| EN
Motivationsschub für junge Forscherinnen

Jetzt für den Nachwuchswissenschaftlerinnen*-Preis der PHHD bewerben: Preisträgerin Alessia-Valeska Schieron spricht über ihr Dissertationsprojekt zu „Deaf Performance“

Für Alessia-Valeska Schieron war der Nachwuchswissenschaftlerinnen*-Preis 2024 "eine tolle Unterstützung, weil damit die Relevanz meines Forschungsthemas anerkannt wurde".

Die „Deaf Performance“ tauber Künstler:innen ist eine vielfältige Kunstform, die unter anderem Gebärdensprachpoesie und Musikperformance umfasst. Alessia-Valeska Schieron erforscht für ihre Promotion an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg musikalisch-künstlerische Ausdrucksformen der Deaf Performance und wurde dafür 2024 mit dem Nachwuchswissenschaftlerinnen*-Preis des Gleichstellungsbüros ausgezeichnet. Die Auszeichnung, mit der herausragende Dissertationsprojekte gewürdigt werden, ist aktuell wieder ausgeschrieben: Bewerbungen sind bis zum 15. September 2026 möglich.

Schieron stand bei der Verleihung vor zwei Jahren noch am Anfang ihrer Promotion. „Der Preis war eine tolle Unterstützung, weil damit die Relevanz meines Forschungsthemas anerkannt wurde“, sagt sie im Rückblick. Inzwischen ist die Wissenschaftlerin einige Schritte weiter: Sie führte Interviews mit Deaf Performer:innen, hielt Vorträge auf nationalen und internationalen Konferenzen und veröffentlichte Artikel zum Thema – unter anderem mit der Deaf Performerin Cindy Klink (.

Anerkennung für Deaf Performance

Musik erschließt sich für die meisten Menschen über das Gehör. Taube Menschen stoßen deshalb oft auf Unverständnis, wenn sie Interesse an Musik haben oder ein Instrument spielen wollen. Schieron stellte bereits in ihrer Masterarbeit fest, wie tief in unserer Gesellschaft der Blick auf Taubheit als Defizit verwurzelt ist.

Diese enge und diskriminierende Sichtweise auf Musik und taube Kultur spiegele sich auch in vielen Filmen und Forschungsarbeiten wider, sagt die Wissenschaftlerin. „Dabei verstehen sich viele taube Menschen als Teil einer eigenen Kultur, die sich durch eine eigene Sprache und vielfältige musikalische und künstlerische Ausdrucksformen auszeichnet.“

Dass für taube Musikpraxen und -zugänge eine gesellschaftliche Anerkennung braucht, taucht in Schierons Interviews immer wieder als ausschlaggebendes Moment für taube Performer:innen auf. „Wer bestimmt, wer auf der Bühne stehen darf? Was bedeutet es, eine Identität anzuerkennen? “ So fordert die Bewegung „Deaf Performance Now“ seit einigen Jahren echte Teilhabe: Taube Menschen sollen auf der Bühne selbst ihre Sprache und Kultur präsentieren, als Künstler:innen und als professionelle Dolmetschende. Dabei hinterfragt Schieron auch immer wieder ihre eigene Rolle als hörende Forscherin und CODA (Child of Deaf Adults), „denn auch dies geht mit Privilegien und Machtasymmetrien gegenüber tauben Personen einher“.

Vielfältige Kultur

Schieron konnte herausarbeiten, dass Deaf Performer:innen einen eigenen Zugang zu Musik haben, wie sie erzählt. Diesen Zugang zu verstehen und zu fördern ist das Anliegen der Forscherin, die selbst als Kind tauber Eltern und mit der Deutschen Gebärdensprache aufwuchs. „Mich interessiert, wie Deaf Performer:innen zur Musik gekommen sind, welches Musikverständnis ihrer Arbeit zugrunde liegt und wie die Musikpädagogik angehende Deaf Performer:innen dementsprechend fördern kann.“

In den USA sind taube Künstler:innen bereits bei großen Veranstaltungen präsent – unter anderem bei dem Auftritt der Performerin Justina Miles in der Halbzeitshow des Super Bowl 2023. Schieron will mit ihrer Forschung dazu beitragen, die vielfältige Kultur tauber Communities bekannter zu machen. „Es gibt so eindrucksvolle Musikperfomances in Gebärdensprache oder Gebärdensprachpoesie – meine Begeisterung und Faszination dafür würde ich gerne weitertragen.“

Text: Antje Karbe
Foto: Birgitta Hohenester

Nachwuchswissenschaftlerinnen*-Preis der PHHD
Die Auszeichnung würdigt herausragende laufende oder abgeschlossene Promotionsvorhaben von Frauen (und trans*-Personen) an der PHHD. Er wird alle zwei Jahre vom Gleichstellungsbüro vergeben und ist mit 2.500 Euro dotiert. Bewerbungen in der aktuellen Ausschreibung sind bis zum 15. September 2026 möglich, Informationen unter .

Unsere Mitarbeiter:innen der Telefonhotline helfen Ihnen gerne weiter.

Telefonhotline:
E-Mail:  

Montags - Donnerstags: 08:00 – 15:00 Uhr
Freitags: 08:00 – 12:00 Uhr