Beim Heidelberger Informatiklehrkräftetag wurde diskutiert, wie ein zeitgemäßer Fachunterricht gestaltet werden kann
Wie bereiten wir Schüler:innen am besten auf das Leben in einer digital vernetzten Welt vor? Antworten darauf suchten mehr als 120 Informatiklehrkräfte und Studierende aus Baden-Württemberg auf dem Heidelberger Informatiklehrkräftetag (HILT) . Bereits zum zweiten Mal hatten die Pädagogischen Hochschule und die Universität Heidelberg im Rahmen der gemeinsamen Heidelberg School of Education eingeladen, sich zu Informatikunterricht in der Schule und die neuesten Entwicklungen auszutauschen. Organisiert wurde der Tag von einem Team um Prof. Dr. Claudia Hildebrandt, CZS Stiftungsprofessorin für Informatik und ihre Didaktik, zusammen mit der Fachgruppe ILL-BW der Gesellschaft für Informatik.
Die Informatik gelte heute als Schlüsseldisziplin, um den rasanten digitalen Wandel zu bewältigen, sagte PHHD-Rektorin Prof. Dr. Karin Vach bei der Begrüßung. „Sie haben als Informatiklehrkräfte eine wichtige Aufgabe, ein Tag wie der HILT kann sie durch neuen Input und die Möglichkeit zur Vernetzung unterstützen“, so Vach. Informatikunterricht müsse so gestaltet werde, dass er junge Menschen mit ihren Themen abhole, aber auch Ängste abbaue und Lust auf mehr informatische Bildung entfache.
KI ist Inhalt und Hilfsmittel zugleich
Dass dies funktionieren kann, zweifelt nach der Keynote von
Informatische Bildung geht allerdings darüber hinaus, die Funktionsweise von Algorithmen zu verstehen. „Guter Informatikunterricht baut Fehlvorstellungen ab“, sagte Dengel. So habe eine Befragung gezeigt, dass mehr als 80 Prozent der Fünftklässler:innen davon ausgingen, eine KI besitze so etwas wie menschliche Eigenschaften. Nach dem Modell des „Dagstuhl-Dreiecks“ gelte es neben der technologischen Perspektive auch anwendungsbezogene Aspekte und gesellschaftliche Fragen zur Wirkung von KI im Unterricht zu thematisieren. Auch werde „Computational Thinking“ künftig weniger „regelbasiert“ als „datenbasiert“ sein, so Dengel. Zu den Zukunftskompetenzen gehöre dann, Daten sammeln und filtern zu können, Modelle damit zu trainieren und zu evaluieren.
Für den Unterricht selbst wird KI ebenfalls eine immer größere Rolle spielen. Lehrkräfte und Bildungstechnologie könnten künftig im Sinne einer „Augmented Intelligence“ für eine gute Lehre zusammenwirken: Automatisierbare Aufgaben sollen, dort wo es sinnvoll und lernwirksam ist, ausgelagert werden und mehr Zeit für pädagogisches Handeln im Unterricht geben.
Neuer Bildungsplan veröffentlicht
Den Raum hierfür will Baden-Württemberg mit dem Pflichtfach „Informatik und Medienbildung“ schaffen, das seit Herbst 2025 ab Klasse Fünf unterrichtet wird. Der entsprechende
Mittag gab in seiner Keynote Einblick in Hintergründe und Entstehung des Bildungsplans, der in viel Detailarbeit gemeinsam von Informatiker:innenn und Medienpädagog:innen entwickelt wurde. Die beiden Teilbereiche wurden unter dem Schlagwort „grundlegende fachliche Ideen“ verzahnt. So sollen Schüler:innen ein tieferes Verständnis für die Funktionsweise von Informatiksystemen entwickeln und gleichzeitig lernen, mit Informationsfluten umzugehen und digitale Inhalte kritisch zu bewerten. Am Ende sollen sie sicher, reflektiert und souverän im digitalen Raum agieren und partizipieren können.
Neben den Hauptvorträgen konnten die HILT-Teilnehmer:innen im Lauf des Tages an vielfältigen Workshops und Diskussionsrunden teilnehmen, Einblick in aktuelle Forschungsarbeiten erhalten und Unterrichtsmaterialien sichten. Claudia Hildebrandt rief zudem auf, auch die Kaffeepausen als Gelegenheit zu sehen: „Nutzen Sie den Tag, um Ihr Netzwerk zu erweitern, Erfahrungen auszutauschen und neue Ideen für Ihren Unterricht zu sammeln.“
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Text: Antje Karbe
Fotos: Arbeitsgruppe Didaktik der Informatik