Politikwissenschaft
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Kinderparlamente an Startchancen-Grundschulen
 

Wie lernen Kinder Demokratie? Nicht allein durch Wissen über Regeln und Institutionen, sondern vor allem durch eigenes Erleben, Mitgestalten und gemeinsame Entscheidungen. Genau hier setzt das KiPa-Pilotprojekt „Kinderparlamente“ der Pädagogischen Hochschule Heidelberg in Kooperation mit dem an.

Im Projekt werden an vier Startchancen-Grundschulen der Region Heidelberg strukturierte und inklusive Kinderparlamente für Schülerinnen und Schüler der dritten und vierten Klassen eingeführt. Die Kinderparlamente schaffen einen geschützten Erfahrungs- und Erprobungsraum, in dem Kinder demokratische Prinzipien praktisch kennenlernen: zuhören, diskutieren, unterschiedliche Perspektiven aushalten, gemeinsam Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen.

Die Kinderparlamente unterscheiden sich bewusst vom Klassenrat. Im Mittelpunkt stehen keine organisatorischen Anliegen einzelner Klassen, sondern übergreifende Fragen zu Kinderrechten, Grundrechten, Toleranz, Mitbestimmung und gesellschaftlichem Zusammenleben. Demokratie wird dabei ausgehend von der Lebenswelt der Kinder entwickelt – nach dem Prinzip: „Von mir zu dir, von uns zu allen.“

Das Projekt orientiert sich am Leitfaden Demokratiebildung Baden-Württemberg und greift dessen vier zentrale Kompetenzbereiche auf:

  • Identität & Pluralismus

  • Selbstbestimmung & Autorität

  • Gleichwertigkeit & Solidarität

  • Interessen & Beteiligung

Die Umsetzung erfolgt lebensweltlich, handlungsorientiert und inklusiv. Materialien in einfacher Sprache, Visualisierungen, Peer-Unterstützung sowie barrierearme Lernsettings ermöglichen möglichst vielen Kindern aktive Beteiligung. Die Kinderparlamente greifen unterschiedliche Gesprächsanlässe aus der Lebenswelt der Kinder auf. Dabei werden sowohl soziotechnische Fragen, etwa zu Bildschirmzeiten, Mediennutzung oder dem Einsatz von Lärmampeln im Schulalltag, als auch Themen wie Kinderrechte, Mitbestimmung, Gerechtigkeit und die Frage behandelt, was gute und faire Regeln ausmacht. Ausgangspunkt sind konkrete Erfahrungen der Kinder, aus denen gemeinsam demokratische Prinzipien und gesellschaftliche Fragestellungen entwickelt werden.

Die Kinderparlamente werden von 10 Mitarbeitenden als „Demokratiebegleiter“ durchgeführt. Unter der Leitung von Dr. Christian Mühleis (Institut für Gesellschaftswissenschaften, Abteilung Politikwissenschaft) entwickeln sie die Sitzungen didaktisch vor und nach, dokumentieren die Prozesse und reflektieren ihre Erfahrungen wissenschaftlich begleitet.

Von März bis Juli 2026 finden in 18 Klassen der beteiligten Schulen Kinderparlamente statt. Den Abschluss bildet ein gemeinsames schulübergreifendes Kinderparlament an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Das Projekt versteht Demokratiebildung nicht als abstraktes Unterrichtsthema, sondern als gemeinsame Praxis: Kinder erleben, dass ihre Perspektiven zählen und dass demokratisches Handeln im Alltag beginnt.

Begleitende Interviews ermöglichen eine mehrperspektivische Evaluation des Projekts. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, Konzepte demokratischer Beteiligung im Grundschulbereich weiterzuentwickeln – insbesondere auch mit Blick auf inklusive Bildungssettings und Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren.

Mit finanzieller Unterstützung des Kultusministeriums Baden-Württemberg.

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