Nach wie vor hängen Bildungswege in Deutschland wesentlich vom sozialen Status ab: Prof. Dr. Carsten Rohlfs spricht mit der Rhein-Neckar-Zeitung über den PISA-Befund
Bildungserfolg hängt in Deutschland weiterhin stark von der sozialen Herkunft ab, wie die aktuelle PISA-Studie zeigt – der Befund ist seit der ersten Erhebung der internationalen Vergleichsstudie unverändert. Die Situation benachteiligter Jugendlicher habe sich sogar verschlechtert, sagt Prof. Dr. Carsten Rohlfs in der Samstags-Ausgabe der Rhein-Neckar-Zeitung (12.9.2026). Wer Zuhause weniger mentale und finanzielle Unterstützung erhalte oder mit psychischen Problemen kämpfe, für den könne der Bildungsweg zum Kraftakt werden. Bildungsreformen nicht darauf auszurichten sei fatal, so der Schulpädagoge und Bildungsforscher im Gespräch.
Das deutsche Schulsystem erzeuge weiterhin viel Druck mit einer frühen Selektion. Ab der dritten Klasse drehe sich alles darum, welche weiterführende Schulform man besuchen werde. Wer es nicht auf das Gymnasium schaffe, besuche die vermeintlich „schlechtere“ Schule, das schwäche die Motivation enorm. „Wirklich wichtig ist, die Wertigkeit der anderen Schulformen wiederherzustellen und klar zu machen, dass sie nur verschiedene Arbeitsmarktperspektiven bieten.“
Seit der Pandemie und Homeschooling klaffe die Schere zwischen Kindern aus sozial benachteiligten und bildungsnahen Familien noch weiter auseinander, so Rohlfs. Der Pädagoge plädiert unter anderem für besser ausgestattete Schulen und entschlackte Bildungspläne, um alle Schüler:innen zu erreichen und zu motivieren.
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Text: Antje Karbe
Foto: Philip Benjamin