Ich habe mich für Gretl Drexler entschieden, da sie mir bei meiner Suche nach einer geeigneten Person für meine Biografie sehr schnell ins Auge fiel. Ihre starke Persönlichkeit und ihre Kraft nach dem Tod ihres Mannes die Tochter allein aufzuziehen bewundere ich. Auch ihre Bereitschaft im Lager Gurs als Pflegekraft tätig zu werden, forderten Mut und Wille. Gretl Drexler war eine starke Persönlichkeit mit vielen Ambitionen, welche die Hoffnung nie aufgab und bis zuletzt an ein glückliches Leben nach dem Krieg glaubte. Die Liebe zu ihrer Tochter verlieh ihr die Kraft die schrecklichen Gegebenheiten in Gurs auszuhalten. Doch den Gaskammern in Auschwitz konnte auch eine so starke Frau nicht entkommen. Daher schätze ich mich glücklich, durch diese Kurzbiografie einen kleinen Einblick in das Leben von Gretl Drexler erhalten zu haben und weiter geben zu können.
Dieses Porträt wurde erarbeitet von:
Charlotte Stark
Nachname: Drexler
Vorname: Gretl
Geburtsort: Landau
Geburtsdatum: 08.06.1894
Lebenslauf
geb. 08.06.1894 in Landau in der Pfalz; Eltern: David (Weinhändler) und Lina Metzger
- Erster Weltkrieg: Arbeit in der Krankenpflege
- 1919: Heirat mit Hermann Drexler, Arzt in Pirmasens
- 1921: Tod des Ehemannes, Geburt der Tochter Dorothea
- Ende 1938: Umzug nach Mannheim
- 1939: erfolglose Bemühungen um eine Auswanderung in die USA
- 22.10.1940: Deportation nach Gurs; dort Arbeit als Krankenpflegerin
- Sommer 1942: Begleitung einer Patientin nach Grenoble, Verhaftung
- 2. Sept. 1942: Deportation über Drancy nach Auschwitz, dort ermordet
- für tot erklärt
Margarethe (auch genannt Gretl) Drexler ist am 08.06.1894 als Tochter des Weinhändlers David Metzger und seiner Frau Lina in Landau in der Pfalz geboren. Im ersten Weltkrieg arbeitete sie in der Krankenpflege im Lazarett. Im Jahre 1919 heiratet sie den Pirmasenser Arzt Hermann Drexler, welcher 1921 verstarb. Im selben Jahr kam ihre Tochter Dorothea Drexler auf die Welt. Gemeinsam mit ihrer Tochter lebte sie viele Jahre in Landau in der Pfalz. Dorothea Drexler beschrieb noch Jahre später ihre Mutter als moderne, elegante, der Kunst zugeneigte Frau. Nach der Reichspogromnacht 1938 zog Margarethe Drexler nach Mannheim. Da sie spürte, dass es in Deutschland für Juden und Jüdinnen immer unsicherer wurde, versuchte sie für sich und ihre Tochter die nötigen Papiere für eine Auswanderung in die USA zu bekommen. Dies gelang ihr leider nicht, ihre damals 17- jährige Tochter konnte sie noch rechtzeitig zur Tante in die Schweiz schicken, sie selbst wurde mit den meisten noch verbliebenen badischen und Pfälzer Juden am 22. Oktober 1940 in das französische Lager Gurs deportiert.
Gretl Drexler hatte ein sehr inniges Verhältnis mit ihrer einzigen Tochter, die Hoffnung, Dorothea wiederzusehen und mit ihr ein neues Leben zu beginnen, gab sie nie auf. In ihrer Zeit in Gurs schrieb sie sehr viele Briefe an ihre Tochter und ihre Schwester in die Schweiz. Die über 300 Briefe und Postkarten, welche im Laufe dieser Zeit von Gretl Drexler aus Mannheim, Gurs und Grenoble geschrieben wurden, vermitteln den schrecklichen Einblick in das entbehrungsreiche Leben im französischen Internierungslager Gurs. Dies war für viele der Menschen, auch für Gretl Drexler, nur eine Vorstation auf dem Weg in die Vernichtungslager. Margarethe Drexler war es nach einer Weile im Lager möglich, dort als Pflegerin zu arbeiten. Im Sommer 1942 durfte sie eine Patientin begleiten, welche zu ihrem Sohn nach Grenoble entlassen wurde. Bei einer Razzia im August 1942 in Grenoble wurde sie verhaftet und gelangte in das Lager Drancy bei Paris. Am 2. September wurde sie dann nach Auschwitz deportiert, wo Gretl Drexler mit vielen anderen Menschen in den Gaskammern ermordet wurde. Erst nach Kriegsende erfuhren ihre Angehörigen von ihrem Tod in Auschwitz.
Gretl Drexler wuchs in einer gut situierten Familie auf, der Vater David Metzger war Weinhändler, die Mutter Lina Hausfrau. In ihrer Kindheit hatte sie ein unbeschwertes Leben. Die Familie lebte in Landau in der Pfalz, wo zu dieser Zeit eine kleine jüdische Gemeinde bestand. Die Ausschreitungen des Novemberpogroms verliefen in Landau ähnlich wie in anderen Städten, die Synagoge wurde völlig ausgebrannt und jüdische Geschäfte und Wohnungen wurden zerstört. Die allermeisten Landauer Juden und Jüdinnen verließen nun ihre Heimatstadt, wie auch Gretl Drexler und ihre Tochter. Die Verbliebenen wurden in der sogenannten „
Literatur
Gretl Drexler: Briefe aus Mannheim, Gurs und Grenoble (1939-1942). Das Schicksal einer jüdischen Frau aus Landau in der Pfalz, hg. von Roland Paul, Kaiserslautern 2014.
Internetangaben
Alemannia Judaica: Landau in der Pfalz. Online verfügbar unter
Jüdische Geschichte. Kurzabriss der jüdischen Geschichte Mannheims. Online verfügbar unter
Hirsch, Maria: Macht euch keine Sorgen, 30.4.2018. Online verfügbar unter
Schreieck, Helga: SWR2 Stolpersteine. Margarethe Drexler, Landau in der Pfalz (SWR2 Manuskriptdienst). Online verfügbar unter