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Pastinake oder Batate?

Studie der Biologie testet, wie gut Gemüsearten erkannt werden – Wissen über Vielfalt ist Teil der Gesundheits- und Ernährungsbildung

Die Vielfalt von Pflanzen und Früchten ist Teil der Gesundheits- und Ernährungsbildung.
Testaufbau: Proband:innen sollten die vorgelegten Gemüsearten benennen.
Im Geschmackstest wurden pürierte Gemüsearten angeboten.

Rettich oder Pastinake, Spinat oder Mangold - kennen Sie Ihr Gemüse? Dass eine gesunde Ernährung auch einen hohen Gemüseanteil einschließt, ist bekannt. Wie viele Arten wir im Alltag aber überhaupt (er)kennen, hat Prof. Dr. Lissy Jäkel von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg nun in einer Studie getestet. Die Professorin für Biologiedidaktik und ihr Team präsentierten dafür mehr als 300 Proband:innen verschiedene Gemüsesarten im Original und auf Fotos. Die Ergebnisse wurden als .

Die Befragten waren zwischen drei und 89 Jahren alt und nahmen spontan an der Studie auf dem Campus und im Zoo teil. Vor Ort und in einem Online-Fragebogen mit Fotos wurden ihnen bekannte und weniger bekannte Kulturpflanzen vorgelegt. Eine kleinere Gruppe mit 32 Erwachsenen testete zudem Gemüsearten in pürierter Form. Anschließend werteten Jäkel, der Biologe Valentin Kleinpeter und der Informatiker Matthias Matzner die Antworten mit verschiedenen statistischen Methoden aus. 

Auf Fotos besser erkannt

Zu den Siegern in der direkten Präsentation gehören unter anderem die Paprika, die von 94 Prozent aller Befragten erkannt wurde, die Zucchini (87 Prozent) und die Zwiebel (80 Prozent). Eher hohe Werte erzielten auch grüne Gurken, Möhren, Tomaten, Lauch oder Bataten (Süßkartoffel, 76 Prozent). Während Spinat noch bei rund der Hälfte der Befragten punkten konnte, hatte es das Wurzelgemüse schwieriger: Rüben, Petersilienwurzeln, Pastinaken und Rettich wurden gerne verwechselt. Die Sellerie als ganze Frucht sagte den meisten wenig – sie holte dafür im Geschmackstest auf. Und Mangold wurde immer wieder als Salat eingeordnet, aber dafür auf Fotos besser erkannt.

Überhaupt kamen manche Gemüsesorten auf dem Foto besser weg als im Original, darunter auch Kohlrabi und Spinat. Möglicherweise seien auf Fotos deutlicher die wesentlichen typischen Merkmale zu sehen, so das Team. Tendenziell nahmen die Kenntnisse mit dem Alter der Befragten zu, auch das ein Ergebnis. Zudem outeten sich viele Teilnehmer:innen im Gespräch als Gartenbesitzer und -liebhaber. „Exotische Gemüse wie Aubergine oder Batate sind über den Supermarkt im Alltag angekommen“, zieht Lissy Jäkel Bilanz. „Dafür beobachten wir, dass zunehmend der Bezug zu den Ackerpflanzen fehlt, von denen die Gemüse stammen.“ 

Eine Aufgabe für die Schulbildung

Das Wissen über Gemüse und verschiedene Arten zu fördern sei wichtiger Teil der Gesundheits- und Ernährungsbildung, so Jäkel. Erhebungen wie die Nationale Verzehrs-Studie des Max-Rubner-Instituts oder die ESKIMO-Studie zeigten, dass die Deutschen tendenziell weniger als die empfohlene Menge von 440 Gramm Gemüse pro Tag verzehrten. Auch werde die „Angebotsbreite“ nicht genutzt. Am häufigsten wird in Deutschland demnach zu Tomaten gegriffen, gefolgt von Möhren, Zwiebeln, Gurken und Paprika. 

Um unser Geschmacksrepertoire auf Dauer zu erweitern, müssen Gemüsearten auch regelmäßig in unserem Alltag vorkommen. Die Schulbildung könne einen wichtigen Beitrag leisten, beispielsweise durch den Lernraum Schulgarten, so die Wissenschaftlerin. Aus Studien wisse man, dass ein einmaliger Besuch für messbare Lernzuwächse nicht ausreiche. Stattdessen sei es sinnvoll, konkrete Pflanzen in den Fokus zu nehmen, den Schulgarten regelmäßig einzubeziehen und Handlungsoptionen zu eröffnen, beispielsweise durch Mitarbeit im Garten oder die Erforschung von Pflanzen. „Aber auch Formate wie Feldspaziergänge sind geeignet, um Produkte wachsen zu sehen und Gemüsepflanzen nicht nur in der Supermarktversion wahrzunehmen.“

Insgesamt fördere Artenkenntnis eine pflanzenbasierte Ernährung und die individuelle Gesundheit von Menschen, so Jäkel. „Wenn damit zudem die Wertschätzung für Biodiversität steigt, kommt das auch unserem Planeten zugute.“

Text: Antje Karbe
Fotos: Lissy Jäkel

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