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Wenn Teenager Fragen haben

Lehrkräfte sind oft wenig auf Themen der Sexuellen Bildung vorbereitet – ein Promotionsprojekt entwickelt zeitgemäße Unterrichtsmaterialien

Lernbox mit Modellierton, Mikroskopischen Präparaten, Kondomen und Menstruationsprodukten

Wenn Teenager Fragen zum Thema Sexualität haben, ist ihre wichtigste Quelle – überraschenderweise– die Schule. Gespräche mit Gleichaltrigen und das Internet werden laut einer Studie erst an zweiter Stelle genannt. Viel Verantwortung also für Lehrkräfte, die täglich mit Heranwachsenden zu tun haben.

Für Valentin Kleinpeter, Doktorand der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, ist das Anlass, das Thema genauer unter die Lupe zu nehmen – denn bislang ist „Sexualbildung“ nicht als verpflichtendes Thema in der Lehramtsausbildung verankert. In seiner Dissertation bei Prof. Dr. Lissy Jäkel (Biologie) führt er eine Bestandsaufnahme der Sexuellen Bildung an baden-württembergischen Bildungseinrichtungen durch. Aktuell testen einzelne Schulen „Lernboxen“ mit neuen Unterrichtsmaterialien, die er entwickelt hat.

Wie Studien zeigten, seien Lehrkräfte sehr unsicher bei Themen, die über anatomische Fragestellungen hinausgehen, berichtet Kleinpeter. „Ihnen fehlen oft die entsprechenden Fach- wie auch Methodenkompetenzen.“ Ob Themen wie sexualisierte Gewalt oder Pornografie überhaupt besprochen würden, hänge stark von der einzelnen Lehrkraft ab.

Er befragte deshalb Lehrkräfte verschiedener Bildungseinrichtungen zu ihrem Selbstverständnis und ihrer Bildungsbiografie in Bezug auf Sexuelle Bildung. Auch die vorhandenen Materialien und Unterrichtsmethoden analysierte er: Sind sie noch zeitgemäß oder reproduzieren sie eher konventionelle Rollenbilder?

Lernboxen mit Unterrichtsmodulen

Die „Lernboxen“, die er für sein Forschungsvorhaben zusammengestellt hat, enthalten unter anderem mikroskopische Mikropräparate, Ovarien und Samenkanälchen, die bereits in der Lehre der PHHD eingesetzt werden. Lehrkräfte finden darin zeitgemäße Modelle von Geschlechtsorganen genauso wie Module zu Werten in romantischen Beziehungen oder Freundschaften, sexueller Vielfalt oder sexuell übertragbaren Krankheiten.

Weitere Themen sind eine diskriminierungsfreie Sprache für den Körper, die Klärung anatomischer Mythen (gibt es das „Jungfernhäutchen“?) oder eine „Menstruationstasche“. Alle Materialien entsprächen dem Bildungsplan Baden-Württembergs und orientierten sich am aktuellen Forschungsstand wie dem Curriculum der Universität Merseburg zur Sexuellen Bildung für das Lehramt, so der Wissenschaftler.

Die Boxen wurden bereits mit Lernenden verschiedener Schulformen und Altersstufen sowie Studierenden der PHHD erprobt. Nun sucht der Biologie weitere Lehramtsstudierende im Semesterpraktikum sowie Schulen (Grundschule, Sekundarstufe 1 / 2; Sozialpädagogik), die im Sommerhalbjahr eine Lernbox im Unterricht einsetzen wollen.

„Die Teilnehmenden erhalten das Material kostenlos und nehmen dafür an der Begleitforschung teil“, erklärt er. Beispielsweise werde er Lehrkräfte befragen, welche Module sie für zielführend halten und wie diese in der Praxis funktionierten. Mit Schüler:innen will er darüber sprechen, ob sie die Inhalte als Alltagsnah empfinden.

Auch die Ausbildung von Lehrkräften denkt er immer mit: Wie kann Sexuelle Bildung besser in das Lehramtsstudium integriert werden, um sowohl naturwissenschaftliche als auch gesellschaftswissenschaftliche Problemfelder in den Fokus zu rücken? „Am Ende sollen meine Forschungsergebnisse dazu beitragen, die Qualität sexueller Bildung in Schule und Hochschule zu verbessern und eine inklusive und geschlechtergerechte Lernumgebung für alle zu schaffen.“

Das Projekt
Die Materialien und Medien zur Sexuellen Bildung wurden im Forschungs- und Promotionsprojekt „Gelingensbedingungen sexueller Bildung an Baden-Württembergischen Bildungseinrichtungen“ an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg entwickelt. Projektverantwortliche sind Valentin Kleinpeter und Prof. Dr. Lissy Jäkel aus dem Fachbereich Biologie. Das Projekt wird von der Rekitt Benckiser Deutschland GmbH und Durex Rekitt Benckiser gefördert. Interessierte Schulen erreichen Valentin Kleinpeter unter kleinpeter@ph-heidelberg.de.

Text: Antje Karbe
Foto: Valentin Kleinpeter

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