hass im Netz, Fake News und queeres Leben. Ergänzt wurden diese durch Workshops externer Initiativen, darunter die Individualhilfe, Mosaik Deutschland, das Bündnis „Kein Schritt nach Rechts“, der Queer Space Heidelberg und Wissenschaft für Demokratie. So entstand ein vielfältiges Programm, das unterschiedliche Perspektiven auf Demokratie eröffnete und zum Austausch einlud.

Ein besonderes Anliegen des Tages war es, Jugendliche aus unterschiedlichen Schulformen zusammenzubringen und ihnen Raum für ihre Meinungen und Erfahrungen zu geben. Was beschäftigt sie? Was brauchen sie, um sich wohlzufühlen und gehört zu werden? Und wie können junge Menschen selbst Demokratie mitgestalten?

Professorin Karin Terfloth fasste das Ziel der Veranstaltung so zusammen: „Ziel des heutigen Tages ist, dass wir Jugendliche aus ganz unterschiedlichen Schulen zusammenbringen und gemeinsam über Demokratie sprechen, uns austauschen, Meinungen hören und zusammen auch nachdenken, wie wir die Demokratie in unserem Land verteidigen können.“ Bildungsfachkraft Anna Neff ergänzte: „Demokratie braucht Bildung und Vielfalt!“

Demokratie wurde an diesem Tag nicht nur thematisiert, sondern praktisch erlebbar: eigene Meinungen äußern, andere Perspektiven kennenlernen und unterschiedliche Standpunkte aushalten. Die Mitmachangebote des AW-ZIB und der Kooperationspartner:innen schufen konkrete Anlässe dafür. Sie zeigten, wie inklusive Bildungsarbeit gesellschaftlich relevante Themen aufgreifen und Menschen dazu ermutigen kann, sich aktiv einzubringen.

Für einen stimmungsvollen Abschluss sorgte am Nachmittag die Inklusionsband „The Different Stars“. Teilnehmende der Veranstaltung wurden von dem inklusiven Foodtruck Couers mit leckeren Flammkuchen und der inklusiven Gastro-Gruppe “Die Glückskekse” mit frischen Waffeln versorgt. Moderatorin Jess Schöne zog ein positives Fazit: „Ich fand den ganzen Tag einfach ganz, ganz toll. Von daher gehe ich mit einem ganz vollen Herz hier raus.“

Weitere Informationen zur Veranstaltung „Demokratie Checkst du?“ finden Sie auf unserer .


Symbolbild

Wie lässt sich guter Sportunterricht nicht nur theoretisch beschreiben, sondern auch konkret planen, durchführen und weiterentwickeln? Mit dieser Frage beschäftigten sich Studierende in der Veranstaltung „Schulsportentwicklung: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit“. Im Rahmen einer Kooperation mit dem Wahlfach Sport der 9. Klasse der Kepler-Realschule Heidelberg besuchten die Schülerinnen und Schüler an insgesamt fünf Terminen die Pädagogische Hochschule Heidelberg. Zuvor hatten sich die Studierenden intensiv mit Merkmalen und Kriterien guten Sportunterrichts auseinandergesetzt. Auf dieser Grundlage entwickelten sie eigene Unterrichtsvorhaben, die sie anschließend mit den Schülerinnen und Schülern praktisch umsetzten.

Inhaltlich erwartete die Schülerinnen und Schüler ein vielfältiges und abwechslungsreiches Sportangebot – von Waveboardfahren über HYROX und Le Parkour bis hin zu weiteren Bewegungs- und Sportangeboten. Dabei erhielten sie die Möglichkeit, Sportarten und Bewegungsformen kennenzulernen und auszuprobieren, die im regulären Schulsport bislang kaum oder gar nicht Teil ihres Unterrichts waren. Die Kooperation eröffnete ihnen damit neue Bewegungserfahrungen und Einblicke in die Vielfalt sportlicher Aktivitäten.

Auch für die Studierenden bot die Kooperation einen besonderen Mehrwert: Sie konnten ihre zuvor erarbeiteten Vorstellungen von gutem Sportunterricht unter realen Bedingungen erproben und dabei wertvolle Erfahrungen in der Planung und Durchführung von Unterricht sammeln.

Ein wesentlicher Bestandteil der Veranstaltung war die anschließende gemeinsame Reflexion. Die Erfahrungen und Beobachtungen aus den Unterrichtsstunden wurden aufgegriffen, mit den zuvor erarbeiteten Kriterien guten Sportunterrichts in Beziehung gesetzt und gemeinsam diskutiert. Auf diese Weise konnten die Studierenden ihre Planung und ihr unterrichtliches Handeln kritisch hinterfragen und weiterentwickeln.

So entstand eine gewinnbringende Verbindung von fachdidaktischer Theorie, praktischer Unterrichtserfahrung und systematischer Reflexion – mit neuen Erfahrungen und Impulsen sowohl für die Studierenden als auch für die Schülerinnen und Schüler.

Die erfolgreiche Kooperation wird im kommenden Wintersemester fortgeführt. Damit erhalten erneut Studierende die Möglichkeit, theoretisch erarbeitete Konzepte unmittelbar in der schulischen Praxis zu erproben und gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern weiterzuentwickeln.

Darüber hinaus ist eine weitere Kooperation im Rahmen der Veranstaltung „Erwerb und Reflexion sportlichen Handelns – Schwimmen“ geplant. Auch hier soll die Verbindung von Hochschullehre und schulischer Praxis im Mittelpunkt stehen: Studierende werden Unterricht mit Schülerinnen und Schülern planen, durchführen und gemeinsam reflektieren. Damit wird die praxisnahe Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Schule künftig auf einen weiteren Bereich der sportwissenschaftlichen Ausbildung ausgeweitet.

Text: Fach Sport


Podium des Kamingesprächs: (von links) Dr. Dennis Dietz; Prof. Dr. Havva Engin; Eduardo Bacquet-Peréz; Harald Gropp; Dr. Christiane Wienand

[ka] Wie können wir Bildungsarmut und anderen Notlagen entgegenwirken? Bei Armut denken wir zuerst an Lebenshaltungskosten und Geldmangel: Wer in Deutschland weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens zur Verfügung hat, gilt als armutsgefährdet. Dass Armut weit mehr Gesichter hat, war am 20. Oktober Thema des Kamingesprächs „Armut und Schule“ an der Heidelberg School of Education (HSE), der gemeinsamen Einrichtung der Universität und der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Eingebettet in die stadtweite Aktionswoche gegen Armut und Ausgrenzung hatte die HSE zu einem Gespräch über Notlagen im Kontext von Bildung eingeladen.

Auf dem Podium saßen Prof. Dr. Havva Engin (Pädagogische Hochschule Heidelberg), Dr. Eduardo Bacquet-Peréz (Institut für Heilpädagogik und Erziehungshilfe Heidelberg) und Harald Gropp (Landeskonferenz für Armut). Moderiert wurde der Abend von Dr. Christiane Wienand und Dr. Dennis Dietz (beide HSE).

Armut wird vererbt

Genauso beeinträchtigend wie materielle Not könne ein Mangel an sozialen Netzwerken, gesundheitliche Armut oder kulturelle Armut sein, also der fehlende Zugang zu Bildung, Wissen und Sprache, sagte Prof. Dr. Havva Engin, die zu unter anderem zu Migrationspädagogik und transkultureller Pädagogik forscht. Wie stark solche Armutsformen ausgeprägt seien, zeichne sich bereits an den Startbedingungen eines Kindes ab, so die Wissenschaftlerin. Dies zeige leider auch die PISA-Studie regelmäßig: „In Deutschland wird Armut vererbt.“

Für Eduardo Bacquet-Peréz war Bildung im Rückblick der Weg aus schwierigen Verhältnissen, wie er berichtete. Seine Kindheit in der chilenischen Diktatur sei durch materielle Armut geprägt gewesen. „Aber wir hatten ein Haus voller Bücher, ich habe Sprachstrukturen und die Fähigkeit, zu reflektieren, gelernt und das hat mich im Leben vorangebracht“, so der Pädagoge, der sich auf Kinder in schwierigen Lebenslagen spezialisiert hat.

Armut trotz Bildung, das ist wiederum Lebensrealität für Harald Gropp, der auf Wissenschaftsgeschichte und Mathematik spezialisiert ist, und sich als Aktivist für gesellschaftliche Teilhabe einsetzt. Er kenne viele Menschen, die sich wie er in einem täglichen Überlebenskampf befänden, sagte er im Gespräch. Auch für ihn sei der Rückgriff auf sein Wissen und seine Fähigkeiten überlebensnotwendig, um seinen Alltag zu bewältigen.

Bildungspolitik bei den Schwächsten beginnen

Wo also muss die Gesellschaft, wo Bildung ansetzen, um Armut in ihren verschiedenen Dimensionen zu bekämpfen? Zum einen braucht es die passenden politischen Rahmenbedingungen, war sich das Podium einig. Beispielsweise für ein Bildungssystem, das auf Teilhabe ausgerichtet ist: Engin wünschte sich hier für Deutschland eine andere Priorisierung der Bildungsausgaben. Hilfreicher als frühzeitige Selektion sei ein Fördersystem, das schon die Vorschulkinder in den Blick nehme, sagte die Wissenschaftlerin, in Hamburg werde dies erfolgreich praktiziert. „Gerechte Bildungspolitik startet bei den Schwächsten.“

Um Bildungsarmut zu beseitigen muss Schule zudem einen Rahmen bieten, der alle Kinder abholt und in ihrer Entwicklung unterstützt, das war an dem Abend ebenfalls Konsens. Bei Kindern in schwierigen Lebenslagen gehe es erstmal weniger um Lerninhalte als um Aktivitäten, bei denen sie Sinnhaftigkeit erlebten, sagte Bacquet-Peréz. „Bildung ist mehr als die Aneignung von Wissen.“

Berührungsängste abbauen

Mehr gesellschaftliche Solidarität und weniger Berührungsängste wünschte sich Gropp. Ein Großteil der Gesellschaft wisse gar nicht, mit welchen Schwierigkeiten manche Menschen lebten. „Es gibt in Heidelberg zu wenig Räume, an denen Menschen zusammenkommen, die sonst nie aufeinandertreffen.“

Unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen Begegnungen ermöglichen, das kann auch die Lehrkräftebildung, so ein wichtiges Resümee des Kamingesprächs. Ohnehin gehört es zum Auftrag von PHHD und Universität, angehende Lehrer:innen auf die Arbeit mit Kindern in schwierigen Lebenslagen vorzubereiten. Sie sehe ein Riesenpotenzial für die Lehrkräftebildung, Menschen in verschiedenen Lagen zu erreichen und zusammenzubringen, sagte Engin, „wir machen schließlich die Gesellschaft von morgen.“




Das Foto zeigt den Haupteingang des Altbaus der PH Heidelberg.

Fund your Future - Studieninfotag am 17.11.:  

Vernissage: Montepulciano am 19.11: