Gebärdensprachdolmetschen (GSD) ist weltweit eine noch junge Disziplin, die häufig eng mit der Anerkennung der jeweiligen Gebärdensprache und sozialrechtlichen Errungenschaften verbunden ist. Seit dem Entstehen der Profession wurden im Laufe der Zeit Abhängigkeiten und Machtfragen vermehrt bedacht und diskutiert, gleichzeitig entfernte sich die Disziplin mit der Professionalisierung von den Gebärdensprachgemeinschaften.
Abhängigkeitsstrukturen bestehen weiterhin und führen zu Spannungen zwischen berufspolitischer Verantwortung der Dolmetschenden und Empowerment-Bewegungen innerhalb der Gemeinschaften. Weiterhin wird gesamtgesellschaftlich GSD zunehmend als Teilhabelösung angesehen, wodurch andere vernachlässigt und somit Machtverhältnisse verfestigt werden. Somit bedarf es eines stärkeren Bewusstseins für Machtverhältnisse auf individueller, institutioneller und struktureller Ebene. Dabei gilt es, nicht nur Audismus und Ableismus, sondern sämtliche intersektionale Betroffenheiten zu berücksichtigen.
Es zeigt sich, dass fehlendes Wissen hierüber sowie bestimmte Formen des Umgangs mit bestehenden Privilegien häufig paradoxe Diskurse und Abwehrreaktionen hervorrufen.
Im Rahmen eines Scoping-Workshops vom 29. bis 31. Juli 2026 soll eine kritische Standortbestimmung erfolgen, an der nationale und internationale Wissenschaftler:innen sowie Vertreter:innen der Gebärdensprachgemeinschaften teilnehmen. Der Workshop findet ausschließlich gebärdensprachlich statt (DGS und IS), unterstützt durch Dolmetscher:innen. Der Workshop nutzt den Ansatz Appreciative Inquiry (AI). Ziel ist es, damit eine umfassende Analyse des Status quo und die Erarbeitung von Entwicklungsperspektiven für das Gebärdensprachdolmetschen vorzunehmen.
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Dauer 6 Monate
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Zielgruppe Internationale Forschende, Vertreter:innen der Gebärdensprachgemeinschaften
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Projektförderung VolkswagenStiftung
Mit dem Förderformat „Scoping Workshops“ möchte die VolkswagenStiftung zur Reflexion und Weiterentwicklung disziplinärer wie interdisziplinärer Forschungsgebiete und -communities beitragen. Wissenschaftler:innen erhalten im Rahmen der Förderung die Möglichkeitkeit, bei einem interaktiven Arbeitstreffen mit anderen Forschenden eine Standortbestimmung vorzunehmen und davon ausgehend Perspektiven für dessen weitere Entwicklun zu erarbeiten.
Die Workshops finden zu festgelegten Terminen im Tagungszentrum Schloss Herrenhausen in Hannover statt.
Um die Zielsetzung des Workshops zu erreichen, soll der Ansatz Appreciative Inquiry (AI) (whitney & Trosten-Bloom, 2010) eingesetzt werden. Dieser eignet sich besonders für eine kritische Bestandsaufnahmen, das Identifiizieren von Potentialen, das Definieren von Voraussetzungen für Entwicklungsmöglichkeiten sowie die Ausgestaltung künftiger Forschungsansätze. Um eine umfassende Analyse des Status quo und Entwicklungsperspektiven für das Gebärdensprachdolmetschen zu erarbeiten, wird folgender Prozess durchlaufen:
1. Definition: Klärung des Workshop-Themas
2. Discovery: Bestandsaufnahme mithilfe von World Cafés
3. Dream: Visionieren - Voraussetzungen für strukturelle Veränderungen im Bereich GSD
4. Design: Gestalten - Kritische Perspektiven auf Forschungsbedarf und praxisorientierte Ansätze im Bereich GSD unter Einbezug T*tauber Communities
5. Destiny: Positionspapier
Die Organisation liegt bei Prof. Dr. Uta Benner (Pädagogische Hochschule Heidelberg) und
Das erarbeitete Positionspapier wird in Form von Videos in Deutscher Gebärdensprache und International Sign erscheinen mit schriftsprachlichen Übersetzungen auf Deutsch und Englisch.