Der Höchstetter-Stiftungspreis würdigt vier Masterarbeiten, die wissenschaftliche Exzellenz mit gesellschaftlicher Relevanz verbinden – für bessere Bildung, nachhaltige Entwicklung und Gesundheit.
Lilli Schmitt, Anika Greiß, Marlene Seeger und Romy Merkel sind die Preisträgerinnen des Höchstetter-Stiftungspreises für das Sommersemester 2026. Mit diesem würdigen die Pädagogische Hochschule Heidelberg und die Klaus Höchstetter Stiftung jedes Semester exzellente Leistungen bei wissenschaftlichen Abschlussarbeiten im Masterstudium. Der Preis ist mit jeweils 500 Euro dotiert. Die Laudatio hielt Professor Dr. Christian Rietz, Prorektor für Studium und Lehre der Hochschule, im Rahmen der Verabschiedung der Absolvent:innen.
Innovative Ansätze für Bildung und schulische Praxis
Lilli Schmitt hat an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg den Masterstudiengang Lehramt Sonderpädagogik absolviert. In ihrer Abschlussarbeit zu Effektivität der sog. Reading-While-Listening-Methode untersucht sie, wie sich die Kombination aus Lesen und begleitendem Hören auf die Lesekompetenz von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf auswirkt. Die Arbeit verbindet eine fundierte theoretische Grundlage mit einer methodisch anspruchsvollen empirischen Untersuchung. Mit ihren Ergebnissen leistet die Arbeit von Schmidt einen wichtigen Beitrag zur evidenzbasierten Weiterentwicklung der Leseförderung und liefert wertvolle Erkenntnisse für die schulische Praxis.
Anika Greiß ist angehende Grundschullehrerin und beschäftigt sich in ihrer Masterarbeit mit der Bedeutung von Einsprachigkeit im frühen Fremdsprachenunterricht. Dabei geht Greiß insbesondere der Frage nach, wie Lehrkräfte einen weitgehend einsprachig gestalteten Fremdsprachenunterricht zum einen bewerten und darüber hinaus umsetzen. Sie überzeugt mit einer äußerst fundierten theoretischen Einordnung und einer exzellent durchgeführten Interviewstudie, mit der Greiß zeigt, welche Chancen und Herausforderungen mit einem möglichst englischsprachigen Unterricht verbunden sind. Durch den ergänzenden Vergleich mit aktuellen Erkenntnissen aus dem Französischunterricht erweitert die Arbeit zudem die Perspektive über ein einzelnes Fach hinaus. Die Ergebnisse liefern wertvolle Impulse für die Aus- und Fortbildung von Lehrkräften sowie für die bildungspolitische Diskussion um den frühen Fremdsprachenerwerb.
Nachhaltige Zukunft gestalten: Gesundheit, Ernährung und Umwelt im Blick
Mit Marlene Seeger wird erstmals eine Absolventin des Masterstudiengangs Kommunale Gesundheitsförderung mit dem Höchstetter-Stiftungspreis ausgezeichnet. Sie teilt sich den Preis der Fakultät für Natur- und Gesellschaftswissenschaften mit der Sonderpädagogin Romy Merkel.
In ihrer Masterarbeit widmet sich Seeger der Frage, wie Gesundheit, Ernährung und nachhaltige Landwirtschaft gemeinsam gedacht und gestaltet werden können. Die Arbeit überzeugt durch ihr innovatives Forschungsdesign: So nutzt Seeger - ausgehend vom One-Health-Ansatz - sogenannte digitale Vision-Essays, um Auszubildende der Höheren Bundeslehranstalt für Landwirtschaft und Ernährung (Salzburg/Österreich) ihre Zukunftsvorstellen beschreiben zu lassen. In ihrer Analyse identifiziert sie vier Typen mit jeweils unterschiedlichen Sichtweisen darauf, wie sich der Wandel hin zu einer Wirtschafts- und Lebensweise gestalten lässt, die Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt gemeinsam berücksichtigt. Ihre Masterarbeit liefert wichtige Ansatzpunkte für Bildungsprozesse und die Entwicklung von Strategien, die verschiedene Akteur:innen auf dem Weg zu einer nachhaltigen und gesundheitsfördernden Zukunft einbeziehen.
Schulgärten als Lernorte für Inklusion und nachhaltige Entwicklung
Gleichermaßen überzeugt hat die Arbeit von Romy Merkel, die das Potenzial von Schulgärten als Lernorte für inklusive, nachhaltige sowie gesundheitsfördernde Bildung untersucht. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Gartenarbeit das Lernen, die Motivation und die Verantwortungsübernahme von Kindern fördern kann und welche Voraussetzungen Lehrkräfte für eine erfolgreiche Umsetzung benötigen. Durch die enge Verzahnung von wissenschaftlicher Forschung und praktischer Schulgartenarbeit sowie den Einsatz eines anspruchsvollen Mixed-Methods-Ansatzes gewinnt die Arbeit differenzierte Erkenntnisse über Lernprozesse und pädagogische Gestaltungsmöglichkeiten. Die Ergebnisse liefern wertvolle Impulse für die schulische Praxis und zeigen, wie Schulgärten zu lebendigen Lernorten werden können, an denen fachliches Lernen, Nachhaltigkeit und Inklusion miteinander verbunden werden.
Die Pädagogische Hochschule Heidelberg sowie die Klaus Höchstetter Stiftung gratulieren Lilli Schmidt, Anika Greiß, Marlene Seeger und Romy Merkel herzlich zu der Auszeichnung. Sie wünschen den Absolventinnen für ihren weiteren Weg alles Gute.
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Text: Verena Loos
Bild: Birgitta Hohenester