Zur Reihe „Gastvorträge“ lud die Sprecherziehung zu einer Zoom-Veranstaltung mit Dr. Ramona Benkenstein am 7. Januar 2026 ein.
Das Thema „Elternarbeit“ lockte 30 Interessierte an, die eine lebendige Veranstaltung erleben durften. Dr. Ramona Benkenstein, Lehrerin, Fortbildnerin und Sprecherzieherin schilderte sehr lebendig aus ihrem Wissens- und Erfahrungsschatz und konnte so unseren angehenden Lehrer*innen einen Einblick bieten, was auf sie zukommen kann, wenn die Zusammenarbeit mit Eltern ansteht. Folgende Gebiete wurden vorgestellt: Konflikte in der Elternarbeit, Erziehungspartnerschaft, Schülerorientierte Elternarbeit, Impulse zu Gesprächsführung.
Die Perspektive der Eltern einzunehmen ist wichtig, da Eltern unter einem enormen Druck stehen. Das können Scheidung, Verschuldung, Überforderung etc. sein. Ramona Benkenstein unterrichtet in heterogenen Klassen und trifft auf Eltern, die wenig oder kaum Deutsch verstehen und die das deutsche Schulsystem nicht kennen. Um sich besser mit den Eltern austauschen zu können, hat Ramona Benkenstein sogar Arabisch gelernt. Sie sagt, als Geschichtslehrerin und mehrere Fremdsprachen beherrschend sei das aus eigenem Interesse. Der regelmäßige Kontakt zu den Eltern sei ihr wichtig. Auch ihre Schüler*innen möchte sie gut kennen und ihnen auf Augenhöhe begegnen.
Spannend war auch, dass Elternarbeit und Aufgaben der Lehrperson gesetzlich festgehalten sind. So steht im Grundgesetz zu den Rechten und Pflichten der Eltern Folgendes: „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.“ (GG Art. 6, Abs. 2). Jedes Bundesland hat eigene Paragraphen zu Erziehung und Bildung als Aufgabe der Schule, die es wert sind konsultiert zu werden.
Elternarbeit gilt bei Lehrpersonen als sehr belastend, da Eltern viel erwarten. So können Ängste auf beiden Seiten entstehen. Dabei spielen die gegenseitige Wahrnehmung und blinde Flecken eine große Rolle. Ein veraltets Bild des Status – wer hat welche Autorität und Zuständigkeit – ist heutzutage nicht mehr zielführend. Beide Seiten müssen erziehen, beobachten und gemeinsame Vereinbarungen auf Augenhöhe treffen. Dafür braucht es auch Kompetenzen in der Gesprächsführung und Gesprächsfähigkeit. Unsere Student*innen bekommen eine kleine Einblick hierüber auch in unseren ÜSB03-Veranstaltungen der Sprecherziehung „Grundlagen in der mündlichen Kommunikation“. Bereichernd war der Gastvortrag vor allem, dass die Teilnehmer*innen aus erster Hand langjährigen Erfahrungen einer gestandenen Lehrperson lauschen durften. Ramona Benkenstein gab uns auch einen persönlichen Einblick in unangenehme Erfahrungen mit Eltern, die sehr eindrücklich waren. Die Vortragsart war persönlich und spannend, sodass die Zeit im Nu verflog und alle die Möglichkeit hatten, Fragen zu stellen auch über die Chat-Funktion, die zu aller Zufriedenheit von Ramona Benkenstein beantwortet werden konnten. So gab es Tipps zu Dauer des Elternabends, zur Vorbereitung, zur Rollenverteilung und Zuständigkeit, zur Mehrsprachigkeit u. v. m. Ein Leitspruch der Referentin ist: „BE-ziehung geht vor ER-ziehung!“ Die Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus ist ein entscheidender Faktor für den Bildungserfolg und das Wohlbefinden der Kinder.
An dieser Stelle möchte sich das Fachgebiet Sprecherziehung bei der Fakultät II und bei der Referentin Dr. Ramona Benkenstein ganz herzlich bedanken.
P. S. Unsere Reihe der Gastvorträge wird fortgesetzt, zwei sind für das Sommersemester 2026 geplant.